Brauchen und Wollen: Wie verstehen Kinder den Unterschied?

Mit diesen Tipps gibt es kein Gequengel im Spielzeuggeschäft oder Supermarkt

Eine neue Puppe, das glitzrige Stickerheft, das Malbuch oder eine CD – für Kinder ist die Welt voller Dinge, die sie unbedingt besitzen möchten. Nicht nur die Spielzeugabteilung wird oft zum Schauplatz für ausgedehnte Trotzanfälle, Tränen oder herzergreifende Diskussionen. Auch an der Supermarktkasse lauern Leckereien. Viele Eltern haben schon den ein oder anderen Schweißausbruch erlebt, wenn es wieder darum geht: Kaufen wir das – oder nicht? Streit ist programmiert.

Was brauchen wir zum Leben – und was nicht?

„Das muss nicht sein“, sagt Julia Topar, Leiterin der Finanzbildung beim Bundesverband deutscher Banken. „Auch kleineren Kindern lässt sich erklären, dass bestimmte Dinge in den Einkaufswagen wandern und andere nicht.“ Am besten sei es, Kindern die Unterschiede in ruhiger Atmosphäre zu erläutern – und nicht in der Schlange vor der Kasse, wenn der Wutanfall bereits naht. „Eine gute Möglichkeit ist es, Kindern zu erklären, dass es Dinge gibt, die man zum Leben braucht, wie beispielsweise die Milch im Kühlschrank oder das Brot und die Bananen.“ Kinder würden dann häufig selbst verstehen, dass das neue Puppenhaus oder die Schokoriegel an der Kasse nicht unbedingt sein müssten.

Stresssituationen für Eltern und Kinder vermeiden

Um die Enttäuschung kleiner zu halten, könnten Eltern aber natürlich immer darauf hinweisen, dass Kinder sich zum Geburtstag oder Weihnachten Dinge wünschen dürfen, die sie nicht unbedingt brauchen. „Wer klare Regeln für Supermarkt oder Kaufhaus aufstellt, kann in der Regel heftige Diskussionen vermeiden“, sagt Julia Topar.

  • Schon gewusst? Der Begriff Quengelware steht sogar im Duden. Er beschreibt Produkte in Supermärkten, die im Bereich der Kassen platziert werden. Sie sollen Kunden zum Kauf animieren, die mit kleinen Kindern an der Kasse warten. Typische Quengelware sind Kaugummis und Schokoriegel.

Joghurt aussuchen als Kompromiss

Auch Melina Jipp, Autorin von Büchern zu Finanzwissen für Kinder, empfiehlt, das Thema offen mit Kindern zu besprechen. Ihr Tipp: Kindern vor dem Einkauf im Supermarkt eine Kleinigkeit zu versprechen. Häufig reiche es schon, wenn sich das Kind einen eigenen Joghurt aussuchen darf. „Das kann in vielen Familien ein guter Kompromiss für Kind und Eltern sein“, sagt sie. Auch ein kleines Taschengeld helfe, Kindern den Wert von Geld zu vermitteln und ihnen deutlich zu machen, dass die Münzen und Scheine begrenzt seien – und man deshalb gut überlegen müsse, für welche Dinge man sie ausgebe. Wenn dennoch mal ein kleiner Wutanfall aufkäme, müssten Eltern damit jedoch leben – und ruhig bleiben.

Kindern die Verkaufstricks der Läden erklären

„Wichtig ist, dann nicht nachzugeben und bei seiner Meinung zu bleiben“, ergänzt Julia Topar. Sie hält es außerdem für sinnvoll, auch schon kleineren Kindern die Verkaufstricks der Läden zu vermitteln. „Kinder können durchaus verstehen, dass im Supermarkt die Süßigkeiten an der Kasse extra nochmal auf Augenhöhe der Kinder platziert werden, damit sie dort nochmal zugreifen“, sagt sie. Durch solche Erläuterungen fühlten sich Kinder ernstgenommen und könnten nach und nach begreifen, dass sie sich von solchen Verkaufsreizen nicht einlullen lassen müssten.

Fazit: Kinder können den Unterschied zwischen Brauchen und Wollen verstehen.

Um Streit, Wut und Tränen zu verhindern, gibt es folgende Tipps:

  • Mit Kindern gemeinsam überlegen, welche Dinge wirklich wichtig sind – und welche nicht.
  • Wunschlisten anfertigen für Geburtstage oder das Weihnachtsfest.
  • Kleinigkeiten wie einen Joghurt im Supermarkt versprechen.
  • Und ganz wichtig: Standhaft bleiben und zur eigenen Entscheidung stehen.