Börsen-Klassiker: Tradition zum Anlegen

Alt bedeutet längst nicht unmodern – wie sich Börsen-Methusalems an der Börse schlagen

Geldanlage 8 min Lesedauer 06.02.2023

Eine Analyse des DUP UNTERNEHMER-Magazins, Kai Makus | Werbemitteilung

Managerinnen und Manager kommen und gehen, Unternehmen bleiben. Beispiel für eine deutsche Traditions-AG: BASF. Im Jahr 1976 feierte der Düsseldorfer Konsumgüterkonzern Henkel bereits sein 100-jähriges Bestehen. Und damit ist die Gesellschaft bei weitem nicht die älteste auf deutschen Kurszetteln. Der Zoo Berlin etwa wurde bereits 1844 gegründet – allerdings gibt es mit den 4000 ausgegeben Aktien kaum Handel. Schon 1818 rief der Kommerzienrat Ludwig von Hartmann ein später in Paul Hartmann AG umfirmiertes Unternehmen ins Leben, das als älteste deutsche Verbandstofffabrik gilt und noch heute nahezu weltweit Produkte wie Pflaster, Inkontinenzschutz und OP-Material anbietet. Auch mit Hartmann-Titeln – gehandelt am Open Market in Frankfurt – finden nur sehr geringe Umsätze statt.

Doch es gibt auch im Dax viele Beispiele für Traditionsunternehmen, die mehr als 100 Jahre im Geschäft sind. Selbst der Automobilhersteller BMW ist bereits 107 Jahre alt. Und grundsätzlich interessant sind die Börsenklassiker auch für Anlegende. Die langjährige (erfolgreiche) Existenz wird meist verbunden mit Begriffen wie Kontinuität, Verlässlichkeit und guter Qualität. Und mit Blick auf die Zukunft dürften auch Traditionskonzerne gute Karten haben, denn in der heute schnelllebigen globalisierten und digitalisierten Welt ist Tradition ein Wert, der Konsumierenden wertvolle Orientierung und womöglich auch Sicherheit gibt. Tatsächlich zeichnen sich viele erfolgreiche Traditionsunternehmen dadurch aus, dass sie auf gesellschaftliche Veränderungen zügig reagiert haben, um zu überleben. Experten meinen: Wenn diese Firmen die Vorteile der Digitalisierung nutzen und ihr Image als Traditionsunternehmen bewahren, stehen ihnen noch viele weitere gute Jahre bevor.

Vom Hinterhof an die globale Spitze

Als Friedrich Jacob Merck 1668 die Erlaubnis erhielt, eine Apotheke in Darmstadt zu betreiben, ahnte er nicht, dass er damit den Grundstein einer einzigartigen Erfolgsgeschichte legte. Denn aus der Apotheke entstand die Firma Merck, die heute mit 60.000 Mitarbeitenden und einem Umsatz von rund 20 Milliarden Euro zu den führenden Chemie- und Pharmakonzernen gehört. Fundamental sprechen mehrere Gründe für die Merck-Aktie. So stellte Analyst Sachin Jain von der Bank of America fest, die Titel seien attraktiv bewertet, der Konzern könne von weiteren Übernahmen profitieren und Medikamente wie das Multiple-Sklerose-Mittel Evobrutinib wiesen positive Aussichten auf. Andere Beobachter rechnen damit, dass Anlegende ihre Mittel aus defensiven in zyklische und wachstumsträchtige Pharma-Aktien wie Merck mit seinem Life-Science-Geschäft umschichten werden.

Werner von Siemens und Johann Georg Halske taten sich 1847 in Berlin zusammen, um die Telegraphen Bau-Anstalt von Siemens & Halske zu gründen. In der kleinen Werkstatt wurden vor allem neuartige Zeigertelegraphen hergestellt. Das Geschäft war so erfolgreich, dass aus der Hinterhaus-Firma eines der weltweit größten Industrieunternehmen wurde. Heute hat Siemens mehr als 320.000 Mitarbeitende und erzielt einen Umsatz von knapp 72 Milliarden Euro. Dabei sieht der Technologiekonzern nach Abspaltung etwa der Energy-Sparte heute ganz anders aus als vor zehn Jahren. Investierenden gefällt das. Kein Wunder: In einer Studie des Flossbach des Storch Research Institutes, für die über 1000 deutsche Aktien in ihrer Wertentwicklung seit 2003 analysiert wurden, zählte Siemens zu den Top-Titeln. Für einen möglichen Kauf der Aktien sollten Anlegende Kursrücksetzer nutzen.

In 20 Jahren zum Weltkonzern

Ebenfalls ein Gemeinschaftsunternehmen war die Firma Friedr. Bayer et comp, wobei sich hinter dem „comp.“ Johann Friedrich Weskott verbarg. Friedrich Bayer kümmerte sich ums Kaufmännische, der gelernte Färber Weskott mischte aus Chemikalien die Produkte  zusammen, die Bayer verkaufte. Seit der Aufnahme der Geschäfte 1863 waren gerade 18 Jahre vergangen, als das Unternehmen bereits in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. Und damit wurde der kommerzielle Horizont weit: Als der spätere Bayer-Konzern 1895 von Wuppertal nach Wiesdorf am Rhein umzog, ließ der Vorstand alle Gebäude der Betriebe so bauen, „dass sie bequem eine Vergrößerung nach einer Richtung, am besten aber nach zwei Richtungen zulassen“. Und tatsächlich: Heute hat Bayer rund 100.000 Mitarbeitende und bringt es auf einen Umsatz von etwa 45 Milliarden Euro. Gegenüber Merck fehlt es bei Bayer etwas am Life-Science-Gedanken, beanstanden Kritiker, zudem bleibe die Übernahme Monsanto mit seinem umstrittenen Pestizid Glyphosat ein Risiko. Aber: Nach Veränderungen in der Aktionärsstruktur rechnen viele Investierende jetzt mit einer Abspaltung. Das dürfte den Wert des Konzerns erheblich steigern.

