Finanzfrage des Monats

Was passiert, wenn der Aktienkurs auf 0 Euro fällt? | 09.09.2020

Geld, das von Himmel fällt?

Die Aktienkurse steigen, die Aktienkurse fallen – das ständige Auf und Ab ist an der Börse völlig normal. Und was passiert, wenn ein Aktienkurs auf 0 Euro fällt? Damit beschäftigt sich diesmal unsere Finanzfrage des Monats.

Klar – im Idealfall ist der Kurs einer Aktie hoch. Kommt es zu Schwankungen, ist das zunächst einmal nicht ungewöhnlich oder gar beunruhigend. Ist der Kurs einer Aktie aber quasi im Sinkflug und tendiert in Richtung 0, sollten bei Anlegern die Alarmglocken schrillen. Denn das ist ein Indiz dafür, dass das Unternehmen, welches die Aktie ausgibt, in finanziellen Schwierigkeiten stecken könnte. Und wenn der Aktienkurs nun tatsächlich auf 0 Euro fällt? Das ist diesmal Thema unserer Finanzfrage des Monats. Die Antwort lautet: Einen solchen Fall gibt es höchst selten, denn selbst insolvente Unternehmen müssen nicht völlig wertlos sein.

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Wenn ein Unternehmen insolvent ist

Regelmäßig ihr Aktiendepot überprüfen – das ist für Anleger Pflicht. Mitunter kann es passieren, dass sie bei einem solchen Check einen gehörigen Schreck bekommen: Eine Position tendiert stark in Richtung 0. Es könnte sein, dass das Unternehmen in großen Zahlungsschwierigkeiten steckt. Weist der Kurs der Aktie sogar eine 0 auf, könnte der jeweilige Konzern insolvent sein. „Von der Börse genommen werden solche Aktien nicht immer“, erklärt Gerrit Fey vom Deutschen Aktieninstitut in Frankfurt am Main. Die Wertpapiere nehmen weiter am Handel teil. „Ein Unternehmen kann sich unter Umständen aus der Insolvenz heraus wieder gut entwickeln oder einen Käufer finden“, so Fey.

Wenn Aktien „delisted“ werden

„Delisting bedeutet, dass die Aktien eines Unternehmens von der Börse genommen werden“, erklärt Fey. Neben der Insolvenz kann es dafür auch Gründe bei Aktien geben, deren Wert deutlich über 0 liegt.

  • Offenlegungspflichten vermeiden: Aktiengesellschaften, die börsennotiert sind, müssen einiges publik machen. Dazu zählen etwa Jahresabschluss, Beteiligungsverhältnisse oder die Vergütung des Vorstands. Manche Unternehmen wollen damit nicht länger an die Öffentlichkeit.
  • Börsenzulassung wird widerrufen: Kommt ein Unternehmen zum Beispiel seinen Offenlegungspflichten nicht nach, kann die Börsenaufsicht die Börsenzulassung widerrufen – auch in dem Fall werden die Aktien des jeweiligen Unternehmens „delisted“.
  • Kosten sparen: Geschäftsberichte, Quartalsberichte, Zwischenberichte – solche Papiere muss ein Unternehmen erstellen und an seine Aktionäre verschicken. Dafür fallen Personalkosten an. Zudem ist jedes Jahr eine Hauptversammlung zu organisieren. Manche Unternehmen stellen fest, dass sich all der Aufwand unter dem Strich nicht rechnet.
  • Weitere Gründe: Ein Unternehmen wählt eine neue Rechtsform und wechselt zum Beispiel von einer AG (Aktiengesellschaft) zu einer GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) – auch dann werden Aktien „delisted“.

Delisting nicht ohne Angebot zu Aufkauf der Aktien

Kommt es dazu, dass ein Unternehmen seine Aktien von der Börse nimmt, muss der Vorstand des Unternehmens dies beschließen. Zudem muss ein Abfindungsangebot an die Aktionäre gehen. Die Delisting-Absicht muss rechtzeitig öffentlich gemacht werden. Damit soll sichergestellt werden, dass Anleger genügend Zeit für einen Verkauf der Aktien haben. Wird das Delisting vom Unternehmen betrieben, muss ein Angebot an die Aktionäre erfolgen, alle Aktien zurückzukaufen. Dabei gilt:

  • Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) muss das Angebot gebilligt haben.
  • Unternehmen ist es untersagt, das Angebot an Bedingungen zu knüpfen.
  • Grundlage für den Preis je Aktie ist der durchschnittliche Börsenkurs in dem zurückliegenden halben Jahr, bevor der Delistingantrag gestellt wurde.

