Gute Schulden, schlechte Schulden

Das sollte man beim Kredit beachten

Kredite 5 min Lesedauer 15.04.2024
Schulden

Hilfe, bloß keine Schulden machen! So denken viele Menschen. Dabei sind Schulden nicht gleich Schulden: In einigen Situationen können sie sogar durchaus sinnvoll sein.

Gute Schulden, schlechte Schulden: Der Unterschied

Investitionsschulden: Sie werden oft auch als „gute Schulden“ bezeichnet, da man aus ihnen einen Mehrwert ziehen kann. „Bei den Investitionsschulden geht es darum, dass sie sich irgendwann bezahlt machen“, erklärt Heike Hämer, Finanzcoachin aus Ebsdorfergrund. Das kann zum Beispiel beim Kauf eines Eigenheims oder einer Mietwohnung der Fall sein – oder wenn man in eine Weiterbildung investiert, um beruflich voranzukommen.

Konsumschulden: Sie entstehen, wenn jemand Geld für den Kauf von Konsumgütern oder Dienstleistungen leiht, wie zum Beispiel für Kleidung oder Elektronik. Der Unterschied zu Investitionsschulden: „Bei Konsumschulden bringt das Gekaufte vielleicht kurz Freude, aber danach ist das Geld weg“, erklärt Hämer. Gleichzeitig verlieren die Konsumgüter konstant an Wert, fügt Sally Peters, geschäftsführende Direktorin des Instituts für Finanzdienstleistungen (iff) in Hamburg, hinzu. Diese Schulden werden auch als „schlechte Schulden“ bezeichnet.

Investitionsschuld beim Immobilienkauf

Wer einen Kredit für eine Investition aufnimmt, erhofft sich davon einen langfristigen Nutzen. Aber Achtung: Auch bei den Investitionsschulden gibt es Unterschiede, erklärt Expertin Hämer. Denn nicht immer geht die Rechnung auf: „Wenn ich mir ein Haus kaufe, das eine gute Substanz hat und gute Mieteinnahmen generiert, dann habe ich mich zwar beim Kauf verschuldet, kann aber mit der Miete meinen Abtrag zahlen und vielleicht bleibt am Ende sogar noch etwas übrig“, sagt die Finanzcoachin. Wenn die Finanzierung schließlich durch die Mieteinnahmen abgelöst sei, gehöre das Haus der Käuferin oder dem Käufer. „Das wäre eine gute Investition“, bilanziert sie. Es kann aber auch anders laufen: Zum Beispiel, wenn man auf einmal Schimmel im Haus entdeckt oder von Mietenden betrogen wird. „Wenn man keine schwarze Null erreicht, sondern Geld obendrauf legt, dann ist es eine schlechte Investitionsschuld“, so Hämer.

Vorher wichtige Fragen stellen

Damit sich die Investitionsschuld später auszahlt, sollte man sich bei der Entscheidung genug Zeit nehmen. „Es gibt immer Dinge, die nicht voraussehbar sind, aber es ist wichtig, genau hinzuschauen und alle Fakten zu überprüfen“, sagt Hämer und empfiehlt, sich unter anderem folgende Fragen zu stellen:

  • Was ist mein Plan bei der Investition?
  • Wie sehen die Perspektiven aus?
  • Wofür mache ich das eigentlich?
  • Mit wem arbeite ich zusammen?

Wichtig laut Expertin: auch aufs Bauchgefühl achten. „Manchmal sagt es: Lass lieber die Finger davon. Dann sollte man darauf hören“, findet Hämer.

Konsumschulden: Das sind die Gefahren

Doch nicht nur Investitionen lassen sich mit einem Kredit oder per Kauf auf Raten finanzieren. Auch der teure Luxusurlaub oder das neueste Smartphone bekommt man auf Pump. „Wenn man sich verschuldet, um etwas zu konsumieren, dann bedeutet das, dass man über seine Verhältnisse lebt“, sagt Hämer. Manchmal kann das durchaus in Ordnung sein: „Beispielsweise bei einer tollen Winterjacke, die reduziert ist, eine gute Qualität hat und die man viele Jahre tragen kann.“ Oder wenn man sich eine teure Reise leistet, weil man weiß, dass man den dafür aufgenommenen Kredit gut abzahlen kann.

Doch wer ständig Schulden für Konsumgüter aufnimmt, läuft laut Hämer Gefahr, den Überblick zu verlieren. Problematisch werde es dann, wenn man nicht mehr weiß, wie man die Konsumschulden zurückzahlen soll. Damit es erst gar nicht so weit kommt, heißt die Devise: Ein Konsumentenkredit sollte gut überlegt sein.

So lassen sich schlechte Schulden vermeiden

  • Haushaltsbuch führen: Zunächst ist laut Hämer wichtig, sich einen guten Überblick über Einnahmen und Ausgaben zu verschaffen. Dabei helfe ein Haushaltsbuch: „Das kann man auch erst einmal nur für zwei oder drei Monate führen, um ein Gespür für die Ausgaben zu bekommen.“
  • Bargeld nutzen: Wer ausschließlich mit Karte zahlt, verliert nach Ansicht von Hämer das Gefühl dafür, wie viel Geld tatsächlich ausgegeben wird. Deshalb rät die Expertin dazu, öfter auf Bargeld zurückzugreifen.
  • Rechnungen sofort begleichen: „30 Tage später zahlen!“ – Angebote wie diese klingen verlockend, aber Achtung: „Man vergisst schnell, dass diese Abbuchung noch kommt und schon hat man das Nächste gekauft“, sagt Hämer. Deshalb sollte man Zahlungen lieber nicht aufschieben.
  • Rücklagen bilden: Wenn möglich, sollte laut Sally Peters vor einer Anschaffung Geld angespart werden. Denn ein finanzieller Puffer verhindert, dass man in Konsumschulden gerät. Falls Rücklagen fehlen, empfiehlt sie, Angebote miteinander zu vergleichen.
  • Mit dem Thema offen umgehen: „Das Thema Konsumschulden wird mitunter sehr emotional und moralisch diskutiert”, sagt Peters. Die Expertin rät zu einem offenen Austausch und ermuntert dazu, sich dem Thema offensiv zu stellen.
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