Privatkunden

Kennzahlen an der Börse

Warum der Cashflow für Privatanleger relevant ist

Neben der Dividende sollten Privatanleger auch andere Geschäftszahlen kennen und bewerten, bevor sie in ein Unternehmen investieren. Eine wichtige Größe: der Cashflow.

Aktien sind bei Privatanlegern in Deutschland laut Untersuchungen des Deutschen Aktieninstituts nicht sehr beliebt: 2019 hielten nur 9,7 Millionen Bundesbürger Aktien oder Aktienfonds. Das entspricht 15,2% der über 14-Jährigen. Nachdem die Zahl der Aktienbesitzer zwei aufeinanderfolgende Jahre gestiegen sei, habe es 2019 einen Rückgang gegeben. „Im Vergleich zum Vorjahr kehrten damit knapp 660.000 Menschen der Börse den Rücken“, berichtete das Aktieninstitut und hielt fest: „Deutschland bleibt ein Land der Aktien-Muffel.“

Ein Grund kann die Vielfalt der Informationen sein, die Anleger eigentlich kennen sollten, bevor sie Geld in ein Unternehmen stecken. Da geht es um Dividenden, Cashflow, Kurs-Gewinn-Verhältnis oder Dividendenrendite und das wirkt gerade auf Kleinanleger zunächst oft abschreckend.

Oder haben Sie alles verstanden? Für professionelle Investoren ist dies natürlich kein Problem. „Vor einer Investition schauen sie sehr genau in das Zahlenwerk eines Unternehmens. Zudem werden sie von den Aktiengesellschaften auf speziellen Informationsveranstaltungen umworben", sagt Falk von Kriegsheim, Investor-Relations-Experte und ausgebildeter Investment-Analyst.

Die Höhe der Dividende allein ist nicht aussagekräftig

Das Problem? Privatanlegern sind einige dieser Kennzahlen allerdings nicht immer zugänglich. Ein Indiz beeindruckt aber oft auch Laien am Aktienmarkt: die Höhe der Dividende. Dies ist die Gewinnbeteiligung für Aktionäre, die pro Aktie vom Unternehmen ausgeschüttet wird.

Hält ein Anleger beispielsweise 100 Aktien der Firma A und schüttet diese im Jahr 2,50 Euro pro Anteilsschein aus, bekommt der Aktionär 250 Euro Dividende.

„Die Dividende sagt aber nichts über die Nachhaltigkeit des Unternehmensgewinns aus", sagt von Kriegsheim. Schließlich könne eine Dividendenzahlung auch zu Lasten von Investitionen gehen. Was dann die Zukunftsfähigkeit der AG beeinträchtigen könne.

Der Cashflow gibt Aufschluss über die Zahlungskraft

Professionelle Investoren untersuchen weitaus mehr Daten als die Dividende. Dazu gehören beispielsweise der Verschuldungsgrad, die Marktstellung des Unternehmens in der jeweiligen Branche, die nachhaltige Ertragskraft, die Dividendenkontinuität, Investitionen in das Zukunftsgeschäft und auch die Qualität des Managements.

Wichtig: Eine besonders wichtige Kennzahl bei der Bewertung eines Unternehmens ist der sogenannte Cashflow, auf Deutsch auch Geldfluss oder Kapitalfluss.

„Dies ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, bei der – vereinfacht ausgedrückt – Einnahmen und Ausgaben eines Unternehmens beispielsweise für ein Geschäftsjahr saldiert werden“, sagt von Kriegsheim Dies gibt dann Auskunft über die finanzielle Lage einer Firma und ob ein Unternehmen seine Geschäftstätigkeit selbst finanzieren kann.

Cashflow ist nicht manipulierbar

Die Cashflow-Rechnung eines Jahres gibt außerdem Auskunft darüber, ob eine Firma kreditwürdig ist. Denn aus ihr lässt sich schließen, ob die Firma überhaupt die Mittel hat, ein Darlehen zurückzuzahlen. „Ein Vorteil des Cashflows ist, dass dieser Wert nicht mittels Bilanzkosmetik schön gerechnet werden kann", erläutert von Kriegsheim. Das unterscheidet ihn von der Dividende. Unternehmen zahlen sie mitunter auch dann, wenn eigentlich gar kein ausreichender Gewinn erzielt wurde. „Das ist dann eher als Beruhigungspille für Investoren gedacht, kann aber an die finanzielle Substanz gehen ", sagt der Investor-Relations-Experte.

Auch ein negativer Cashflow kann positiv sein

Ein hoher Cashflow signalisiert vor allem: Das Unternehmen könnte viel Geld an seine Eigentümer, sprich die Aktionäre, verteilen. Um aber auch morgen konkurrenzfähig zu sein kann es mitunter betriebswirtschaftlich sinnvoller sein, dieses Geld zu investieren, um beispielsweise moderne Maschinen anzuschaffen oder in Forschung und Entwicklung zu investieren. Das kann dazu führen, dass aufgrund der hohen Auszahlungen ein Cashflow negativ ist. Anders ausgedrückt: Die Ausgaben waren höher als die Einnahmen. Von Kriegsheim: „Anleger müssen daher wirklich in den Geschäftsbericht schauen, um zu erkennen, warum diese Kennzahl auch mal negativ sein kann und dennoch mittelfristig Positives bedeuten kann."

Autor: ING