Digitale Signatur

Verträge digital unterschreiben: Welche Regeln gelten? | 09.06.2020

Würden Sie Haustürbetrüger erkennen?

Im digitalen Zeitalter erledigen Verbraucher viele Dinge online vom Sofa aus. Doch wenn es ums Signieren von Verträgen geht, ist nicht alles erlaubt.

Nach Feierabend noch schnell den Vertrag fertig machen, unterschreiben und abschicken. Allerdings: Ein Drucker steht zuhause nicht bereit und der Copyshop ist längst geschlossen. Und nun? Ein Problem, das viele Verbraucher kennen – und während der Corona-Krise wird es aufgrund der alltäglichen Einschränkungen nicht einfacher. Eine mögliche Lösung: die digitale Signatur. Doch nicht überall darf sie eingesetzt werden. Eine Übersicht:

Ihre Meinung zählt!

Was ist eine digitale Unterschrift?

Die digitale Signatur kann die eigenhändige Unterschrift ersetzen: Sie ermöglicht es, ein Dokument zu unterschreiben und den Unterzeichner eindeutig zu identifizieren. „Dabei wird die eigenhändige Unterschrift durch ein mathematisches Verfahren ersetzt“, erklärt Thomas Lapp, Fachanwalt für IT-Recht und Mitglied im geschäftsführenden Ausschuss der AG IT-Recht des Deutschen Anwaltvereins (DAV).
 
Der Vorteil: Das Verfahren stelle sicher, dass der unterzeichnete Text tatsächlich von der Person signiert wurde und seitdem keine Änderungen an dem Dokument vorgenommen wurden. Schon das Einfügen eines Leerzeichens könne man erkennen, erklärt Lapp. Für Verbraucher ergibt sich durch die digitale Signatur ein weiterer Bonus: Sie können Verträge bequem vom Sofa aus unterschreiben – und sparen dabei nicht nur Papier, sondern auch Zeit.

Verschiedene Formen der digitalen Unterschrift

Insgesamt gibt es drei rechtliche Formen der digitalen Unterschrift:

1. Einfache elektronische Signatur

Die einfachste Form der digitalen Unterschrift ist die elektronische Signatur. Hier reicht es schon, unter einer E-Mail seinen Namen zu schreiben. Aber Achtung: „Diese Form der Unterschrift hat keinen weiteren Beweiswert“, warnt Lapp.

2. Fortgeschrittene elektronische Signatur

Die fortgeschrittene elektronische Signatur hingegen ist etwas sicherer und muss laut EU-Verordnung folgende Anforderungen erfüllen (Artikel 26):

  • Sie ist eindeutig dem Unterzeichner zugeordnet.
  • Sie ermöglicht die Identifizierung des Unterzeichners.
  • Sie wird unter Verwendung elektronischer Signaturerstellungsdaten erstellt, die der Unterzeichner mit einem hohen Maß an Vertrauen unter seiner alleinigen Kontrolle verwenden kann.
  • Sie ist so mit den auf diese Weise unterzeichneten Daten verbunden, dass eine nachträgliche Veränderung der Daten erkannt werden kann.

3. Qualifizierte elektronische Signatur

Die qualifizierte elektronische Signatur ist die höchste Form der digitalen Unterschriften, sagt Lapp: „Sie hat einen Beweiswert vor Gericht und ist mit der eigenen Unterschrift gleichgestellt.“

Wann digitale Signaturen erlaubt sind

Die gute Nachricht ist: Es gibt viele Fälle, in denen digitale Signaturen erlaubt sind. „Und zwar überall dort, wo es keine Formvorschriften gibt“, erklärt der IT-Rechtsanwalt. Dann seien sowohl einfache als auch fortgeschrittene elektronische Signaturen gestattet. Das ist zum Beispiel bei Online-Einkäufen der Fall. Für befristete Arbeitsverträge und Verbraucherdarlehensverträge hingegen wird laut Lapp eine qualifizierte elektronische Signatur benötigt.

Wo sie unzulässig sind

Auch wenn es praktisch ist und Zeit spart: Nicht überall sind digitale Signaturen erlaubt. Es gibt einige Ausnahmen, bei denen das Gesetz die elektronische Form ausschließt, erklärt Lapp.
 
