Folgen des Klimawandels

Wie die Erderwärmung die Wirtschaft verändert

Der Klimawandel ist längst keine ferne Bedrohung mehr, sondern Alltag. Stürme, Überflutungen und Hitzewellen haben einer Berechnung zufolge in Deutschland in den vergangenen rund 30 Jahren für Schäden von inflationsbereinigt etwa 127 Milliarden US-Dollar gesorgt. Das geht aus dem Klima-Risiko-Index der Umweltorganisation Germanwatch hervor, der die ökonomischen und weitere Klimafolgen im Zeitraum 1993 bis 2022 in den Blick nimmt. Weltweit sorgten die Katastrophen in diesem Zeitraum demnach für Schäden von inflationsbereinigt rund 4,2 Billionen US-Dollar.

In der Debatte um die drohenden Folgen des Klimawandel steht die Verfügbarkeit von Wasser im Mittelpunkt: Sowohl ein Zuviel als auch ein Zuwenig an Wasser kann katastrophale Folgen haben und Schäden in Milliardenhöhe auslösen.

So war die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 nicht nur eine menschliche Tragödie mit mehr als 200 Todesopfern. Auch wirtschaftlich hinterließ sie tiefe Spuren: Der Schaden belief sich laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auf mehr als 33 Milliarden Euro. Demgegenüber führte die Rhein-Niedrigwasser-Krise von 2018 allein beim Chemiekonzern BASF zu Mehrkosten von 250 Millionen Euro. Damals sank die Frachttiefe des Rheins bei der Stadt Kaub über Wochen auf unter 30 Zentimeter, was die Transportkapazität um bis zu 80 Prozent einschränkte. „Für ein exportorientiertes Industrieland mit Just-in-Time-Produktion ist das ein erheblicher Nachteil“, konstatierte damals der Präsident des DIW Berlin, Marcel Fratzscher.

Globale Kraftanstrengung

Die Klimakrise gefährdet die natürlichen Grundlagen der Wirtschaft. Besonders deutlich zeigt sich das in der Landwirtschaft. Laut dem Thünen-Institut sanken die Erträge von Getreide und Mais in Deutschland in den Dürrejahren 2018, 2019 und 2022 im Schnitt um bis zu 25 Prozent.

Bei der 30. UN-Weltklimakonferenz (COP30) in Brasilien forderte Bundeskanzler Friedrich Merz im November 2025 eine „globale Kraftanstrengung“ im Kampf gegen die Erderwärmung. „Wir stehen in diesen Tagen an einer Weggabelung“, sagte er. Jedes Land müsse entscheiden, wie es der Erderwärmung begegnen wolle. Für Deutschland sei die Entscheidung klar: „Wir setzen auf Innovation und auf Technologie, um eben dem Klimawandel erfolgreich Einhalt zu gebieten“, betonte Merz.

Klimaschutz als Wirtschaftsfaktor

Tatsächlich erwirtschafteten Betriebe des Produzierenden Gewerbes und des Dienstleitungssektors hierzulande im Jahr 2023 rund 71 Milliarden Euro Umsatz mit Gütern und Leistungen für den Klimaschutz. Das entspricht nach Angaben des Statistischen Bundesamtes einer Steigerung von gut 15 Prozent zum Vorjahr. Der Klimawandel als Chance? Laut einer Umfrage der Europäischen Investitionsbank (EIB) aus dem Jahr 2023 sehen das 29% der Firmen in der Europäischen Union so.

Ein Umdenken ist auch geboten: Deutschland ist stark in die Weltwirtschaft eingebunden. Wenn Dürren Ernten mindern, Häfen nach Stürmen stillstehen oder Flüsse wegen Niedrigwasser für Frachtschiffe kaum passierbar sind, trifft das hiesige Unternehmen, Beschäftigte und Verbraucher über Lieferketten, Verfügbarkeit und Preise. Gleichzeitig schützt robuste Infrastruktur vieles.

In anderen Ländern sind die Risiken anders verteilt: Küstenstaaten leiden stärker unter Stürmen und steigenden Meeresspiegeln, landwirtschaftlich geprägte Regionen unter Dürren und Hitzewellen, Städte weltweit unter Überflutungen. Entwicklungs- und Schwellenländer tragen oft eine geringere historische Verantwortung, sind aber wirtschaftlich besonders verletzlich, weil Reserven, Versicherungen und Ausweichmöglichkeiten fehlen.

Gut zu wissen: Organisationen wie Germanwatch werten seit Jahren Extremereignisse und deren Folgen aus. Der Climate-Risk-Index dient ebenso wie frühere Ausgaben als Orientierung: Er zeigt, wo Wetterextreme in jüngerer Zeit besonders hart zugeschlagen haben und wo ökonomische Verluste stark zu Buche schlagen. Für Verbraucher ist das hilfreich, um die eigene Lage besser einzuschätzen und Entscheidungen für Vorsorge, Wohnort, Mobilität und Geldanlage zu treffen.

Klimapolitik, Klimapreis und CO2-Kosten

Klimapolitik setzt Leitplanken, damit aus Risiken Chancen werden. Ein zentraler Baustein ist der Klimapreis: Wer klimaschädliche Gase verursacht, muss dafür zahlen. So werden CO2-Kosten sichtbar und lenken Investitionen in Richtung Effizienz, erneuerbare Energien, intelligente Netze, klimafreundliche Mobilität und Gebäudesanierung.

Für Haushalte und Unternehmen lohnt sich Sparen und Umstellen, weil es Kosten senkt und Abhängigkeiten reduziert. Wichtig ist, dass Einnahmen sozial fair zurückgegeben werden und gezielt in Entlastung, Innovation und Vorsorge fließen. Denn Prävention ist billiger als Reparatur: Jeder Euro für Klimaschutz spart bis zu sieben Euro an Folgekosten durch Schäden, wie das Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW)im Jahr 2023 errechnet hat.

Neue Marktchancen

Wenn Deutschland konsequent handelt, einen Beitrag zum globalen 1,5-Grad-Ziel leistet und bis 2050 Klimaneutralität erreicht, sind die wirtschaftlichen Vorteile laut einer Studie des Deloitte Economics Institute gravierend. Deutschland müsse dazu in den kommenden Jahren deutlich in die Transformation seiner Wirtschaft investieren. Zunächst werde das Wachstum zwar etwas niedriger ausfallen als in einem Szenario der Untätigkeit. Es gebe jedoch einen Wendepunkt im Jahr 2028, ab dem die wirtschaftlichen Vorteile die Kosten der Abkehr von emissionsintensiven Produktionsprozessen ausgleichen.

Das Wachstum im Jahrzehnt nach 2040 wird demnach zunächst jedes Jahr um 0,8 Prozentpunkte höher ausfallen als in einer Welt des Nichthandelns. Im Jahr 2070, wäre das deutsche Bruttoinlandsprodukt 2,5 Prozent größer und damit 140 Milliarden Euro höher.

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