Rückversicherer als attraktive Dividendenaktien?

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Versicherungen verkaufen Vertrauen. Während Erstversicherer auf starke Marken und Kundennähe setzen, sind es bei Rückversicherern vor allem Risikokompetenz und mathematische Präzision. Ihre Geschäftsmodelle sichern nicht nur Risiken ab, sondern lassen Kapital langfristig arbeiten. Warren Buffett brachte dieses Prinzip auf den Punkt: „Float ist Geld, das uns nicht gehört, das wir aber investieren dürfen.“ Ein genauerer Blick auf die Branche zeigt, warum genau dieses Modell Rückversicherer zu interessanten Dividendenwerten macht.  

Eine Analyse von Thomas Behnke, Busch und Partner| Werbemitteilung

Inhaltsverzeichnis
  1. Mit Naturgewalten rechnen: Rückversicherung erklärt
  2. Wer Risiken abgibt und warum das gut bezahlt wird
  3. Nach Rückenwind kommt Gegenwind
  4. Warum nicht jeder mitspielen kann
  5. Geld erst kassieren, später zahlen: der Float der Rückversicherer
  6. Dividenden aus System, nicht aus Glück
  7. Drei Platzhirsche, drei Strategien
  8. Stabilität zahlt sich aus, aber nicht automatisch
  9. Investment-Beispiele

Mit Naturgewalten rechnen: Rückversicherung erklärt

Wenn Hurrikans ganze Küstenstreifen verwüsten oder Hochwasser Städte lahmlegen, geht es für Versicherer schnell um Milliarden. Genau hier kommen Rückversicherer ins Spiel. Auf den ersten Blick wirken solche Extremereignisse kaum kalkulierbar. Die Anbieter beschäftigen sich jedoch seit Jahrzehnten mit genau solchen Szenarien. Sie werten historische Schadensdaten aus, vergleichen Regionen, simulieren Tausende Schadensverläufe und passen ihre Prämien (Versicherungsbeiträge) laufend an. 

Moderne Rechenmodelle, zunehmend auch mit künstlicher Intelligenz, helfen, Risiken einzugrenzen. Das Ziel besteht nicht darin, jedes Ereignis exakt vorherzusagen, sondern so zu kalkulieren, dass große Schäden das Geschäftsmodell nicht aus der Balance bringen.

Wer Risiken abgibt und warum das gut bezahlt wird

Rückversicherer gelten als Versicherer der Versicherer. Ihre Kunden sind andere Risikoträger mit besonders großen oder schwer kalkulierbaren Risiken. Erstversicherer wie die Allianz geben Schadenlasten weiter, um extreme Ausschläge abzufedern und regulatorische Vorgaben einzuhalten. Hinzu kommen spezialisierte Anbieter, etwa für Industrie-, Transport- oder Naturkatastrophenrisiken, sowie unternehmenseigene Versicherer großer Konzerne. Gekauft wird die Sicherheit, auch bei hohen Schäden zahlungsfähig zu bleiben. Daraus entstehen langfristige Partnerschaften über viele Vertragszyklen hinweg.

Nach Rückenwind kommt Gegenwind

Zu Beginn des Jahres 2026 zeigt sich auch die zyklische Seite des Geschäfts. Rückversicherer verhandeln ihre Prämien in festen Erneuerungsrunden, besonders zum Jahreswechsel. Nach mehreren sehr profitablen Jahren nimmt der Preisdruck in den aktuellen Verhandlungen wieder zu. Größere Schadensereignisse blieben zuletzt unter dem langfristigen Durchschnitt, sodass viele Anbieter über komfortable Kapitalpuffer verfügen. Das verschärft den Wettbewerb und erhöht die Bereitschaft, Risiken zu niedrigeren Preisen zu zeichnen. 

Solche Phasen sind Teil des Geschäftsmodells. Für Anlegerinnen und Anleger lohnt daher ein genauer Blick, denn das anspruchsvollere Umfeld spiegelt sich auch in einer verhaltenen Kursentwicklung wider. Dadurch haben sich die Bewertungen entspannt, und das Verhältnis von Risiko und Ertrag wirkt attraktiver.

