Kennzahlen an der Börse: der Cashflow

Warum der Geldzufluss und Geldabfluss in der Bilanz relevant sind

Geldanlage 4 min Lesedauer 17.11.2022

Neben der Dividende sollten Privatanleger und -anlegerinnen auch andere Geschäftszahlen kennen und bewerten, bevor sie in ein Unternehmen investieren. Eine wichtige Größe: der Cashflow.

2021 waren in Deutschland knapp 12,1 Millionen Menschen in Aktien, Aktienfonds oder aktienbasierte ETFs investiert. Das sind über 16 % der Deutschen über 14 Jahren. Anscheinend festigt sich das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in Aktien, ist aber im internationalen Vergleich noch niedrig.

Ein Grund kann die Vielfalt der Informationen sein, die Anleger und Anlegerinnen eigentlich kennen sollten, bevor sie Geld in ein Unternehmen stecken. Da geht es um Dividenden, Cashflow, Kurs-Gewinn-Verhältnis oder Dividendenrendite und das wirkt gerade auf Einsteiger und Einsteigerinnen zunächst oft abschreckend.

Oder haben Sie alles verstanden? Für Profis ist dies natürlich kein Problem. „Vor einer Investition schauen sie sehr genau in das Zahlenwerk eines Unternehmens. Zudem werden sie von den Aktiengesellschaften auf speziellen Informationsveranstaltungen umworben", sagt Falk von Kriegsheim, Investor-Relations-Experte und ausgebildeter Investment-Analyst.

Die Höhe der Dividende allein ist nicht aussagekräftig

Das Problem? Privatanlegern und Privatanlegerinnen sind einige dieser Kennzahlen nicht immer zugänglich. Ein Indiz beeindruckt aber oft auch Laien am Aktienmarkt: die Höhe der Dividende. Dies ist die Gewinnbeteiligung für Aktionäre und Aktionärinnen, die pro Aktie vom Unternehmen ausgeschüttet wird.

Halten Sie beispielsweise 100 Aktien der Firma A und diese schüttet im Jahr 2,50 Euro pro Anteilsschein aus, bekommen Sie 250 Euro Dividende.

„Die Dividende sagt aber nichts über die Nachhaltigkeit des Unternehmensgewinns aus", sagt von Kriegsheim. Schließlich könne eine Dividendenzahlung auch zu Lasten von Investitionen gehen. Was dann die Zukunftsfähigkeit der AG beeinträchtigen könne.

Der Cashflow gibt Aufschluss über die Zahlungskraft

Professionelle Investoren und Investorinnen untersuchen weitaus mehr Daten als die Dividende. Dazu gehören beispielsweise der Verschuldungsgrad, die Marktstellung des Unternehmens in der jeweiligen Branche, die nachhaltige Ertragskraft, die Dividendenkontinuität, Investitionen in das Zukunftsgeschäft und auch die Qualität des Managements.

Wichtig: Eine besonders wichtige Kennzahl bei der Bewertung eines Unternehmens ist der sogenannte Cashflow, auf Deutsch auch Geldfluss oder Kapitalfluss.

„Dies ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, bei der – vereinfacht ausgedrückt – Einnahmen und Ausgaben eines Unternehmens beispielsweise für ein Geschäftsjahr saldiert werden“, sagt von Kriegsheim Dies gibt dann Auskunft über die finanzielle Lage einer Firma und ob ein Unternehmen seine Geschäftstätigkeit selbst finanzieren kann.

Cashflow ist nicht manipulierbar

Die Cashflow-Rechnung eines Jahres gibt außerdem Auskunft darüber, ob eine Firma kreditwürdig ist. Denn aus ihr lässt sich schließen, ob die Firma überhaupt die Mittel hat, ein Darlehen zurückzuzahlen. „Ein Vorteil des Cashflows ist, dass dieser Wert nicht mittels Bilanzkosmetik schön gerechnet werden kann", erläutert von Kriegsheim. Das unterscheidet ihn von der Dividende. Unternehmen zahlen sie mitunter auch dann, wenn eigentlich gar kein ausreichender Gewinn erzielt wurde. „Das ist dann eher als Beruhigungspille für Investoren gedacht, kann aber an die finanzielle Substanz gehen ", sagt der Investor-Relations-Experte.

Auch ein negativer Cashflow kann positiv sein

Ein hoher Cashflow signalisiert vor allem: Das Unternehmen könnte viel Geld an seine Eigentümer, sprich die Aktionäre und Aktionärinnen, verteilen. Um aber auch morgen konkurrenzfähig zu sein kann es mitunter betriebswirtschaftlich sinnvoller sein, dieses Geld zu investieren, um beispielsweise moderne Maschinen anzuschaffen oder in Forschung und Entwicklung zu investieren. Das kann dazu führen, dass aufgrund der hohen Auszahlungen ein Cashflow negativ ist. Anders ausgedrückt: Die Ausgaben waren höher als die Einnahmen. Anleger und Anlegerinnen müssen daher unter Umständen in den Geschäftsbericht schauen, um zu erkennen, warum diese Kennzahl auch mal negativ sein kann und dennoch mittelfristig Positives bedeuten kann.

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