Pfandpflicht in Deutschland

Bundesrat fordert „Pfand auf alle“ | 26.06.2020

Geld, das von Himmel fällt?

Auf eine Flasche Mineralwasser wird Pfand erhoben, auf eine Flasche mit Apfelsaft nicht unbedingt – noch richtet sich in Deutschland die Pfandpflicht nach dem Inhalt. Das könnte sich bald ändern. Der Bundesrat fordert eine allgemeine Pfandpflicht.

Das Pfandsystem in Deutschland ist nicht gerade übersichtlich. Gut, dass auch die Politik die aktuelle Debatte weiter führt: Die Getränkeart dürfe bei der Frage der Pfandpflicht keine Rolle spielen, heißt es in der Entschließung des Bundesrates vom 13. März.
 
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) begrüßt den Beschluss. „Bisher landen viele der jährlich rund eine Milliarde Einweg-Plastikflaschen für Säfte und Nektare ohne Pfand in der Umwelt oder dem Restmüll, wodurch die Natur verschmutzt, Ressourcen verschwendet und der Klimawandel angeheizt wird“, sagt die stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz. Die aktuelle Pfandpflicht-Regelung sei auch für die Verbraucher unverständlich.
 
Die hessische Landesregierung hat das Thema auf den Tisch gebracht und im Januar einen Antrag vor dem Bundesrat gestellt. Die Forderung: Die Ausweitung der Pfandpflicht auf sämtliche Kunststoffflaschen und Getränkedosen. Baden-Württemberg ist dem Antrag beigetreten. Das bestehende Pfandsystem sei unverständlich, sagte die hessische Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) in ihrer Rede vor dem Bundesrat. Die Pfandpflicht sollte sich nicht mehr am Inhalt, sondern an der Verpackung orientieren. „Das soll ein Mensch verstehen! Es ist doch nicht einsichtig, dass für den alkoholfreien Apfelwein Pfand erhoben werden muss, während die Apfelschorle pfandfrei verkauft wird.“

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Verpackungsgesetz wurde gerade erst reformiert

Das Pfandsystem ist verwirrend: Der Konsument steht vor dem Rückgabe-Automaten und fragt sich, warum die eine Flasche von der Maschine geschluckt, die andere verschmäht wird. Orientierung sollen die Kennzeichnungen auf den Flaschen geben. Doch selbst wenn bekannt ist, dass auf Fruchtsaftflaschen kein Pfand erhoben werden muss, kann die Orangensaftflasche doch eine Pfandflasche sein, weil sie Mehrweg ist. Denn nur bei Einwegflaschen richtet sich das Pfand an den Inhalt.
 
Um das Chaos zu entwirren, hat die Regierung erst im Januar 2019 Reformen rund um das Flaschenpfand eingeführt: Die Händler sind verpflichtet, am Regal gut sichtbar zu kennzeichnen, wo Mehrweg- und wo Einwegflaschen stehen. Die Pfandpflicht wurde sogar ausgeweitet: auf Frucht- und Gemüsenektare mit Kohlensäure, etwa Apfelschorlen aus Nektar. Die einschneidenste Änderung im Verpackungsgesetz: eine 70%-Mehrwegquote für den Einzelhandel.

Discounter halten sich nicht an Mehrweg-Quote

Seit Januar 2019 müssen Einzelhändler, also auch Discounter wie Aldi & Co., zu mindestens 70% Mehrwegflaschen anbieten. An diese Zielvorgabe habe sich bisher kein Discounter gehalten, beklagen Verbraucherschützer. Nur Aldi Süd wagt seit Anfang dieses Jahres den Schritt zu Mehrweg und verkauft Bier in Glasflaschen.
 
Sollte die Bundesregierung dem aktuellen Beschluss des Bundesrates folgen, müsste sich der Handel wieder auf ein neues Bepfändungssystem umstellen. Laut Bundesrat soll es zur Erleichterung für den Handel Übergangsfristen für die Umstellung geben. Wann genau die nächste Novelle des Verpackungsgesetzes kommt, ist unklar – vielleicht auch erst mit der nächsten Regierung.

