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Pflanzenbasierte Getränke

Der Oatly Börsengang rückt Milchalternativen in den Fokus

In den letzten Jahren verzeichnen pflanzenbasierte Getränke in Europa und den USA zweistellige Verkaufsanstiege. Molkereiunternehmen sind nun unter Zugzwang, in den Markt pflanzenbasierter Alternativen einzusteigen und die Nachhaltigkeit ihrer Produktlinie entsprechend zu verbessern.

Pflanzenbasierte Alternativen mischen den Markt auf

Pressemitteilungen über den Börsengang veganer Hersteller von pflanzenbasierten Milchersatzprodukten machen deutlich, dass es nicht unbedingt Molkereierzeugnisse braucht, um groß und stark zu werden.

Besonders überraschend ist diese Entscheidung nicht, da pflanzenbasierte Nahrung seit Jahren für rege Diskussionen in der Nahrungsmittelindustrie sorgt. Der vegane Burger Produzent „Beyond Meat“ zeigte Investoren beim Börsengang 2019, dass pflanzliche Alternativen durchaus den Markt aufmischen können.

Obwohl die Einzelhandelsumsätze pflanzenbasierter Getränke größer sind als die der Fleisch Ausweichprodukte, fehlt dem alternativen Milchmarkt ein Zugpferd. Trotzdem steigen die Umsätze stark und Oatly scheint sich als Marktführer positionieren zu wollen. Traditionelle Molkereiunternehmen verspüren nun den Druck in den pflanzenbasierten Markt einzusteigen. Gleichzeitig wird es immer wichtiger, Bemühungen hinsichtlich einer eigenen nachhaltigen Molkereiproduktlinie aufzustocken.

Pflanzenbasierte Getränke übertreffen Marktanteil von pflanzenbasiertem Fleisch

In den letzten Jahren verzeichnen pflanzenbasierte Getränke in Europa und den USA zweistellige Verkaufsanstiege. Innerhalb des Segments für pflanzenbasierte Ersatzprodukte stechen Milchalternativen heraus, weil sie bereits einen beachtlichen Anteil des gesamten Milchmarktes ausmachen. Der geschätzte Gesamtanteil im Einzelhandel liegt in den USA bei 14% und in Europa bei 10%.

Im direkten Vergleich haben Fleischersatzprodukte und andere Molkereialternativen lediglich einen Marktanteil von 1% oder weniger. In den USA sind Mandelmilch-Erzeugnisse die Populärsten, in Europa ist Sojamilch die beliebteste Milchalternative. Auch Hafermilch-Erzeugnisse haben jedoch rapide an Bedeutung zugelegt und überholen in den USA Sojamilch als die am zweitmeisten gekaufte Milchalternative.

Milchalternativen können in Europa bis 2025 zu einem 5-Milliarden-Euro-Markt heranwachsen

Die zentrale Herausforderung für Produzenten von pflanzenbasierten Alternativen ist es, die Preisschere im Vergleich zu klassischen Fleisch - und Milchprodukten zu senken und Aspekte wie Geschmack, Textur und Verfügbarkeit zu verbessern.

Viele europäische und amerikanische Kunden haben bisher noch kein pflanzenbasiertes Getränk erworben. In Europa rangiert die Zahl der Käufer von pflanzenbasierten Getränken zwischen 30% und 50%. Das ist noch um einiges niedriger als normale Milch, welche einen Anteil von mehr als 90% hält.

Sofern diese Unternehmen Erfolge erzielen, erwarten wir vom europäischen Markt für Milchalternativen eine Entwicklung von drei Milliarden Euro Umsatz bis hin zu fünf Milliarden Euro bis 2025. Die Beliebtheit von pflanzenbasierten Getränken sowie Joghurt- und Eis-Ersatzprodukte werden zum Wachstum beitragen.

Viele Molkereiunternehmen sind noch nicht bei den pflanzlichen Alternativen angekommen – bis jetzt

Während Start-Ups wie Oatly und etablierte Unternehmen wie der französische Molkerei-Gigant Danone eine vegane Sparte hochgezogen haben, warten einige Molkereiunternehmen noch ab und beobachten den Markt. Obwohl der Milchkonsum in Europa und den USA abnimmt, gibt es einen Zuwachs an Molkereierzeugnissen à la Käse und Joghurt und außerdem gesteigerten Export in Entwicklungsmärkte.

Viele Molkereiunternehmen in Europa haben erst in den letzten zwei Jahren angefangen, pflanzenbasierte Produkte zu testen. Dadurch ergibt sich für diese Unternehmen die Möglichkeit, auf das existierende Wissen der Verbraucherpräferenzen aufzubauen und von etablierten Lieferketten und Verträgen mit Verkäufern zu profitieren.

Pflanzenbasierte Alternativen sorgen für mehr Nachhaltigkeit in der Milchindustrie

Der abnehmende Milchkonsum und der Zuwachs an pflanzenbasierten Milchalternativen zeigen deutlich, dass die Ära der Milch als unangefochtenes Grundnahrungsmittel hinter uns liegt – zumindest im westlichen Markt.

In vielerlei Hinsicht sehen sich Hersteller von pflanzenbasierten Getränken als nachhaltigere Alternative, gemessen an der niedrigeren CO2-Emission pro Glas. Die Wirkung geht über die eigenen Tätigkeiten hinaus: Sie bringen andere Molkereiunternehmen durch ihren Erfolg dazu, mehr Kapazitäten in nachhaltigere Produktlösungen zu investieren.

Autor: ING