Blüht Japans Aktienmarkt weiter?
Von Ende März bis Anfang Mai blüht Japan auf. Die Zeit der Kirschblüte ist für das Land ein wichtiges kulturelles Ereignis, das für Schönheit und Vergänglichkeit sowie für Neuanfang und Optimismus steht. Optimismus verbinden viele Japaner auch mit dem historischen Wahlsieg der Liberaldemokratischen Partei, der Premierministerin Sanae Takaichi große Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet. Damit könnte sie die japanische Wirtschaft zu einer neuen Blüte treiben – vorausgesetzt, die dunklen Wolken im Mittleren Osten lösen sich bald auf.
Wahlsieg der Liberaldemokratischen Partei beflügelt
Im Februar 2026 gewann die Liberaldemokratische Partei der amtierenden Premierministerin Sanae Takaichi die Neuwahlen zum japanischen Unterhaus. Mehr als zwei Drittel der Sitze bedeuten eine Bestätigung des von Takaichi eingeschlagenen Wegs und eröffnen ihr zugleich Spielraum für die Zukunft.
Ähnlich wie der frühere Premierminister Shinzō Abe steht auch Takaichi für eine Politik, die mit niedrigen Zinsen, Staatsausgaben und Strukturreformen das Wirtschaftswachstum ankurbeln möchte. Mit staatlichen Investitionen in Verteidigung, Infrastruktur, Digitalisierung sowie die Förderung von Technologie will Takaichi nach eigener Aussage den langjährigen Trend exzessiver Sparmaßnahmen und chronischer Unterinvestitionen in die Zukunft beenden. Zudem will sie die privaten Konsumausgaben anregen, u. a. durch eine Aussetzung der Mehrwertsteuer auf Nahrungsmittel (8,0 %) für zwei Jahre.
Aktienmarkt honoriert expansive Geld- und Fiskalpolitik
Im November 2025 beschloss das Kabinett von Takaichi ein Konjunkturpaket im Umfang von 21,3 Bio. Yen (rund 135 Mrd. US-Dollar). Neben Staatsausgaben von 17,7 Bio. Yen beinhaltet es Steuersenkungen in Höhe von 2,7 Bio. Yen.
Steigende Steuereinnahmen infolge einer erhöhten Inflation und Mehreinnahmen aufgrund zu erwartender höherer BIP-Wachstumsraten sollen einen Teil der Ausgaben finanzieren. Allerdings projiziert der Internationale Währungsfonds in seinen Schätzungen von Anfang April 2026 für das laufende Jahr nur ein Wachstum von 0,8 %, nach 1,1 % im Jahr 2025.
Ein weiterer Teil der Ausgaben soll über neue Staatsanleihen finanziert werden. Um die Zinsbelastung dafür möglichst niedrig zu halten, befürwortet Takaichi eine expansive Geldpolitik. Mit einer Schuldenquote von knapp 240 % des Bruttoinlandsprodukts ist Japan eines der am höchsten verschuldeten Länder weltweit. Allerdings sitzen die Gläubiger vor allem im eigenen Land, was die Abhängigkeit von internationalen Kapitalflüssen reduziert und die Refinanzierung stabiler macht. Zudem hält die Bank of Japan (BoJ) rund die Hälfte aller japanischen Staatsanleihen.
Die niedrigen Zinsen und die Sorge um die Staatsverschuldung schwächen den Yen. Für einen Großteil der im Nikkei 225 gelisteten Unternehmen ist dies jedoch von Vorteil. Sie sind global aufgestellt, sodass ihnen ein schwächerer Yen einen Preisvorteil im Exportgeschäft bietet. Getrieben von der Hoffnung auf eine expansive Geldpolitik und staatliche Investitionen, gewann der Nikkei 225 im Februar 2026 prozentual zweistellig an Wert. Denn ein nachhaltiges Wachstum der japanischen Wirtschaft sollte sich auch in steigenden Umsätzen und Gewinnen der Unternehmen niederschlagen.
Hohe Abhängigkeit von Ölimporten ist ein Problem
Im März 2026 büßte der Nikkei jedoch die im Februar erzielten Gewinne wieder ein. Ausschlaggebend für die Kursschwäche in Japan und vielen Teilen Asiens war der Iran-Krieg, insbesondere die Blockade der Straße von Hormus, durch die 20 % der weltweiten Rohöllieferungen transportiert werden, der überwiegende Teil davon nach Asien. Japan bezieht rund 90 % seines importierten Rohöls aus dem Mittleren Osten, wodurch eine sehr hohe Abhängigkeit besteht.
Rohöl ist nach wie vor ein wichtiger Rohstoff für die Industrie. Die mit der Blockade stark gestiegenen Preise haben Auswirkungen auf viele Wirtschaftssektoren, allen voran die Logistik. Steigende Treibstoffpreise erhöhen die Kosten für Fracht und Tickets im Flugverkehr. Gleiches gilt für den Schiffsverkehr. Doch Handel und Logistik sind für Japan aufgrund der geografischen Gegebenheiten als rohstoffarmer Inselstaat von enormer Bedeutung. Das Land importiert Nahrungsmittel und zahlreiche Rohstoffe, um nach deren Verarbeitung fertige Produkte zu exportieren.
