Flexibel auf Zeit

Was man über die Brückenteilzeit wissen muss │08.07.2019

Brückenteilzeit

Dank der neuen Brückenteilzeit können Arbeitnehmer befristet weniger arbeiten. Doch Interessierte müssen dabei ein paar Dinge beachten – ein Überblick.

Was ist die Brückenteilzeit?

Mehr Zeit für die schönen und wichtigen Dinge im Leben: Familie, Freunde, Freizeit oder auch private Weiterbildungen. Viele Arbeitnehmer wünschen sich genau das – aber nicht für immer, sondern nur eine bestimmte Zeit. Seit 1. Januar 2019 soll ihnen das mit der Brückenteilzeit nun möglich gemacht werden. Das Prinzip des neues Gesetzes ist simpel: Eine Zeit lang weniger arbeiten und danach wieder zu der ursprünglichen Arbeitszeit zurückkehren.

Wer Brückenteilzeit nehmen darf – und wer nicht

Millionen Arbeitnehmer in Deutschland haben einen Anspruch auf mehr Freiraum auf Zeit. Dabei müssen allerdings zwei Voraussetzungen erfüllt sein:

  • In dem Betrieb müssen mehr als 45 Mitarbeiter arbeiten.
  • Der Mitarbeiter muss mindestens sechs Monate in dem Unternehmen beschäftigt sein.

Übrigens: Auch Beschäftigte, die bereits unbefristet in Teilzeit arbeiten, können ihre Stunden weiter verringern. Ob sie einen Anspruch auf Brückenteilzeit haben, können Interessierte auf der Seite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) prüfen.

Doch nicht immer müssen Arbeitgeber dem Antrag zustimmen:

  • In Firmen mit bis zu 200 Mitarbeitern gibt es eine sogenannte Zumutbarkeitsgrenze. Der Chef muss demnach nur einem von 15 Beschäftigten den Antrag auf Brückenteilzeit gewähren. Wem aus diesem Grund die befristete Teilzeit untersagt wurde, muss ein Jahr warten, bis er es noch einmal versuchen kann.
  • Ablehnen kann der Arbeitgeber den Antrag außerdem, wenn betriebliche Gründe dagegen sprechen. Das kann laut BMAS dann der Fall sein, wenn die Organisation, der Arbeitsablauf oder die Sicherheit im Unternehmen beeinträchtigt wäre oder unverhältnismäßige Kosten entstehen würden. Beschäftigte, denen aus diesem Grund keine Brückenteilzeit erlaubt wurde, können erst nach zwei Jahren erneut einen Antrag stellen.

So beantragen Arbeitnehmer den Freiraum auf Zeit

Wer sich dazu entschieden hat, für eine Weile in Teilzeit zu gehen, muss folgende Punkte beachten:

  • Der Antrag muss drei Monate im Voraus gestellt werden – und zwar in Textform.
  • In den Antrag müssen Arbeitnehmer bereits eintragen, wie lange sie weniger arbeiten wollen: Mindestens ein Jahr und maximal fünf Jahre.
  • Außerdem müssen sie angeben, um wie viele Stunden sie die Arbeitszeit reduzieren möchten.

Achtung: Während der Brückenteilzeit haben sie keinen Anspruch darauf, die Arbeitszeit noch einmal zu verändern. Deshalb sollten sich Interessierte vorher genau überlegen, wie lange sie in Teilzeit gehen und wie viele Stunden sie arbeiten wollen. Was sie in dem Antrag jedoch nicht offen legen müssen: die Gründe für den Brückenteilzeitwunsch. Prof. Jutta Rump vom Institut für Beschäftigung und Employability in Ludwigshafen empfiehlt trotzdem, die eigenen Pläne mit den Kollegen offen zu besprechen: „Das hat nichts mit Rechtfertigung zu tun, sondern mit Information und Verständnis. Man sollte mit Augenmaß daran gehen und auch signalisieren, dass man die Kollegen weiterhin unterstützt.“

Für wen eignet sich das Modell?