Das verwirrende Pfandsystem funktioniert

Das aktuelle deutsche Pfandsystem mag zwar nicht sehr verbraucherfreundlich und umweltschonend sein, aber es funktioniert: Einwegpfandflaschen werden zu fast 99% zurückgegeben, heißt es in einer Studie der Beratungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers (PwC) im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe.
 
Das Einwegpfand hat der Gesetzgeber vor 17 Jahren eingeführt. Es heißt Einweg, weil die Flasche nicht zurück in den Handel kommt. PET-Einwegflaschen oder Getränkedosen werden nach der Rückgabe, gedrechselt, recycelt und neu verarbeitet. Mehrwegflaschen gehen zurück an den Getränkehersteller. Der reinigt sie und befüllt sie neu, sogar bis zu 50 Mal.
 
Die Mehrwegflasche sei der Einwegflasche ökonomisch und ökologisch überlegen, heißt es auch in der PwC-Studie. Die Deutsche Umwelthilfe begrüße deshalb zwar die aktuelle Forderung des Bundesrats zur allgemeinen Pfandpflicht, die Organisation kämpfe aber vor allem dafür, dass die Mehrweg-Quote eingehalten wird, betont die stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der DUH.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (16)


Kommentare

Ewald Kaufmann

24.07.2020

Als Trittin die Einwegbepfandung in dieser Form zum eingeführt hatte, musste er wohl völlig betrunken gewesen sein. Wie kann es sein, dass
zum Beispiel eine Prosecco Dose nicht-aber eine Bierdose bepfandet wird. Er müsste diese Dosen aus dem Gras am Straßenrand heraus picken....das wäre eine gerechte Strafe für soviel Dämlichkeit !


Dieter

20.07.2020

Mehrweg ist nur auf dem ersten Blick sinnvoll.
Da hat jeder Bierhetsteller eigene Flaschen in verschiedensten Größen und Formen, mit und ohne Schriftzug auf der Flasche, die dann leer an die jeweiligen Abfüller zurück müssen. Hier wären Einheitsflaschen, die mit dem Etiket zu unterscheiden sind eine sinnvolle Alternative.


Rolf Wöhlke

20.07.2020

Nach der Widervereinigung wurde das Pfandsystem der "DDR" aufgelöst! Diese System war fast perfekt. Ich bin auch für eine Erweiterung des Pfandsystems. Aber nur in Verbindung mit einem Verbot den Müll in Drittländer zu verkaufen!


Claudia Rommel

20.07.2020

Ich würde es sehr begrüßen, wenn es auf alle Plastikflaschen, Dosen und Glasflaschen Pfand gäbe. Seit Anfang Juni habe ich so viel in der Natur gesehen und auch herausgeholt, weil mich die Ignoranz der Menschen total ärgert. Das schlimme ist, dass der ganze Müll am Straßenrand durch die Mähmaschinen noch klein geschreddert wird und so noch besser ins Grundwasser gelangt. Es liegen so viele ToGo-Becher am Straßenrand, dass man auch diese mit Pfand belegen oder garnicht mehr ausgeben sollte. Hinzu kommen jede Menge Plastiktüten.
Mir ist das noch nie so aufgefallen. Auf jeder Tour mit meinem Rad sammel ich Müll am Straßenrand oder Wald und Wiese, weil es mich maßlos ärgert, wie sich die Menschen verhalten. Und ich wohne sehr ländlich!
Ich würde es sehr begrüßen, wenn sich da etwas ändert. Dann könnte auch ich die Natur unbeschwerter genießen.


Dave

19.07.2020

Da hat die hessische Umweltministerin wieder keine Ahnung, Apfelsatschorle als kohlensäurehaltiges Erfrischungsgetraenk unterligt der Pfandpflicht, Weinhaltige Getränke überwiegend nicht...
"für den alkoholfreien Apfelwein Pfand erhoben werden muss, während die Apfelschorle pfandfrei verkauft wird.“


Tom

14.07.2020

Die Umfrage konnte ich nicht beantworten. Wer denkt sich denn diese beschränkten Antwortmöglichkeiten aus? Und vor allem: Warum?