Etwa bei:

  • Kündigungen von Arbeitsverhältnissen
  • Bürgschaftserklärungen
  • Erteilung von Arbeitszeugnissen

In diesen Fällen muss das Dokument eigenhändig unterschrieben werden.

So erhalten Verbraucher eine digitale Unterschrift

Um an eine digitale Signatur zu kommen, haben Verbraucher mehrere Möglichkeiten. Eine fortgeschrittene Signatur erhalten sie etwa bei manchen Programmen wie Adobe Acrobat. Für eine qualifizierte elektronische Signatur braucht man laut Lapp eine Signaturkarte für etwa 100 Euro, ein Lesegerät, das es ab 50 Euro zu kaufen gibt, und eine Software. Damit könne man sich eindeutig identifizieren und das Verfahren drei Jahre lang nutzen. „Doch davor scheuen viele Kunden zurück“, sagt er.
 
Eine einfachere und für den Verbraucher kostenlose Möglichkeit sollen Fernsignaturen bieten: „Hier ist keine zusätzliche technische Ausrüstung (Signaturkarte, Kartenlesegerät) notwendig“, heißt es auf der Seite der Bundesnetzagentur.
 
Auch bei der ING müssen Verbraucher Kreditverträge inzwischen nicht mehr handschriftlich unterschreiben: Konsumentenkredite zwischen 2.500 bis 50.000 Euro werden auf Wunsch papierlos abgewickelt.
 
Und so funktioniert die Fernsignatur: Die Nutzer haben Kontakt zu einem Anbieter, weisen sich etwa mit ihrem Personalausweis aus und erhalten dann die Möglichkeit zur persönlichen qualifizierten elektronischen Signatur.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (17)


Kommentare

Tom

01.07.2020

Auf die Möglichen antworten,

"Ihre Meinung zählt!
Wie oft nutzen Sie die digitale Signatur? "

letzte Antwort müsste heißen
Nie, noch zu kompliziert, Signaturkarte für etwa 100 Euro, ein Lesegerät, das es ab 50 Euro gibt zu Teuer und viel zu Umständlich.

Und wie man in den Beiträgen lesen kann geht es billiger oder auch ohne kosten.


Scharl

25.06.2020

Alles gut, ich signiere meine Steuererklärung seit einigen Jahren mit
lesbaren PA und den zugehörigen Lesegeräten von REINERSCT


ING

23.06.2020

Hallo Wolfgang, vielen Dank für das konstruktive Feedback, wir nehmen es gern auf. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Wolfgang

22.06.2020

Die Antwortmöglichkeiten zu: "Wie oft nutzen Sie die digitale Signatur?" sind teilweise mit Emotionen gefärbt und deshalb nicht brauchbar. Zum Beispiel: Eher selten, ich bin da noch skeptisch. Warum ist man skeptisch, wenn man bisher wenig Möglichkeiten zur Nutzung hatte.


ING

22.06.2020

Hallo zusammen, vielen Dank für Ihr ehrliches Feedback. Wir werden uns den Artikel diesbezüglich noch mal anschauen. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


ING

22.06.2020

Hallo Rysh, danke für den Hinweis, wir werden es korrigieren. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Thomas B

22.06.2020

Ich kann Lenorator nur zustimmen: Es ist hochgradig peinlich, dass eine Bank einseitige Willenserklärungen und Verträge nicht auseinanderhalten kann.
Auch die Auswahl der Antwortmöglichkeiten bei „Ihre Meinung zählt“ ist im Ergebnis irreführend. Ich nutze die digitale Signatur beispielsweise nicht, weil ich bisher keine Vertragspartner hatte, die dies unterstützen.

Zur Nutzung des neuen Personalausweises bin ich auch der Meinung, dass dessen elektronische Funktionen stärkere Verbreitung finden sollte. Schließlich gibt es bereits jetzt schon die „AusweisApp2“, die aus dem Handy ein Lesegerät macht. Aber deren Nutzung ist schon so lange her, dass ich nichtmal mehr weiß, wofür ich sie genutzt habe.


Zweifler

21.06.2020

Bei Verlust des digitalen Dokumentes hat ein -eventuell- vorhandener Ausdruck in Papierform keinerlei Beweiskraft.
Das digitale Dokument muss also so entsprechend archiviert werden. Wer leistet so etwas?


