Anlage Strategien

Prozyklisch, antizyklisch, Momentum – Drei Strategien im Check | 16.09.2020

Geld, das von Himmel fällt?

Als Anleger mit der Masse schwimmen oder es genau anders machen? Bei Aktien den Schwung des Augenblicks nutzen? Drei Strategien, die dahinterstehen – und ihre Vor- und Nachteile.

Anleger gehen nicht selten nach einer bestimmten Strategie vor und investieren zum Beispiel antizyklisch oder prozyklisch in Aktien. Viele schwören auch auf die Momentum-Strategie. Drei Strategien im Check.

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Prozyklische Anlagestrategie

Wer prozyklisch Geld in Aktien anlegt, schwimmt letztendlich mit der Masse. Das heißt: Er investiert in Märkte, Unternehmen oder Wertpapiere, die auch viele andere Investoren bevorzugt kaufen. Investieren viele Anleger in eine bestimmte Aktie, steigen Nachfrage und Kurs. Die Idee der prozyklischen Anlagestrategie ist es, davon zu profitieren. Fällt der Kurs eines Wertes, steigen prozyklische Anleger in der Regel aus und verkaufen. „Diese Strategie ist relativ einfach umzusetzen“, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) mit Sitz in Düsseldorf. Aber ganz ohne Risiken ist sie nicht.
 
Der Check:

  • Die prozyklische Anlagestrategie ist für Einsteiger einfach nachvollziehbar. Diejenigen, die im Börsenhandel eher unerfahren sind, nehmen sich andere Anleger zum Vorbild und investieren in die gleichen Wertpapiere wie sie.
  • Die Strategie ist zwar einfach, aber trotzdem zeitintensiv. Anleger müssen beobachten, was die Märkte machen. Verkaufen die Profis, sollten auch die Einsteiger verkaufen.
  • Gerade in einem positiven Marktumfeld bestehen Aussichten auf gute Gewinne, eine Garantie dafür gibt es allerdings nicht. Das Risiko kann unter Umständen überschaubar sein, wenn man die Märkte im Blick hat und – falls der Wind sich dreht – auch tatsächlich aussteigt. Allerdings: Das Risiko kann auch sein, dass Anleger mit dem Trend gehen und dadurch starke Verluste machen – anstatt den Abschwung „auszuhalten“.

Antizyklische Anlagestrategie

Bei dieser Strategie schwimmen Anleger nicht mit der Masse, sondern gegen sie. Wenn alle anderen ihre Papiere verkaufen, steigen sie ein. Grundgedanke ist, dass die Börse in ihrer Reaktion oft übertreibt. So werden etwa in Krisenzeiten auch die Aktien guter Unternehmen auf den Markt geworfen. Diese Chance nutzen antizyklische Anleger dann zum Kauf. Da es an der Börse ein ständiges Auf und Ab gibt, kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo der Kurs wieder nach oben geht. „Für Börsen-Neulinge ist diese Strategie nicht unbedingt ideal, da sie viel Fachwissen über Märkte und Einzelunternehmen sowie ein recht großes Verständnis von wirtschaftlichen Zusammenhängen voraussetzt“, erklärt Kurz.
 
Der Check:

  • Die antizyklische Anlagestrategie ist mit hohen Risiken verbunden, da der Anleger hierbei entgegen dem allgemeinen Trend auf eine gegenläufige Entwicklung an den Märkten setzt oder diese zumindest vermutet.
  • Die Strategie erfordert – wie andere Strategien auch - viel Einsatz des Anlegers, da er sehr intensiv die Märte verfolgen und beobachten muss, wie sich Unternehmen und Wertpapiere entwickeln.
  • Anleger müssen genau ausloten, wann der richtige Zeitpunkt zum Kaufen und Verkaufen ist. Das erfordert viel Erfahrung. Gehen Anleger davon aus, dass in einer schlechten Phase der Turnaround bald erreicht ist, sollten sie investieren – und verkaufen, wenn sie eine Kursunterbrechung beziehungsweise einen Kurshöchststand mit anschließend fallenden Kursen vermuten.

Momentum-Strategie

Eine Börsenregel lautet: „The trend is your friend“. Wie sich einzelne Aktien in der Vergangenheit entwickelten, so könnte es auch – zumindest theoretisch – in Zukunft sein. Auf dieser Annahme basiert die Momentum-Strategie. „Dabei setzt der Anleger zum Beispiel auf die renditestärksten Aktien der jüngeren Vergangenheit“, erläutert Kurz. Die Aktien tauscht der Anleger in vergleichsweise kurzen, vorher festgelegten Abständen aus und kann so Gewinne erzielen. Oft wird hier ein Jahr als Anlagezeitraum genommen. Anleger nutzen damit den „Schwung des Augenblicks“ – daher der Name Momentum-Strategie.

