Verkehrswende: Sind Lastenräder eine Alternative für Sie?

Lastenräder – Nutzen und Nachteile der Transporträder

Menschen, die leidenschaftlich gern Auto fahren, fürs Lastenrad begeistern? Man müsse ihnen nur eine Woche lang ein elektrisches Lasten-Bike zur freien Verfügung stellen, meint Marcus Dittberner, Geschäftsführer des Lastenrad-Herstellers sblocs bikes. Mache die jeweilige Person dann auch noch einen Kostenvergleich, werde sie vollends vom Lastenrad überzeugt sein. „Die einen überzeugt das emotionale Fahrerlebnis eines guten E-Bikes, die anderen die schlichte Kostenrechnung”, sagt Dittberner.

Gut zu wissen: Der ökologische Verkehrsclub VCD hat einen Calculator aufgesetzt. Sie können die Kosten vom Lastenrad berechnen und mit den Kosten ihres Automobils vergleichen.

Nur für Großstadt-Ökos mit dicken Geldbeuteln?

Als die Grünen die Idee formulierten, den Kauf von privaten Lastenrädern mit 1.000 Euro zu bezuschussen, ernteten sie viel Hohn und Spott. Dieses Gefährt könnten sich nur die Großstadt-Ökos mit ihren dicken Geldbeuteln leisten, hieß es von den Kritikern. „Eine Förderung von Lastenrädern halte ich für sehr richtig”, sagte Grünen-Parteichefin Annalena Baerbock im ARD-Interview. Von der Förderung könnten auch Menschen ohne Führerschein und ohne eigenes Auto profitieren.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Clubs (ADFC) begrüßte den Vorschlag der Grünen. „Der Vorschlag für eine Bundesförderung von Lastenrädern ist ausgesprochen zeitgemäß, denn sie trägt dazu bei, den Menschen die Alternativen zum Auto schmackhaft zu machen”, sagte ADFC-Bundesgeschäftsführerin Ann-Kathrin Schneider.

Wollen Sie rauf aufs Lastenrad?

Lastenräder sind stabil gebaut und bieten Platz für Transporte – haben aber, je nach Modell, sowohl verschiedene Vor- als auch Nachteile. Vor einer Anschaffung müssen Sie zunächst eine grundlegende Entscheidung treffen: Möchten Sie die Variante mit zwei oder mit drei Rädern? Denn das Fahrgefühl und die Lenkung unterscheiden sich.

Zweirädrig

  • Pro: Mit zweirädrigen Lastenrädern kommen Sie schneller durch den Verkehr als mit dem – nachfolgend beschriebenen – dreirädrigen Modell.
  • Contra: Das Gleichgewicht muss gehalten werden, auch wenn es schwer bepackt ist.

Dreirädrig

  • Pro: Diese Modelle haben in der Regel mehr Stauraum und kippen nicht um.
  • Contra: Autoschlangen können schwerer passiert werden und die Fahrzeiten sich somit verlängern.

Dann bleibt da noch die Frage: Möchten Sie ein Lastenrad mit oder ohne Elektroantrieb? Mittlerweile werden die meisten Lastenradmodelle auch mit E-Antrieb angeboten. Ob Sie diese Variante bevorzugen oder nicht, hängt ganz von Ihren Lebensgewohnheiten ab. Wer längere Strecken zurücklegt, häufig große Lasten transportiert oder zum Beispiel gleich mehrere Kinder an Bord hat, ist mit einem E-Antrieb gut bedient. Sportliche können auch auf den E-Motor verzichten.

Welche Modelle gibt es?

Trike: Dieses Modell hat drei Räder und ist nicht für Flitzer geeignet. Bei den meisten Trike-Modellen ist die Ladebox vorne angebracht. Das Trike wird gerne auch dazu genutzt, um Kinder mitzunehmen.

Achtung: Wenn in der Ladebox geeignete Sitze, bestenfalls mit Sicherheitsgurten, eingebaut sind, dürfen Kinder befördert werden. Der ADAC empfiehlt, Kindern in den Transportboxen auch Fahrradhelme aufzusetzen.

Long John: Wie der Name schon verrät, ist diese zweirädrige Ausgabe sehr lang. Die Ladebox befindet sich zwischen Lenker und Vorderrad. Man kann mit Long John auch auf schmaleren Radwegen fahren. Insgesamt ist es eher für sportlichere Menschen geeignet.

