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Teures Studium

In vielen Fällen lassen sich Studienkosten absetzen

Wohnen, Essen, Studiengebühren – ein Studium verschlingt über die Jahre viel Geld. Studenten und Eltern können in ihrer Steuererklärung in einigen Fällen Studienkosten absetzen. Was zu beachten ist.

Das Wintersemester 2017/2018 war ein Rekord-Semester: An den deutschen Hochschulen schrieben sich nach Daten des Statistischen Bundesamtes zu Beginn des Semesters knapp 2,85 Millionen „Erstis“ ein. Diese Studenten investieren natürlich nicht nur Zeit. Ein Studium kostet auch eine Menge Geld. Doch wer es schlau anstellt, kann einen Teil der Studienkosten absetzen.

Wie viel kostet ein Studium?

Aus der Portokasse lässt sich ein Studium nicht bezahlen. Nach Zahlen des Deutschen Studentenwerkes (DSW) von 2017 haben Studenten im Schnitt Kosten von monatlich 800 Euro und jährlich 9.600 Euro. Wer drei Jahre für den Bachelor büffelt, kommt auf rund 29.000 Euro, der Masterabschluss schlägt je nach Studiendauer zusätzlich mit mehr als 19.000 Euro zu Buche. Beides vorausgesetzt, die Studenten absolvieren ihr Studium in der Regelstudienzeit.

Mit monatlich 323 Euro stellen Mietkosten den größten Anteil an den Studienkosten dar. Zusätzlich fallen Aufwendungen etwa für Lebensmittel in Höhe von durchschnittlich 168 Euro, Lernmittel (20 Euro) und Fahrtkosten (97 Euro) an. Den eigenen Bedarf und Finanzierungsmöglichkeiten können Studenten zum Beispiel über diesen Bedarfsrechner des Studienfinanzierers Deutsche Bildung ermitteln.

Insgesamt 18% der Studenten beziehen BAföG – neuen Berechnungen zufolge reicht der BAföG Höchstsatz von 735 Euro allerdings nicht mehr aus, um die Kosten zu decken. Inzwischen geht das DSW davon aus, dass der Bedarf vielerorts die 1.000 Euro Grenze knackt. Dazu passt, dass der 21. Sozialerhebung des DSW zufolge zwei Drittel (68%) der Studenten erwerbstätig sind – 6% mehr als noch 2012. Und, dass 86% der Studenten laut Deutschem Studentenwerk einen Zuschuss von zu Hause erhalten. Im Schnitt verfügt jeder Student über 918 Euro im Monat.

Sonderausgaben im Erststudium, Werbungskosten im Zweitstudium

Bitter für viele Studenten: Im Erststudium ist es nicht vollumfänglich möglich, dass sie ihre Studienkosten von der Steuerabsetzen. Diese können sie beim Finanzamt nur als Sonderausgaben bis zu maximal 6.000 Euro pro Kalenderjahr geltend machen. „Das bringt in der Regel keine Steuererleichterung, weil die wenigsten Studenten ein Einkommen oberhalb des 2018 geltenden Grundfreibetrags in Höhe von 9.000 Euro (2019: 9.168 Euro) haben“, sagt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Neuen Verbandes der Lohnsteuerhilfevereine (NVL, Berlin).

Doppelt gemein: Studenten im Zweitstudium erleichtert es das Finanzamt, ihre Studienkosten absetzen zu wollen. „Sie können ihre Ausgaben fürs Studium als Werbungskosten deklarieren und sie als sogenannten Verlustvortrag in künftige Jahre übertragen“, sagt der Experte. „Wenn der Student später in den Beruf einsteigt, können die Werbungskosten aus dem Studium nachträglich vom Fiskus berücksichtigt werden.“ Bislang profitieren von diesem Steuervorteil und davon, dass sie weitaus mehr Studienkosten absetzen können, nur Erststudenten, die berufsbegleitend studieren (duales Studium), Studenten im Zweitstudium (darunter Master-Studenten) und alle, die nach abgeschlossener Berufsausbildung ein Studium beginnen.

Auf jeden Fall mit der Steuererklärung Studienkosten absetzen

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat bereits vor 5 Jahren die Frage aufgeworfen, ob die aktuelle Regelung verfassungswidrig ist und „richtige Erstis“ finanziell benachteiligt. Das bedeutet: Möglicherweise können in Zukunft alle Studenten ihre Studienkosten absetzen und ihre Aufwendungen für das Erststudium ebenfalls als Werbungskosten deklarieren. Wann und wie das Bundesverfassungsgericht in dieser Frage entscheidet, ist weiterhin unklar.

Tipp: Wichtig ist, dass Studenten auf jeden Fall eine Einkommensteuererklärung abgeben und für das Erststudium als Werbungskosten ihre Studienkosten absetzen. Zunächst erkennt das Finanzamt die Kosten auf Grund der aktuellen Rechtslage vom Finanzamt nicht an, Studenten können dann gegen den Steuerbescheid Einspruch einlegen und auf das ausstehende Urteil hinweisen. Der Fall bleibt damit bis zu einer endgültigen Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts offen.

Welche Ausgaben Studenten als Studienkosten absetzen können

Als abzugsfähig zählen Ausgaben für Lernmittel wie Bücher, sämtlicher Bürobedarf, Studiengebühren, Semesterbeiträge, Fahrtkosten, ein eigenes Arbeitszimmer, technische Ausstattung wie Computer, Drucker, Tablet, Kosten für Praktika. Auch Auslandssemester und alle damit zusammenhängenden Aufwendungen wie z.B. Flüge sind absetzbar. Wer alle Belege aus dem Studium sammelt und sich die Werbungskosten jedes Jahr vom Finanzamt per Steuerbescheid als Verlust vortragen lässt, spart in den ersten Berufsjahren einen Teil der Einkommensteuer.

Eltern können Studienkosten absetzen

Eltern mit studierenden Kindern können Steuern sparen, indem sie Studienkosten absetzen. Die deutsche Lohnsteuerhilfe gibt an, dass Eltern, die einen Anspruch auf Kindergeld bzw. den Kinderfreibetrag haben, bei der Steuererklärung pauschal den Ausbildungsfreibetrag von 924 Euro geltend machen können. Voraussetzung: der Nachwuchs wohnt nicht mehr zu Hause. Gibt es kein Kindergeld mehr, weil das Kind z.B. das 25. Lebensjahr vollendet hat, können die Eltern Unterhaltszahlungen bis zu einem Betrag von 9.000 Euro pro Jahr (2019: 9.168 Euro) als außergewöhnliche Belastung absetzen. Verdient das Kind neben dem Studium eigenes Geld, wird das Einkommen – bis auf einen Freibetrag von 624 Euro pro Jahr – allerdings von den 9.000 Euro abgezogen. Unter Umständen können Eltern zusätzlich ihre Zahlungen für Kranken- und Pflegeversicherung des studierenden Kindes steuermindernd geltend machen.

Wir freuen uns, wenn dieser Artikel zum Thema Steuern hiflreich für Sie war. Wichtig: Es handelt sich hierbei um allgemeine Tipps, die eine Prüfung des Einzelfalls nicht ersetzen können. Haben Sie dazu Fragen? Dann wenden Sie sich bitte an Ihren Steuerberater oder Ihr zuständiges Finanzamt.

Autor: ING