Gut zu wissen: Delisting ist nicht zu verwechseln mit Downlisting. Von Downlisting oder Downgrading ist die Rede, wenn Aktien in ein Börsensegment mit niedrigeren Anforderungen wechseln. „Zum Beispiel vom regulierten Markt in den Freiverkehr“, erklärt Fey. Umgekehrt ist auch ein Uplisting möglich – also etwa vom Freiverkehr in den regulierten Markt.

Was Delisting für Aktionäre bedeutet

Nach einem Delisting verliert die Aktie ihren Handelsplatz. Das heißt, dass die Aktionäre sich nicht mehr leicht von ihren Anteilen trennen können. Über die Börse sind sie jedenfalls nicht zu verkaufen. Es gibt jedoch Unternehmen, die außerbörsliche Aktien kaufen. Dazu gehört zum Beispiel die Veh AG.
 
Der Aktionär bleibt aber auch bei einem Delisting weiterhin Aktionär mit allen Rechten. „Aktionärsrechte bleiben auch bei Aktien ohne Börsennotiz erhalten“, sagt Fey. Zudem zahlen auch Unternehmen, die nicht an der Börse notiert sind, eine Dividende, also einen Anteil von ihrem Gewinn, an Aktionäre.

So können sich Aktionäre wappnen

Damit Aktionäre besser auf unangenehme Entwicklungen des Börsengeschehens vorbereitet sind, rät Aktienexperte Fey:

  • Bei Aktien ist es immer gut, breit gestreut zu investieren – also nicht alles Geld in Aktien eines Unternehmens stecken.
  • Wichtig ist auch, sich mit dem Börsengeschehen zu befassen und regelmäßig einen Depotcheck zu machen. „Dabei wird man schnell merken, wenn einem Unternehmen die Puste ausgeht“, so Fey. In dem Fall wären dann Umschichtungen im eigenen Portfolio denkbar.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (26)


Kommentare

ING

09.10.2020

Hallo Winfried, Sie können den Verlust aus einem wertlos ausgebuchten Wertpapier im Rahmen der Steuererklärung geltend machen. Der Kaufbeleg und der Beleg zur wertlosen Ausbuchung sind dazu erforderlich. Ihr Steuerberater kann Ihnen bestimmt weiterhelfen. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Winfried

08.10.2020

Das habe ich ja gemacht und bekomme von Ihrer Abteilung Anfragen/Beschwerden -zuerst ist man garnicht darauf eingegangen- folgende lapidare Info.: Konkret möchten Sie eine Empfehlung zu Ihren Bombardier- und Windstream-Aktien haben. Unser Wertpapiergeschäft betreiben wir ausschliesslich beratungsfrei. Eine Empfehlung..... dürfen wir, auch wenn Sie sich das wünschen - nicht geben. (!??)
Sie erhalten Infos, Entscheid.Hilfen u. Empfehlungen.....ausschliesslich aus der Fachpresse (?) Internet (?) oder direkt beim Emittenten. Dann kommt noch, dass ich das alles ja im Leistungsverzeichnis der ING nachlesen könne. Also alles 'Schema F' Eine Hilfe für den Kunden kann ich da leider nicht erkennen. Ich überlege mein Depot zu einer anderen Bank zu geben, wo es noch eine gewisse Hilfsbereitschaft gibt. Schade.


Realist

05.10.2020

Mit fast wertlosen Aktien haben einige "clevere Unternehmer" in den USA schon riesengroße Gewinne gemacht.
Ich empfehle mal ein gründliches Studium der Börsenereignisse im Zeitraum Ende 1994 bis Herbst 1995 rings um die Firma Syncronics Softcorp aus Culver City. Diese hatte zuerst einen Haufen völlig wertlose Aktien einer anderen Firma gekauft und damit 1995 eine irrwitzige "Börsen Betrug Erfolgs"-Geschichte geschrieben. Das reale Betrugsprodukt wurde damals nicht nur von Spiegel, Bild und Co gelobt, sondern die angebliche Fachzeitschrift Chip ernannte diese Betrüger sogar zu den Managern des Jahrzehnts! Und weil auch ich an der Börse voll auf die enorm wachsende Blödheit meiner Mitbürger setze, kaufte ich damals deren Aktien für 5 Cent das Stück und verkaufte (leider zu zeitig schon) bei 28 USD das Stück.
Mit Eurer unglaublichen Einbildung von vermeintlicher Börsenahnung kann man also am meisten "verdienen".