Erst Mannheim, dann Ludwigshafen: Die Geschichte der Badischen Anilin- und Sodafabrik begann praktisch mit einem Umzug, denn bereits nach einer Woche wurde die Fabrikation über den Rhein verlegt. Zunächst produzierte die spätere BASF AG Teerfarbstoffe, ergänzte das Portfolio jedoch bald durch Textilfarbstoffe und wuchs so rasant, dass sie bereits 20 Jahre nach Gründung Niederlassungen in Frankreich, Russland und in den USA unterhielt und sich bei der Weltausstellung 1900 als größte chemische Fabrik der Welt präsentierte. Mittlerweile verbuchen die Rheinland-Pfälzer Umsätze von mehr als 80 Milliarden Euro, über 110.000 Beschäftigte sorgen dafür, dass die Geschäfte laufen und BASF auch heute noch der weltgrößte Chemiekonzern ist. An der Börse wurde die BASF-Aktie zuletzt herb abgestraft, denn die Konzerntochter Wintershall DEA musste sich aus Russland zurückziehen und hohe Summen abschreiben. Das Problem in den Augen vieler Anteilseignerinnen und Anteilseigner: Die Abschreibungen fielen mit 7,3 Milliarden Euro höher aus als das durchaus ansehnliche Ergebnis (Stufe Erträge vor Zinslast und Steuern; Ebit) von 6,8 Milliarden Euro.

Erste pleite, dann erfolgreich

„Auferstanden aus Ruinen …“ Der Text der DDR-Hymne passt auf Continental. Denn der heutige Automobilzulieferer mit mehr als 190.000 Mitarbeitenden und einem Umsatz von etwa 35 Milliarden Euro entstand aus der Neuen Hannoverschen Gummi-Warenfabrik. Diese ging pleite und wurde 1869 vom Bankier Moritz Magnus für 18.500 Taler übernommen. Nur zwei Jahre später startete der Gummi-Spezialist als Aktiengesellschaft durch und wuchs – nicht zuletzt durch das Aufkommen des Automobils – in den folgenden Jahren enorm. Die Erfolgsstory weckte Begehrlichkeiten beim Konkurrenten Schaeffler aus Herzogenaurach, der heute 49,9 Prozent der Anteilsscheine hält. Allerdings wurde die Übernahme mit viel öffentlichem Getöse vollzogen, Schaeffler war praktisch überschuldet. Mittlerweile jedoch ist das Unternehmen längst wieder auf Kurs und Continental der drittgrößte Automobilzulieferer der Welt. Analysierende wie Himanshu Agarwal und Philippe Houchois vom Finanzhaus Jefferies sehen die aktuelle Situation skeptisch, denn in einem Jahr, in dem die Autokonzerne Preisen senkten, um die Nachfrage anzukurbeln, müssten auch die Zulieferer sinnbildlich den Gürtel enger schnallen.

Doch wie eingangs notiert: Ein Großteil der Unternehmen aus dem Dax zählt zu den Unternehmen mit langer Tradition. Da ist zum Beispiel HeidelbergCement, die demnächst ihren Namen in Heidelberg Materials ändern will und die weltweite Nummer eins zum Beispiel bei Transportbeton ist. Es gibt die mittlerweile in Dublin ansässige Linde plc, die Weltmarktführer bei Industriegasen und zumindest den Wurzeln nach deutsch ist. Und Henkel mit dem sperrigen Firmenzusatz „AG & Co. KGaA“, ein Traditionsunternehmen der Konsumgüterindustrie, der mit Marken wie Persil, Perwoll, Schwarzkopf oder Pattex am Markt ist. Oder die Metall-Klassiker Klöckner als Handelskonzern und ThyssenKrupp, entstanden aus der Thyssen AG und der Friedrich Krupp AG Hoesch-Krupp, zwei Unternehmen mit langjähriger Historie, die 1999 zu einem Weltkonzern mit etwa 45 Milliarden Euro Umsatz und fast 100.000 Beschäftigten fusionierten. Für Anlegende, die auf Börsengeschichte setzen, ist da sicher etwas dabei – sie sollten aber vor einem Kauf jede Aktie genauer unter die Lupe nehmen.

Investment-Beispiele Aktien:

Name

Gründungsjahr

Aktueller Kurs KGV* (2023) Gewinn/Aktie (2023**) Dividende (2023**)

Dividenden-
rendite (2023**)

BASF 1865

53,40 €

12,3

4,30 € 3,46 € 6,6 %
Bayer 1863 56,50 € 9,9 5,70 € 2,43 € 4,3 %
Continental 1871 68,60 € 9,0 7,18 € 2,33 € 3,6 %
HeidelbergCement 1874 63,90 € 8,8 7,18 € 2,49 € 4,2 %

Henkel

1876 65,02 € 18,4 3,55 € 1,88 € 2,9 %

Klöckner & Co

1906 9,87 € 27,5 0,35 € 0,20 € 2,1 %
Linde 1879 304,10 € 30,8 9,91 € 4,43 € 1,5 %
Merck 1668 182,55 € 20,3 9,01 € 2,11 €

1,2 %

Siemens 1847 143,84 € 18,3 7,83 € 4,41 € 3,1 %
ThyssenKrupp

1891 (Thyssen)

1903 (Krupp)
7,33 € 15,6 0,47 € 0,17 € 2,4 %

*KGV: Kurs-Gewinn-Verhältnis; ** Prognose; Fremdwährungen umgerechnet in Euro; Stand: 03.02.2023

Autor: Kai Makus
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