Energie für die KI

Frau sitzt auf Solarpanels

Künstliche Intelligenz (KI) ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Immer mehr Aufgaben können Sprachmodelle und KI-Agenten übernehmen. Wesentliche Voraussetzung dafür ist das Training der Algorithmen. Dies erfordert eine entsprechende Infrastruktur, zu der insbesondere leistungsfähige Rechenzentren zählen. Für deren Betrieb wiederum braucht es eine Menge Strom. Gute Aussichten für Versorger?

KI wird Bestandteil der Gesellschaft

Der 30. November 2022 kann als historisches Datum betrachtet werden. An diesem Tag wurde das Sprachmodell ChatGPT von OpenAI erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich. Für viele private Nutzer dürfte dies der erste Berührungspunkt mit Künstlicher Intelligenz gewesen sein. Seither hat KI in vielen Bereichen unseres Lebens Einzug gehalten. Inzwischen nutzt ein Drittel der Deutschen (34 %) mindestens einmal in der Woche KI-Anwendungen für berufliche oder private Zwecke, 15 % sogar täglich. Zu diesem Ergebnis kam eine repräsentative Befragung, die im Auftrag des Digitalverbands Bitkom im ersten Quartal 2026 in Deutschland durchgeführt wurde. 

Als Motivation für den Einsatz von KI wurden Zeitersparnis, das Verstehen komplexer Themen und die Weiterbildung am häufigsten genannt. Auch als Anregung für kreative Ideen und zur Verbesserung der Qualität der eigenen Arbeit wird verstärkt auf KI zurückgegriffen. Die Anwendungsgebiete sind schon jetzt vielfältig und reichen von Übersetzungen über die Textoptimierung bis hin zur Unterstützung mit Ratschlägen in Bereichen wie Kochen, Reparaturen, Gesundheit oder Finanzen. Durch den Einsatz von KI-Agenten dürfte das Aufgabenspektrum in Zukunft weiter wachsen.

Sind KI-Rechenzentren die neuen „Stromfresser“?

Für das Training und den Betrieb der KI-Modelle braucht es entsprechende Rechenkapazitäten. Daher investieren die Tech-Giganten Milliardenbeträge in den Aufbau neuer Rechenzentren. Allein Alphabet (Google), Amazon, Meta und Microsoft planen 2026 Investitionen von insgesamt bis zu 725 Mrd. US-Dollar für den Ausbau von KI-Infrastruktur. Doch Kosten entstehen nicht nur beim Auf- und Ausbau. Der Betrieb der Rechenzentren erfordert große Mengen Strom für Beleuchtung, Kühlung und die eigentlichen Rechenoperationen der KI-Chips. 

In ihrem Global Energy Review 2026 stellt die Internationale Energiebehörde (IEA) fest, dass die Stromnachfrage im Jahr 2025 mehr als doppelt so stark wuchs wie der gesamte Energiebedarf. Besonders dynamisch stieg der Strombedarf durch die Elektromobilität und Rechenzentren. In den USA machte die Nachfrage durch Rechenzentren die Hälfte des Zuwachses beim Stromverbrauch aus. 

Weltweit ist der Stromverbrauch von Rechenzentren seit 2017 um rund 12 % pro Jahr gestiegen und damit mehr als viermal so schnell wie der Gesamtstromverbrauch. Die IEA geht davon aus, dass sich der globale Stromverbrauch der Rechenzentren von 485 Terawattstunden (TWh) im Jahr 2025 auf 945 TWh im Jahr 2030 fast verdoppelt. Dies entspricht in etwa dem aktuellen jährlichen Stromverbrauch Japans. Bis 2035 dürfte der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren auf rund 1.200 TWh steigen (Stand: April 2026). Zugleich wies die IEA auf die regionale Konzentration hin. Mehr als 85 % der in den nächsten zehn Jahren neu hinzukommenden Rechenzentrumskapazitäten werden in den USA, China und der EU erwartet.

