Treue-Apps: Sparhelfer oder Datenkrake?
Wie Sie die Angebote clever nutzen
Ob Edeka, Kaufland oder Netto: Fast alle großen Handelsketten bieten heute eigene Treue-Apps an. Sie versprechen Prozente, Rabatte und digitale Coupons – und zwar meist automatisch: Nach der Registrierung scannen Kundinnen und Kunden an der Kasse einen Code oder zahlen direkt per App. Die Anwendung verbindet den Kassenbon mit dem Kundenkonto – so lassen sich Angebote personalisieren, Punkte gutschreiben und Rezepte, Einkaufslisten sowie Filialinfos anzeigen.
Was haben die Handelsketten davon?
Für die Handelsunternehmen sind solche Apps attraktiv, weil sie den Kontakt zu Kundinnen und Kunden auf dem Smartphone verankern – dem für viele inzwischen wichtigsten Schaufenster des Alltags. Treue-Apps liefern aber nicht nur Interaktion, sondern vor allem Daten: Wer kauft wann was, wie oft, in welcher Filiale und zu welchem Preis? Aus diesen Informationen können die Händler Profile erstellen, die personalisierte Angebote erlauben – ein klarer Wettbewerbsvorteil.
Gleichzeitig mahnen Verbraucherschützerinnen und Verbraucherschützer zur vorsichtigen Abwägung von Sparvorteil einerseits und der Preisgabe sensibler persönlicher Daten andererseits. „Diese Apps haben durchaus ihre Vorteile, aber eben auch ihre Nachteile,“ sagt etwa Christine Steffen, Datenschutzexpertin von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in einem Podcast. „Und man selbst muss am Ende entscheiden, ob der vielleicht eher überschaubare finanzielle Vorteil, den man bei der Nutzung der Apps hat, für sich selbst im Gleichgewicht ist mit dem, was man über sich preisgibt.“
Dass der Spareffekt der Apps häufig tatsächlich eher begrenzt bleibt, bestätigt auch eine Untersuchung der Preisvergleichs-App Smhaggle, die Ende 2024 für Zeit Online durchgeführt wurde. Demnach ließen sich mit der Kaufland Card im Schnitt 1,66% sparen, bei der Lidl Plus-Card waren es 1,53%, währen die Penny- und die Netto-App jeweils nur eine Ersparnis von durchschnittlich 0,41% ermöglichten.
- Übrigens: Eine Klage gab es zuletzt sogar gegen Lidl Plus: Nach Ansicht des Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) machte das Unternehmen nicht deutlich genug, dass Verbraucherinnen und Verbraucher für die vermeintlich kostenlose App mit ihren Daten bezahlen. Das Oberlandesgericht Stuttgart hat im September 2025 dagegen entschieden: „Bezahlen mit Daten“ sei rechtlich kein Preis; die App dürfe daher als kostenlos bezeichnet werden. Die Verbraucherschützer wollen Revision einlegen.
Vorteile für Verbraucherinnen und Verbraucher …
Richtig genutzt können Treue-Apps dennoch Vorteile bringen: exklusive Rabatte, personalisierte Coupons, digitale Kassenbons, Verfügbarkeitsprüfungen, Einkaufslisten und teils bequemes Bezahlen. Prospekte, aktuelle Angebote und Filialservices sind auf einen Blick erkennbar. Wer sich gut auf seinen Einkauf vorbereitet und beispielsweise Preise und Angebote vergleicht, kann durchaus den einen oder anderen Euro sparen.
… und mögliche Nachteile
Den größeren Gewinn machen jedoch im Zweifelsfall immer die Händler. „Für die Anbieter sind solche Shopping-Apps perfekte Kundenbindungsprogramme“, sagt Christine Steffen im Podcast der Verbraucherzentrale NRW. So ersparten sie sich teure Marktforschung, könnten aber das Kaufverhalten der Kundinnen und Kunden trotzdem gezielt beobachten und für ihre Zwecke nutzen.
Personalisierte Angebote und personalisierte Werbung führten oft dazu, dass Kundinnen und Kunden mehr kauften als eigentlich geplant. Und auch die angebotenen Rabatte seien nicht immer gleichbedeutend mit dem günstigsten Preis am Markt.
Ein weiteres Problem sei der Datenschutz. Bei der Registrierung in der App müssen Verbraucherinnen und Verbraucher eine ganze Reihe persönlicher Daten eingeben. „Was die Sicherheit angeht, müssen Verbraucher ein Stück weit Vertrauen haben“, sagt Verbraucherschützerin Steffen. „Wir hören immer wieder von Datenlecks, auch bei großen Unternehmen, also gibt es in dieser Hinsicht keinen hundertprozentigen Schutz.“ Man könne aber dafür sorgen, dass die Unternehmen nicht zu viel erfahren, indem man bei der Dateneingabe sparsam vorgeht.
Treue-Apps clever nutzen – Schritt für Schritt
- Das Profil bewusst pflegen: Füllen Sie nur die Pflichtfelder aus, nutzen Sie neutrale E-Mail-Adressen. Viele Funktionen laufen auch ohne vollständiges Profil.
- Nur Nötiges freigeben: Prüfen Sie Berechtigungen in den Einstellungen Ihres Smartphones. Standort, Kontakte oder Bewegungssensoren sind für die meisten Treue-Apps nicht erforderlich.
- Digitale Kassenbons getrennt denken: Der digitale Kassenbon ist praktisch – aber er verknüpft Käufe mit dem Konto. Wer das nicht möchte, kann auf Papierbons bestehen oder nach anonymen Alternativen fragen.
- Angebote vergleichen: Nicht jeder Coupon ist ein guter Deal. Achten Sie auf den Grundpreis im Regal und vergleichen Sie Aktionsware mit Alternativen. Der klassische Angebotskauf kann mehr bringen als die reine App-Nutzung.
- Benachrichtigungen begrenzen: Schalten Sie Push-Mitteilungen ab oder filtern Sie sie. Weniger Ablenkung bedeutet weniger Impulskäufe – und Sie behalten die Kontrolle über Ihr Einkaufsbudget.
- Rechte kennen: Sie haben Auskunfts-, Lösch- und Widerspruchsrechte. Ausführliche Informationen, wie Sie diese Rechte ausüben, finden Sie auf der Seite der Bundesbeauftragen für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI)