Baufinanzierung – nicht nur der Zins zählt

Möglichkeiten der Sondertilgung beachten | 17.07.2013

Sondertilgung

© erserg/iStockphoto.com

Wer eine Immobilie finanzieren will, sollte immer daran denken, dass sich seine wirtschaftlichen Verhältnisse im Laufe der Zeit verändern können. So kann zum Beispiel das Ersparte durch eine Erbschaft kräftig wachsen oder ein durch einen Karrieresprung deutlich gestiegenes Gehalt die finanziellen Spielräume vergrößern. In solchen Fällen ist es vorteilhaft, wenn der Darlehensvertrag ein Recht auf Sondertilgungen oder zur Erhöhung der laufenden Tilgung beinhaltet. Der Kreditnehmer kann dann auch während der Zinsbindungsperiode mit jährlichen Extrazahlungen den Kredit zusätzlich tilgen oder seine laufende Tilgungsrate deutlich anheben. Die Belohnung: Die Immobilie ist schneller schuldenfrei, und es winken kräftige Zinsersparnisse. Viele Banken bieten mittlerweile solche Zusatzoptionen, aber längst nicht alle.

Attraktive Tilgungsrendite

Dass es sich lohnt, solche Tilgungsmöglichkeiten zu vereinbaren und wenn möglich auch zu nutzen, zeigt ein Rechenbeispiel: Angenommen, ein Kunde nimmt zum Jahresanfang ein Darlehen in Höhe von 200.000 Euro auf. Er zahlt hierfür 2,6% Sollzinsen und tilgt jährlich anfangs 2% der Darlehenssumme. Nach 10 Jahren bleibt eine Restschuld von 154.374 Euro. Bis dahin hat der Kunde 46.375 Euro Zinsen gezahlt.

Ist der Immobilieneigentümer in der glücklichen Lage, jeweils zum Ende des zweiten und vierten Laufzeitjahres 5.000 Euro extra tilgen zu können, sieht die Rechnung schon anders aus: Die Restschuld am Ende der Zinsbindung schrumpft um rund 12.000 Euro. Der Kunde spart rund 2.000 Euro an Zinsen. Einen solchen finanziellen Vorteil dürfte er mit einer sicheren Geldanlage nur erzielen, wenn die Anlagezinsen künftig wieder deutlich steigen.

Angebote gut vergleichen

Doch wie bei fast allen Bankgeschäften lohnt es sich auch bei Sondertilgungen und Möglichkeiten des Tilgungswechsels, die Angebote genau zu vergleichen. Denn zum Teil gelten recht unterschiedliche Bedingungen. So räumen manche Geldinstitute solche Optionen nur gegen einen Zinsaufschlag ein. Andere verlangen ab einer bestimmten Tilgungshöhe einen Aufpreis. Darauf müssen sich Verbraucher aber nicht einlassen. Schließlich bieten längst einige Banken die Optionen ohne Aufschlag an.

Auch in der Höhe der möglichen Extratilgung unterscheiden sich die Institute. Üblich sind 5% der Darlehenssumme pro Jahr. In anderen Fällen werden konkrete Beträge genannt, also zum Beispiel maximal 2.500 oder 5.000 Euro jährlich. Bei einer höheren Darlehenssumme ist deshalb die prozentuale Regelung vorteilhafter. Was die Möglichkeit zum Wechsel des Tilgungssatzes angeht, sollten Bauherren darauf achten, wie oft dieser kostenlos möglich ist.

Tipp: Kann ein Darlehensnehmer bei seiner laufenden Baufinanzierung keine Sondertilgungen oder Tilgungswechsel vornehmen, empfiehlt es sich, diese bei der Anschlussfinanzierung nachzuverhandeln. Denn gerade in der zweiten Finanzierungsrunde ergeben sich oft durch verbesserte finanzielle Rahmenbedingungen attraktive Spielräume für Sondertilgungen.


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