ING

02.10.2020

Hallo Winfried, am besten wenden Sie sich dazu einmal an unsere Experten der Kundenbetreuung - eine kurze E-Mail an info@ing.de genügt. Die Kolleginnen und Kollegen schauen sich das an und werden Ihnen so schnell wie möglich antworten. Vielen Dank und viele Grüße, Ihr Social Media Team


Winfried

01.10.2020

Heute bekomme ich von der ING die Mitteilung, dass man meine US-Windstream Holding Inc.-Aktien aus dem Depot entfernt hat. Diese sind wertlos geworden und wurden aus Ihrem Bestand ausgebucht. Ich verstehe das nicht. Es gab nie eine Warnung in den ING-Infos der Aktie. Ob ich den Verlust beim FA ansetzen kann.?
Lässt die ING da die Kunden nicht einfach im Regen stehen?


Joachim

22.09.2020

VIELEN DANK an Rainer vom 20.09. duch die Nennung des entsprechenden Urteils (Bundesfinanzhofes vom 03.12.2019 (Urteil III R 34/16)) !!!!!! Damit habe ich jetzt mein Finanzamt am Allerwertesten !!!!!


ING

22.09.2020

Hallo Wolfgang, das haben Sie richtig erkannt - so tief, wie Sie es beschrieben haben, sind wir nicht im Thema - daher ja auch das Anruf-Angebot in unserer Antwort heute Vormittag. Ihren Wunsch geben wir gern an die zuständigen Kollegen weiter. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Wolfgang

22.09.2020

Liebes Social Media Team,
Ihre Antwort an Dengmater zeigt mir, dass Sie das steuerliche Problem, das in diesem Chat den meisten "unter den Nägeln brennt", wohl selbst noch nicht so ganz verinnerlicht haben. Es bringt Dengmater überspitzt ausgedrückt nichts, wenn er Sie nach der Uhrzeit fragt und zur Antwort bekommt, dass es jetzt in Südamerika wärmer ist als bei uns.
Ich versuchs deshalb mal selbst: Ihre ING-Kollegen werden in diesen auf Kundenwunsch wertlos ausgebuchten Schrottpapierfällen in den Jahresendbelegen keine Verlustverrechnung vornehmen können! Grund: Die Finanzverwaltung steht meines Wissens auf dem Standpunkt, dass mit der wertlosen Ausbuchung kein Verlust (durch Verkauf!) realisiert wurde. Da streuben sich jedem Steuerzahler und Gerechtigkeitsanhänger natürlich sämtliche Nackenhaare, soweit noch vorhanden.
Es bleibt aber nichts anderes übrig, als über Steuerberater im Rahmen der Einkommensteuererklärung diese mit der wertlosen Ausbuchung ja eingetretenen Verluste wenigstens noch angerechnet zu bekommen, was sich mitunter - je nach Finanzamt - schwierig erweisen könnte (siehe hierzu Kommentar von Joachim vom 20.9.2020).
Wie von mir ebenfalls bereits am 20.9.2020 dargestellt, liegt aber gerade im geforderten Verkauf dieser Wertpapiere das eigentliche Problem: Es gibt i.d.R. keine offiziellen Handelsplätze mehr und somit weder Kursnotierungen noch potentielle Käufer. In der Fachpresse wird deshalb mitunter empfohlen, diese Verlustberücksichtigungen dadurch zu realisieren, dass man die Wertpapiere außerbörslich an Verwandte oder Bekannte zu symbolischen Werten verkauft. Diese Blöße wollen sich aber zumeist die Wertpapierinhaber nicht geben, worauf m.E. die Finanzverwaltung auch spekuliert. Aus genau diesem Grund habe ich auch den unten stehenden Vorschlag gemacht, nämlich dass die ING für ihre Kunden ohne sonderlichen Aufwand diese Servicefunktion übernehmen könnte. Ein Kreuzchen an entsprechender Stelle in Ihrem Ausbuchungsformular würde wahrscheinlich schon genügen! Wenn Sie das Ihrem Management nahe bringen könnten, wäre nicht nur diesen Chatteilnehmern, sondern vielen weiteren ING-Kunden voraussichtlich sehr geholfen!
Im bitte um Nachsicht, falls Sie sich durch diesen Beitrag "etwas auf den Schlips getreten fühlen". Meine Absicht liegt jedoch lediglich darin, allen Chatteilnehmern nach bester eigener Möglichkeit weiterzuhelfen, was ja wohl der Sinn dieses Serviceblogs sein soll. Als ebenfalls Betroffener suche ich übrigens selbst schon lange nach einer entsprechenden Lösung.


