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Kaufrausch? Nicht für alle

Chart of the Week

Noch bis vor gut einem Jahr kannten die Konjunkturindikatoren in Deutschland nur eine Richtung. Das stimmt seitdem immer noch – aber die Richtung ist eine andere. Die Wirtschaft sich hat nach fast einem Jahrzehnt bemerkenswerten Wachstums deutlich abgekühlt, im zweiten Quartal 2019 war sogar eine leichte Schrumpfung des BIP zu verzeichnen – womöglich müssen wir uns mit dem Gedanken an eine technische Rezession anfreunden. Doch zumindest der Konsum zeigte sich zuletzt erholt; die Einzelhandelsumsätze sind im August wieder gestiegen. Angesichts eines weiterhin starken Arbeitsmarktes haben die Konsumenten ihre Zuversicht offenbar noch nicht verloren.

 

Idealerweise zeigt sich der Optimismus der Verbraucher in der Anschaffung langlebiger Konsumgüter. Im Gegensatz zu zwangsläufig regelmäßig anfallenden Ausgaben wie Wohn- und anderen Lebenshaltungskosten gibt es hier meist etwas mehr Spielraum - wenn das Vertrauen in die Stabilität der eigenen wirtschaftlichen Situation nicht da ist, kann die neue Ledercouch oder der Fernseher auch noch mal ein Jahr warten oder das neue Auto eine Nummer kleiner ausfallen.

 

Bereits im vergangenen Jahr hatten wir im Rahmen einer ING-Umfrage deutsche Verbraucher nach ihren tatsächlichen und geplanten Ausgaben für langlebige Konsumgüter befragt. Damals lagen die über 12 Monate geplanten Ausgaben um fast 38 Prozent über dem Durchschnitt der tatsächlichen Ausgaben der vorigen drei Jahre – ein gutes Zeichen für den Konsum als Konjunkturstütze. Diese Umfrage haben wir 2019 wiederholt; unser Chart der Woche zeigt die aktuellen Ergebnisse.

Getätigte und geplante Ausgaben deutscher Verbraucher für langlebige Konsumgüter (Befragte ohne Angabe herausgerechnet)

Quelle: ING International Survey

Zum schon seit einiger Zeit guten Konsumklima passt dabei, dass der Durchschnittswert für die Ausgaben der vorangegangenen drei Jahre mit fast 7.400 Euro im Vergleich zum Vorjahr (6.200) spürbar gestiegen ist. Die für die kommenden zwölf Monate geplanten Ausgaben liegen mit rund 2.820 Euro geringfügig niedriger als im Vorjahr (2.850), aber immer noch knapp 15 Prozent über dem Jahresschnitt, der sich aus den Angaben für die 36 zurückliegenden Monate errechnet. Die Deutschen haben also offenbar vor, auch weiterhin auf hohem Niveau zu konsumieren.

 

Was aber auffällt ist, dass trotz der fast unveränderten bzw. gestiegenen Durchschnittswerte die Medianwerte deutlich niedriger liegen als im Vorjahr, nämlich bei 1.500 Euro (2018: 2.000) für die vorangegangenen 36 Monate, bei 600 (2018: 1.000) für die kommenden 12. Offenbar fallen die Ausgaben in der Breite geringer aus als zuletzt, während an der Spitze zugelegt wird. Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass der hinter uns liegende Aufschwung vor allem in den oberen Einkommenskategorien angekommen ist, während am unteren Ende der Skala doch wieder gespart werden muss – ein interessanter Mosaikstein im Bild der zuletzt verstärkt geführten Diskussion um Ungleichheit in Deutschland.

Autor: Sebastian Franke