Anlage Strategien

Prozyklisch, Antizyklisch, Momentum – Drei Strategien im Check

Geldanlage 5 min Lesedauer 16.01.2023

Als Anlegende mit der Masse schwimmen oder es genau anders machen? Bei Aktien den Schwung des Augenblicks nutzen? Drei Strategien, die dahinterstehen – und ihre Vor- und Nachteile.

Anlegende gehen nicht selten nach einer bestimmten Strategie vor und investieren zum Beispiel antizyklisch oder prozyklisch in Aktien. Viele schwören auch auf die Momentum-Strategie. Drei Strategien im Check.

Prozyklische Anlagestrategie

Wer prozyklisch Geld in Aktien anlegt, schwimmt letztendlich mit der Masse. Das heißt: Man investiert in Märkte, Unternehmen oder Wertpapiere, die auch viele andere Investoren bevorzugt kaufen. Investieren viele Anlegende in eine bestimmte Aktie, steigen Nachfrage und Kurs. Die Idee der prozyklischen Anlagestrategie ist es, davon zu profitieren. Fällt der Kurs eines Wertes, steigen prozyklische Anlegende in der Regel aus und verkaufen. „Diese Strategie ist relativ einfach umzusetzen“, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) mit Sitz in Düsseldorf. Aber ganz ohne Risiken ist sie nicht.

Der Check:

  • Die prozyklische Anlagestrategie ist für Neulinge einfach nachvollziehbar. Diejenigen, die im Börsenhandel eher unerfahren sind, nehmen sich andere Anlegende zum Vorbild und investieren in die gleichen Wertpapiere wie sie.
  • Die Strategie ist zwar einfach, aber trotzdem zeitintensiv. Anlegende müssen beobachten, was die Märkte machen. Verkaufen die Profis, sollten auch die Neulinge verkaufen.
  • Gerade in einem positiven Marktumfeld bestehen Aussichten auf gute Gewinne, eine Garantie dafür gibt es allerdings nicht. Das Risiko kann unter Umständen überschaubar sein, wenn man die Märkte im Blick hat und – falls der Wind sich dreht – auch tatsächlich aussteigt. Allerdings: Das Risiko kann auch sein, dass Anlegende mit dem Trend gehen und dadurch starke Verluste machen – anstatt den Abschwung „auszuhalten“.

Antizyklische Anlagestrategie

Bei dieser Strategie schwimmen Anlegende nicht mit der Masse, sondern gegen sie. Wenn alle anderen ihre Papiere verkaufen, steigen sie ein. Grundgedanke ist, dass die Börse in ihrer Reaktion oft übertreibt. So werden etwa in Krisenzeiten auch die Aktien guter Unternehmen auf den Markt geworfen. Diese Chance nutzen antizyklische Anlegende dann zum Kauf. Da es an der Börse ein ständiges Auf und Ab gibt, kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo der Kurs wieder nach oben geht. „Für Börsen-Neulinge ist diese Strategie nicht unbedingt ideal, da sie viel Fachwissen über Märkte und Einzelunternehmen sowie ein recht großes Verständnis von wirtschaftlichen Zusammenhängen voraussetzt“, erklärt Kurz.

Der Check:

  • Die antizyklische Anlagestrategie ist mit hohen Risiken verbunden, da Anlegende hierbei entgegen dem allgemeinen Trend auf eine gegenläufige Entwicklung an den Märkten setzt oder diese zumindest vermutet.
  • Die Strategie erfordert – wie andere Strategien auch viel Einsatz der Anlegenden, da sie sehr intensiv die Märte verfolgen und beobachten müssen, wie sich Unternehmen und Wertpapiere entwickeln.
  • Anlegende müssen genau ausloten, wann der richtige Zeitpunkt zum Kaufen und Verkaufen ist. Das erfordert viel Erfahrung. Gehen Anlegende davon aus, dass in einer schlechten Phase der Turnaround bald erreicht ist, sollten sie investieren – und verkaufen, wenn sie eine Kursunterbrechung beziehungsweise einen Kurshöchststand mit anschließend fallenden Kursen vermuten.

Momentum-Strategie

Eine Börsenregel lautet: „The trend is your friend“. Wie sich einzelne Aktien in der Vergangenheit entwickelten, so könnte es auch – zumindest theoretisch – in Zukunft sein. Auf dieser Annahme basiert die Momentum-Strategie. „Dabei setzen die Anlegenden zum Beispiel auf die renditestärksten Aktien der jüngeren Vergangenheit“, erläutert Kurz. Die Aktien tauschen Anlegende in vergleichsweise kurzen, vorher festgelegten Abständen aus und können so Gewinne erzielen. Oft wird hier ein Jahr als Anlagezeitraum genommen. Anlegende nutzen damit den „Schwung des Augenblicks“ – daher der Name Momentum-Strategie.

Diese Vorgehensweise kann in etwa so funktionieren: Anlegende teilen einen Aktienindex wie etwa den Dax in „gute“ und „schlechte“ Aktien auf. Die „guten“ – sprich: renditestarken – Aktien kaufen Anlegende. So weit, so gut. Da die Momentum-Strategie im Gegensatz zur prozyklischen marktneutral ist, reicht es nicht aus, einfach die gut laufenden Aktien zu kaufen. Auf der anderen Seite wird gleichzeitig gegen die „schlechten“ – also renditeschwachen – Aktien gewettet. Das funktioniert mit sogenannten Short-Positionen. Gewinner- und Verlierer-Portfolios sind oft gleichgewichtet. Die Zusammensetzung der Portfolios überprüfen Anlegende regelmäßig nach Ablauf der gewählten Haltedauer. Auf Grundlage eines aktuellen Rankings werden sie dann angepasst.

Der Check:

  • Studien belegen, dass die Momentum-Strategie – obwohl Anlegende ja auch auf fallende Kurse setzen – tatsächlich Gewinn abwerfen kann.
  • „Für Privatanlegende ist die Strategie mit Einzelaktien nur schwer umsetzbar“, sagt Kurz. Zudem sind Short Positionen mit extrem hohen Risiken versehen und daher auch nur für sehr erfahrene Anlegende handelbar.
  • Die Momentum-Strategie funktioniert nicht unbedingt auf Dauer. Auch bei bislang renditestarken Aktien gibt es Verlustphasen, sogenannte Momentum-Crashes. Sie können mit bis zu 30 Prozent Minus im Monat sehr deutlich spürbar sein. Der Umgang mit renditeschwachen Aktien erfordert zudem viel Erfahrung der Anlegenden.
  • Die Momentum-Strategie ist unter dem Strich eine marktneutrale Strategie. Wer prozyklisch in Aktien investiert, geht mit dem Kurstrend; wer antizyklisch in Aktien investiert, schwimmt gegen den Kurstrend. Die Momentum-Strategie vereint beide Vorgehensweisen – sodass Anlegende, egal bei welcher Entwicklung, partizipieren.

Achtung: Bei Wertpapieren gibt es immer auch Risiken.

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