Privatkunden

Eigene Ladestation für Elektroautos gefragt

Wallbox-Boom: Förderung für E-Autofahrer – Große Nachfrage nach Geld vom Staat

Wer mit einer eigenen Wallbox für E-Autos liebäugelt und diese mit Fördergeld der Bundesregierung aufladen will, sollte sich beeilen. Laut Ministerium treffen im Schnitt täglich 2.500 Anträge ein.

Die staatliche Förderung privater Ladestationen für Elektroautos hat einen regelrechten Boom ausgelöst. Mehr als 300.000 Ladepunkte wurden laut Bundesverkehrsministerium inzwischen (seit November 2020 bis kurz vor Ende Februar) beantragt. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer freut sich in einer Mitteilung: „Diese enorme Nachfrage zeigt, dass wir goldrichtig liegen mit unserem Förderprogramm.”

Hintergrund: Um die Mobilitätswende voranzutreiben, bezuschusst die Bundesregierung seit November 2020 die Installation privater Wandladestationen. Mittlerweile wurde die Förderung auf 400 Millionen Euro aufgestockt.

Werden Stromer alltagstauglicher?

Der ADAC begrüßt die Förder-Entscheidung des Bundes: Jenseits der öffentlichen Ladeinfrastruktur seien Fortschritte beim privaten Laden wichtig, sagt ADAC-Sprecherin Katrin van Randenborgh. Um den weiteren Markthochlauf der Elektromobilität zu gewährleisten, sei die Entscheidung der Bundesregierung, Förderung privater Ladestationen aufzustocken, richtig. „Ein großer Anteil der Ladevorgänge findet zu Hause statt, Fortschritte an dieser Stelle erhöhen deshalb die Alltagstauglichkeit von E-Fahrzeugen deutlich”, sagt van Randenborgh.

Wer kann die Wallbox-Förderung beantragen?

Die Förderung beantragen können etwa:

  • Privatpersonen
  • Wohnungseigentümergemeinschaften
  • Wohnungsunternehmen
  • Wohnungsgenossenschaften
  • Bauträger

900 Euro – aber nicht weniger?

Der Zuschuss über die Förderbank KfW beträgt 900 Euro pro Ladepunkt. Sollten die Gesamtkosten für das Vorhaben unter 900 Euro liegen, wird keine Förderung gewährt. Wer an den Fördertopf will, kann im KfW-Zuschussportal den Antrag stellen.

Förderung gibt es für:

  • die Wallbox selbst
  • das Energie- und Lademanagementsystem zur Steuerung der Station
  • den elektrischen Anschluss
  • die Installation durch einen Elektriker
  • eventuelle Erdarbeiten, um Kabel zu verlegen

Bedingungen sind etwa, dass die Ladestation

  • über eine Normalladeleistung von 11 kW verfügt sowie
  • intelligent und steuerbar ist.

Wichtig: Der Strom fürs Aufladen muss ausschließlich aus erneuerbaren Energien stammen, etwa vom Energieversorger mit Ökostrom-Tarif oder von der eigenen Photovoltaik-Anlage, wie die KfW erläutert.

Der ADAC weist darauf hin, dass das „Windhundprinzip” gelte – anders ausgedrückt: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst”. Informationen zum Antragsverfahren finden sich hier.

Wenn die 400 Millionen Euro aufgebraucht sind?

Sollte der Topf vom Bund leer sein, müssen Interessierte nicht unbedingt auf eine Förderung verzichten. Es gibt verschiedene regionale und lokale Fördertöpfe für E-Mobilität.

Beispiel München: Wer in Bayerns Landeshauptstadt auf die Förderprogramme vom Bund verzichtet, kann sich über das stadteigene Förderprogramm Elektromobilität unterstützen lassen.

Wo gibt es ebenfalls Geld für Stromer?

Einige Energieversorger sind auf den Hype aufgesprungen. Laut ADAC fördern sie mit Zuschüssen den Umstieg auf Elektromobilität. Denn für Stromanbieter ist ein Kunde, der ein Elektroauto fährt, ein „guter Kunde” – er verbraucht im Durchschnitt mehr Strom als jemand ohne Stromer.

Gelingt Verkehrswende mit der Förderung privater Ladestationen?

Auch die Zahl der öffentlichen Ladestationen hat sich laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) deutlich erhöht: Inzwischen sind demnach 39.538 Ladepunkte im Ladesäulenregister des Verbands gemeldet. Vor fünf Jahren seien es noch 7.400 gewesen.

500 000 Fahrzeuge mit reinem Elektroantrieb oder Hybridantrieb sind laut BDEW aktuell in Deutschland zugelassen.

Laut einer aktuellen Studie vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung beflügelt der Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos auch die Kaufwilligkeit der Konsumenten. RWI-Umweltökonom Stephan Sommer hält auch die private Ladeinfrastruktur für wichtig, um die E-Mobilität auszubauen. „Laut Informationen der KfW finden 54 % der Ladevorgänge zu Hause statt”, sagt er.

Doch wie Sommer betont auch Markus Emmert vom Bundesverband eMobilität: „Die Förderung ist sicherlich richtig und begrüßenswert, allerdings wird es höchste Zeit, dass die Ladeinfrastruktur mit einer wettbewerbsfähigen Regulierung ausgerüstet wird.” Aufbau und Betrieb sollten hier wie bei anderen Netzstrukturen getrennt werden. „Sonst haben wir bald Gutverdiener und Strompreistreiber an hochfrequentierten Autobahnen und verlustreiche beziehungsweise ungewartete Raritäten-Ladesäulen in entlegenen Gebieten.”

Autor: ING