Diese Vorgehensweise kann in etwa so funktionieren: Anleger teilen einen Aktienindex wie etwa den Dax in „gute“ und „schlechte“ Aktien auf. Die „guten“ – sprich: renditestarken – Aktien kauft der Anleger. So weit, so gut. Da die Momentum-Strategie im Gegensatz zur prozyklischen marktneutral ist, reicht es nicht aus, einfach die gut laufenden Aktien zu kaufen. Auf der anderen Seite wird gleichzeitig gegen die „schlechten“ – also renditeschwachen – Aktien gewettet. Das funktioniert mit sogenannten Short-Positionen. Gewinner- und Verlierer-Portfolios sind oft gleichgewichtet. Die Zusammensetzung der Portfolios überprüfen Anleger regelmäßig nach Ablauf der gewählten Haltedauer. Auf Grundlage eines aktuellen Rankings werden sie dann angepasst.
 
Der Check:

  • Studien belegen, dass die Momentum-Strategie – obwohl Anleger ja auch auf fallende Kurse setzen – tatsächlich Gewinn abwerfen kann.
  • „Für Privatanleger ist die Strategie mit Einzelaktien nur schwer umsetzbar“, sagt Kurz. Zudem sind Short Positionen mit extrem hohen Risiken versehen und daher auch nur für sehr erfahrene Anleger handelbar.
  • Die Momentum-Strategie funktioniert nicht unbedingt auf Dauer. Auch bei bislang renditestarken Aktien gibt es Verlustphasen, sogenannte Momentum-Crashes. Sie können mit bis zu 30 Prozent Minus im Monat sehr deutlich spürbar sein. Der Umgang mit renditeschwachen Aktien erfordert zudem viel Erfahrung des Anlegers.
  • Die Momentum-Strategie ist unter dem Strich eine marktneutrale Strategie. Wer prozyklisch in Aktien investiert, geht mit dem Kurstrend; wer antizyklisch in Aktien investiert, schwimmt gegen den Kurstrend. Die Momentum-Strategie vereint beide Vorgehensweisen – sodass Anleger, egal bei welcher Entwicklung, partizipieren.

Achtung: Bei Wertpapieren gibt es immer auch Risiken, alle Infos dazu finden Sie hier.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (6)


Kommentare

Diogenes

18.10.2020

Wer glaubt, es gebe einen freien Markt, irrt. Die Preise werden von den "unsichtbaren Riesen" wie Blackrock etc. festgelegt. Wenn diese festlegen, dass Aktien und Gold morgen nur halb so teuer sind, dann ist das so. Als Anleger fühlt man sich wie eine Milbe, die im Fell eines bisweilen wildgewordenen unberechenbaren Bisons durch die Steppe galoppiert.


A.B.

18.10.2020

Kaufen wenn die Kanonen donnern und sich ein Boden gebildet hat. Wissen warum es den Crash gab und darauf abgestimmt Big Player kaufen, die vor dem Crash gut liefen oder EFTs auf Indices Dax / Dow Jones. Und nach dem Kauf Aktien halten bis zur Hausse.


Daniel S.

18.10.2020

Ja außerdem ist der intrinsische Wert nicht zu vergessen, also die steigenden Gewinne und Umsätze der Unternehmen, sowie die transparente Darstellung von Angebot und Nachfrage. Dies unterscheidet Aktien regelrecht von jeder Asset Class.


Gast

18.10.2020

Eine Strategie fehlt, nämlich das qualitätsorientierte Investieren, dass Warren Buffett und Charlie Munger seit vielen Jahren erfolgreich betreiben. Man kauft in schweren Börsenzeiten Aktien von hervorragenden Unternehmen, die starke wirtschaftliche Burggräben gegenüber ihren Konkurrenten haben und behält diese Aktien so lange wie möglich im Depot. Dabei geht es nicht darum die billigste Aktie im Depot zu haben, sondern die beste.
“Es ist bei weitem besser, ein herausragendes Unternehmen zu einem anständigen Preis zu kaufen, als ein anständiges Unternehmen zu einem herausragenden Preis.” Warren Buffett


K.T.

25.09.2020

Axel E. das sehe ich persönlich anders. Der Vergleich zum Glücksspiel mag vielleicht für Personen passend sein, die ohne Marktkenntnis und konkrete Information zu Einzelwerten investieren oder sich spontan als Trader versuchen. Das ist aber ja auch nicht das Vorgehen, welches man an den Tag legen sollte. Außerdem gibt es beim Glücksspiel keine regelmäßige Dividende, wie bei vielen Aktien.


Axel E.

21.09.2020

Anlage in Aktien ist vergleichbar mit Glücksspiel. Anleger schauen mir zu oft in die Röhre während die Banken und die Emittenten satte Gewinne machen.