Billig-Lebensmittel

Können wir den Preiskampf stoppen? | 24.06.2020

Geld, das von Himmel fällt?

Viele Verbraucher freuen sich über Schnäppchen-Angebote im Supermarkt. Doch sind manche Preise nicht schlicht zu billig? Darüber wird derzeit wild diskutiert.

Eine Packung Kaffee für 3,33 Euro oder 700g Schweine-Kotelett für 2,99 Euro: Das sind die aktuellen Schnäppchen-Angebote eines Discounters. Die Kunden freuen sich über Angebote wie diese. Denn laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens Nielsen sind Sonderangebote beim Einkaufen für fast zwei Drittel der Deutschen wichtig. Doch sind diese nicht zu günstig? Die Debatte um Billig-Lebensmittel ist hierzulande aktuell in vollem Gange. Doch wer hat eigentlich Schuld am Preiskampf und was kann man dagegen unternehmen?

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So steht Deutschland im EU-Vergleich dar

Deutschland liegt im EU-Vergleich mit seinen Lebensmittelpreisen laut der europäischen Statistikbehörde Eurostat sogar leicht über dem Durchschnitt. Doch beim Pro-Kopf-Vergleich schneiden wir etwas anders ab: Hierzulande geben die Bürger nur 10,8% ihrer Konsumausgaben für Lebensmittel aus – EU-weit sind es durchschnittlich 12,1%. Liegt das daran, dass die deutschen Verbraucher lieber günstig einkaufen? Nein – sagt Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. „Nicht, weil wir den Geiz so geil finden, sondern weil im deutschen Einzelhandel ein unvergleichlicher Preiskampf tobt und weil unser Wohlstandsniveau höher ist, kommt es zu solchen Werten. Mehr Einkommen, niedrigere Preise“, erklärt er auf der Seite der Essensretter.

Bauern sind besonders betroffen

Nicht alle freuen sich über billige Lebensmittel. Gerade die Bauern haben mit dem Preis-Dumping zu kämpfen: Bei ihnen kommt am Ende kaum Gewinn an. Weil sie fair bezahlt werden wollen gehen sie, etwa mit Traktoren, auf die Straße, um zu demonstrieren. Dass bei den Landwirten nur wenig Geld ankommt, zeigen auch die Zahlen des bundeseigenen Thünen-Forschungsinstituts: Demnach bekamen die Erzeuger 2018 von jedem gezahlten Euro, den die Verbraucher für Lebensmittel zahlten, nur knapp 21 Cent ab. Zehn Jahre zuvor waren es noch rund 25 Cent. Ihre Preise können Bauern aber nicht einfach so erhöhen: „Weil der Händler dann dort einkauft, wo es günstiger ist“, erklärt ein Fachmann vom Bauernverband.“

Was sagt der Handel zu den Vorwürfen?

Das Problem: „Je größer der Abnehmer, desto mehr Marktmacht hat er gegenüber den kleineren Lieferanten und kann den Preis und die übrigen Vertragsbedingungen weitestgehend diktieren“, heißt es im aktuellen Jahresbericht des Deutschen Fruchthandelsverbands. Ministerin Julia Klöckner (CDU) kritisiert außerdem die Wertschätzung: „Verbrauchern wird mit Lockangeboten aus dem Werbeprospekt suggeriert, dass Lebensmittel jederzeit billig zu haben sind.“ Die Supermarktketten hätten hier eine ethisch-moralische Verantwortung.
 
Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland Stefan Genth wies jedoch in der „Passauer Neuen Presse“ darauf hin, dass die Landwirte die meisten Waren nicht direkt an den Handel, sondern an die Lebensmittelindustrie oder den Export verkauften. Zudem hätten günstige Lebensmittel eine wichtige Funktion: „Verbraucher mit schmalerem Geldbeutel sind auf preisgünstige Waren angewiesen“, erzählt er im Interview mit der Zeitung.

Was die Politik dagegen tun will

Viele Experten sehen in der Debatte um den Preiskampf vor allem die Politik in der Verantwortung. Erst im Februar bat Bundeskanzlerin Angela Merkel Vertreter des Einzelhandels und der Ernährungsindustrie zu Tisch. Was sich ändern soll: Die Bundesregierung will etwa nach dem sogenannten Lieferkettengesetz deutsche Unternehmen dazu verpflichten, Menschenrechtsstandards einzuhalten. Außerdem will die EU kleinere Marktteilnehmer schützen – mit einer Richtlinie über unlautere Handelspraktiken. Und was ist mit gesetzlichen Mindestpreisen? Merkel hat sich bei dem Spitzengespräch dagegen ausgesprochen.

Was können Verbraucher gegen Dumping-Preise tun?

Die Frage ist: Können auch einzelne Verbraucher etwas gegen den Preiskampf tun? Klaus Müller von der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbz) nimmt Verbraucher in einem offenen Brief in Schutz: „Viele Verbraucher sind bereit, für mehr Qualität ihrer Lebensmittel höhere Preise zu zahlen. Doch angesichts einer Flut an Labels und Werbebotschaften können sie die Qualität eines Produkts bisher kaum einfach und verlässlich erkennen – schon gar nicht am Preis.“
 
Dennoch zeigen sich Bürger engagiert und diskutieren auf der Seite des Umweltbundesministeriums im „Dialog Forum Verbraucher“ darüber, was sie selbst tun können. Eine Auswahl der Ideen:

  • Die Wertschätzung der Produkte wieder erlernen und dafür realistische Preise bezahlen
  • Saisonal und regional einkaufen
  • Auf Bio-Produkte setzen
  • Sich selbst ein Bild von der Landwirtschaft machen
  • Sich über die Erzeugnisse informieren

Autor: ING


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Kommentare (2)


Kommentare

didi

30.06.2020

ich kaufe immer günstigst ein und kann nur mein Geld ausgeben. Wenn die Möchtegern-Tierschützer ihr Geld aus dem Fenster werfen wollen habe ich nichts dagegen. Ich muß haushalten und lebe in der freien Marktwirtschaft, Der Handel verdient immer und der Staat verdient bei höheren Preisen anteilig immer mit !


Preise in Deutschland

24.06.2020

Da gibt es Abzocke ohne Ende -- und dann wird gleichzeitig von selbst ernannten Gutmenschen über Dumpingpreise gemeckert. Da wurde z.B. eine bestimmte Schuhmarke nur in der teuersten Einkaufsmeile in Düsseldorf verkauft. Preise der Schuhe so knapp unter 1000 DM. Im ach so entsetzlich teuren Norwegen zahlten wir dafür in Oslo im Sommerschlussverkauf keine 60 DM pro Paar - wir kauften 5 Paar. Die manipulierten deutschen Mitbürger hielten uns danach für Millionäre. Und wenn früher ein bekannten Elektronikmarkt mit dem Schenken der Mehrwertsteuer warb, dann wurde an dem Tag die Ware angeboten mit der irren "unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers" und draußen stand ein endlos lange Schlange voller "Geiz ist Geil" Dummköpfe.