Seltene Erden als Investment: Chancen für aktive Marktteilnehmer
Ohne sie läuft buchstäblich nichts: kein Elektroauto, kein Satellit, kein Smartphone. Seltene Erden stecken in fast jeder modernen Technologie, und doch kennt kaum jemand sie beim Namen. Als Rohstoff sind sie unverzichtbar. Als Investment sind sie faszinierend, aber alles andere als einfach. Was macht diesen Sektor so besonders, und lohnt sich ein langfristiger Einstieg wirklich?
Eine Analyse von Thomas Behnke, Busch und Partner| Werbemitteilung
Selten? Nicht wirklich. Und auch keine Erden.
Zweihundert Mal häufiger als Gold. So oft kommen selbst die seltensten Vertreter der Seltenen Erden, Thulium und Lutetium, in der Erdkruste vor. Der Name ist also gleich doppelt irreführend. Seltene Erden sind keine Erden. Es sind Metalle. Ihre Bezeichnung stammt aus dem 18. Jahrhundert, als die Elemente erstmals als Oxide isoliert und als „Erden” bezeichnet wurden. Das häufigste unter ihnen, Cer, ist laut Angaben der US-amerikanischen Geologiebehörde USGS in ähnlichen Mengen vorhanden wie Kupfer. Das eigentliche Problem liegt woanders: Die 17 Seltenerdmetalle sind zwar fast überall zu finden, jedoch kaum in Konzentrationen, die einen wirtschaftlichen Abbau rechtfertigen. Hinzu kommt, dass ihre Aufbereitung extrem komplex und teuer ist. Das erklärt ihre strategische Bedeutung, und warum sie längst zum Spielball geopolitischer Interessen geworden sind. Kein Land hält diesen Spielball fester in der Hand als China.
China nutzt Seltene Erden als strategischen Hebel
Im Jahr 2025 produzierte die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt rund 69 % der globalen Fördermenge Seltener Erden. Bei der Verarbeitung lag der Anteil laut der Internationalen Energieagentur IEA bei rund 91 %, bei der Herstellung von Permanentmagneten sogar bei 94 %. Vor zwei Jahrzehnten lag der chinesische Anteil bei Magneten noch bei rund 50 %.
Dass der Westen die Abhängigkeit von China inzwischen als strategische Bedrohung begreift, zeigt das wachsende Interesse an Grönland. Die Insel verfügt über bedeutende Vorkommen Seltener Erden, die bislang weitgehend unerschlossen sind. Anfang 2026 einigten sich die USA, Dänemark und Grönland daher auf eine strategische Kooperation bei kritischen Rohstoffen. Dieser Schritt macht die Bestrebungen deutlich, die Abhängigkeit von China zu minimieren, auch weil Peking seine starke Marktposition als geopolitisches Instrument einsetzt.
Im April 2025 führte China Exportkontrollen für sieben Seltene Erden sowie alle damit verbundenen Erzeugnisse ein. Dadurch waren viele Automobilhersteller in den USA und Europa zeitweise nicht mehr in der Lage, Permanentmagnete zu beziehen, und mussten Werke vorübergehend schließen. Laut IEA stiegen die europäischen Preise auf das bis zu Sechsfache des chinesischen Niveaus. Im Oktober 2025 wurden die Kontrollen auf Verarbeitungstechnologien und Know-how ausgeweitet. Im Dezember erhielten erste Magnetproduzenten wieder Exportlizenzen für einen Teil ihrer Kunden. Das grundlegende Kontrollsystem bleibt jedoch aktiv. Peking demonstriert damit, dass es den Zugang zu diesen strategischen Rohstoffen gezielt steuern kann.
Vom Elektroauto bis ins Weltall
Der Grund, warum dieser Hebel so wirkungsvoll ist, ist einfach: Seltene Erden sind für viele Technologien essenziell. Ein Beispiel hierfür sind Permanentmagnete, die auf dem Seltenerdmetall Neodym sowie Eisen und Bor basieren. Sie kommen in vielen Anwendungen zum Einsatz, etwa in den Antrieben von Elektroautos und in den Generatoren von Windturbinen. In Rechenzentren, die KI-Workloads verarbeiten, sind sie in Festplatten und Kühlsystemen verbaut.
Europium und Terbium sorgen dagegen in Displays für prägnante Farben, während Erbium Signale in Glasfasern verstärkt, was eine stabile Datenübertragung für Internet und Cloud ermöglicht. Cer wird wiederum in der Chipfertigung eingesetzt.
Besonders strategisch relevant ist der Einsatz in der Rüstungsindustrie und der Raumfahrt. Geführte Waffensysteme, Kampfflugzeuge und Radaranlagen sind auf seltene Erden angewiesen. So werden beispielsweise Samarium-Kobalt-Magnete in Satelliten und Raketensystemen verwendet, da sie extrem hitzebeständig sind.
An diesem breiten Einsatz dürfte sich in den nächsten Jahren wohl nichts ändern. Aufgrund der fortschreitenden Elektrifizierung, des Ausbaus der KI-Infrastruktur, steigender Rüstungsausgaben und einer wachsenden Weltraumindustrie (Satelliten) wird die Nachfrage voraussichtlich weiter zunehmen.
China dominiert auch in den ETFs
Wer in diesen Sektor investieren möchte, findet mit spezialisierten ETFs einen entsprechenden Investmentzugang. Beispiele hierfür sind der WisdomTree Strategic Metals and Rare Earths Miners ETF und der VanEck Rare Earth and Strategic Metals ETF. Letzterer ist mit einem verwalteten Vermögen von rund 1,55 Milliarden US-Dollar der größte seiner Art auf dem deutschen Markt. Er bildet den MVIS Global Rare Earth/Strategic Metals Index nach, der ausschließlich Unternehmen enthält, die mindestens 50 % ihrer Umsätze in diesem Bereich erzielen. Aktuell umfasst er 27 Positionen, wobei die zehn größten zusammen rund 62 % des Portfolios ausmachen. Mit 27 % stellen chinesische Unternehmen die größte Ländergewichtung dar, gefolgt von Australien mit 25,8 % und den USA mit 20,2 %. Die drei größten Einzelpositionen sind Albemarle aus den USA, Xiamen Tungsten aus China und Pilbara Minerals aus Australien. Doch bietet sich ein Investment in solche ETFs überhaupt an?
Nichts für passive Anleger
Charakteristisch für den Sektor ist seine hohe Volatilität, die mehrere strukturelle Gründe hat. So reagieren die Preise für Seltene Erden empfindlich auf Angebots- und Nachfrageverschiebungen, die sich oft abrupt und kaum vorhersehbar vollziehen. Hinzu kommen geopolitische Eingriffe wie Exportkontrollen, die massive Preisbewegungen auslösen können. Die Kursentwicklung des MVIS Global Rare Earth/Strategic Metals Index veranschaulicht dies eindrucksvoll.
Bei Einzeltiteln ist die Schwankungsbreite noch deutlich höher als auf ETF-Ebene. Viele Sektorvertreter sind stark spezialisiert, von wenigen Abnehmerbranchen abhängig und somit anfällig für Nachfrageeinbrüche. Für eine fundierte Einschätzung sind tiefgehende Kenntnisse der jeweiligen Metalle, ihrer Angebots- und Nachfragesituation sowie der dahinterstehenden geopolitischen Dynamiken erforderlich. Das ist für Privatanlegerinnen und Privatanleger kaum zu leisten. Deshalb funktioniert „Kaufen und liegenlassen” hier nicht.
Aktiv agieren, Chancen nutzen
Wer dennoch vom Potenzial des Sektors profitieren möchte, benötigt einen aktiven Ansatz. Mit Trendfolgestrategien und einem klar definierten Regelwerk für Ein- und Ausstieg sowie Positionsgröße können Kursbewegungen gezielt genutzt werden. Dabei können die Sektor-ETFs selbst als Instrument infrage kommen, aber auch als Ausgangsbasis dienen, um sich einen Überblick über relevante Unternehmen zu verschaffen. Eine damit erstellte Watchlist lässt sich regelmäßig auf technische Signale prüfen, um bei passenden Setups zu handeln. So kann aus einem schwierigen Sektor eine aktiv gesteuerte Chance entstehen. Denn solange Seltene Erden das Fundament moderner Technologien bilden und China diesen Hebel kennt, wird es Bewegungen in diesem Bereich geben.
Investment-Beispiele:
| Name | ISIN | Aktueller Kurs | Fondswährung | Ausschüttungsart | Fondsvolumen |
|---|---|---|---|---|---|
| WisdomTree Strategic Metals and Rare Earths Miners ETF | IE000KHX9DX6 | 47,80 EUR |
USD |
Thesaurierend |
813,61 Mio. EUR |
| VanEck Rare Earth and Strategic Metals ETF | IE0002PG6CA6 | 14,64 EUR |
USD |
Thesaurierend |
1,35 Mrd. EUR |
Stand: 06.07.2026