ING

22.09.2020

Hallo Dengmater, die Verlustverrechnungen versenden wir immer gemeinsam mit den Jahresendbelegen im Frühjahr für das vergangene Jahr. Liegt es nicht daran, rufen Sie uns bitte (mit Depotnummer und Telebanking PIN) unter 069 - 50 60 30 50 an - die Kollegen überprüfen das gern. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Dengmater

21.09.2020

Wieso erhält man keine Verlustverrechnung, wenn man Aktien von Unternehmen, die es wegen Konkurs und anschließender vollständiger Liquidierung nicht mehr gibt, aus dem Depot löschen lässt`?


Shangri-La

21.09.2020

Wir sprechen also vom 'Pennystock(s) es ist ein harter Markt und verlangt Gute Nerven um etwas zu erwirtschaften - Vorschlag Nerven schwach - definately hands off


ING

21.09.2020

Hallo Wolfgang, hallo worldcomowner, das machen wir selbstverständlich gerne! Viele Grüße, Ihr Social Media Team


worldcomOwner

21.09.2020

Wolfgang hat einen tollen Vorschlag gemacht.
Warum bietet die ING nicht den Rückkauf solcher Aktien zum Kaufpreis von 0,001 Euro an. Kostet nicht viel und die Steuer wäre kein Problem, als Kundenservice wäre das sicher in der Presse erwähnenswert.
Wenn ING diese Kundenbindung zu teuer wäre, sind sicherlich viele Anleger auch bereit bei solchen Verkäufen eine Gebühr von sagen wir mal 20 Euro zu bezahlen.
Könnt Ihr das als Verbesserungsvorschlag ans Management weiterleiten?


Marlene

21.09.2020

Also - bin in Rente und habe im "Aktiengeschäft" gearbeitet - allerdings brauchte ich niemandem die"Dinger" andrehen - ich habe daher persönlich grundsätzlich die Finger davon gelassen ......... habe meine Kohle "anderweitig" gut investiert !!!!! Das ist wie Lotto spielen ..... kann ich auch nicht drauf - weil mein Geld dann andere haben- es ist ja nicht wech .....


ING

21.09.2020

Hallo Kraus, eine berechtigte Frage! Wir möchten Sie aber bitten, sich damit an den Steuerberater Ihres Vertrauens oder Ihr Finanzamt zu wenden. Danke und viele Grüße, Ihr Social Media Team


Kraus

21.09.2020

Was passiert - steuerlich - wenn eine wertlose Aktie ausgebucht wird.
Kann dann der "Buchverlust" trotzdem und in welcher Höhe geltend gemacht werden.


ING

21.09.2020

Hallo Fischer, hallo Karin, die wertlose Ausbuchung können Sie ganz einfach selbst im Internetbanking beauftragen: Unter "Service", dann "Depot-Verwaltung" finden Sie die "Wertlose Ausbuchung". Betreffend die Möglichkeit, solche Verluste steuerlich geltend machen zu können, wenden Sie sich bitte direkt an z.B. einen Steuerberater oder Ihr zuständiges Finanzamt. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Karin

21.09.2020

Ich wüsste gerne, wie ich die wertlos gewordene Sachsenring-Aktie aus meinem Depot bekomme. Die SachsenringAG war Inhaberin von Patenten zur vielversprechenden Brennstoffzellen - Technologie, aber meines Wissens wurden diese Vermögenswerte von den letzten Geschäftsführern verscherbelt.


Mr X

21.09.2020

Der Artikel beantwortet nicht die Frage, was passiert, wenn der Kurs 0 ist. Ich bin seit ca. 25 Jahren an der Börse an aktiv, habe nie 0 € gesehen. Im Zweifelsfall mal 0,001 €. Gibt es - abgesehen vom gut erklärten Delisting ein 0€ an der Börse???


