Anleihen als Alternative zu Aktien?

Anleiherenditen auf dem Weg zu neuen Höhen?

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Ein breit diversifiziertes Depot kann verschiedene Anlageklassen umfassen, neben Aktien beispielsweise auch Anleihen. Höhere Anleiherenditen können Anleihen für neue Geldanlagen im Vergleich zu Aktien attraktiver machen. Allerdings gibt es einige Punkte zu beachten, damit die Rechnung am Ende aufgehen kann.

Inhaltsverzeichnis
  1. Renditen von Staatsanleihen 2026 deutlich gestiegen
  2. Mehrere Gründe für Renditeanstiege bei Anleihen
  3. Anleihen gewinnen gegenüber Aktien an Attraktivität
  4. Alles auf Anleihen?

Renditen von Staatsanleihen 2026 deutlich gestiegen

Noch vor wenigen Jahren war mit 10-jährigen Bundesanleihen kaum etwas zu holen. Im Gegenteil: Die Rendite war in den von der Corona-Pandemie geprägten Jahren 2020 und 2021 zeitweise sogar leicht negativ. Vereinfacht gesagt, waren Investoren bereit, für eine Bundesanleihe mehr zu bezahlen, als sie einschließlich der Zinszahlungen bis zur Fälligkeit zurückerhielten. 

Inzwischen haben sich die Zeiten geändert. Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen ist in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen und lag Ende September 2026 bei rund 3,6 %. Die Renditen 10-jähriger französischer und US-amerikanischer Staatsanleihen fielen mit rund 4,8 % beziehungsweise 5,3 % noch höher aus. In Deutschland und Frankreich wurden vergleichbare Renditen zuletzt ungefähr im Umfeld der europäischen Staatsschuldenkrise erreicht. In den USA liegen vergleichbare Renditeniveaus noch länger zurück.

Renditen zehnjähriger Staatsanleihen verschiedener Länder
Hinweis: Historische Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Mehrere Gründe für Renditeanstiege bei Anleihen

Es stellt sich die Frage, warum die Anleiherenditen so stark gestiegen sind. Dafür kommen derzeit gleich mehrere Gründe in Betracht: 

  • Steigendes Angebot an Staatsanleihen: Weltweit erhöhen viele Staaten ihre Ausgaben, unter anderem für Investitionen in die Infrastruktur und Verteidigung. Werden diese Ausgaben verstärkt über Kredite finanziert, müssen entsprechend mehr Staatsanleihen am Kapitalmarkt platziert werden. Trifft ein größeres Anleiheangebot nicht auf eine entsprechend höhere Nachfrage, müssen die Emittenten den Investoren in der Regel höhere Renditen bieten. Zusätzlich können Sorgen über die langfristige Tragfähigkeit der Staatsfinanzen die von Anlegern verlangten Risiko- und Laufzeitprämien erhöhen. 

 

  • Inflations- und Zinserwartungen: Steigen die Erwartungen bezüglich der künftigen Entwicklung der Inflation, verlangen Anleger einen höheren nominalen Ertrag, um den erwarteten Kaufkraftverlust auszugleichen. Zugleich können Marktteilnehmer damit rechnen, dass die Notenbanken ihre Leitzinsen länger auf einem erhöhten Niveau halten oder weiter anheben. Beides kann insbesondere die Renditen länger laufender Anleihen steigen lassen. 

 

  • Zunehmendes Angebot an Unternehmensanleihen: Der Ausbau von Rechenzentren und anderer Infrastruktur für KI-Anwendungen ist für große Technologieunternehmen mit hohen Investitionen verbunden. Einen Teil der benötigten Mittel nehmen die Unternehmen über den Anleihemarkt auf. Dadurch wächst das Angebot an Unternehmensanleihen, die um das Kapital der Investoren konkurrieren – auch mit Staatsanleihen. Im August 2026 emittierte Alphabet beispielsweise Anleihen im Gesamtwert von 5,5 Mrd. australischen Dollar. Die 20-jährige Tranche war dabei mit einem Zinssatz von 6,98 % ausgestattet. 

Anleihen gewinnen gegenüber Aktien an Attraktivität

Nicht nur innerhalb der Anlageklasse Anleihen ist ein Wettbewerb um das Kapital der Investoren zu beobachten. Auch gegenüber Aktien gewinnen Anleihen durch die gestiegenen Renditen an Attraktivität. Ablesen lässt sich dies beispielsweise am Abstand zur Gewinnrendite von Aktien. Die Gewinnrendite ist der Kehrwert des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV). Als Prozentsatz ausgedrückt gibt sie an, wie viel Gewinn ein Unternehmen im Verhältnis zu seinem Aktienkurs erwirtschaftet. Mithilfe dieses Prozentsatzes kann der Ertrag einer Aktie mit dem von festverzinslichen Anlagen wie Anleihen verglichen werden.  

