Zuverlässige Dividendenzahler erkennen: Darauf gilt es zu achten!
Dividendenaktien bieten mehrere Gründe, die sie zu einer beliebten Wahl für Anlegerinnen und Anleger machen. Doch wie findet man zuverlässige Dividendenzahler?
Eine Analyse von Thomas Behnke, Busch und Partner| Werbemitteilung
Ein zentrales Argument für Dividendenaktien sind regelmäßige Erträge. Wer attraktive Dividenden wünscht, sucht gezielt Unternehmen mit kontinuierlichen und idealerweise steigenden Ausschüttungen. Entscheidend ist, ob die Dividenden aus dem operativen Geschäft finanziert werden. In diesem Fall gelten sie als Indikator für eine robuste Ertragslage, verlässliche Cashflows und eine disziplinierte Kapitalallokation des Managements.
Dividenden leisten zudem einen eigenständigen Beitrag zur Gesamtrendite. Neben möglichen Kursgewinnen können sie langfristig den Wert eines Investments durch laufende Ausschüttungen und den Zinseszinseffekt bei Wiederanlage erhöhen. Doch wie lassen sich zuverlässige Dividendenzahler systematisch identifizieren?
Dividendenrendite berechnen: Warum die Kennzahl allein nicht genügt
Ein zentrales Auswahlkriterium für Dividendenaktien ist die Dividendenrendite. Sie ergibt sich aus der zuletzt gezahlten oder der erwarteten Ausschüttung im Verhältnis zum aktuellen Aktienkurs. Zur Berechnung wird die Dividende je Aktie mit 100 multipliziert und durch den aktuellen Kurs geteilt.
Ein Beispiel liefert Coca-Cola. Der US-Getränkekonzern gilt aufgrund seiner jahrzehntelangen Dividendenhistorie als klassischer Wert für Dividendenportfolios. Im Geschäftsjahr 2025 zahlte das Unternehmen 2,04 US-Dollar je Aktie aus. Bei einem Aktienkurs von rund 79 US-Dollar ergibt sich daraus eine Dividendenrendite von etwa 2,6 % (2,04 x 100 / 79).
Die Dividendenrendite allein reicht jedoch nicht aus, um die Qualität einer Dividendenanlage zu bewerten. Besonders sehr hohe Werte sind nicht automatisch attraktiv, sondern können auch auf Probleme hindeuten.
Dividendenfalle vermeiden: Wenn hohe Renditen trügerisch sind
Oftmals steigt die Dividendenrendite, weil der Aktienkurs stark gefallen ist. Sinkt der Kurs aufgrund schwacher Geschäftszahlen oder struktureller Risiken, droht im nächsten Schritt eventuell eine Dividendenkürzung.
Typische Warnsignale sind:
- Rendite deutlich über dem Branchendurchschnitt
- Ausschüttungsquote nahe oder über 100 %
- Negativer freier Cashflow
- Steigende Verschuldung
Deshalb gilt: Nicht die Höhe der Rendite entscheidet, sondern ihre Basis. Eine stabile Dividende basiert auf tragfähigen Cashflows und nicht auf einem gefallenen Kurs. Beim Auswahlprozess von Dividendenaktien sind deshalb auch weitere Kennzahlen und qualitative Faktoren zu berücksichtigen.
Kontinuierliche Ausschüttungen als Qualitätsmerkmal
Neben der Höhe der Dividende ist die Kontinuität entscheidend. Coca-Cola sticht hier mit 64 Jahren Dividendenerhöhungen in Folge hervor. Sofern sich das Geschäftsmodell und das Geschäftsumfeld nicht grundlegend ändern, spricht dies für eine Fortsetzung der Ausschüttungen.