Bisher sind viele Arbeitnehmer in die Teilzeitfalle getappt. Haben Sie einmal Teilzeit beantragt, konnten sie oft nicht mehr zurück in ihre volle Stelle. Damit soll nun Schluss sein: „Die Brückenteilzeit eignet sich für all diejenigen, die ihre Arbeitszeit aufgrund ihrer aktuellen Lebenssituation verringern möchten – für die aber absehbar ist, dass sich diese Situation auch wieder ändert“, sagt Rump. Familienmitglieder pflegen, Kinder erziehen oder eine private Weiterbildung angehen: Es kann viele Gründe geben, warum Angestellte eine Zeit lang kürzer treten wollen.

Weniger arbeiten = weniger Geld

 Doch weniger arbeiten bedeutet gleichzeitig auch weniger Gehalt. Viele sind sich deshalb unsicher: Ist die Brückenteilzeit finanziell überhaupt drin? Um das besser abzuschätzen, können Interessierte mit dem Teilzeitrechner vom BMAS ausrechnen, wie sich ihr Gehalt verändern würde. Auch wenn Arbeitnehmer am Ende weniger verdienen, kann die Rechnung laut Rump trotzdem aufgehen. Sie hält das Modell für einen guten Weg, um „in Balance zu bleiben und unterschiedliche Lebenssituationen miteinander zu vereinbaren.“ Wie Angestellte die befristete Teilzeit tatsächlich annehmen, ist noch unklar: „Wie sich die Brückenteilzeit in der Praxis entwickelt, wird sich zeigen“, sagt Marta Böning, Juristin beim Deutschen Gewerkschaftsbund. „Wir haben noch keine Erfahrung mit dem Anspruch und insbesondere mit einer möglichen Ablehnung durch die Arbeitgeber.“

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (13)


Kommentare

ING

25.07.2019

Hallo Frau Fuchs, wenn Sie ein Girokonto führen, dürfen Sie, im Rahmen der Zahlungsdienste-Richtlinie PSD2, spät. ab 14.09.2019 keine iTAN-Liste mehr für Freigaben nutzen. Sie können statt iTAN z.B. das mTAN-Verfahren wählen. Detailinformationen dazu haben wir hier für Sie zusammengestellt: www.ing.de/kundenservice/sicherheit/psd2/ Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Anna Fuchs

25.07.2019

Was ist eigentlich mit der Tanliste? Wie lange ist die gültig. Wie soll dann die Tan generiert werden?
MfG Anna Fuchs


@Arbeitnehmer

22.07.2019

Da hast dich sauber verrechnet...auch wenn du Teilzeit arbeiten gehst, musst du später die Rente versteuern. Und noch dazu hast du weniger eingezahlt. Das was du dir da denkst ist wieder eine Milchmännchen Rechnung der ersten Klasse. Aber viel Spaß als Sozialfall, aber jammere nicht rum, dass du gearbeitet hättest und dann keine Rente hast.

Grüße
Arbeitgeber


Motivator

22.07.2019

Aufstehen!
Rein in die Arbeit, wenigstens die 8 Std. täglich. Das bringt Rente!
TSCHAKA!


Arbeitnehmer

20.07.2019

voll arbeiten gehen um Rentenleistungen zu erhalten die versteuert werden müssen??? Ich geh lieber Teilzeit arbeiten und zwar immer schön am steuerfreiem Limit, hab so Freizeit und keine Nerven das mein Steuergeld verschwendet wird.... :-)


Arbeitgeber

19.07.2019

Leute, wenn ihr gesund seid, dann geht voll arbeiten. Dann bekommt ihr auch eine anständige Rente.
Wer krank ist, da kann ich es verstehen und nachvollziehen, aber nicht bei Leistungsstarken Arbeitnehmern.
Ein Volk von Faulpelzen!


Arbeitgeber spielt selten mit

17.07.2019

Ich hatte bei meinem Arbeitgeber eine Arbeitszeitverkürzung um 15% für 3 Jahre angefragt und bezog mich auf das SGB9 und meinen Anspruch auf behindertengerechte Arbeitszeiten nach einer Krebserkrankung. Die Antwort meines Chefs war, dass er das für die Abteilung nicht befürworten könne. Der Personalchef meinte nur, man könne ja mal schauen, ob es Möglichkeiten in anderen Abteilungen gäbe, die meiner Qualifikation entsprächen ... Wir sprechen von einer Firma mit rund 1.800 Beschäftigten.
Fazit: Rechtsanspruch hin oder her, wenn ein Chef es nicht will, macht er es nicht. Und für die Firma bedeutet so etwas immer Arbeit und Unfrieden in der Abteilung. Kollegen sind auch nur solange verständnisvoll, wie sie keinen Nachteil haben.
Theoretisch also eine feine Sache, aber praktisch schwer umsetzbar.
Schade, mir hätte es sehr geholfen.


