Love-Scam

Das sind die Maschen der Liebesbetrüger | 05.05.2020

Würden Sie Haustürbetrüger erkennen?

Eigentlich wollte man doch nur die große Liebe finden. Doch diese Sehnsucht nutzen sogenannte Love-Scammer aus – und ziehen ihren Opfern geschickt Geld aus der Tasche.

Es kann aufregend sein: Eine schmeichelnde Nachricht eines Unbekannten und man fühlt sich wie auf Wolke Sieben. Doch was wie ein harmloser Flirt anfängt, kann in einem handfesten Betrug enden: Immer wieder fallen Menschen online auf Liebesbetrüger rein. Doch wie funktioniert die Masche und wie kann man sich gegen den Betrug schützen?

Was ist Love-Scamming?

Love-Scamming, auch Romance-Scamming oder Liebesbetrug genannt, bezeichnet eine fiese Betrugsmasche: Betrüger suchen sich auf Online-Partnerbörsen oder in sozialen Netzwerken potenzielle Opfer aus und stellen intensiven Kontakt her. „Aus anfänglichen Flirt-Nachrichten werden Liebesbekundungen und Versprechungen, bis es dann plötzlich um den wahren Grund der ganzen Aufmerksamkeit geht“, warnen das Landeskriminalamt (LKA) und die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

Das Vorgehen der Betrüger

Um die Aufmerksamkeit des Gegenübers zu gewinnen, denken sich die Betrüger laut polizeilicher Kriminalprävention eine besondere Lebensgeschichte aus. Oft seien sie angebliche Ingenieure, U. S. Soldaten, Krankenschwestern oder Ärztinnen. Sie gaukeln ein echtes Interesse vor: „Oft wollen die Scammer alles über ihr Opfer wissen: Hobbys, ehemalige Partner, Kinder, Freunde, auch der Glaube an Gott spielt immer eine Rolle“, erklärt Kriminaloberrat Harald Schmidt, Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes.
 
Das Ziel der Betrüger? Den Online-Kontakt in sich verliebt zu machen. Danach wendet sich das Blatt: Und sie fordern Geld oder ziehen womöglich das Opfer in eine Straftat rein. „Jeder und jede kann Opfer werden, das ist keine Frage des Alters oder des Intellekts“, sagt Schmidt. Dabei gibt es verschiedene Maschen, die die Betrüger anwenden.

Beliebte Masche: in finanzieller Not stecken

Eine Masche, die immer wieder zur Anwendung kommt, ist das Spiel mit der Geldnot. Laut LKA und Verbraucherzentrale geben die Betrüger vor, dringend Geld zu benötigen – zum Beispiel während eines Auslandsaufenthalts, für eine angebliche Operation eines Angehörigen oder gestohlene Pässe. Nachdem sie das Geld erhalten haben, brechen sie oft den Kontakt ab – und das Geld ist verloren.
 
Ein 56 Jahre alter Mann aus dem Landkreis Aurich ist Opfer einer solchen Masche geworden. Die Frau, die er im Internet kennenlernte, hielt sich angeblich in Afrika auf, um ein Erbe anzutreten. Für die vermeintlichen Gebühren, die dadurch entstanden sind, wollte sie Geld von ihrem Online-Partner haben. Das Tückische: „Sie ‚belegte’ ihre Angaben mit Kopien von angeblichen persönlichen Dokumenten, um Zweifel aus dem Weg zu räumen“, heißt es in einer Polizeimeldung. Der Mann glaubte ihr – und überwies ihr insgesamt mehrere Tausend Euro.

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Opfer für eine Straftat nutzen

In besonders große Schwierigkeiten können Opfer von Liebesbetrügern geraten, wenn sie für Straftaten missbraucht werden. Das LKA und die Verbraucherzentrale berichten von einem Fall, bei dem eine Frau von ihrer Online-Bekanntschaft gebeten wurde, ein Päckchen an einen angeblichen Rechtsanwalt weiterzuleiten. Doch in einem scheinbar harmlosen Päckchen wie diesem könne sich etwas ganz anderes befinden: gestohlene Ware oder Geld mit unbekannter Herkunft. Das Gefährliche: Das Opfer kann sich dadurch strafbar machen.

Wie erkenne ich einen Love-Scammer?

Da das Vorgehen der Betrüger oft ähnlich ist, können Verbraucher potenzielle Liebesbetrüger unter Umständen rechtzeitig an ein paar Merkmalen erkennen. Die polizeiliche Kriminalprävention hat die wichtigsten Punkte zusammengefasst. Dazu gehören:

  • Kontaktaufnahme: Oft werden übers Internet kurze Mails auf Englisch verschickt, die eine Einladung zum Chat enthalten.
  • Sprache: In den meisten Fällen sprechen die Liebesbetrüger Englisch, manche können aber auch perfekt Deutsch sprechen.
  • Bilder: Um ihre Opfer anzulocken, setzen die Scammer auf attraktive Bilder: Frauen sind oft leicht bekleidet abgebildet und Männer etwa in Uniform zu sehen.
  • Kommunikation: In den ausgetauschten Nachrichten werden die Opfer schnell mit übertriebenen Liebesschwüren umgarnt. Oft nennen sie ihre Online-Partner schon bald „Ehefrau“ oder „Ehemann“.
  • Forderungen: Nach all den Liebesbekundungen bitten die Betrüger ihre Opfer um dubiose Dienste oder Geld und haben dafür vielfältige Gründe (Visum, Flug, gemeinsames Konto etc.).

