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Führt eine Pleitewelle zu Massenarbeitslosigkeit?

Chart of the Week

Die Corona-Pandemie hält die Welt nach wie vor in Atem. Dabei wird immer deutlicher: je länger uns diese Pandemie beschäftigt, umso größer werden auch die Sorgen hinsichtlich schwerer wirtschaftlicher Schäden. Bereits vor einiger Zeit schrieben wir über den befürchteten Anstieg von Unternehmensinsolvenzen in Deutschland. Doch heißt eine Pleitewelle auch, dass uns möglicherweise Massenarbeitslosigkeit bevorsteht?

Sind die wirtschaftlichen Schäden gar nicht so schlimm wie befürchtet?

Die Anzeigepflicht von Insolvenzen ist aktuell noch bis Ende Januar ausgesetzt. Sollte die Bundesregierung diese Maßnahme nicht verlängern, droht mit einer weiteren Verlängerung des Lockdowns sowie durch die langfristigen Folgen der aktuellen Krise noch in diesem Jahr eine Pleitewelle. Es ist momentan nur schwer einzuschätzen, wie groß diese Welle werden könnte. Anders als in früheren Phasen von Pleitewellen treffen die Pandemie und Lockdowns vor allem den Einzelhandel, die Kultur und (kleinere) Dienstleister. Die Soforthilfen der Regierung könnten helfen, langfristige Pleiten zu verhindern. Allerdings nur, wenn die Wirtschaft wirklich ab dem Frühjahr wieder vollständig öffnet. Die Frage ist, wie die Folgen einer solchen Pleitewelle auf dem Arbeitsmarkt aussehen könnten.

Ein Blick auf die Historie lohnt sich

Ein Blick auf die historischen Daten zum Bruttoinlandsprodukt, den Arbeitslosenzahlen sowie den offiziellen Insolvenzstatistiken zeigt ein interessantes Bild. Mitte der 1990er-Jahre verliefen Anstiege von Insolvenzen und Arbeitslosigkeit beinahe synchron. Im Zuge der starken Pleitewelle Anfang der 2000er-Jahre war der Anstieg der Arbeitslosigkeit hingegen viel weniger ausgeprägt, als es die Anzahl an Pleiten hatte vermuten lassen. In den Jahren der globalen Finanzkrise 2008 und 2009 hatte der Anstieg der Unternehmensinsolvenzen kaum noch Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen. Der erfolgreiche Einsatz von Kurzarbeit und das relativ schnelle Anziehen der Konjunktur verhinderte einen Anstieg der Arbeitslosigkeit.

Quelle: Statistisches Bundesamt

Was bringt uns also 2021? Unser Chart of the Week zeigt, dass der Zusammenhang zwischen Unternehmenspleiten und Arbeitslosigkeit in den letzten 25 Jahren deutlich schwächer geworden ist. Stabilisierungspolitik der Regierung, ein schnelles Anziehen der Konjunktur sowie der demografische Wandel und Fachkräftemangel scheinen den Arbeitsmarkt stärker und immuner gemacht zu haben. Sollte die deutsche Konjunktur nach dem Ende des aktuellen Lockdowns so stark und schnell wieder anziehen wie von uns erwartet, könnte ein erheblicher Anstieg der Arbeitslosigkeit trotz drohender Pleitewelle ausbleiben.

Autor: Leon Ernst