Minenfinanzierer: Wie man am Gold verdient, ohne selbst zu buddeln
Mitte der 1980er-Jahre wagte eine kleine kanadische Firma ein ungewöhnliches Geschäft. Sie kaufte Rechte an der Produktion einer kaum beachteten Goldmine in Nevada. Diese entpuppte sich als buchstäbliche Goldgrube, und der Deal bewies, dass das Geschäftsmodell dahinter funktioniert. Es gehört heute in der Goldbranche zu den am höchsten bewerteten an der Börse. Doch wie lässt sich damit Geld verdienen, ohne selbst eine Mine zu betreiben?
Eine Analyse von Thomas Behnke, Busch und Partner| Werbemitteilung
- Goldstrike: Wie aus 2 Millionen US-Dollar eine Milliarde wurde
- Was sind Minenfinanzierer? Royalty und Streaming erklärt
- Mitverdienen ohne Bergbaukosten
- Effizienter als der Chipriese NVIDIA
- Welche Risiken tragen Minenfinanzierer?
- Wheaton, Franco-Nevada, Royal Gold: ein Modell, drei Strategien
- Wachstum bis 2030: Die großen Drei setzen auf bestehende Verträge
- Investment-Beispiele
Goldstrike: Wie aus 2 Millionen US-Dollar eine Milliarde wurde
Franco-Nevada heißt die Firma. Ihre Gründer Pierre Lassonde und Seymour Schulich hatten sich die Idee im Ölgeschäft abgeschaut. Dort verdienten Investoren schon seit Jahrzehnten über Royalties an der Förderung mit, ohne selbst zu bohren. 1986, vier Jahre nach der Gründung, steckte das Unternehmen die Hälfte seines Kapitals in eine Royalty auf die Goldstrike-Mine in Nevada. Kurz darauf übernahm American Barrick, das heutige Barrick Mining, das Gelände. Bei Bohrungen in der Tiefe stießen seine Geologen auf eines der größten Goldvorkommen der Welt. Das zahlte sich auch für Franco-Nevada aus. Aus den 2 Millionen US-Dollar für die Royalty wurden bis heute mehr als eine Milliarde, ohne dass man selbst eine einzige Schaufel Erde bewegen musste.
Was sind Minenfinanzierer? Royalty und Streaming erklärt
Minenfinanzierer wie Franco-Nevada geben Minenbetreibern Geld im Voraus und werden dafür an der späteren Förderung beteiligt. Der Hintergrund ist einfach. Wer eine Mine erkunden, erschließen oder Förder- und Verarbeitungsanlagen bauen will, braucht viel Kapital. Die Finanzierer stellen es bereit und erhalten dafür einen vertraglich festgelegten Anteil an der Produktion oder am Umsatz, oft für die gesamte Lebensdauer der Mine. Dabei unterscheidet man zwischen Royalty und Streaming.
Bei einer Royalty erhält der Finanzierer einen festen Prozentsatz der Erlöse aus der Förderung. Im Goldsektor ist das häufig eine sogenannte Net Smelter Return Royalty, kurz NSR. Sie bemisst sich am Verkaufserlös des Metalls, abzüglich weniger, klar festgelegter Kosten, etwa für Transport, Schmelzen und Raffination. Meist liegt die NSR zwischen 0,5 % und 5 %.
Beim Streaming erhält der Finanzierer dagegen das Recht, einen vereinbarten Teil der künftigen Produktion zu einem vorab festgelegten Preis abzunehmen. Dieser liegt meist deutlich unter dem Marktpreis. Darf er etwa eine Unze Gold für 500 US-Dollar kaufen und verkauft sie für 4.500 US-Dollar, bleibt ihm die Differenz als Marge, abzüglich eigener Kosten.
Mitverdienen ohne Bergbaukosten
Die Finanzierer sind somit an der Förderung beteiligt und profitieren von steigenden Metallpreisen. Nach der Vorauszahlung fallen für sie kaum weitere Investitionen an. Sie bauen keine eigenen Minen und brauchen keine Belegschaft vor Ort. Die operativen Risiken trägt weitgehend der Betreiber, ebenso die laufenden Betriebs-, Entwicklungs- und Investitionskosten, allen voran für Energie und Personal. Und die bleiben auch dann, wenn der Goldpreis fällt.
Effizienter als der Chipriese NVIDIA
Die schlanke Kostenstruktur ist der wesentliche Vorteil der Minenfinanzierer. Die drei umsatzstärksten, Wheaton Precious Metals, Franco-Nevada und Royal Gold, beschäftigen jeweils weniger als 50 Mitarbeiter. Große Minenbetreiber beschäftigen Zehntausende. Noch deutlicher wird der Unterschied beim Umsatz pro Kopf. Der Minenbetreiber Newmont erreichte 2025 rund 1,3 Millionen US-Dollar, die drei Minenfinanzierer rund 52, 46 und 26 Millionen US-Dollar. Selbst NVIDIA sieht dagegen alt aus. Der Chiphersteller gilt mit rund 5,1 Millionen US-Dollar Pro-Kopf-Umsatz (2025/26) als eines der produktivsten Unternehmen der Welt.