Bäcker- oder Postfahrrad: Diese Variante hat einen tiefen Einstieg, die Ladefläche ist vor dem Lenker platziert und mit dem Rahmen verbunden. Meist ist das Vorderrad etwas kleiner als das hintere Rad. Das Bäckerfahrrad hat aber weniger Stauraum als Trike und Long John.

Backpacker: Wie ein herkömmliches Fahrrad fühlt sich dieses Modell an, hat aber einen langgezogenen Gepäckträger, wo auch bis zu zwei Kindersitze Platz finden können.

Wie teuer sind Lastenräder?

Günstige Modelle gibt es schon ab 1.500 Euro. Möchten Sie aber ein Lastenrad mit Elektro-Antrieb haben, müssen Sie tiefer in die Tasche greifen. Bei hochwertigen Modellen können das durchaus schon mal 7.000 Euro werden, wie man bei verschiedenen Händlern sehen kann.

Inzwischen bieten viele Händler auch Dauermietverträge für Lastenräder an. Das ist besonders für diejenigen praktisch, die sich keine Sorgen um Serviceintervalle und Versicherungen machen möchten, denn in der Regel ist mit dem Mietpreis alles abgegolten. Wenn das Rad vornehmlich ein Sommergefährt für Familienausflüge zum Badesee sein soll, kann sich die saisonale Miete lohnen. Die Mietkosten liegen bei ungefähr 200 Euro pro Monat. Mögliche Nachteile: Am Leihrad kann man keine Veränderungen vornehmen. Zudem fährt man in der Regel auch die Werbung des Vermieters großflächig spazieren. Das mag nicht jeder.

Wer nur mal kurz reinschnuppern will: In einigen Städten kann man - zeitlich begrenzt - sogar kostenlos Lastenräder ausleihen. Wer das Rad ganzjährig nutzt und nicht bloß 1 oder 2 Jahre, macht als Käufer langfristig den besseren Schnapp. Doch nicht jeder möchte oder kann 4.000 – 6.000 Euro (je nach Modell und Ausstattung) auf den Tisch legen. Wer dennoch kaufen möchte, kann auch nach Händler- und Bankkrediten schauen. Bei der ING darf dafür sogar der zinsgünstige Autokredit verwendet werden.

Welche Förderungen gibt es?

Noch existieren keine deutschlandweiten Förderprogramme für Privatpersonen, sondern nur für den gewerblichen Gebrauch. Trotzdem haben einige Bundesländer und Kommunen eigene Programme für die private Nutzung aufgelegt – es sind je nach Wohnort mehrere hundert Euro Fördergeld möglich. Ob es in Ihrem Bundesland auch eine private Förderung gibt, können Sie etwa auf der Seite cargobike.jetzt nachschauen.

Wann greift die staatliche Förderung von Lastenrädern?

E-Lastenräder und –anhänger werden laut Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) dann gefördert, wenn sie für gewerbliche Transportzwecke eingesetzt werden.

Antragsberechtigt sind laut BAFA:

  • private Unternehmen, unabhängig von ihrer Rechtsform und der Art ihrer Tätigkeit
  • Unternehmen mit kommunaler Beteiligung
  • Kommunen, also auch Landkreise und Gemeinden
  • Körperschaften und Anstalten des öffentlichen Rechts wie etwa Hochschulen
  • rechtsfähige Vereine und Verbände

Achtung: Im Rahmen des Programms „Barrierefreiheit für alle“ von der Aktion Mensch gibt es seit dem 1. Mai 2021 bis zu 5.000 Euro Förderung für Cargobikes mit Pedelec25 E-Antrieb zur Beförderung von Menschen mit Behinderung. Den Antrag kann eine gemeinnützige Organisation bei der Aktion Mensch stellen.

Werden mehr auf Lastenräder umsteigen?

Im vergangenen Jahr sind nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands etwa 103.200 Lastenräder in Deutschland verkauft worden. Im Vergleich zu herkömmlichen Fahrrädern und E-Bikes (5 Millionen) ist das noch eine geringe Anzahl. Der Fahrradclub ADFC sieht das Problem und den Handlungsbedarf beim Ausbau der Fahrradwege. ADFC-Geschäftsführerin Schneider ist aber optimistisch: „Noch mehr werden umsteigen, wenn die Infrastruktur nicht mehr in erster Linie fürs Auto gemacht ist, sondern den umweltfreundlichen Verkehr ins Zentrum rückt.“