Langjährig verlässliche Dividendenzahler wie der Getränkeriese genießen ein hohes Ansehen und werden mit Bezeichnungen wie Dividendenaristokrat oder Dividendenchampion geadelt. Weitere Beispiele für Unternehmen aus den USA, die ihre Ausschüttungen mindestens 25 Jahre in Folge erhöht oder stabil gehalten haben, sind:
- Caterpillar
- IBM
- Johnson & Johnson
- McDonald’s
- Procter & Gamble
- PepsiCo
- Walmart
Zu den europäischen Dividendenchampions zählen:
- L’Oréal
- Nestlé
- Roche Holding
- SAP
- Unilever
Einen schnellen Überblick, um potenzielle Investmentkandidaten aus dem Pool der langjährigen Dividendenzahler auszuwählen, bieten Kursbarometer wie die Dividend Aristocrats Indizes von S&P Global. Diese existieren unter anderem für den S&P 500, die Eurozone oder mit globaler Ausrichtung und sind teils auch Grundlage für ETFs wie:
- SPDR S&P US Dividend Aristocrats UCITS ETF
- SPDR S&P Euro Dividend Aristocrats UCITS ETF
Dividendenhistorie: Keine Garantie für künftige Zahlungen
Doch auch eine über Jahrzehnte gewachsene Dividendenhistorie ist lediglich ein Indiz und keine Garantie für die Fortsetzung der bisherigen Ausschüttungspolitik. Wie schnell sich die Lage ändern kann, zeigt der Chemiekonzern Dow. Er halbierte im Juli 2025 seine Quartalsdividende von 0,70 auf 0,35 US-Dollar je Aktie. Zwar haben das Unternehmen und seine Vorgängergesellschaften damit bereits seit 1912 ohne Unterbrechung jedes Quartal eine Dividende ausgeschüttet. Allerdings gab es in der Historie auch immer wieder Kürzungen, beispielsweise 2009 und 2001. Die jüngste Anpassung begründete der Vorstand damit, in einem anhaltend schwierigen Branchenumfeld finanzielle Flexibilität zu gewinnen und Mittel für wachstumsstarke Investitionen sowie zur Stärkung der Bilanz freizusetzen.
Wie hoch ist der freie Cashflow und was sagt er über die Dividendenfähigkeit aus?
Ein zentraler Prüfstein für Dividendenanleger ist die Frage, ob ein Unternehmen finanziell in der Lage ist, Dividenden zu zahlen und künftig zu steigern. Eine maßgebliche Kennzahl dafür ist der freie Cashflow, häufig auch als Free Cashflow bezeichnet.
Er spielt eine wichtige Rolle bei der Unternehmensbewertung und findet sich meist in gängigen Analysetools. Anlegerinnen und Anleger können ihn zudem selbst berechnen. Grundlage ist die Kapitalflussrechnung: Vom Mittelzufluss aus laufender Geschäftstätigkeit werden die Investitionsausgaben abgezogen. Das Ergebnis zeigt, wie viel Kapital einem Unternehmen nach Abzug der operativen Ausgaben und Investitionen frei zur Verfügung steht. Dieser Betrag kann für Dividendenzahlungen, Aktienrückkäufe oder den Schuldenabbau eingesetzt werden. Doch wie lässt sich die Information für die Auswahl von Dividendenaktien nutzen?
Indikator für die finanzielle Stabilität
Der freie Cashflow kann als Indikator für die finanzielle Gesundheit und operative Effizienz eines Unternehmens gelten. Ein positiver freier Cashflow zeigt, dass das Unternehmen genügend liquide Mittel erwirtschaftet, um seinen Verpflichtungen nachzukommen. Das ist für die Dividendensicherheit wichtig. Ein stabiler oder wachsender freier Cashflow kann zudem darauf hindeuten, dass das Unternehmen weiterhin in der Lage sein dürfte, seine Dividenden zu zahlen.
Einen Hinweis darauf, ob ein Unternehmen seine Dividende problemlos halten oder erhöhen kann, liefert die Ausschüttungsquote (Payout Ratio). Dafür wird der freie Cashflow ins Verhältnis zur Höhe der Dividendenausschüttung gesetzt. So erwirtschaftete beispielsweise Dow im Geschäftsjahr 2024 einen negativen freien Cashflow von 26 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig wurden rund 1,97 Milliarden US-Dollar an Dividenden ausgeschüttet. Das überstieg den freien Cashflow deutlich. In einem solchen Fall erfolgt die Zahlung aus der Substanz. Das bedeutet: Es wird angespartes Kapital verwendet, oder die Dividendenzahlung wird durch die Aufnahme von Fremdkapital finanziert.
