Grundlagen der technischen Analyse

So erkennen Sie Trendwenden!

Grundlagen technische Analyse

Wer sich ein Bild über eine Aktie machen möchte, kann sich deren Kennzahlen wie die Umsatz- und Gewinnentwicklung oder das Kurs-Gewinn-Verhältnis anschauen. Neben dieser fundamentalen Analyse kann man auch die technische Analyse zu Rate ziehen und einen Blick auf den Chart der Aktie werfen. Denn manchmal sagt ein Bild mehr als 1.000 Worte oder Kennzahlen.

Was ist Chartanalyse?

Der Chart ist die grafische Darstellung der Kursnotierung eines Wertpapiers innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Warum kann der Blick auf den Chart sinnvoll sein? Die technische Analyse geht davon aus, dass sich Kursnotierungen oftmals in Trends bewegen und alle aktuell verfügbaren Informationen zu einem Wertpapier bereits in dessen Börsenkurs enthalten sind, sich also im Chart widerspiegeln. Zwar ist der Kursverlauf der Vergangenheit kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen. Jedoch geht die technische Analyse davon aus, dass Marktteilnehmer in vergleichbaren Situationen ähnlich handeln. Und dieses Handeln hinterlässt zuweilen bestimmte Kursmuster im Chart.  

Aus solchen Mustern versucht die klassische Charttechnik Prognosen bzw. Szenarien für eine mögliche künftige Kursentwicklung abzuleiten. So gibt es zahlreiche Chartformationen, die auf eine mögliche Fortsetzung oder Umkehr eines bestehenden Trends hindeuten. Gemeinsame Voraussetzung dieser Formationen ist das Vorliegen eines Trends. Von einem Aufwärtstrend spricht man, wenn die Kursnotierung eine Serie steigender Hoch- und Tiefpunkte ausbildet. Bildet die Kursnotierung eine Reihe fallender Hoch- und Tiefpunkte aus, liegt ein Abwärtstrend vor. Zudem können die Kurse über längere Zeit innerhalb einer bestimmten Kursspanne ohne klar erkennbare Richtung hin und her schwanken (Seitwärtsbewegung bzw. trendlose Phase).

Die vier bekanntesten Trendwendeformationen erklärt

Trendwendeformationen können Hinweise auf einen bevorstehenden Wechsel der Trendrichtung geben. Zu den bekanntesten Formationen zählen das Doppeltop und die Schulter-Kopf-Schulter-Formation (SKS-Formation). Hierbei handelt es sich um obere Umkehrformationen, die auf ein mögliches Ende eines bestehenden Aufwärtstrends hindeuten können und bei Vollendung der Trendwende fallende Kursnotierungen erwarten lassen. 

Charakteristisch für ein Doppeltop sind folgende Voraussetzungen: 

  • Ein vorausgehender längerer Kursaufschwung. 
  • Die Ausbildung eines Hochpunktes mit anschließender Gegenbewegung und der Ausbildung eines Zwischentiefs. 
  • Danach Ausbildung einer zweiten Kursspitze, die etwa das Niveau des vorherigen Hochpunktes erreicht und der eine erneute Bewegung in die Gegenrichtung folgt. 
  • Die Umsätze sollten während der Ausbildung der zweiten Kursspitze idealerweise abnehmen. 
  • Mit dem Rückfall unter das letzte Zwischentief kommt es zum Bruch der sogenannten Nackenlinie, wodurch die Formation vollendet wird. Dabei sollte ein Anstieg der Umsätze zu beobachten sein. 
  • Der Bruch einer Trendlinie oder der Schnitt mit einem gleitenden Durchschnitt (z. B. einfacher gleitender Durchschnittskurs der letzten 200 Tage) wirken als zusätzliche Bestätigung der Trendwende. 

 

Eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation lässt sich wie folgt erkennen: 

  • Ein vorausgehender längerer Kursaufschwung. 
  • Die Ausbildung eines Hochpunktes (linke Schulter) mit anschließender Gegenbewegung und der Ausbildung eines Zwischentiefs. 
  • Daraufhin markiert die Kursnotierung ein neues Hoch (Kopf), ehe es wieder zu einer Gegenbewegung mit einem erneuten Zwischentief kommt. 
  • Ausgehend vom Niveau des letzten Zwischentiefs erfolgt die Ausbildung einer weiteren Kursspitze (rechte Schulter). Diese sollte sich in etwa auf dem Niveau der linken Schulter befinden. 
  • Die Umsätze sollten während der Ausbildung der SKS-Formation sukzessive zurückgehen. 
  • Der Durchbruch unter die beide Zwischentiefs verbindende Nackenlinie vollendet die Formation. Dabei sollten die Umsätze idealerweise signifikant ansteigen. 
  • Der Bruch einer Trendlinie oder der Schnitt mit einem gleitenden Durchschnitt (z. B. einfacher gleitender Durchschnittskurs der letzten 200 Tage) wirken als zusätzliche Bestätigung der Trendwende.
Trendwende Schulter-Kopf-Schulter-Formation

