Datenmissbrauch

Identitätsdiebstahl - Was können Verbraucher tun? | 13.10.2020

Geld, das von Himmel fällt?

Ob Shoppen auf fremde Rechnung oder gefälschte Social-Media-Profile: Identitätsdiebstahl ist im Internet weit verbreitet. Für die Opfer kann das weitreichende Folgen haben.

Wer Rechnungen oder Mahnungen erhält, ohne etwas bestellt zu haben, oder auf seinem Konto unerklärliche Abbuchungen findet, ist womöglich Opfer eines Identitätsdiebstahls geworden. Das ist nicht nur unangenehm, sondern kann auch einen finanziellen Schaden nach sich ziehen. Doch Verbraucher können sich wehren.

Was ist Identitätsdiebstahl?

Von Identitätsdiebstahl spricht man laut Bundeskriminalamt (BKA), wenn Kriminelle persönliche Daten und Zugangsberechtigungen des Nutzers abgreifen, um sie missbräuchlich nutzen zu können. Dabei werden Daten geklaut, die eine Person identifizieren können, zum Beispiel Adresse, Geburtsdatum, Kreditkarten-, Personalausweis-, Sozialversicherungs- oder Führerscheinnummer.

So gehen die Täter vor

Kriminelle haben verschiedene Ziele. Sie wollen sich etwa bereichern oder dem Opfer Schaden zufügen. Am häufigsten gehe es um Warenbetrug, berichtet die Verbraucherzentrale Niedersachsen. Dabei bestellen die Täter Produkte und lassen die Rechnung an die Adresse der Opfer schicken. Eine andere Form des Identitätsmissbrauchs ist das sogenannte „Nicknapping“, erklärt das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz. Dabei treten die Betrüger im Internet unter dem Namen des Opfers auf, zum Beispiel um andere Menschen zu beleidigen oder an Informationen von Dritten zu gelangen.
 
Doch wie kommen sie überhaupt an die persönlichen Daten der Betroffenen? Nach Angaben der Verbraucherzentrale finden die Kriminellen die benötigten Informationen meistens im Internet. Ob Zugangsdaten für E-Mail-Konten oder Social-Media-Plattformen: Nutzer hinterließen überall ihre Spuren, betonen die Verbraucherschützer.
 
Doch nicht nur online sammeln die Täter Daten, sondern auch direkt vor den Haustüren ihrer Opfer. Sie durchsuchen etwa die Mülltonnen nach persönlichen Daten oder notieren sich den Namen vom Klingelschild und gehen damit online auf Shoppingtour, wie die Verbraucherzentrale erklärt.

Welche finanziellen Schäden können entstehen?

Wenn die eigene Identität missbraucht wird, hinterlässt das bei den Betroffenen ein mulmiges Gefühl: „Das Gefühl ist mit dem Gefühl nach einem Einbruch zu vergleichen, wenn man weiß, dass jemand in unseren Dingen herumgewühlt hat“, sagt Bernhard Witt, Datenschutzexperte bei der it.sec GmbH. Doch nicht nur das: Die Opfer können auch finanziell geschädigt werden. „Oftmals werden mehrere kleinere Beträge über die falsche Identität veruntreut, damit der Identitätsdiebstahl nicht ganz so schnell auffliegt“, berichtet der Datenschutzexperte. Deshalb würden viele Opfer meist erst nach einem Monat oder sogar später reagieren. „Dann kommt durchaus ein nennenswerter Schaden in vierstelliger Höhe zusammen.“

Was tun, wenn man Opfer geworden ist?

Merkt man, dass die eigene Identität geklaut wurde, ist es deshalb wichtig, schnell zu reagieren. „Wenn ein solcher Betrug vorliegt, würden wir immer empfehlen, eine Strafanzeige zu erstatten“, sagt Katharina Wiatr, Referentin bei der Berliner Datenschutzbeauftragten. Die Kopie der Strafanzeige solle dann an das Unternehmen, von dem die Forderung kam, an das Inkassounternehmen und die Auskunfteien geschickt werden. Außerdem wichtig: gegen jegliche Forderung, bei der ein Identitätsdiebstahl im Raum steht, Widerspruch einzulegen.

Die Verbraucherschützer raten Opfern auch, Passwörter und Zugangsdaten zu ändern und eine Zwei-Faktor-Authentifizierung einzurichten. Leider sei das Aufrollen eines solchen Betrugs oft zeit- und kostenintensiv, sagt Wiatr. Doch für Verbraucher gibt es eine gute Nachricht: „Unsere Erfahrung zeigt, dass man dann zum Beispiel die Ware, die man nicht bestellt hat, auch nicht bezahlen muss“.

So können sich Verbraucher schützen

Um erst gar nicht in die unangenehme Situation eines Identitätsdiebstahls zu geraten, geben die Verbraucherzentrale Niedersachen und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) auf ihren Seiten eine Vielzahl an Tipps. Verbraucher sollten:

  • sparsam mit ihren persönlichen Daten umgehen und auf verschlüsselte Seiten achten. Das Geburtsdatum sollte man laut BSI beispielsweise ganz verschweigen.
  • für jeden Dienst ein eigenes Passwort verwenden.
  • niemals Passwörter auf dem Handy speichern.
  • Antiviren-Programme installieren und regelmäßige Updates durchführen.
  • sich nicht bei einem Dienst anmelden, wenn gerade jemand über die Schulter blicken kann.
  • wichtige Schriftstücke mit vertraulichen Daten schreddern statt in den Papierkorb zu werfen.
  • Anhänge nur öffnen, wenn man dem Absender vertraut.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (13)


Kommentare

HJ Wischnewski

11.11.2020

rund um die Sicherheit ist
der Beitrag dazu immer wieder
sehr aufschlussreich .
Danke weiter soo.