Ausschüttungsquote als Gradmesser der Dividendensicherheit
Eine solche Entwicklung ist deshalb ein Warnsignal. Denn nur mit einem ausreichenden freien Cashflow kann ein Unternehmen Dividenden zahlen, ohne seine Liquidität oder finanzielle Stabilität zu gefährden. Ein deutlicher Anstieg der Ausschüttungsquote oder ein negativer freier Cashflow können daher ein erstes Alarmzeichen sein, wie beispielsweise bei Dow im Geschäftsjahr 2024. Lag die durchschnittliche Ausschüttungsquote in den fünf Jahren zuvor bei rund 45 %, konnte die Dividende dann nicht mehr durch den freien Cashflow gedeckt werden. Solche Ausreißer können jedoch auch temporärer Natur sein und auf Sondereffekte zurückgehen. Es ist daher wichtig, beim Auftreten solcher Fälle nach den Ursachen zu suchen, um diese bei der Überprüfung bestehender oder der Auswahl neuer Investments zu berücksichtigen. Dies gilt insbesondere für Ausschüttungsquoten nahe oder über 100 %, oder wenn der freie Cashflow negativ ist.
Allerdings gibt es keine Formel dafür, was eine niedrige und was eine hohe Ausschüttungsquote ist. Denn dies hängt vom jeweiligen Unternehmen, seiner Branchenzugehörigkeit und seinem Geschäftsmodell ab und muss in diesem Kontext betrachtet werden. Als Faustregel gilt jedoch, dass moderate Ausschüttungsquoten von unter 50 % ein Indiz dafür sind, dass die aktuellen Ausschüttungen gut abgesichert sind und Spielraum für Dividendenerhöhungen besteht.
Beispiele mit niedrigen Ausschüttungsquoten
Zu den Dividendenaristokraten und Dividendenchampions mit niedriger Ausschüttungsquote zählen aktuell beispielsweise der Indexanbieter S&P Global, der Baumaschinenhersteller Caterpillar, der Wasseraufbereitungsspezialist Ecolab und der Industriekonzern Roper Technologies. Und wie steht es um den Dividendenliebling Coca-Cola? Das Unternehmen wies in den Geschäftsjahren 2024 und 2025 Ausschüttungsquoten von rund 177 % und 166 % aus. Das schränkt den Spielraum für Dividendenerhöhungen ein, wenn diese aus den laufenden Rückflüssen bezahlt werden sollen.
Worauf es bei Dividendenaktien wirklich ankommt
Zuverlässige Dividendenzahler erkennt man nicht an einer möglichst hohen Dividendenrendite, sondern an der nachhaltigen Finanzierung ihrer Ausschüttungen. Entscheidend sind stabile Gewinne, ein ausreichender freier Cashflow und eine angemessene Ausschüttungsquote. Auch eine lange Dividendenhistorie ist nur dann verlässlich, wenn das Geschäftsmodell intakt bleibt. Für Anlegerinnen und Anleger gilt daher: Qualität und finanzielle Stabilität sollten bei der Suche nach Dividendenaktien Vorrang vor kurzfristig attraktiv wirkenden Renditezahlen haben.
Investment-Beispiele:
| Name |
ISIN |
Aktueller Kurs |
KGV* (2026) |
Gewinn/Aktie (2026**) |
Dividende (2026**) |
Dividendenrendite (2026**) |
| Caterpillar | US1491231015 |
603,00 EUR |
30,77 |
19,60 EUR |
5,38 EUR |
0,89 % |
|
US1912161007 |
66,51 EUR |
23,84 |
2,79 EUR |
1,83 EUR |
2,75 % |
|
|
US2788651006 |
246,30 EUR |
33,46 |
7,36 EUR |
2,52 EUR |
1,02 % |
|
|
IE00B6YX5D40 |
72,54 EUR |
- |
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|
|
IE00B5M1WJ87 |
28,20 EUR |
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*KGV: Kurs-Gewinn-Verhältnis; ** Prognose (Quelle: FactSet); Stand: 06.03.2026