Weder Preis noch Verpackung ist bei mir entscheidend, nein, ich bin wohl ein ganz Verwegener Außenseiter für den tatsächlich primär der Inhalt zählt. Damit ist auch im wesentlichen Qualität gemeint.

Allerdings wirkt sich die Verpackung auf den Inhalt aus. Aber ausschlaggebend sind die Materialien, und nicht ob es sich dabei um pfandfreies oder bepfandetes Ein- oder Mehrweg handelt!

Z.B Plastikverpackungen sind absolut nicht geschmacksneutral. Am deutlichsten bemerkt man dies bei Wässern, bei anderen Getränken ist es leichter überdeckt, aber dennoch vorhanden. Wer mag eigentlich den Geschmack von Plastik? Und hat denn keiner Bedenken Plastikbestandteile seinem Körper zuzuführen?
Apropos Wässer, wenn es mit Sprudel ist, dann wird es in Plastik ganz schnell "still" - die Kohlensäure entweicht. Das gilt so für alle sprudeligen Getränke. Und selbst bei Mehrwegglasflaschen mit Plastikschraubverschluß gibt es dieses Problem. Zusätzlich tritt bei Lagerung und Transport in nicht aufrechter Position auch gerne Flüssigkeit aus.

Am besten finde ich daher Glasverpackungen. Ein- oder Mehrweg sind meist keine Entscheidung, weil i.d.R. eh nur eine Variante angeboten wird.

Problem, insbes. bei Mehrweg: Ich werde jetzt schon vieles nicht wieder los, weil es nicht in jedem Laden zurückgenommen wird. Ginge wohl am Ort des Kaufs, nur wo war das nochmal gleich?
Zwischenzeitlich ausgelistete Produkte sind auch ein Problem. "Führen wir schon länger nicht mehr, nehmen wir nicht mehr an." höre ich dann. Eine Rücknahmepflicht gibt es in diesen Fällen wohl nicht, oder sie wird nicht beachtet. Und nun?

Und die mit Pfand belegte Apfelsaftflaschen vom (Bio)Hofladen, auf der Durchreise gekauft: Aussichtslos. - Und die Option Reisen zu planen um seine Altflaschen wieder los zu werden - Vergesst es, ohne mich!

Und wenn es infolge allgemeiner Pfandpflicht keine Glasrecyclingcontainer mehr geben sollte: Restmüll! - Ich sehe es schon kommen.
Und wenn das dann auch noch verboten wird bleibt noch illegale Entsorgung in die Landschaft. - Wobei, was war nochmal der Grund für das alles?


Trollinger

13.07.2020

Wir erleben seit geraumer Zeit einen Anstand- und Werte- Verlust dass für mein Dafürhalten für alle gesellschaftlichen Probleme die wir aktuell erleben verantwortlich ist.

Es betrifft alle gesellschaftlichen Schichten ohne Ausnahmen oder ohne Stellung und Ansicht der Personen.
Mit Geld lassen sich diese Probleme mit Sicherheit nicht lösen.


Alle sind schuld

10.07.2020

@Das ganze System ist absurd

Ich wünsche Ihnen gute Besserung und hoffe ,dass Sie bald wieder gesund sind.


Andreas

09.07.2020

Super und warum wird das nicht in der ganzen EU so gehandhabt? Ich schiel da gerne mal nach Frankreich, wo die ganzen Flaschen überall rumfliegen.


Hans

08.07.2020

In meiner Kindheit haben wir die Flaschen weggebracht, um uns ein Taschengeld dazu zu verdienen. Und das war manchmal schon recht ordentlich für diese Zeit. Und da gab es nur Glasflaschen und kein Plastik. Da lagen keine Flaschen auf der Straße herum oder in der Natur, weil jeder sein Geld brauchte, um seine Familie zu ernähren. Da sich die Welt weitergedreht hat und die heutige Generation mit einer Ignoranz durchs Leben zieht, wird sich das Thema Müll, Plastik und Flaschenpfandgeld nur noch für die Produzenten lohnen. Und die ignorante Gesellschaft wirft zusätzlich noch alles in die Natur, statt es zurück zuführen und sich das Geld wieder zu holen. Was sind schon 8 Cent oder 25? Manchen Menschen geht es einfach noch "zu" gut. Durch diese Arroganz verdient sich der Produzent weiterhin dumm und dämlich und der "arme Mann" sammelt die Flaschen, hat zwar auf kurze Sicht was davon, dennoch wird das Problem auf lange Sicht nicht gelöst. Denn soviel wie in die Natur verballert wird an Plastik und Co. schafft auch ein armer Mann nicht aufzuheben. Und das Problem ist weltweit nicht nur hier in unserem Land.