Stromverbrauch von Rechenzentren weltweit

Hyperscaler sichern sich Stromlieferungen

Rechenzentren, die für KI-Anwendungen konzipiert sind, können nach Einschätzung der IEA im Stromverbrauch energieintensiven Fabriken ebenbürtig sein. In den USA dürfte der Stromverbrauch für die Datenverarbeitung mit KI bis 2030 sogar höher ausfallen als der Verbrauch für die Produktion aller energieintensiven Gütern zusammen, inklusive Aluminium, Stahl, Zement und Chemikalien. 

Um sich ausreichend Strom für den Betrieb ihrer bereits gebauten und in Planung befindlichen Rechenzentren zu sichern, haben die US-Hyperscaler (Anbieter von Cloud-Diensten mit großer IT-Infrastruktur) Verträge mit Versorgern geschlossen. So unterzeichneten beispielsweise Meta und Microsoft langfristige Lieferungsverträge mit dem deutschen Versorger RWE über Bezug von Strom aus Solar- bzw. Windkraftanlagen. Google schloss ein entsprechendes Abkommen mit dem US-Versorger NextEra Energy. Dafür wird ein bereits stillgelegtes Atomkraftwerk im Bundesstaat Iowa reaktiviert. Auch Meta und Microsoft greifen für einen Teil des benötigten Stroms auf Atomkraft zurück.

Steigender Strombedarf macht Versorger interessant

Stromerzeugende Unternehmen (Versorger) können somit für Anlegerinnen und Anleger eine interessante Depotbeimischung sein. Zwar ist es möglich, dass der technologische Fortschritt dazu führt, dass kommende Generationen von KI-Chips energieeffizienter arbeiten. Auf Sicht der nächsten Jahre dürfte der Strombedarf allerdings durch den Zubau neuer Rechenzentren weiter wachsen. Zudem dürften nach Einschätzung der IEA neben Rechenzentren auch die Elektromobilität sowie der zunehmende Einsatz von Klimaanlagen zu einem Anstieg der weltweiten Stromnachfrage beitragen. 

Branchen-ETFs ermöglichen die Investitionen in eine Vielzahl an Versorgern, womit das Risiko im Vergleich zu einem Einzelinvestment besser gestreut wird. Zudem kann damit im Depot ein breites Spektrum an Stromerzeugung aus verschiedenen Quellen (Atomkraft, Gas, Erneuerbare Energien) abgebildet werden. Indizes wie der STOXX Europe 600 Utilities oder der S&P 500 Utilities ermöglichen dabei die Fokussierung auf bestimmte Regionen wie Europa oder die USA, wo in den kommenden Jahren eine besonders dynamische Stromnachfrage durch Rechenzentren erwartet wird. Wer global streuen möchte, kann mit dem MSCI World Utilities in Versorger aus der ganzen Welt investieren. 

Anlegerinnen und Anleger sollten hierbei berücksichtigen, dass es sich um Branchenindizes handelt, die neben stromerzeugenden Unternehmen auch Firmen enthalten, deren Fokus auf der Versorgung mit Gas, Wasser oder Entsorgungsdienstleistungen liegt. Zudem ergibt sich durch die Konzentration auf eine einzelne Branche ein höheres Risiko als bei einem breiten Aktienindex wie dem MSCI World, der Unternehmen aus verschiedenen Branchen berücksichtigt.

Investment-Beispiele:

Name ISIN  Kurs Fondswährung Ausschüttungsart 
State Street SPDR MSCI Europe Utilities UCITS ETF IE00BKWQ0P07 255,75 EUR EUR Thesaurierend 
Amundi STOXX Europe 600 Utilities UCITS ETF – Acc LU1834988864 102,14 EUR EUR Thesaurierend 
iShares S&P 500 Utilities Sector UCITS ETF USD (Acc) IE00B4KBBD01 9,40 EUR  USD Thesaurierend
Xtrackers MSCI World Utilities UCITS ETF 1C IE00BM67HQ30 41,29 EUR USD Thesaurierend 

Stand: 11.05.2026

Autor: Steffen Droemert

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