Und so können sich Verbraucher vor Love-Scamming schützen

Auf einen Liebesbetrüger reinzufallen, kann nicht nur emotionale Folgen haben, sondern auch finanzielle oder sogar strafrechtliche. Damit es erst gar nicht so weit kommt, gibt die Polizei wichtige Tipps, mit denen sich Verbraucher schützen können. Sie sollten:

  • keinen Bekanntschaften Geld überweisen, die sie nie persönlich gesehen haben.
  • besonders bei Angeboten vorsichtig sein, die zu gut sind, um wahr zu sein.
  • den Namen der Internetbekanntschaft mit dem Zusatz „Scammer“ in einer Suchmaschine eingeben. Einige Betrüger wechseln ihren Namen nicht.
  • jeden Kontakt abbrechen, wenn sich der Verdacht eines Liebesbetrügers bestätigt hat.
  • Strafanzeige bei der Polizei erstatten.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (5)


Kommentare

Kornelia van der Mehr

17.07.2020

eine gute Beschreibung der Maschen von Liebesbetrügern. Ich bin selbst darauf reingefallen und habe mein ganzes Erspartes erloren und 2 Kredite aufgenommen ges. fast 50.000 €. Ich bin Buchhalterin und kann mir nicht mehr vorstellen, wie ich auf all die Liebeserklärungen hereinfallen konnte, aber zu der Zeit hatte ich einfach Sehnsucht nach einem Partner und habe mich immer wieder von Versprechungen auf ein Treffen vertrösten lassen. Als mir schmerzlich bewusst wurde, dass alles nur Betrug war, habe ich Anzeige bei der Polizei erstattet. Eine Verfolgung war aussichtslos und das Verfahren wurde eingestellt. Die Polizei war hilfreich und hat mir einen Kontakt zum Weißen Ring (Opferhilfe) vermittelt, sollte konnte ich einen Psychotherapeuten finden und den emotionalen "Schaden" bearbeiten. Möge diese Erfahrung anderen Frauen erspart bleiben.


@Reinhold

18.05.2020

Das ist wie mit dem Enkeltrick, der funktioniert auch schon mehr als 40 Jahre und wird wohl nie aussterben.
Aber diese Scammer sind trotzdem ganz winzig kleine Ganoven im Vergleich mit der erlaubten kommerziellen Abzocke durch die diversen kommerziellen Datingportale, die mit der verzweifelten Sehnsucht nach einem Partner viele Milliarden Euro verdienen. Wo die angemeldeten Kunden mit hunderten Fake-Profilen vom kaum nützlichen kostenlosen Bereich in den teuren kostenpflichtigen Bereich gelockt werden. Nur leider sind die Fake-Profile kaum beweisbar und daher erfolgreiche Klagen real unmöglich.


Reinhold Woelfl

17.05.2020

Wieso leuchten nicht sofort alle Alarmgleuchten wenn jemand den man nie gesehen hat und dessen Identität man nicht verifiziert hat, sich mit Bitten oder Forderungen nach Geld an einen wendet? Bei soviel Leichtgläubigkeit und Naivität wird diese üble Spezies von Enkeltrickbetruegern, falschen Polizisten und Romeos leider nie aussterben.


ELLEN

15.05.2020

Die Scammer sind eine ganze fiese Geschichte. Sie nutzen die Verzweiflung, Traurigkeit und die Suche nach einem lieben Menschen schamlos aus. Das Schlimme dabei ist, dass die Betroffenen oft blind sind und dies tun, um die Sehnsucht nach Zweisamkeit, nicht Einsamkeit zu beenden. Die Verzweiflung ist sehr groß. Es ist, wie richtig geschrieben wurde, keine Frage der Intelligenz. Ich kann nur eindringlich warnen. Selbst die Anzeige beim LKA bringt nicht viel, weil diese Betrüger im Ausland sitzen und den Behörden Grenzen auferlegt sind. Seit alle sehr vorsichtig, denn leider habe ich es selbst erlebt. Es sind nicht immer kleine Beträge. Ich konnte noch rechtzeitig alles abbiegen, aber sie versuchen es immer wieder.


Dieter 2

07.05.2020

Das sind ganz kleine Fische im Vergleich mit den diversen Dating-Portalen, wo richtig viel Geld mit den nach einer Lebensabschnittsgefähr-in/-en Suchenden verdient wird.