Privatkunden

Alte Schätze verkaufen und kaufen

Worauf es beim privaten Second-Hand-Handel ankommt

Viele nutzen die Zeit seit der Corona-Pandemie zum Aufräumen und Entrümpeln. In Schränken, im Keller oder auf dem Dachboden entdecken sie dabei nicht selten etwas, das daheim niemand mehr braucht - das aber viel zu schade ist, um es einfach zu entsorgen. Ob es nun alte Fotoapparate, ausrangierte Kleider oder ausgelesene Bücher sind. Aber wo sind die Interessenten, die Geld dafür zahlen?

So finden gebrauchte Sachen einen Käufer

Wenn es um den Verkauf von Gebrauchtem geht, denken viele inzwischen oft zuerst an Online-Plattformen. Aber es geht auch immer noch anders. Zu den Anlaufstellen gehören etwa:

  • Flohmärkte
  • Aushänge am Schwarzen Brett zum Beispiel im Sportverein oder im Supermarkt
  • Kleinanzeigen in der Tageszeitung

Verkauf oder Kauf auf diese Weise haben durchaus Vorteile. „Die Wege sind kurz und durch den persönlichen Kontakt ist das Vertrauen größer als bei einem anonymen Kauf im Internet“, sagt Ekkehard Stephan, Professor für Wirtschaftspsychologie an der FOM Hochschule für Oekonomie & Management.

Offline kann der Käufer die Ware testen

Was ebenfalls für einen „Offline“-Handel spricht: Der Käufer hat die Chance zu testen, ob etwa Handy oder Eismaschine einwandfrei funktionieren. Geht es um Waren wie Schmuck oder Deko-Artikel, kann außerdem die unmittelbare sinnliche Erfahrung dazu verleiten, das Produkt zu erwerben. Wirtschaftspsychologe Stephan verdeutlicht dies an einem Designerkleid. Hier könne die haptische Qualität entscheidend sein. Wie fühlt sich der Stoff an, wie riecht er? „Hier entscheidet eher das Gefühl als der Verstand über den Kauf.“

Online ist die Reichweite von Anzeigen hoch

Wer sich indes dafür entscheidet, ein Verkaufsinserat im Internet zu platzieren, spricht in aller Regel einen viel größeren Kreis von potenziellen Käufern an. Es gibt eine Vielzahl von Plattformen wie etwa ebay-kleinanzeigen.de, gebraucht-kaufen.de – dort können Verbraucher nahezu alles anbieten. Daneben gibt es spezialisierte Verkaufsportale wie zoxs.de (für Elektronik) oder vinted.de (für Kleidung).

Tipps für die Anzeige

Um das Interesse etwa für den ausrangierten Pulli oder die alte Kaffeemaschine zu wecken, gehören in die Anzeige ein ansprechender Text und vor allem ein Foto von der jeweiligen Ware.

  • Ideal ist, wenn es von dem zu verkaufenden Produkt Fotos von allen Seiten gibt.
  • Beim Texten ist es wichtig, nicht mit Worten zu sparen. Je detaillierter der Artikel beschrieben und mit Produktdaten versehen ist, desto besser.
  • Auch etwaige Gebrauchsspuren sollten Sie in dem zu verkaufenden Artikel thematisieren.

„Wenn Sie einen Kratzer auf dem Smartphone-Display beschreiben und abfotografieren, zeigen Sie, dass Sie nichts zu verbergen haben“, erklärt Wirtschaftspsychologe Stephan. „Das schafft Vertrauen und erhöht letztlich Ihre Glaubwürdigkeit als Verkäufer.“

Gebrauchtes Notebook kaufen - so finden Sie das passende

Womöglich liebäugeln Sie ja damit, sich ein gebrauchtes Notebook zuzulegen. Ob nun über eine Kleinanzeige in der Tageszeitung oder über ein Online-Portal: Mit etwas Glück können Sie ein tolles Schnäppchen ergattern. Wichtige Frage vorab: Wollen Sie damit „nur“ Texte, E-Mails & Co. schreiben oder soll es ein Gaming-Laptop sein? Rainer Schuldt von der„Computer Bild“ rät:

  • Ein einfaches Notebook mit i3-Prozessor, 4 bis 8 Gigabyte Arbeitsspeicher und 500-Gigabyte-Festplatte reicht aus, wenn jemand nur im Internet surfen, dann und wann Mails versenden oder einen Text schreiben will.
  • Ein Mittelklasse-Prozessor einschließlich viel Arbeits- und Festplattenspeicher sollte es sein, wenn der Käufer plant, große Datenmengen zu bearbeiten oder Programme etwa zur Bildbearbeitung oder zum Videoschnitt einzusetzen.

Laut Fachmagazin „c’t“ lohnt sich der Kauf gebrauchter Business-Laptops, sie gelten als robuster als Consumer-Geräte. Zudem punkteten sie mit weiteren Ausstattungsmerkmalen wie etwa einem integrierten LTE-Modem.

Waschmaschine, Kühlschrank, Backofen - Haushaltsgeräte gebraucht kaufen

Manchmal passiert es: Von jetzt auf gleich geht die Waschmaschine kaputt. Geld für ein neues Gerät ist nicht immer da. Was Experten von Second-Geräten halten? Viel! Claudia Oberascher von der Fachgemeinschaft für effiziente Energieanwendung sagt: „Vor ein paar Jahren hieß es immer, Neugeräte sind sehr viel sparsamer.“ Das stimme aber nicht mehr. „Wenn ich ein gebrauchtes Gerät kaufe mit einer guten Effizienzklasse, dann ist es auch gut.” Ein paar Tipps:

  • Stichwort Waschmaschine: Wer sie gebraucht erwirbt, sollte laut Oberascher vorher zumindest die Waschmittelschublade kurz herausziehen. Das sei ein Teil, das ohnehin regelmäßig gereinigt werden sollte. „Wenn das dann verdreckt und schwarz ist, sollte man sich das gut überlegen.”
  • Stichwort Backofen: Hier ist laut Oberascher die Energieeffizienzklasse nicht ganz so wichtig. „Da kommt es eher auf den Nutzer an, was den Verbrauch angeht.” Prüfen Sie, ob die Ausstattung Ihren Bedürfnissen gerecht wird. Wichtig: Ein Funktionstest vor Ort.

Welche Preise Verkäufer verlangen können

Aber wie viel ist ein Second-Hand-Teil nun wert? Darüber lässt sich streiten. Oder verhandeln. „Viele Verkäufer bleiben auf Ihrer Ware sitzen, weil sie zu hohe Preisvorstellungen haben“, sagt Wirtschaftspsychologe Stephan. Untersuchungen belegten, dass Besitzer eines Produkts dessen Wert deutlich höher einschätzen als andere. Wer einen realistischen Preis finden will, sollte sich an anderen gleichwertigen Angeboten orientieren und im mittleren Preissegment bleiben. „Denn auch wer zu wenig verlangt, weckt Zweifel, ob mit dem Produkt alles in Ordnung ist.“