Warum nicht jeder mitspielen kann

Betrachtet man die Branche genauer, zeigt sich ein markanter Unterschied zu den Erstversicherern. Von diesen gibt es weltweit mehrere tausend, von großen Konzernen bis zu regionalen Anbietern. Selbst die zehn größten Gruppen vereinen nur rund 17 % des globalen Prämienvolumens auf sich. 

In der Rückversicherung ist die Konzentration deutlich höher. Laut den „Atlas Reinsurance Reports“ entfielen 2024 rund 59 % der weltweiten Rückversicherungsprämien auf die zehn größten Anbieter, auf die 20 größten sogar knapp 77 %. Die Übersicht zeigt die größten Rückversicherer nach Prämienvolumen und ihre Dividendenhistorie.

 

Unternehmen Land Prämien 2024 Marktkap. Profil Dividendenjahre
Münchener Rück DE 41,7 80,8 Rück- und Erstversicherung 55
Swiss Re CH 36,8 47,3 Rückversicherung  31
Hannover Rück DE 34,5 34,3 Rückversicherung  16
Berkshire Hathaway US 26,9 1036,0 Konglomerat mit Rück- und Erstversicherung -
Lloyds GB 23,5 nicht gelistet Rück- und Erstversicherung -
Reinsurance Group o.A. US 18,5 13,4 Rückversicherung  33
SCOR FR 16,8 6,0 Rück- und Erstversicherung 5
Great-West Lifeco CA 14,7 42,4 Rück- und Erstversicherung 36
Everest Re Group BM 12,9 13,9 Rück- und Erstversicherung 30
Renaissance Re BM 11,7 13,4 Rück- und Erstversicherung 30

Prämien (Versicherungsbeiträge) und Marktkapitalisierung jeweils in Milliarden US-Dollar. Die Dividendenjahre geben die Anzahl aufeinanderfolgender Jahre mit Dividendenzahlung an. Vergangene Ausschüttungen sind keine Garantie für zukünftige Dividenden. Quelle Prämien: Atlas Reinsurance Reports 2026, Stand: 09.01.2026. Marktkapitalisierung: eigene Berechnungen auf Basis aktueller Börsenkurse, Stand 02.02.2026. Länderangaben in ISO-Ländercodes: DE = Deutschland, CH = Schweiz, US = Vereinigte Staaten, GB = Großbritannien, FR = Frankreich, CA = Kanada, BM = Bermudas. „Nicht gelistet“ bezeichnet Unternehmen ohne Börsennotierung. 

 

Diese Marktkonzentration ist kein Zufall. Hohe Kapitalanforderungen, komplexe Risikomodelle, jahrzehntelange Datenhistorien und lange Vertragsbeziehungen schaffen hohe Eintrittsbarrieren. Größe bedeutet in der Rückversicherung nicht nur Volumen, sondern auch Verhandlungsmacht, Risikostreuung und Stabilität über Marktzyklen hinweg. Das ist ein entscheidender Punkt, denn genau diese Eigenschaften bilden die Grundlage für belastbare Cashflows und eine nachhaltige Ausschüttungspolitik. 

Geld erst kassieren, später zahlen: der Float der Rückversicherer

Bei Rückversicherern entstehen Dividenden aus der Struktur des Geschäftsmodells. Prämien fließen früh, während Schäden oft erst deutlich später reguliert werden. Dieses zeitliche Auseinanderfallen sorgt für stetige Liquidität, selbst bei höherem Preisdruck. Das dabei zugrunde liegende Prinzip wird häufig als „Float“ bezeichnet und wurde unter anderem durch Berkshire Hathaway berühmt. Zum Buffett-Konzern gehören Erst- und Rückversicherer, doch sie sind nur ein Teil eines breit aufgestellten Konglomerats.

Dividenden aus System, nicht aus Glück

Für klassische Rückversicherer bildet dieser Mechanismus die Grundlage für belastbare Cashflows. Die Risiken sind breit gestreut, die Verträge laufen über Jahre, und einzelne Großschäden verändern nur selten die grundsätzliche Ertragskraft. Viele Anbieter nutzen diese Stabilität für eine disziplinierte Ausschüttungspolitik mit Dividenden, Sonderausschüttungen oder Aktienrückkäufen. Die Grundlage ist dabei nicht das einzelne gute Jahr, sondern die über Zyklen hinweg tragfähige Kapitalstruktur. 

Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet das: Rückversicherer eignen sich weniger für kurzfristige Dividendenjagd, dafür eher als langfristige Stabilitätsbausteine. Ausschüttungen können schwanken, brechen aber selten strukturell ein. 

Ganz ohne Risiken ist das Geschäftsmodell dennoch nicht. Häufen sich außergewöhnlich große Schadenereignisse, können einzelne Jahre deutlich unter Druck geraten. Zudem sind Rückversicherer als langfristige Kapitalanleger anfällig für Zins- und Marktverwerfungen.

Drei Platzhirsche, drei Strategien

Unter den großen Rückversicherern nehmen die drei Marktführer Munich Re (Münchener Rück), Swiss Re und Hannover Re (Hannover Rück) eine besondere Stellung ein. Sie kombinieren alle drei Größe mit breiter Risikostreuung und einer vergleichsweise stabilen Ertragsbasis, was sich auch in ihrer Kapitalpolitik widerspiegelt. Die Munich Re setzt auf ein breit diversifiziertes Modell aus Rück- und Erstversicherung (ERGO) und ergänzt die reguläre Dividende häufig durch Aktienrückkäufe oder Sonderausschüttungen. Swiss Re ist stärker auf Rückversicherung ausgerichtet und klar dividendenorientiert. Hannover Rück verfolgt ein schlankes, effizientes und fokussiertes Modell mit konsequenter Ausschüttungsdisziplin. 

Auch die Bewertung spiegelt diese Unterschiede wider. In der Vergleichsgruppe der acht börsennotierten Top-10-Unternehmen ohne Lloyd’s und Berkshire liegen die aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnisse zwischen 6 und 12,8. Dabei notieren sieben Unternehmen unter ihren langfristigen Durchschnittswerten. Munich Re, Swiss Re und Hannover Rück bewegen sich dabei am oberen Ende der Spanne. Dies kann als Marktführerbonus für breiter diversifizierte Geschäftsmodelle, größere Bilanzen und stabilere Ertragspfade interpretiert werden. Am unteren Ende der Skala befinden sich SCOR, Everest und RenaissanceRe. Sie sind kleiner, weniger diversifiziert und ergebnisvolatiler. Insbesondere Everest und RenaissanceRe haben einen stärkeren Fokus auf zyklische, großschadenanfällige Sparten. Das macht Bewertungsabschläge nachvollziehbar. 

Vergleich der Kursentwicklung von Munich Re, Swiss Re und Hannover Rück (5 Jahre)
Hinweis: Historische Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Stabilität zahlt sich aus, aber nicht automatisch

Rückversicherer verkaufen kein greifbares Produkt, sondern Stabilität über Zeit. Ihr Geschäftsmodell basiert auf Vertrauen, mathematischer Disziplin und der Fähigkeit, Kapital auch in unsicheren Phasen kontrolliert einzusetzen. Für Anlegerinnen und Anleger sind sie keine Selbstläufer, sondern eine strukturierte Depotergänzung. Gerade weil Risiken kalkuliert werden und Cashflows über Zyklen hinweg entstehen, können Rückversicherer im Rahmen langfristig ausgerichteter Dividendenstrategien eine Rolle spielen.

Investment-Beispiele

Name  ISIN Aktueller Kurs KGV* (2026) Gewinn/Aktie (2026**) Dividende (2026**) Dividendenrendite (2026**)
Münchener Rück DE0008430026 530,00 EUR 10,56 50,18 EUR 24,00 EUR 4,53 %
Swiss Re CH0126881561 139,00 EUR 10,38 13,39 EUR 7,22 EUR 5,19 %
Hannover Rück DE0008402215 246,40 EUR 10,85 22,70 EUR 12,50 EUR 5,07 %

* KGV: Kurs-Gewinn-Verhältnis; ** Prognose (Quelle: FactSet); Stand: 09.02.2026

Autor: Thomas Behnke

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