@Rumpelmännchen

01.07.2020

Es kann sich sowieso kein Bürger aus dem alten Bundesgebiet und kein Ossi jünger als 45 vorstellen, dass die Wiederverwertungsquote in der DDR real x-mal höher war als das angeblich so tolle heutige System. Wo sowieso die Mülltrennung real nicht so richtig funktioniert, ein Großteil in den Müll-Export statt in das Recycling geht und ein weiterer großer Teil in die Müllverbrennung statt in das Recycling. Und alles real nur wegen dem Gewinn und Profit, aber angeblich im Sinne Umweltschutz. Diese dünnen und leichten Glas-Flaschen wurden früher u.a. in Drebkau und Großbreitenbach produziert.


Rumpelmännchen

30.06.2020

Leider sind die Mehrwegflaschenteurer und schwerer als PET-Flaschen.
Zu DDR-Zeiten gab es leichte Glasflaschen. Warum werden die nicht mehr hergestellt?


@T.Hell

29.06.2020

Bitte um welche Uhrzeit sehen Sie, dass nebenan keine PET-Flaschen und Dosen mehr rum liegen? Hier sind die zumeist obdachlosen Sammler spätestens ab 05 Uhr, oftmals aber schon ab 04 Uhr unterwegs. Denn kurz nach 6 stehen hier diese Sammler schon erstmalig mit 4 bis 6 gefüllten supergroßen Beuteln an den Pfandrückgabegeräten. Konnte das bis Ende 2018 noch täglich auf meinem relativ langen Fußweg zur Arbeitsplatz beobachten. MfG Dieter 2


T. Hell

29.06.2020

Meine Meinung, Pfand auf alle Verpackungen 0,25€ .
Auffällig ist, dass in meiner Umgebung (Parkanlage und Spielplatz hinterm Haus) keine PET Flaschen oder Dosen herumliegen.
Bierflaschen (0,08€ Pfand)sieht man öfter, leider meist als Scherben.
Oder, wenn auch schwer durchzusetzen :
Pfand mindestens gleich dem Preis des Inhalts (außer bei Mehrweg)


Das ganze System ist absurd

27.06.2020

Mein Lieblingssaft gekauft bei Aldi ist in einer Wegwerfplasteflasche. Den Generationen X und Z (also doof und superdoof) ist der Pfandpreis sowieso egal "das sind ja nur Cent-Artikel". Und da diese Generationen mit Geld sowieso nicht umgehen können, leben dann davon die Flaschen- und Dosensammler, die hier jeden Vormittag mit bis zu 8 prall gefüllten supergroßen Beuteln am Fahrrad unterwegs zu den Pfandrückgabe-Automaten der Discounter sind. Aus meiner Sicht sollte daher der Pfand für alle (!) Getränke-Flaschen und -Dosen 50 Cent pro Stück betragen. Vielleicht wirft dann auch endlich ein hiesiges Ehepaar der Generation X und Besitzer von einem 5er BMW-Kombi und A6 Kombi hier nicht mehr alle 3 Wochen ca. 500 (!) leere Bierflaschen a 8 Cent in den Glascontainer oder lässt das seine 2 Kinder erledigen. Und nun werden sich hier wieder massenhaft die extrem lebensfernen Gutmenschen der Generation X melden und das Gegenteil behaupten.


Umfrage?

26.06.2020

Bei der Umfrage fehlt die Auswahl: "Viele Getränke gibt es gar nicht in Mehrweg- oder Pfandverpackungen."