Rentenalter? Flexibel!
So läuft die Altersvorsorge in Schweden
Immer mehr Rentnerinnen und Rentner bei immer weniger Beitragszahlenden: Aufgrund der demografischen Entwicklung steht das derzeitige deutsche Rentensystem unter Druck. Oft heißt es, das Rentenmodell in Schweden könnte ein Vorbild für eine Reform in Deutschland sein. Aber ist das wirklich so?
Stichwort „Rentenalter flexibel“: In Schweden gibt es statt eines festen ein flexibles Rentenalter. Versicherte können ihre Altersrente – mit Abschlägen – frühestens ab dem Monat beantragen, in dem sie 63 Jahre alt werden. Seit Einführung des Richtalters orientiert sich der reguläre Rentenbezug an einem Alter von derzeit 67 Jahren. Wer früher in Rente geht, erhält in der Regel niedrigere monatliche Zahlungen.
Und: „Trotz Rentenbezug können Beschäftigte in Schweden weiterarbeiten und neue Rentenansprüche generieren“, sagt Klaus Morgenstern vom Deutschen Institut für Altersvorsorge (DIA). Zusätzlich macht das Steuersystem längeres Arbeiten attraktiver, etwa durch geringere Abgaben im höheren Alter.
Schweden erhöht das Renteneintrittsalter
In Deutschland gibt es aktuell immer mal wieder die Forderung, das Renteneintrittsalter weiter zu erhöhen, um die Rentenversicherung zu entlasten.
In Schweden hingegen ist 2023 eine Erhöhung des frühesten Renteneintrittsalters erfolgt – eben auf 63 Jahre. Da die Lebenserwartung steigt, passt sich auch das Renteneintrittsalter an. Für 2026 liegt das Richtalter bei 67 Jahren. Es dient als Orientierungspunkt für verschiedene Rentenleistungen und soziale Sicherungssysteme.
Kapitalgedeckte Rente ist Teil des schwedischen Rentenmodells
Aber nicht nur mit einem flexiblen Rentenalter macht Schweden von sich reden. Auch das Rentenmodell als solches unterscheidet sich von dem in Deutschland. So fließen insgesamt 18,5 % des beitragspflichtigen Einkommens in die staatliche Altersvorsorge, davon 16 % in die umlagefinanzierte Einkommensrente und 2,5 % in die kapitalgedeckte Prämienrente.
Jedem Arbeitnehmenden steht es frei zu entscheiden, wo er oder sie konkret das Geld investiert: Neben zahlreichen Fonds privater Anbieter gibt es auch einen staatlich verwalteten Standardfonds. Dort laufen die Beträge automatisch ein, falls man nicht aktiv auf einen privaten Fonds setzt.
Für Arbeitnehmende ist die Rentenhöhe im Alter ungewiss
Wie hoch die Rente eines Tages im Alter durch Einzahlungen in das Umlageverfahren ausfällt, ist in Schweden ungewiss. Anders als früher gibt es keine Garantie für ein Rentenniveau. Über eine komplizierte Formel errechnen sich die Auszahlungen. Ist die Konjunktur in Schweden im Abwärtstrend und steigt die Lebenserwartung, fallen die Rentenbezüge automatisch geringer aus.
Wichtig zu wissen: Die Höhe der Prämienrente ist nicht garantiert und kann schwanken. Entwickeln sich Kapitalmärkte gut, steigt sie – laufen sie schwach, fällt sie geringer aus.
Betriebliche Altersversorgung als weitere Säule im schwedischen Rentensystem
Die betriebliche Altersversorgung (bAV) ist eine weitere Säule im schwedischen Rentensystem. Ihr Anteil an der Gesamtrente soll zwischen 25 % und 30 % ausmachen. Arbeitgeber zahlen typischerweise etwa 4,5 % des Bruttoeinkommens oder mehr in kapitalgedeckte Rentenpläne – abhängig vom jeweiligen Tarifmodell.
Viele Beschäftigte können dabei aus unterschiedlichen Anlageformen wie Anleihen oder Aktienfonds wählen. Auch hier gilt: Die Rendite ist nicht garantiert. Rund 90 % der Arbeitnehmenden profitieren von einer betrieblichen Altersvorsorge. Zusätzlich nutzen viele Menschen in Schweden eine private Altersvorsorge, um ihre späteren Einkünfte zu ergänzen.
Grundrente als Mindestsicherung im Rentensystem
Wer in Schweden während des Berufslebens nur ein geringes Einkommen erzielt hat, erhält eine Grundrente zur Sicherung des Lebensunterhalts. Diese wird aktuell frühestens ab etwa 66 Jahren gezahlt und ist ebenfalls an steigende Lebenserwartung gekoppelt.
Die Höhe hängt unter anderem von der bisherigen Rente, der Wohnzeit in Schweden und dem Familienstand ab. Ergänzend kann Wohngeld beantragt werden. Kritiker bemängeln, dass die Grundrente allein oft nicht ausreicht, um Armut sicher zu vermeiden.
Fazit: Wer Schweden als Vorbild für Rentenreformen betrachtet, muss sich auch die Kapitalanlagerisiken vor Augen führen. „Größere Schwankungen der Rentenleistungen können für erhebliche Unruhe in der Bevölkerung sorgen und damit zu politischen Verwerfungen führen“, warnt Klaus Morgenstern.
Übrigens: Eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) beleuchtet die Alterssicherungssysteme in sechs europäischen Ländern, darunter Schweden – mit einem besonderen Blick auf dortige Rentenbausteine mit Kapitaldeckung.