Die niedrigen Kosten schlagen sich direkt in den Margen der Minenfinanzierer nieder. Im Schnitt der vergangenen fünf Jahre erzielten sie operative Margen zwischen 54 % und 64 %. Auch hier liegt NVIDIA mit 47 % dahinter. Bei den drei nach Börsenwert größten Goldminenbetreibern Newmont, Agnico Eagle und Barrick waren es dagegen 23 % bis 34 %.
Welche Risiken tragen Minenfinanzierer?
Ein Selbstläufer ist das Modell trotzdem nicht. Auf den Betrieb einer Mine haben die Finanzierer keinen direkten Einfluss. Fördert sie weniger als geplant, sinken ihre Einnahmen. Fallende Metallpreise treffen die Branche ebenfalls. Dazu kommen die für den Bergbau typischen politischen und regulatorischen Risiken. Franco-Nevada etwa schrieb rund 1 Milliarde US-Dollar auf seinen Stream ab, als die Regierung von Panama Ende 2023 die Mine Cobre Panamá schließen ließ. Wie es mit der Mine weitergeht, will die Regierung bis Ende 2026 entscheiden.
Jede Mine ist zudem irgendwann erschöpft. Die Finanzierer brauchen deshalb ständig neue Verträge und konkurrieren dabei mit anderen Streaming- und Royalty-Unternehmen sowie weiteren Kapitalgebern.
Unterm Strich tragen die Finanzierer aber deutlich weniger operative Risiken als die Minenbetreiber. Das führt an der Börse zu Bewertungsaufschlägen. In der Vergangenheit lagen die Bewertungen großer Minenfinanzierer öfter über denen großer Minenbetreiber.
Wheaton, Franco-Nevada, Royal Gold: ein Modell, drei Strategien
Trotz des gleichen Geschäftsmodells setzen die drei großen Minenfinanzierer unterschiedliche Schwerpunkte. Wheaton Precious Metals ist ein nahezu reiner Streamer mit Wurzeln im Silbergeschäft, das noch immer gut ein Drittel des Umsatzes ausmacht. Mit 57 Minen und Projekten, 22 davon in Produktion, ist das Portfolio überschaubar. Nach eigener Rechnung hat Wheaton aber seit 2004 fast die Hälfte aller Gelder für Edelmetall-Streams gestellt. Sieben der zehn größten Streaming-Verträge der Branche gehen auf das Unternehmen zurück. Darunter ist der Rekorddeal über 4,3 Milliarden US-Dollar aus dem Frühjahr 2026 für Silber aus Antamina in Peru, einer der größten Kupfer-Zink-Minen der Welt. Silber fällt dort als Nebenprodukt an. Übrigens halten auch Franco-Nevada und Royal Gold Rechte an Antamina.
Deutlich breiter aufgestellt ist Franco-Nevada mit 447 Minen und Projekten, von denen 121 produzieren. Das Portfolio besteht überwiegend aus Royaltys. Kein einzelner Vertrag steht für mehr als 15 % der Einnahmen. Zudem spielt das Ölgeschäft, aus dem die Gründungsidee stammt, auch heute noch eine Rolle. Rund ein Zehntel des Umsatzes kommt aus Öl- und Gasrechten, vor allem in den USA und Kanada.
Bei Royal Gold entfallen 78 % des Umsatzes auf Gold, 12 % auf Silber und 7 % auf Kupfer. Zwei Drittel der Erlöse kommen aus Streams. Mit der Übernahme der Konkurrenten Sandstorm Gold und Horizon Copper hat das Unternehmen 2025 die Zahl seiner produzierenden Minen auf 82 verdoppelt. Insgesamt gehören 368 Minen und Projekte zum Portfolio.
Bei allen drei zeigt sich damit, dass der Großteil der erworbenen Rechte noch kein Geld bringt. Das kann sich ändern, wenn aus den Projekten tatsächlich fördernde Minen werden.
Wachstum bis 2030: Die großen Drei setzen auf bestehende Verträge
Die drei Unternehmen rechnen nach eigenen Angaben bis 2030 mit steigenden Fördermengen, vor allem aus Minen, die bereits fördern, gebaut oder finanziert werden. Für das geplante Wachstum sind daher größtenteils keine neuen Käufe von Royaltys und Streams nötig. Das Prinzip ist also dasselbe wie vor 40 Jahren in Nevada. Nach einer einmaligen Vorauszahlung verdienen die Finanzierer über Jahrzehnte an der Förderung mit. Einen Treffer wie Goldstrike garantiert das zwar nicht. Dennoch zeigt die Branche: Wer am Gold mitverdienen will, muss nicht zwingend selbst graben.
Investment-Beispiele
| Name | ISIN | Aktueller Kurs | KGV* (2026) | Gewinn/Aktie (2026**) | Dividende (2026**) | Dividendenrendite (2026**) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Franco-Nevada | CA3518581051 | 218,20 EUR |
29,65 |
7,36 EUR |
1,57 EUR |
0,72 % |
| Wheaton Precious Metals | CA9628791027 | 123,35 EUR |
29,16 |
4,23 EUR |
0,70 EUR |
0,57 % |
| Royal Gold | US7802871084 | 212,10 EUR | 23,46 | 9,04 EUR | 1,70 EUR | 0,80 % |
Stand: 12.10.2026 * KGV: Kurs-Gewinn-Verhältnis; ** Prognose (Quelle: ING)