Das Sommer-Must-have 2022: Geduld

Chart of the Week

Nicht nur aufgrund des 70. Thronjubiläums der Queen, sondern vor allem durch lange Warteschlangen und gestrichene Flüge erregte Großbritannien am vergangenen Wochenende Aufmerksamkeit. Eine hohe Nachfrage im Tourismusbereich trifft auf einen Mangel an Arbeitskräften. Das ist auch am liebsten Urlaubsziel der Deutschen der Fall. Wer seinen Koffer packt, darf in diesem Sommer eines nicht vergessen: Geduld.

Alles eitel Sonnenschein? Man möchte es meinen, denn für viele von uns heißt es demnächst: ab in den Urlaub! Mit dem Abklingen der Lockdown-Maßnahmen wurde Deutschland allerdings von einem neuen, alten, Problem eingeholt: dem Fachkräftemangel. Und dieser kehrte mit Schwung zurück. Insbesondere in den Wirtschaftsbereichen, die stark unter den Eindämmungsmaßnahmen gelitten haben, mangelt es nun an qualifizierten Arbeitskräften. Denn viele Mitarbeiter haben sich in Zeiten von Schließungen und Kurzarbeit nach anderen Jobs umgesehen – und kehren nun nicht in den alten zurück.

Für Heimattouristen bedeutet das, dass die Entspannung schnell durch lange Wartezeiten im Restaurant oder im Hotel dahinschwinden könnte. Und tatsächlich planen viele Deutsche die Landesgrenzen in der Ferienzeit nicht zu verlassen. Das Top-Reiseziel der Deutschen ist auch in diesem Jahr Deutschland. Das geht aus der Konsumstudie VuMA Touchpoints 2022 hervor.

Wer sich im Urlaub nicht auf lange Wartezeiten einstellen möchte, sollte seine Urlaubspläne eventuell noch einmal überdenken – unser Chart of the Week zeigt, dass der Fachkräftemangel im Tourismusbereich in kaum einem Ferienziel der Deutschen so ausgeprägt ist, wie in Deutschland selbst.

Insbesondere in Deutschland und in Österreich fehlt Fachpersonal im Tourismussektor

Quelle: Europäische Kommission

Wer für den Sommerurlaub nicht plant, die eigenen Landesgrenzen zu verlassen, wird insbesondere im Bereich Lebensmittel- und Getränkedienstleistungen auf zu wenig Fachpersonal treffen. Die von der Europäischen Kommission quartalsweise durchgeführte Umfrage unter Dienstleistungsunternehmen zeigt, dass in Deutschland mehr als 50 Prozent der befragten Restaurantbetriebe durch einen Mangel an Arbeitskraft belastet werden. In Italien und Kroatien, dem zweit- bzw. fünftliebsten Reiseziel der Deutschen, sind es je nur knapp 15 Prozent. Wird der Urlaub jedoch mit dem Flieger angetreten, muss allerdings auch erst einmal Geduld mitgebracht werden. Der Flughafenverband ADV schätzt den Mangel an Flughafenpersonal auf 20 Prozent. Auch an deutschen Flughäfen dauert es daher aktuell an der Sicherheitskontrolle oder dem Gepäckband länger.

Wer den Urlaub nicht in Deutschland, Italien oder Kroatien verbringt, reist vermutlich nach Spanien, welches in diesem Jahr Platz drei der beliebtesten Reiseziele belegt. Wer dort Urlaub macht, dürfte nur in jedem fünften Betrieb für Lebensmittel- und Getränkedienstleistungen auf lange Wartezeit durch zu wenig Personal stoßen. Ähnlich wie in Deutschland stellt sich die Situation im Nachbarland Österreich, der viertliebsten Urlaubsdestination, dar. Knapp die Hälfte der befragten Betriebe klagt über zu wenige qualifizierte Arbeitskräfte.

Auch wer viel Wert auf eine Eins-zu-eins-Betreuung im Hotel legt, sollte es in diesem Sommer ein wenig südlicher probieren. Während in Deutschland und Österreich mehr als jeder zweite Beherbergungsbetrieb von zu wenig Personal berichtet, sind es in Spanien, Italien und Kroatien nur 6 Prozent, 22 Prozent und 30 Prozent.

Für diejenigen, die in den nächsten Wochen eine Reise antreten heißt es also: ich packe meinen Koffer und ich nehme mit … eine große Portion Geduld. Für die Unternehmen, die aktuell vom Fachkräftemangel besonders betroffen sind, heißt es allerdings: gegensteuern! Wie das gelingen kann, zeigen wir in unserer Studie „Höhere Löhne allein machen nicht glücklich“.

Autor: Franziska Biehl