Gehaltsabrechnung verstehen

Was wissen Sie über Ihre Gehaltsabrechnung?

Verstehen Sie im Einzelnen, wie aus Ihrem Brutto- der Nettolohn wird? In unserer Serie „Dokumente verstehen“ erklären wir Ihnen Abkürzungen, Fachbegriffe und Hintergrundwissen zu wichtigen Unterlagen – dieses Mal zum Thema Gehaltsabrechnung.

Wer sich seine Gehaltsabrechnung ansieht, wirft als erstes einen Blick auf den Betrag, den der Arbeitgeber einem aufs Konto überweist. Doch diese Summe ist mit Abstand niedriger als die, die im Arbeitsvertrag steht. Woran das liegt? Vom monatlichen Bruttolohn gehen Steuer- und Sozialversicherungsbeiträge ab. Aber können Sie das konkret nachvollziehen? Schauen wir uns den Gehaltszettel von Benedikt Mustermann, der bei der Firma GmbH arbeitet, genauer an.

So wird aus Ihrem Brutto- der Nettolohn

A – Tarifgehalt: Die Firma GmbH ist ein Tarifunternehmen, das Benedikt monatlich, also laufend (lfd.), ein Tarifgehalt von 2.834 Euro zahlt. An dieser Stelle könnten zusätzlich zum laufenden Tarifgehalt auch Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld oder VL-Zuschüsse und Zuschläge aufgeführt sein, sofern sie vertraglich vereinbart sind. Alle regelmäßigen Bezüge zusammen ergeben den Basisbezug – der nicht zwingend das zu versteuernde Einkommen darstellt.

B – Steuerbrutto: Der Basiswert für die Berechnung der Steuerabgaben ist das Steuerbrutto oder, anders gesagt, das zu versteuernde Einkommen. Dieses kann durchaus niedriger sein als das „Gesamtbrutto“, oft auch als Bruttoeinkommen bezeichnet. In dieses werden zusätzlich Bezüge reingerechnet, die nicht steuerpflichtig sind – etwa steuerfreie Zuschläge für Sonn-/ Feiertags- und Nachtarbeit.

C – Steuerklasse: Ausschlaggebend für die Höhe der Steuerbelastung ist die Steuerklasse. Benedikt ist in Steuerklasse 1, da er ledig ist und keine Kinder hat. Sobald er heiratet, ändert sich auch seine Steuerklasse. Er käme dann automatisch in Steuerklasse 4. Je nach Einkommensverhältnis der Ehepaare ist zum Beispiel auch die Steuerklassenkombination 3/5 oder die Nutzung des sogenannten Faktorverfahrens möglich (siehe dazu auch G). Die Steuerklassenkombination 4/4 wird häufig bei annähernd gleichen Einkommen der Partner gewählt, die Kombination 3/5 bei unterschiedlicher Einkommensverteilung.

D – Lohnsteuer: Die Lohnsteuer richtet sich einerseits nach der Steuerklasse und andererseits nach der Höhe des Steuerbruttos. Benedikts Lohnsteuersatz beträgt mit seinem Gehalt 12,85% und entsprechend 364,16 Euro.

E – Kinderfreibeträge: Benedikt hat keine Kinder, weshalb dieses Feld auf seiner Abrechnung mit 0,0 gekennzeichnet ist. Den Kinderfreibetrag erhalten nur Eltern. Dieser gibt an, dass ein bestimmter Anteil des Einkommens steuerfrei bleibt. Für 2020 liegt der jährliche Freibetrag bei 7.812 Euro und kann in der Steuer geltend gemacht werden. Zusätzlich zum Kinderfreibeitrag gibt es weitere Frei- und Pauschbeträge. Der wichtigste ist der Grundfreibetrag, der jedem Bürger Deutschlands zur Verfügung steht. Er beträgt für 2020 9.408 Euro und wird bei der Steuer- und Gehaltsberechnung automatisch berücksichtigt.

F – Soli (und Kirchensteuer): Der Solidaritätszuschlag, kurz Soli, wird seit 1995 zur finanziellen Unterstützung der Deutschen Einheit erhoben und beträgt 5,5% der Lohnsteuer. Das heißt: Je mehr Lohnsteuer Benedikt zahlt, umso höher ist auch der Soli. Aktuell macht das bei ihm einen Abzug in Höhe von 20,02 Euro aus. Achtung: Ab 2021 fällt der Solidaritätszuschlag für viele weg bzw. reduziert sich. Wäre Benedikt Kirchenmitglied, müsste er zusätzlich Kirchensteuer zahlen. Sie berechnet sich ebenfalls anhand der gezahlten Lohnsteuer. In Bayern und Baden-Württemberg zahlen Kirchenmitglieder 8%, in den übrigen Bundesländern 9% der Lohnsteuer als Kirchensteuer.

G – Faktor: Wäre Benedikt verheiratet und hätte sich für die Steuerklassenkombi 4/4 mit Faktor entschieden, wäre das an dieser Stelle ersichtlich. Ehepartner oder Lebenspartner, die eine Aufteilung der Lohnsteuerbelastung untereinander gemessen an dem Verhältnis ihrer Arbeitslöhne anstreben, wählen oft diese Kombi. Mit dem Faktorverfahren kann dann die voraussichtliche Steuerschuld sehr genau ermittelt werden. Der entsprechende Faktor wäre an dieser Stelle eingetragen.