User

21.06.2020

Wie kann man bei so einem Artikel den Hinweis auf den Personalausweis vergessen!?
Mehr Qualität bitte.


Tamtam

20.06.2020

Ich gebe ITSpezi zu 100 % Recht. Wenn ich mithilfe der Online Funktion meines Persos qualifiziert unterzeichnen könnte, dann hätte diese Funktion einen echten Mehrwert. Bislang kenne ich nämlich persönlich niemanden, der diese Funktion je genutzt hätte. Man braucht glaube ich dafür ein Lesegerät? Das würde sich ja auch vielleicht tatsächlich mal jemand anschaffen, wenn man damit im Alltag gelegentlich auch mal etwas anfangen könnte. Z. B. sicheres Unterzeichnen bei Online-Geschäften


Rothe, Frank

20.06.2020

Sie haben viel geschrieben, aber Sie haben nicht konkret erklärt, wie nun die elektronische Unterschrift nun möglichst einfach zu leisten ist.
Es muß so einfach gehen wie das unterschreiben mit dem Kuli, sonst
kommen wir nicht weiter!


Rysh

20.06.2020

Der Link, wie Fernsignatur funktioniert, zeigt die ING-Ratenkreditangebote. Bitte Fehler korrigieren.


Alexander B

19.06.2020

Ich bin der gleichen Meinung wie ITSpezi. Absolut richtig!

Ich würde mich sehr freuen, wenn man neuer Personalausweis, den ich in ein paar Monaten beantrage, genau diese Funktionen bietet.
Auch spezielle lesegeräte wäre nicht notwendig, denn die meisten Smartphones haben eine RFID-Technik, wie NFC, verbaut.


Bernd Liedke

19.06.2020

Ich lebe einen Teil des Jahres in Estland. Selbst ein Bauantrag mit allen Anlagen wird dort papierlos abgewickelt. Alles was es braucht, ist ein gültiger Ausweis (ID-kaard) ein Lesegerät dafür (+- 3 EUR), und eine Software, die man sich kostenlos herunterlädt und eine kompeene mehrsprachige helpline für den Fall der Fälle. Und das funktioniert im öffentlichen wie im privaen Bereich.


Lenorator

19.06.2020

Ich vermisse in diesem Beitrag ausreichende Sorgfalt: Sie nennen unter der Teilüberschrift "Bei welchen Verträgen sie nicht zulässig sind", u. a. die "Kündigung von Arbeitsverhältnissen" und die "Erteilung von Arbeitszeugnissen". Es ist eigentlich Stand der Allgemeinbildung zu wissen, dass diese Maßnahmen gerade nicht Gegenstand von Verträgen sind, sondern Aktivitäten eines Vertragspartners, die nicht der übereinstimmenden Willenserklärung des anderen Partners bedürfen. Dass Sie zum Schluss dieses Teilbeitrages noch einmal betonen, in diesen Fällen müsse der "Vertrag" eigenhändig unterschrieben sein, macht die Oberflächlichkeit noch deutlicher. Hoffentlich sind die übrigen Beschreibungen zum Thema seriös recherchiert.


ITSpezi

18.06.2020

Mir wäre es lieb wenn der gute alte Personalausweis mit aktivierter Onlinefunktion jegliche Zertifikatsmögkichkeiten ersetzen würde. Was identifiziert mich als Person besser als der Personalausweis? Ebenso wäre damit Elster einfacher. Auch Logins bei Banken oder sonstigen Accounts wären einfacher. Und das Beste ist: Man müsste Fremden nicht sein Passwort zur Aufbewahrung geben und auf sichere IT-Systeme hoffen, um es beim Login prüfen zu können. Endlich könnten keine Zugangsdaten mehr entwendet werden.


Superdau

15.06.2020

Und wie bitte ist das mit dem digital lesbaren PA und den zugehörigen Lesegeräten von REINERSCT? Kann man damit etwa keine rechtskräftige digitale Signatur realisieren?
Bin echt gespannt, was all die selbst ernannten "Igsperden" dazu ausführen werden. Zumal ich mit digitalen Signaturen schon öfters mal nutzbare VISA beantragt und bekommen habe. Bingo: es gibt nämlich nicht nur den Schengen-Raum, sondern auch noch Länder wo man noch teure kostenpflichtige VISA aufwendig beantragen muss und das elektronisch geht.