Verfestigen sich die hohen Energiepreise durch eine länger andauernde Blockade der Öllieferungen, könnte das die Bank of Japan unter Zugzwang setzen, die Zinsen zu erhöhen. Die Entscheidungsträger der BoJ sind sich dessen bewusst und hoben auf ihrer Sitzung im März den wachsenden Inflationsdruck durch die steigenden Energiepreise hervor. Man will die Lage aufmerksam analysieren, zumal ein schwacher Yen die Importe zusätzlich verteuert. Zugleich muss die BOJ aber darauf achten, das Wirtschaftswachstum durch Zinserhöhungen nicht zu gefährden. Im Tankan-Bericht für das erste Quartal 2026 verbesserte sich zwar die Geschäftsstimmung der großen Produzenten das vierte Mal in Folge. Dennoch haben die Unternehmen Sorge, dass steigende Energiepreise ihre Margen drücken.
Investitionsmöglichkeiten in den japanischen Aktienmarkt
Anlegerinnen und Anleger, die ein Investment in japanische Aktien zur Diversifikation ihres Depots in Betracht ziehen, können diese beispielsweise im Rahmen einer Core-Satellite-Strategie ihrem Depot beimischen. Dabei sollte das Währungsrisiko beachtet werden. Im Hinblick auf die Diversifikation bieten ETFs die Möglichkeit, breit gestreut in den japanischen Aktienmarkt zu investieren. Hierfür stehen verschiedene Produkte auf japanische Indizes zur Verfügung.
- Nikkei 225: Der Nikkei 2225 besteht aus 225 hochliquiden Aktien des Prime Market der Tokioter Börse. Durch die Berechnung als kursgewichteter Index ist ausschließlich die Höhe des jeweiligen Kurses einer Aktie (bereinigt um den Nennwert) für deren Gewichtung im Index ausschlaggebend. Aktien mit hohen Kursen haben daher ein höheres Gewicht als Aktien mit niedrigen Kursen.
- TOPIX: Der TOPIX deckt mit ca. 1.700 Werten einen Großteil des japanischen Aktienmarktes ab. Um den Index besser investierbar und repräsentativer zu machen, sollen wenig gehandelte Aktien und solche mit einer geringen Marktkapitalisierung aus dem Index entfernt und die Zahl der Mitglieder bis Juli 2028 auf ca. 1.100 angepasst werden. Damit enthält der TOPIX noch immer deutlich mehr Unternehmen als der Nikkei 225. Zudem richtet sich die Gewichtung der Indexmitglieder im TOPIX nach der jeweiligen Marktkapitalisierung der Indexmitglieder (gemessen an den Aktien im Streubesitz).
- MSCI Japan: Der vom Indexanbieter MSCI berechnete MSCI Japan bildet die Wertentwicklung großer und mittelgroßer Unternehmen des japanischen Markts ab. Der Index umfasst derzeit 179 Werte und deckt damit rund 85 % der um den Streubesitz bereinigten Marktkapitalisierung aller japanischen Aktien ab.
Performance-Vergleich japanischer Indizes
Angesichts der Chancen, aber auch der Risiken für ein Investment in japanische Aktien kann es für Anlegerinnen und Anleger sinnvoll sein, mit einem Einmalinvestment abzuwarten, bis sich ein Ende des Kriegs im Iran abzeichnet. Eine Alternative ist ein ETF-Sparplan. Bei einer gleichbleibenden Sparrate werden in Zeiten mit sinkenden ETF-Kursen mehr Anteile erworben. Auf diese Weise ergibt sich langfristig ein Durchschnittskurs (Cost-Average-Effekt), und das Problem des richtigen Timings für einen Einstieg wird umgangen.
Mit der ETF-Suche kann das umfangreiche Angebot der ING auf einfache Weise nach interessanten ETFs auf den japanischen Aktienmarkt durchsucht werden. Dazu bei Land / Region „Japan“ auswählen. Alternativ können auch gezielt die Suchbegriffe „Japan“, „Nikkei“ oder „TOPIX“ eingegeben werden. Die Auswahl von anfänglich über 2.900 ETFs reduziert sich dadurch auf eine überschaubare Anzahl an Japan-ETFs. Mit nützlichen Kriterien wie „Ausschüttungsart“, Fondsvolumen, Morningstar-Rating und den laufenden Kosten p. a. lässt sich die Auswahl entsprechend sortieren. Während für das Morningstar-Rating und das Fondsvolumen die Regel gilt: „Je mehr, desto besser“, verhält es sich bei den Kosten genau andersherum.
Tipp: Kosten lassen sich zusätzlich reduzieren, indem über die Auswahlkriterien gezielt nach vergünstigten Angeboten für den Einmalkauf oder einen ETF-Sparplan gesucht wird.
Investment-Beispiele:
| Name | ISIN | Kurs | Fondswährung | Ausschüttungsart |
|---|---|---|---|---|
| LU2196470426 | 100,22 EUR | JPY | Thesaurierend | |
| iShares Core MSCI Japan IMI UCITS ETF USD (Acc) | IE00B4L5YX21 | 63,87 EUR | USD | Thesaurierend |
| Amundi Japan TOPIX II UCITS ETF EUR Dist | FR0010245514 | 197,15 EUR | EUR | Ausschüttend |
Stand: 13.04.2026