Boiler Room Scam

Anlocken, anrufen, abzocken: Tricks beim Online-Anlagebetrug

Die Online-Anzeige stellt eine äußerst attraktive Geldanlage in Aussicht. Kaum hat man sich auf der angeblichen Handelsplattform registriert, ruft ein vermeintlicher Anlageberater an. Schnell werden es mehr Anrufe und Sie Ihr Geld los – die Betrüger beherrschen ihr Handwerk. Die Tricks beim Boiler Room Scam und wie Sie sich wappnen können.

Es klingt zu schön, um wahr zu sein: In Zeiten von mauen Zinsen versprechen Online-Anbieter von Finanzprodukten lukrative Gewinne, angeblich ohne jedes Risiko. Ein paar Klicks im Internet genügen – und schon locken satte Renditen auf das angelegte Geld. Doch Achtung, lassen Sie sich nicht blenden: Hinter den angeblich seriösen Finanzmaklern stecken Betrüger. Beim Boiler Room Scam gehen sie mit besonders perfiden Methoden vor.

So wird das Opfer geködert

Ein Anleger möchte gewinnbringend Geld investieren und stößt auf ansprechend und seriös aussehende Online-Portale. Das kann auf verschiedenen Wegen passieren: Als Ergebnis in Suchmaschinen oder als Online-Werbung, aber auch in Zeitschriften werden solche Handelsplattformen beworben. Besonders spekulative Produkte wie

  • finanzielle Differenzkontrakte, sogenannte CFDs (Contracts for Difference),
  • binäre Optionen auf Aktien und Rohstoffe oder
  • Kryptowährungen, bei denen auf steigende oder fallende Kurse spekuliert wird,

sind Gegenstand der Betrugsmasche.

Achtung: Beim Handel mit CFDs und binären Optionen besteht nach Angaben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) grundsätzlich ein hohes Verlustrisiko. Auch lizensierten Finanzdienstleistungs- und Kreditinstituten ist die Vermarktung, der Vertrieb und der Verkauf binärer Optionen an Privatkunden untersagt.

Der Interessent lässt sich blenden und registriert sich auf der Plattform. Kaum sind seine Daten eingegeben, trifft schnell der erste Anruf vom „Makler“ ein.

Professionelles Auftreten und psychologische Tricks

Kenner der Szene berichten, dass die Betrüger am Telefon „unglaublich professionell“ auftreten und mit psychologischen Tricks arbeiten. Auf jede Frage wissen sie eine Antwort. Zögert ein Interessent, wird ihm erklärt, dass das Angebot nur noch für kurze Zeit gilt. Der Kunde entscheidet also immer vermeintlich selbst, weil er mit besonders gewinnversprechenden Wertpapieren gelockt wird. Er hat die Möglichkeit, seine vermeintlichen Kontobewegungen online jederzeit einzusehen. Das gehört zur Betrugsmasche, denn durch täuschend echte Handelsplattformen können auch erfahrene Anleger getäuscht werden, wenn die Kapitalanlage zunächst Gewinne abzuwerfen scheint. Dem Anleger stellt sich die eigene Anlageentscheidung vermeintlich als richtig dar. So fällt es ihm leichter, weiterzumachen.

Der Anleger wiegt sich in Sicherheit

Der Anleger lässt sich locken, investiert womöglich weitere und höhere Summen. Nur: Das Geld, das er einzahlt, wird nicht angelegt. Sowohl die Handelsplattform als auch das Kundenkonto sind Fake.

Will sich der Anleger sein Guthaben auszahlen lassen, ist entweder der angebliche Berater nicht mehr erreichbar oder der Kontakt zur Plattform blockiert. Was auch passieren kann: Der vermeintliche Berater täuscht einen Crash der Anlage vor. Der Anleger bangt nun um sein Geld. Das nutzen die Betrüger aus und animieren ihn dazu, weitere Beträge zu überweisen – damit ein Anwalt bezahlt werden kann. Auch dieses Geld ist letztendlich weg.

So wappnen sich Anleger vor Abzocke

Für die Betrüger ist die Masche lukrativ – sie erbeuten mutmaßlich Millionenbeträge. Auch das Bundeskriminalamt und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)mahnen zur Vorsicht. Die Aussichten, dass die Opfer ihr Geld zurückbekommen, stufen sie als „sehr gering“ ein.

So können Sie sich schützen:

  • Suchen Sie im Internet nach möglichst umfassenden Informationen über den Anbieter und das von ihm angepriesene Produkt.
  • Hat der Anbieter auf seiner Webseite ein Impressum? Wer ist der potenzielle Vertragspartner und wo hat er seinen Sitz?
  • Erkundigen Sie sich beispielsweise bei einer Verbraucherzentrale über das Finanzprodukt, bevor Sie Geld überweisen.
  • Prüfen Sie im Internet, ob der Anbieter ein von der BaFin oder ein von einem anderen EU-Land lizenziertes Unternehmen ist. Das geht jederzeit über die Unternehmensdatenbank der BaFin.
  • Vorsicht bei vermeintlichen Samaritern, die geprellte Anleger unterstützen wollen, ihr Geld zurückzuholen. Sie wollen die Abzocke fortsetzen. Kontaktieren Sie bei einem Verdacht die Polizei oder die BaFin.
  • Wimmeln Sie am Telefon Unbekannte ab, die Ihnen unaufgefordert Anlageangebote unterbreiten wollen. Legen Sie einfach auf.
  • Achten Sie auf die Empfängerbanken: Sind diese Banken Drittzahlungsdienstleister oder Börsen für Kryptowährungen, bei denen das Wallet Betrügern gehören kann, sollte Sie skeptisch sein.
Autor: ING