Die Gegenstücke in einem Abwärtstrend bilden der doppelte Boden und die umgekehrte (inverse) SKS-Formation. Diese unteren Umkehrformationen können auf ein mögliches Ende eines bestehenden Abwärtstrends hindeuten und lassen im Anschluss an eine vollendete Trendwende steigende Kursnotierungen erwarten.

Für das Vorliegen eines doppelten Bodens müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein: 

  • Ein vorausgehender längerer Kursabschwung. 
  • Die Ausbildung eines Tiefpunktes mit anschließender Gegenbewegung und der Ausbildung eines Zwischenhochs. 
  • Danach Ausbildung eines zweiten Kurstiefs, das etwa das Niveau des vorherigen Tiefpunktes erreicht und dem eine erneute Bewegung in die Gegenrichtung folgt. 
  • Die Umsätze sollten während der Ausbildung der zweiten Kursspitze idealerweise zunehmen. 
  • Mit dem Anstieg über das letzte Zwischenhoch kommt es zum Bruch der sogenannten Nackenlinie, wodurch die Formation vollendet wird. Dabei sollte ein deutlicher Anstieg der Umsätze zu beobachten sein. 
  • Der Bruch einer Trendlinie oder der Schnitt mit einem gleitenden Durchschnitt (z. B. einfacher gleitender Durchschnittskurs der letzten 200 Tage) wirken als zusätzliche Bestätigung der Trendwende.
Trendwende doppelter Boden

Eine umgekehrte (inverse) Schulter-Kopf-Schulter-Formation lässt sich wie folgt erkennen: 

  • Ein vorausgehender längerer Kursabschwung. 
  • Die Ausbildung eines Tiefpunktes (linke Schulter) mit anschließender Gegenbewegung und der Ausbildung eines Zwischenhochs. 
  • Daraufhin markiert die Kursnotierung ein neues Tief (Kopf), ehe es wieder zu einer Gegenbewegung kommt. 
  • Ausgehend vom Niveau des letzten Zwischenhochs erfolgt die Ausbildung einer weiteren Kursspitze (rechte Schulter). Diese sollte sich in etwa auf dem Niveau der linken Schulter befinden. 
  • Die Umsätze sollten während der Ausbildung der umgekehrten SKS-Formation sukzessive zunehmen. 
  • Der Anstieg über die beide Zwischenhochs verbindende Nackenlinie vollendet die Formation. Dabei sollten die Umsätze möglichst stark ansteigen. 
  • Der Bruch einer Trendlinie oder der Schnitt mit einem gleitenden Durchschnitt wirken als zusätzliche Bestätigung der Trendwende. 

Bestimmen von Kurszielen

Aus den genannten Formationen lässt sich zugleich ein Kursziel ableiten, in dessen Richtung sich die Kursnotierung nach Vollendung der Formation bewegen könnte. Die Methode zur Bestimmung dieses Kursziels ist bei allen vier Formationen identisch: Man berechnet dazu die Kursdifferenz zwischen dem Top, Tief oder Kopf und der Nackenlinie. Diese Kursdifferenz wird an dem Punkt, an dem die Nackenlinie durchbrochen wurde, in die jeweilige Ausbruchsrichtung abgetragen und ergibt das mögliche Kursziel.

Fazit

Für Anlegerinnen und Anleger kann das Wissen über Trendwendeformationen ein hilfreicher Baustein bei der Analyse von Wertpapieren sein. Wird eine Trendwendeformation erkannt, kann dies auf eine mögliche Veränderung der bisherigen Kursentwicklung hindeuten. Allerdings gibt es keine Garantie dafür, dass sich ein neuer Trend etabliert. Zudem können sich vermeintliche Signale im Nachhinein als Fehlsignale erweisen und es besteht das Risiko, dass die Formation versagt. Die technische Analyse kann daher eine Einschätzung unterstützen, sollte jedoch nicht isoliert betrachtet werden. Anlageentscheidungen sollten stets unter Berücksichtigung der individuellen Ziele, der Risikobereitschaft, der Verlusttragfähigkeit, des Anlagehorizonts sowie weiterer relevanter Informationen getroffen werden. 

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