Starke Player im Spiel um die Innovationskraft

Chart of the Week

3 min Lesedauer 02.12.2022

Im Vergleich mit den anderen Eurozone-Staaten bekleckert sich Deutschland in unserem ING Deutschland Innovationsindex 2022 nicht mit Ruhm – doch auf nationaler Ebene gibt es mit Berlin, Hamburg und Bayern durchaus starke Player. Das liegt insbesondere daran, dass diese Bundesländer Stärken aufweisen, nach denen man in Deutschland anderorts vergeblich sucht.

Mithilfe von acht Indikatoren möchten wir anhand unseres Innovationsindex einen objektiven Vergleich zwischen den Staaten der Eurozone und den Bundesländern Deutschlands ziehen. Bei der Auswahl der verschiedenen Indikatoren spielten Verfügbarkeit, regelmäßige Aktualisierung und Vergleichbarkeit eine wichtige Rolle. Der Index selbst soll ein Benchmarking möglich machen, ohne den Anspruch auf absolute Vollständigkeit zu erheben.

Und die Ergebnisse unseres diesjährigen Innovationsindex zeigen: um die Innovationsstärke Deutschlands ist es alles andere als gut bestellt. Im internationalen Vergleich reicht es für Deutschland nur für Platz 16 unter den 19 Eurozone-Staaten. Die Gründe für Deutschlands innovationsschwäche sind vielfältig. In keinem anderen Land der Eurozone leben weniger junge Menschen als in Deutschland. Auch beim Verhältnis zwischen Unternehmensgründungen und -schließungen liegt Deutschland ganz hinten. Auf jedes geschlossene Unternehmen kommen nur 0,7 Neugründungen. Außerdem zeigt sich wieder einmal, dass Deutschland deutlich Nachholbedarf beim Ausbau der digitalen Infrastruktur hat. Lediglich 15 Prozent aller Haushalte in Deutschland verfügen über einen Glasfaseranschluss bis ins Haus. Weniger Haushalte sind es nur in Belgien, wo knapp 10 Prozent aller Haushalte Glasfaseranschlüsse bis ins Haus haben. Zum Vergleich: in Lettland, Spanien und Portugal verfügen fast 90 Prozent der Haushalte über solch schnelles Internet.

Im europäischen Vergleich belegt Deutschland also nur das hintere Mittelfeld, auf nationaler Ebene gibt es aber durchaus starke Spieler. Wie auch im letzten Jahr behaupten sich Berlin, Hamburg und Bayern als die innovativsten unter den 16 Bundesländern der Bundesrepublik.

ING Deutschland Innovationsindex 2022 – Bundesländerranking

Quelle: ING Berechnungen

Das liegt insbesondere daran, dass diese Bundesländer Stärken aufweisen, nach denen man in Deutschland anderorts vergeblich sucht. Ein hohes Jungendpotenzial, mehr Unternehmensgründungen als -schließungen und viele Start-Ups. Hamburg kann zudem mit einem großen Anteil an Haushalten punkten, die über einen Glasfaseranschluss verfügen.

Innovationsschwäche zeigt sich weiterhin verstärkt in den neuen Bundesländern. Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt belegen die letzten drei Plätze unseres nationalen Innovationsindex und bedienen dabei die deutschen strukturellen Schwachstellen. Eine alternde Demographie, es werden mehr Unternehmen geschlossen als gegründet und es gibt wenige Beschäftigte, die über einen tertiären Bildungsabschluss verfügen. Kein fruchtbarer Nährboden für eine starke Gründerszene, die in diesen Bundesländern dementsprechend klein ausfällt.

Doch auch die, zum großen Teil strukturellen, Schwachstellen Deutschlands, die seit Jahren dazu führen, dass Deutschland im internationalen Innovationsranking eher Sprünge nach unten als nach oben machen kann, dürfen nicht einfach so hingenommen werden. Strukturelle Umbrüche, neue Ideen und zukunftsfähige Technologien, kurzum, Innovationen, waren lange nicht mehr von so großer Bedeutung wie aktuell.

Dass Deutschland in den vergangenen Jahren im Eurozone-Vergleich immer weiter zurückgefallen ist, sollte daher als Warnsignal für und als klare Handlungsaufforderung an die Politik verstanden werden. Den demographischen Wandel kann man nicht über Nacht umkehren, digitale Schwächen dahingegen wohl.

Zum Nachlesen: Unser ING Deutschland 2022 Innovationsindex: „In Innovation investieren, grüne Transformation ernten“

Autor: Franziska Biehl