Zugewinnausgleich bei einer Scheidung

Wenn die Ehe auseinanderbricht: Wie wird das Vermögen aufgeteilt?

Eine Scheidung bringt es zumeist mit sich, dass alles auseinander dividiert und geteilt werden muss. Kein Ehevertrag vorhanden? In einem solchen Fall haben Paare während ihrer Ehe automatisch in einer Zugewinngemeinschaft gelebt. Nun besteht die Möglichkeit, einen Antrag auf Zugewinnausgleich zu stellen.

Was das bringt? „Es geht darum, das während der Ehe erworbene Vermögen zu teilen“, sagt die Berliner Fachanwältin für Familienrecht, Eva Becker. Gab es einen Vermögenszuwachs im Zuge der Ehe, profitieren davon beide gleichermaßen – und zwar je zur Hälfte.

Das ist der Zugewinn: Bei der Heirat hat ein Partner ein Anfangsvermögen, bei der Scheidung ein Endvermögen - die Differenz zwischen beidem ist der Zugewinn.

Wann es keinen Zugewinnausgleich gibt

Nicht immer ergibt sich rechnerisch ein Zugewinnausgleich. Ein solcher entfällt, wenn beide Zugewinne gleich hoch sind. Ein Beispiel: Beide hatten bei der Heirat keinerlei Anfangsvermögen. Gemeinsam erwarb das Ehepaar ein Haus. Darüber hinaus gehendes Vermögen, das relevant sein könnte, gibt es nicht. „Beiden steht also jeweils die Hälfte des Hauses zu, mehr nicht“, erklärt Martin Wahlers, Fachanwalt für Familienrecht im hessischen Bickenbach.

Zugewinnausgleich ist nicht immer sinnvoll

Ein Zugewinnausgleich kann sich für einen Partner rechnen, wenn beide Eheleute oder einer davon erheblich Vermögen hinzugewonnen haben. Aber Vorsicht: Der Zugewinngleich lohnt sich nicht in jedem Fall. Und zwar dann nicht, „wenn die Zugewinne sich offensichtlich nicht großartig unterscheiden“, sagt Wahlers. Zu bedenken ist dabei, dass Anwälte, Gutachter und Gericht hohe Kosten verursachen können.

Zugewinnausgleich – welche Vermögenswerte in Frage kommen

Es gibt verschiedene Vermögenswerte, die beim Zugewinnausgleich eine Rolle spielen können, etwa

  • Bankguthaben
  • Aktiendepots
  • Schmuck und Uhren
  • Wertvolle Kunstgegenstände
  • Versicherungen

„Der Ausgleichsanspruch ist grundsätzlich ein Geldbetrag“, sagt Becker. Nur im Ausnahmefall kann ein Partner beim Zugewinnausgleich einfordern, dass der andere ihm bestimmte Vermögensgegenstände überträgt. Ein Sportwagen zum Beispiel wechselt also nicht so ohne weiteres den Besitzer. Eheleute haben aber grundsätzlich die Möglichkeit, unter sich etwas anderes auszumachen.

Wie der Zugewinnausgleich abläuft

Beim Zugewinnausgleich gibt es einiges zu beachten.

  • Vermögensaufstellung: Zuerst listen beide Partner auf, was sie haben – nämlich ihr sogenanntes Endvermögen. Dabei handelt es sich um die Besitztümer, die am Tag der Zustellung des Scheidungsantrags vorhanden sind. „Genau dieser Vermögensstand ist ausschlaggebend“, sagt Wahlers. Ob einer einen höheren Verdienst hat als der andere, ist dabei unerheblich. Gleiches gilt für den Fall, dass einer für größere Ausgaben in der Ehe allein aufgekommen ist, etwa für Urlaube. Wer den höheren Zugewinn in der Zeit zwischen Hochzeit und Scheidungsantrag erzielt hat, muss die Hälfte der Differenz zahlen.
  • Erbschaften und Schenkungen: Sie bleiben beim Zugewinnausgleich außen vor – und gelangen bei der Vermögensaufstellung in die Spalte „Anfangsvermögen“. „Sie wirken sich nur dann beim Zugewinn aus, wenn es zu Wertsteigerungen kommt“, erläutert Becker. Ein Beispiel: Einer der Partner hat ein Grundstück geerbt. Aufgrund seiner 1a-Lage hat es über die Jahre an Wert zugelegt. Dieses Plus fließt in die Zugewinn-Berechnung ein.
  • Unverhoffter Geldsegen wie Lottogewinn: Hat einer der Partner Glück im Spiel und kommt unverhofft zu viel Geld wie etwa beim Lottogewinn, dann muss er seinen Partner daran teilhaben lassen. 50 % von diesem Gewinn gehen also an anderen. Der Bundesgerichtshof entschied, dass dies selbst gilt, wenn der Lottogewinn lange nach der Trennung war (Az. XII ZB 277/12).
  • Schulden: „Partner haften nicht automatisch gegenüber dem Gläubiger mit“, stellt Wahlers klar. Ausschlaggebend ist, wer laut Vertrag die Schulden begleichen muss. Hat indes der andere Partner eine Mithaftung übernommen und zum Beispiel einen Kreditvertrag mitunterzeichnet, wird auch er zur Kasse gebeten.
  • Grenzen: Der Partner, der ausgleichspflichtig ist, muss nur den Betrag zahlen, den er oder sie tatsächlich hat. „Er oder sie muss also für den Zugewinnausgleich keine Schulden machen“, sagt Becker.
  • Rentenansprüche: Während der Ehe erworbene Rentenansprüche von beiden Seiten werden je zur Hälfte geteilt. In diesen sogenannten Versorgungsausgleich fließen Ansprüche sowohl für die gesetzliche als auch für die private Rentenversicherung ein, ebenso die betriebliche Altersversorgung. Der Versorgungsausgleich erfolgt nicht, sollte die Ehe weniger als drei Jahre gehalten haben. „Es sei denn, einer der Partner verlangt ihn ausdrücklich“, so Becker.
  • Hilfe holen: Paare sind gut beraten, sich beim Zugewinnausgleich Hilfe zu holen. Ohne einen auf Familienrecht spezialisierten Anwalt geht das nur in Ausnahmefällen“, betont Wahlers.

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Autor: ING