Jürgen

17.07.2019

Wer weniger arbeitet, bekommt weniger Rente - ganz klar.
Aber dann trotzdem jammern, von wegen ich habe doch 30 - 45 Jahre gearbeitet. Und jetzt? Ich bekomme keine Rente, der doofe Staat - alles Betrug.
Nachdenken!!!


Jürgen

10.07.2019

Viele habe noch nicht verstanden, je weniger man arbeitet und je weniger Entgeltpunkte man erhält, umso weniger erhält man auch Rente und die geht auch immer weiter und weiter runter.
Wo sind wir jetzt schon bei 48% oder schon bei 43% zur Auszahlung? Dann wird das auch noch versteuert!!!!!!
Und man soll länger arbeiten.....
Nicht mit mir, ich gehe mit 63 Jahren (Vater mit 76zig verstorben, Mutter mit 70zig, viele andere wurden auch keine 78 bis 80 Jahre alt. Da ist es ein HOHN, dass die Versicherungen mit Ihrer Sterbetafelt bis 85 Jahre rechnen.)
Wenn ich mit 63zig in Rente gehe, werden mir 14,4% abgezogen, dazu dann noch 11% soziale Abgaben (Rente, Pflege, ....) und dazu dann noch der persönliche Steuersatz von xx% -> Erfahre ich erst, wenn ich in Rente gehe.
So und nun rechnet Euch mal die Rentenlücke aus, dass ist alles Humbug, wenn einer sagt, er könne Euch diese ausrechnen. Alles nur für Bank- und Versicherungsprodukte die man anlegen soll.
Ich empfehle ab der Geburt ein Aktiendepot, am besten drei.
Depots mit mtl. Anlagen oder mind. 500 Euro Einmalanlagen und breit streuen in jedem Depot.
Eines für die Rente (mtl. sollten je nach verdienst 100, 200, 300, 400 oder 500 Euro angelegt werden), eines für Luxusausgaben (Auto, Ofen, Kühlschrank, etc.) und eines für Kontodeckungen wenn man doch mal mehr ausgibt.
Für Depots reicht es Nachrichten zu hören, sehen was die Unternehmen machen...z.B. Gewinnwarnungen BASF Aktien sind runter, vorher schon wegen Rhein Niedrigwasser und ich glaube da war auch mal ein Brand. Sind aus meinem Depot nun mit Verlust raus. Trotz guter Dividende. Langfristig würde die Dividende die Verluste wohl wett machen.
Aktien sind langfristiges Sparziel...wenn es runter geht, mehr nachkaufen. Reiche werden dadurch reicher, da sie in der Krise weiter zukaufen.


Best

10.07.2019

Ich kann dem Kommentar von Realität nur bestätigen. In Verwaltungen, die voll digitalisiert sind, wird die Arbeitsmenge des Teams nicht angepasst. Nur weniger Zeit für die gleiche Menge Arbeit Team. Dies führt zu immer mehr Belastung und Ausfällen der Vollzeitler. Abhilfe schafft hier nur einen Tag in die Woche zu reduzieren.


Geld in der Rente

09.07.2019

Wer eine anständige Rente möchte, sollte auf Teilzeit jedwediger Art verzichten oder dann in der Rente dahinvegetieren.

Voll arbeiten ist das einzigste was Geld bringt.


Testuser

09.07.2019

Brückenteilzeit ist der Hammer.


Realität

08.07.2019

Wer so etwas z.B. als Sachbearbeiter einer Krankenkasse beantragt, der bekommt zwar den Antrag genehmigt - hat aber weiterhin die gleiche Arbeitsmenge zu bewältigen. Was dann natürlich real nicht zu schaffen ist und für das gesamte Team zum Problem wird.