Gefälscht oder nicht? Wie verlässlich Bewertungen im Netz sind
Fake-Bewertungen beim Online-Shopping - Was stutzig machen sollte
Online-Shopping ist einfach und bequem. Doch bevor Kaufwillige im Netz ordern, schauen sich viele erst einmal die Bewertungen zu dem jeweiligen Produkt an und checken, wie viele Sterne es hat. Mitunter bauen Anbieter auch Zeitdruck auf – Bewertungen können dann eine schnelle Entscheidungshilfe sein. Nach einer repräsentativen Umfrage des Gütesiegelanbieters Trusted Shop spielen Shop- und Produktbewertungen für die meisten Deutschen eine wichtige Rolle bei Online-Käufen.
Erfunden oder gekauft
Dieses Vertrauen in Kundenbewertungen ist aber längst nicht immer gerechtfertigt. Dass unter den Rezensionen auch immer wieder gefälschte auftauchen, ist bekannt: Sie sind erfunden oder gekauft – entweder um den Anbietenden zu nutzen oder zu schaden. Untersuchungen zufolge gab es Zeiten, in denen 42 % der Produkt-Bewertungen beim Online-Händler Amazon erfunden oder gefälscht waren.
Amazon und andere Plattformen setzen inzwischen verstärkt auf KI-gestützte Systeme. Allein 2025 wurden laut Branchenberichten mehrere hundert Millionen gefälschte Bewertungen gelöscht, zusätzlich prüfen Teams verdächtige Rezensionen manuell. KI macht den Betrug aber auch raffinierter.
Amazon setzt aber auch auf die Hilfe der Kundschaft: Wer Zweifel an der Glaubwürdigkeit einer Rezension hat, solle auf den Link „Missbrauch melden“ klicken. Dieser befinde sich unterhalb jeder Bewertung.
Mehr gegen Fake-Bewertungen tun
Nicht nur bei Amazon, sondern auch anderswo im Online-Handel gibt es Fake-Bewertungen. Das hat das Bundeskartellamt schon vor Jahren auf den Plan gerufen. Die Behörde kommt nach einer Sektoruntersuchung zu dem Schluss, dass „viele Portale deutlich mehr gegen die Veröffentlichung gefälschter Bewertungen tun könnten“. Seit Mai 2022 gilt eine EU-Richtlinie, die Shops verpflichtet, offenzulegen, ob und wie Bewertungen geprüft werden. Analysen zeigen, dass viele Händler diese Pflicht noch immer nicht ausreichend umsetzen.
Agenturen für gekaufte Bewertungen – jetzt oft KI-gestützt
Der Markt für gefälschte Rezensionen hat sich weiter professionalisiert. Früher boten Agenturen Pakete wie „zehn Bewertungen für 100 Euro“ an, heute setzen viele Anbieter auf automatisierte Prozesse und künstliche Intelligenz. KI-Tools erstellen massenhaft Texte, die authentisch wirken und sich schwer von echten Bewertungen unterscheiden lassen. Laut Schätzungen des Weltwirtschaftsforums verursacht dieser Betrug weltweit Schäden von rund 152 Milliarden US-Dollar jährlich, in Deutschland etwa 7,8 Milliarden Euro. Besonders betroffen sind Branchen wie Tourismus, Gastronomie und Online-Handel. Die zunehmende Automatisierung macht es für Plattformen schwieriger, gefälschte Inhalte zu erkennen – trotz verbesserter Prüfmechanismen und KI-gestützter Gegenmaßnahmen.
Bewertungen nicht komplett verteufeln
Was also tun – Produktbewertungen vor einem Online-Kauf gar nicht erst beachten? „Man sollte es nicht komplett verteufeln“, findet Christian Wölbert vom Computermagazin „c’t“. Rezensionen könnten durchaus auf Defizite hinweisen oder ein Produkt aus einer anderen Perspektive beschreiben. „Man sollte sie nur nicht als unabhängiges Testergebnis ansehen.“ Kritisch sieht Wölbert die Vorgehensweise, ausschließlich nach negativen Bewertungen zu suchen. Denn es sei nicht ausgeschlossen, dass es sich auch bei diesen um Fake handele – etwa, um Konkurrenten zu schaden.
Mehrere Quellen nutzen: Der Verbraucherschutz rät, Online-Bewertungen nicht blind zu vertrauen. Besser sei es, verschiedene Quellen zu nutzen, bevor ein Produkt gekauft werde.
Tipps und mögliche Hinweise auf Fake-Rezensionen
Eine Methode, mit der man mit Sicherheit falsche von authentischen Rezensionen unterscheiden kann, gibt es laut Wölbert nicht. Aber bestimmte Hinweise sollten Sie stutzig machen:
- Lesen Sie andere Bewertungen des Rezensenten oder der Rezensentin. „Wenn das Profil nur Fünf-Sterne-Bewertungen hat, sollte man skeptisch werden“, sagt Wölbert.
- Gleiches gilt laut Verbraucherzentrale Brandenburg, wenn Bewertungen zu überschwänglich ausfallen.
- Prüfen Sie auch die Aktivität des oder der Bewertenden. Wie regelmäßig, in welchem Umfang und für welche Produkttypen werden Rezensionen abgegeben?
- Tipp der Stiftung Warentest: Treten positive Bewertungen in kurzer Zeit gehäuft auf oder folgen auf eine negative Bewertung mehrere richtig gute Rezensionen, dann ist dies verdächtig.
- Sie finden in einer Bewertung eine ungewöhnliche Formulierung? Geben Sie sie in einer Suchmaschine im Internet ein. Taucht sie im gleichen Wortlaut in einer anderen Bewertung auf, sollten Sie stutzig werden.
- Und noch ein Hinweis der Stiftung Warentest: Formulierungen wie „Ware flott geliefert“ hinterlassen einen positiven Eindruck, sagen aber nichts über die Produktqualität. User*innen sollten sich also nicht blenden lassen.
- Tipps zu Fake-Bewertungen beim Online-Kauf hat das Bundeskartellamt in einem kurzen Video zusammengetragen.
- Außerdem sollte man prüfen, ob der Anbieter Angaben zur Echtheitsprüfung macht (gesetzlich vorgeschrieben).