Rolf

21.09.2020

Tja knapp daneben, die Frage lautete ja wohl was passiert mit Aktien, deren Kurs auf 0 Euro fallen. Hättet ihr da eine Antwort?!


Wolfgang

20.09.2020

Warum erwirbt die ING denn solche faktischen Schrottbestände nicht zum symbolischen Gegenwert von z.B. 0,001 ct. pro Einheit im Eigenhandel, wie dies z.B. bei der wertlosen Ausbuchung von Zertifikaten und Optionen aus steuerlichen Gründen erfolgt. Damit müßte wenigstens die zumeist nur noch gewünschte Verlustverrechnung im Kundendepot möglich sein und die ING könnte sich bei ihren Kunden profilieren, ohne dass es nennenswerte Kosten verursacht. Zumal solche Papiere in der Regel von den Inhabern mangels Handelsplätzen gar nicht mehr anderweitig verkauft werden können. Hinsichtlich der Bankenkonkurrenz wäre das m. E. ein besseres Marketinginstrument als so manche teure Werbeaktion zur Kundengewinnung.


Fischer

20.09.2020

Antwort unvollständig. Den Privatanleger intressiert, wie er eine wertlose Aktie aus seinem Depot löschen lassen und den Verlust steuerlich geltend machen kann.


Joachim

20.09.2020

Im Moment streite ich mich mit meinem Finanzamt um die Anerkennung genau dieser Verluste aus der "Wertlosen Ausbuchung". Als langjähriger Bankkaufmann, Bankfachwirt und Betreuer vermögender Privatkunden mit Schwerpunkt in der Wertpapierberatung werde ich mit meiner Forderung auf steuerliche Anerkennung dieser exakt bezifferbaren Verluste bis vor das Bundesfinanzgericht gehen, Denn es widerspricht absolut und in jedem Punkt der Steuersystematik.


Rainer

20.09.2020

Hallo Martin,
habe in 2019 den Totalverlust meiner Gerry-Weber-Aktien hinnehmen müssen (rund 3.000 EUR). Da auch mein depotführendes Geldinstitut trotz des Urteils des Bundesfinanzhofes vom 03.12.2019 (Urteil III R 34/16) diesen Verlust nach eigenen Angaben nicht in den Verlustverrechnungstopf einbuchen durfte, habe ich den Totalverlust im Rahmen meiner Einkommensteuererklärung in der Anlage KAP geltend gemacht (Anlage KAP 2019: in Zeile 14 Minusbetrag eingeben und in Zeile 18 ohne Minuszeichen). Außerdem habe ich der Steuererklärung Kopien der Kauf- und Ausbuchungsbelege beigefügt.
Das Finanzamt hat dies anerkannt, die Aktiengewinne 2019 mit dem Verlust verrechnet und den verbleibenden Verlust vorgetragen. Allerdings habe ich dadurch einen Teil meines Sparer-Pauschbetrages nicht ausschöpfen können, da offenbar die Verrechnung von Aktiengewinnen mit -verlusten Vorrang hat.
Ich gehe nun davon aus, dass mögliche Aktiengewinne in den folgenden Jahren auch mit dem Verlustvortrag verrechnet werden.


ING

17.09.2020

Hallo Martin, leider gibt es aktuell keine Möglichkeit, solche Verluste über die Verlustverrechnungstöpfe laufen zu lassen. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Martin

16.09.2020

Liebe ING,

nach einem Gesetzesvorhaben aus Herbst 2019 sollten Aktien von Pleiteunternehmen, die nicht mehr gehandelt werden, steuerlich als Totalerlust geltend gemacht werden können. Das war zuvor von den Finanzämtern in aller Regel abgelehnt worden, da für eine Verlustverrechnung ein Verkauf der Aktien Voraussetzung war. Wenn die Aktien mangels Handel nun aber nicht mehr verkauft werden konnten, war der faktisch erlittene Verlust in aller Regel nicht mehr mit Gewinnen verrechenbar. Im ING-Depot bestand folglich nur die Option der "Wertlosen Ausbuchung".

Mich würde interessieren, ob es zwischenzeitlich eine Möglichkeit gibt, den realen Verlust aus nicht mehr gehandelten Pleiteaktien in die Verlustverrechnungstöpfe des ING-Depots zu bekommen und auf diese Weise mit Gewinnen zu verrechnen. Wenn ja, wie wäre diese Möglichkeit zu nutzen?