Grundsätzlich sollten Aktien Anlegern langfristig eine höhere Renditeerwartung bieten, um sie für die größeren Wertschwankungen und Geschäftsrisiken zu entschädigen. Der Abstand zwischen der Gewinnrendite eines Aktienmarkts und der Rendite langfristiger Staatsanleihen kann einen groben Hinweis auf die relative Bewertung beider Anlageklassen geben. Er ist jedoch kein vollständiges Maß für die Aktienrisikoprämie und erlaubt keine verlässliche Prognose der künftigen Gesamtrendite.

Land (Index) Erwartete Gewinnrendite Aktienmarkt* Rendite 10-jährige Staatsanleihen Renditeabstand in Prozentpunkten
Deutschland (DAX) 5,9 % 3,6 % 2,3
USA (S&P 500) 4,9 % 5,3 % -0,4

* Basierend auf dem prognostizierten KGV des jeweiligen Aktienindex. Die erwartete Gewinnrendite entspricht dessen Kehrwert. Sie beruht auf Gewinnschätzungen, ist nicht garantiert und dient nur als grobe Orientierung. 
Quellen: Index-Factsheets von STOXX und S&P Dow Jones Indices; Deutsche Bundesbank und U.S. Treasury; Stand: 30.09.2026 

Alles auf Anleihen?

Höhere Anleiherenditen können ein Anlass sein, die Aufteilung der Anlageklassen im Rahmen eines Depot-Checks zu überprüfen. Ob eine höhere Anleihequote sinnvoll ist, hängt insbesondere vom persönlichen Anlageziel, dem Zeithorizont, von der individuellen Risikotragfähigkeit und der bestehenden Vermögensstruktur ab. 

Wer den Anleihe-Anteil im Depot in Eigenregie erhöhen möchte, sollte dabei die anfallenden Kosten für die Anschaffung der Wertpapiere im Blick haben. Zudem ist es sinnvoll, Titel von verschiedenen Staaten oder Unternehmen zu berücksichtigen. Auf diese Weise lässt sich das Klumpenrisiko gegenüber einem Einzelinvestment verringern. Bei Anleihen in Fremdwährung besteht jedoch zusätzlich ein Währungsrisiko. Eine ungünstige Wechselkursveränderung kann einen Renditevorteil gegenüber vergleichbaren, auf Euro lautenden Anleihen teilweise oder vollständig aufzehren. 

Ein weiteres Risiko sind steigende Marktzinsen. Sie führen bei bereits umlaufenden Anleihen mit einem festen Zinssatz zu fallenden Kursen, da neue emittierte Anleihen dann eine höhere Verzinsung bieten. Durch den niedrigeren Kurs steigt die Rendite der bereits umlaufenden Anleihen, bis sie sich dem veränderten Marktzinsniveau angenähert hat. Umgekehrt führen sinkende Marktzinsen grundsätzlich zu steigenden Anleihekursen und niedrigeren Renditen. Das Zinsänderungsrisiko lässt sich u. a. durch kürzere Restlaufzeiten der Anleihen reduzieren. 

Eine breit gestreute Investition in Anleihen kann häufig einfacher über einen oder mehrere Anleihe-ETFs umgesetzt werden als durch den Kauf einzelner Titel. Klassische Anleihe-ETFs haben in der Regel keine feste Laufzeit. Sie ersetzen auslaufende oder nicht mehr den Indexregeln entsprechende Anleihen fortlaufend durch neue Wertpapiere. Dadurch bleibt das Zinsänderungsrisiko des ETFs grundsätzlich bestehen. Daneben gibt es auch Laufzeit-ETFs, sogenannte Target-Maturity-Anleihe-ETFs. Diese bündeln Anleihen mit einem bestimmten Fälligkeitsjahr und werden zu einem vorher festgelegten Zeitpunkt aufgelöst.

Tipp: Mit der ETF-Suche kann das umfangreiche Angebot der ING auf einfache Weise nach interessanten Anleihe-ETFs durchsucht werden. Dazu zunächst die Kategorie „Rentenfonds“ einstellen. Anschließend kann die Auswahl anhand von Kriterien wie „Währung“, „Laufende Kosten p. a.“ oder dem Namenszusatz „Target Maturity“ verfeinert werden. Aus dem inzwischen umfangreichen ETF-Angebot können Anleger solche Produkte auswählen, deren Anlageschwerpunkt (z. B. Anleihen von europäischen Staaten oder Unternehmen) und Laufzeiten (z. B. 1 bis 3 Jahre oder 1 bis 10 Jahre) zur jeweiligen Anlagestrategie passen. Die Anlageschwerpunkte lassen sich in der Regel aus dem Namen des ETFs entnehmen. 

Autor: Steffen Droemert

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