Mfg HJ wischn...


Ing-Kunde

31.10.2020

Ich finde diese App sehr gut, vor allem weil ich sofort sehe wenn eine Buchung getätigt wurde. Ja, man sollte schon gewisse Sicherheitsregeln beachten und seine Daten nicht zu schnell preis geben.


Gabriela

31.10.2020

Die Ratschläge sind schon gut, aber wie soll ich mein Gebutsdatum verschweigen, wenn ich überall danach gefragt werde, egal auf welcher Plattform man sich anmeldet. Wenn man ständig gezwungen wird die Passworte zu ändern, kann man sie sich nicht mehr merken und schreibt sie dann auf. Ich habe mal vor ein paar Jahren gezählt, wo ich überall ein Passwort vergeben habe, bei 27 habe ich aufgehört zu zählen.


ING

30.10.2020

Hallo Noah G., bitte rufen Sie unsere Kollegen unter 069 / 34 22 24 an, sie helfen Ihnen gern weiter. Für den Anruf halten Sie bitte Ihre Zugangsnummer (die letzten 10 Stellen der IBAN) und die Telebanking PIN bereit. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Noah G.

29.10.2020

Hallo, ich bin Opfer einer solchen betrugsmasche und weiß mir nicht zuhelfen. Ich würde gerne telefonische Verbindung zur Bank aufnehmen, aber finde keine Nummer!
Ich bitte schnellst möglich um Hilfe!


Dieter 2

26.10.2020

Was da H. beschreibt ist leider nicht extrem selten. Mitarbeiter der Drückerkolonnen durchsuchen inzwischen sogar die Papiercontainer - wo sehr viele Mitbürger extrem viel sehr sorglos entsorgen. Deshalb steht bei mir sogar ein kleiner guter Schredder mit Sicherheitsgrad - kostet 120 Euro. Und alles was weg kann, wird monatlich durch diesen Schredder geschickt - und einmal jährlich wird der Rest vom Papierberg gemäß Fristenregelungen (!) wegen Verringerung gesichtet und auch reduziert.


H.

26.10.2020

Bin vor kurzem nach meiner Stromzählernummer und Anbieter befragt worden und habe sie am Anfang auch preisgegeben. Der/die Anrufer wussten auch meinen Namen und Adresse. (Vermutlich aus einem alten Telefonbuch, wo auch die Adresse drinsteht.)
Von meinem Anbieter erfuhr ich dann auf Rückfrage, das er mich abgeben müsse, wenn Name und Zählernummer stimmen.
Ich habe dann einen Leitzordner herausgenommen, indem ich alte Rechnungen aufbewahrt habe. Auf denen steht die Zählernummer. Die alle zu vernichten würde meinen Schredder zerstören.
Da stimmt doch was am Prinzip für den Anbieterwechsel nicht.


A.

25.10.2020

Wie kann man sich wehren wenn der Identitätsdiebstahl in der eigenen Familie statt findet ohne sich gegen die Gewalt dagegen vorzugehen die einem dann angedroht und angewendet wird ?


Joe

23.10.2020

Ich glaube auch nicht, dass 52% einen Passwortmanager verwenden. Bei meinen Kollegen stimmt das vielleicht, ich arbeite in der IT, aber selbst ich verwende ihn erst etwa 2 Jahre.
@Petra Müller: Die Adresse muss man nicht angeben, eine Telefonnummer oder Emailadresse, auch Wegwerfadresse, reicht. Hauptsache, es kommt an bzw. die Mail wird auch gelesen.


52% verwenden einen Passwort-Manager ?

22.10.2020

Wer diese Antwort glaubt, der glaubt auch an den Osterhasen und den Pfingstochsen. Habe als Admin bei einem Betreiber eines sehr großen intranet gearbeitet. Weil viele nach dem Urlaub Ihr Windows-Passwort vergessen hatten, musste ich u.a. auch neue Passwörter setzen. Viele von denen wurden nie geändert. Und so kannte ich bald lokal etwa 30% aller Passwörter - trotz zig tausende Mitarbeiter. Und als wir dann nur noch 3 Monate gültige Passwörter erlaubten, wurden wir mit der Neuvergabe wegen Vergessen überrollt. Übrigens: unsere IT-Kunden mussten sich allein für die Anwendungen am Arbeitsplatz im Schnitt ca. 15 verschiedenartige (!) Anmeldungen und Passwörter merken.


Petra Müller

19.10.2020

Sehr hilfreiche Tipps. Was allerdings die Sparsamkeit von persönlichen Daten, zu denen ja auch Adresse und Telefonnummer gehören, angeht, wie soll man das in Zeiten von Corona machen, wo man in allen Restaurants etc. seine Adressdaten angeben muss?


Birgit Beckers

19.10.2020

Gute Hinweise, ich würde gern noch ergänzen nicht leichtsinnig Kassenbons liegen zu lassen wenn man mit Karte bezahlt manchmal steht da neben dem Namen auch die IBAN vollständig drauf, obwohl diese teilweise unkenntlich gemacht sein sollte.


Roland Schreyer

18.10.2020

Teils sehr hilfreiche Themen dabei.
Gut, weiter so.