H – Krankenversicherung (KV): Den Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung in Höhe von 14,6% teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu gleichen Teilen. Das gilt seit Januar 2019 auch für den Zusatzbeitrag, der zuvor von Arbeitnehmern allein getragen wurde. Die Höhe des Zusatzbeitrags ist von Kasse zu Kasse unterschiedlich. Die günstigste Kasse erhob Anfang 2020 keinen Zusatzbeitrag; der höchste Zusatzbeitrag einer Kasse lag bei 2,7%. Benedikts Krankenkasse gehört zu den etwas teureren – er zahlt mit dem Zusatzbeitrag 8,8%. Bei seinem Gehalt entspricht dieser Wert 249,39 Euro.

i – Rentenversicherung (RV): Auch der Beitrag zu Rentenversicherung in Höhe von 18,6% wird zu gleichen Teilen von Arbeitnehmer und Arbeitgeber getragen. Aus diesem Grund zahlt Benedikt 9,3%, also 263,56 Euro für die RV.

J – Arbeitslosenversicherung (AV): Seit 2011 lag der volle Beitragssatz für die Arbeitslosenversicherung bei 3%. Davon zahlten ebenfalls Arbeitnehmer und Arbeitgeber je die Hälfte. Seit Januar 2020 kommt es bei der AV zu einer Beitragssenkung: Der Beitragssatz liegt nun bei insgesamt 2,4% – also jeweils 1,2 % für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Zuvor lag der Beitragssatz bei 2,5%. Benedikt zahlt 34,01 Euro.

K – Pflegeversicherung (PV): Die Beiträge zur Pflegeversicherung 2020 liegen im Vergleich zum Vorjahr unverändert bei 3,05%. Da auch dieser Beitragssatz von Arbeitnehmer und Arbeitgeber geteilt wird, zahlt Benedikt 1,275% sowie als kinderloser Arbeitnehmer einen weiteren Zuschlag von 0,25%. Das zusammengerechnet entspricht 1,525% und insgesamt 43,22 Euro.

L – Gesetzliches Netto: Die Steuer- und Sozialabgaben belaufen sich bei Benedikt zusammengerechnet auf 34,38% und dementsprechend rund 974,38 Euro. Von seinem Bruttolohn in Höhe von 2.834 Euro bleibt ihm am Monatsende ein gesetzliches Netto von 1.859,64 Euro. Ob dieser Betrag tatsächlich an Benedikt ausgezahlt wird, hängt davon ab, ob beispielsweise noch vermögenswirksame Leistungen oder Beträge zu einer Betrieblichen Altersvorsorge abgeführt werden.

M – Überweisung: Dieser Betrag landet dann als Überweisung tatsächlich auf Benedikts Konto.

Beitragsbemessungsgrenzen deckeln die Belastung der Sozialversicherung

Festzuhalten bleibt, dass die Abzüge etwa nach Höhe des Einkommens oder des Wohnorts schwanken. Eine Religionszugehörigkeit macht durch die Zahlung der Kirchensteuer ebenfalls einen finanziellen Unterschied, genau wie eine Hochzeit, Scheidung oder Kinder.

Ebenso entscheidend für die Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge sind Beitragsbemessungsgrenzen. Sie legen fest, dass von Gehältern über diesen Werten nur ein Maximalwert abgezogen wird. Es gibt von diesen Steuergrenzen zwei verschiedene. Erstens liegt die monatliche Beitragsbemessungsgrenze 2020 für die gesetzliche Renten- und Arbeitslosenversicherung bei 6.900 Euro im früheren Bundesgebiet und bei 6.450 Euro in den neuen Bundesländern. Und zweitens: Für Ost und West gleichermaßen liegt die Obergrenze für die Beitragsberechnung zur gesetzlichen Krankenversicherung seit Januar 2020 bei 4.687,50 Euro im Monat.

Soviel wird den Deutschen vom Bruttolohn abgezogen

Positiv wirken sich in erster Linie private Lebensumstände auf die Gehaltsabrechnung aus. Eine 2019 veröffentlichte Studie der OECD ermittelte, dass in Deutschland der Anteil von Steuern und Sozialabgaben gemessen an den Arbeitskosten für alleinstehende Durchschnittsverdiener im Jahr 2018 mit 49,5% besonders hoch war. Die Arbeitskosten setzen sich aus Bruttolohn und den Sozialabgaben der Arbeitgeber zusammen. Nach Belgien ist das der zweithöchste Wert innerhalb der OECD-Länder. Durchschnittlich sind es hier 36,1%.

Die Abgabenquote für Familien mit nur einem Erwerbstätigen fiel laut Studie hingegen deutlich geringer aus. Hier werden, bezogen auf die Arbeitskosten, 34,4% an Steuern und Sozialabgaben abgeführt, während es in Frankreich und Italien mehr als 39% sind. Der Grund für die geringere Belastung von Familien einem Alleinverdiener ist laut OECD, das Ehegattensplitting und die beitragsfreie Mitversicherung von Familienangehörigen.