Aktienverlust verrechnen

Wertpapiergeschäfte: Verluste richtig verrechnen | 12.11.2020

Geld, das von Himmel fällt?

Verluste beim Handeln mit Aktien oder Anleihen sind ärgerlich genug. Gut, wenn dann wenigstens der Fiskus beteiligt werden kann. Doch es gilt, einige Regeln zu beachten.

Das Jahr 2020 hat so manch üble Überraschung für Anleger gebracht. So brachen während der ersten Welle der Corona-Pandemie im Frühjahr die Kurse an den Börsen massiv ein. Wer etwa in Papiere des inzwischen insolventen ehemaligen Dax-Konzerns Wirecard investiert hat, besitzt jetzt nur noch einen Pennystock – herbe Verluste waren bei den meisten wohl die Folge.

Abgeltungssteuer bei Wertpapiergewinnen durch -verluste mindern

Ein kleiner Trost dürfte daher für Wertpapieranleger sein, dass ein an den Finanzmärkten realisierter Verlust – also nach dem Verkauf eines Wertpapiers unter dem Einstandskurs – mit realisierten Gewinnen bei der Berechnung der Kapitalertragsteuer berücksichtigt werden kann. Reine Kursverluste auf dem Papier können nicht berücksichtigt werden. „Wichtig ist allerdings, dass Verluste aus Kapitalanlagen auch nur mit Gewinnen aus Kapitalanlagen verrechnet werden dürfen“, sagt Udo Reuß, Steuerexperte beim Geldratgeber Finanztip.de.
 
Steuern für Gewinne aus dem Verkauf eines Mietobjekts können dadurch beispielsweise nicht gemindert werden. Zudem gilt: Ein Minus aus einem Aktiengeschäft wird nur bei Gewinnen aus dem Handel mit ebensolchen Wertpapieren berücksichtigt. Ein Aktienverlust kann also nur mit einem Aktiengewinn verrechnet werden. Es sind aber noch Verfahren dagegen vor dem Bundesfinanzhof (Az. VIII R 11/18) anhängig.
 
Zum einen gibt es einen Aktienverlustverrechnungstopf und zum anderen den Allgemeinen Verlustverrechnungstopf.
 
Aktienverlustverrechnungstopf:

  • Gewinne aus Aktien
  • Verluste aus Aktien

Allgemeiner Verlustverrechnungstopf:

  • Gewinne & Verluste aus den übrigen Assetklassen
  • Zinsen
  • Dividenden

Frist: 15. Dezember

Wer Wertpapierverluste und Wertpapiergewinne bei unterschiedlichen Kreditinstituten erzielt hat und diese steuerlich miteinander verrechnen möchte, sollte die Anlage KAP bei seiner Steuererklärung ausfüllen und die realisierten Verluste beim Finanzamt nachweisen können. „Verluste und Gewinne, die Sie als Anleger bei einer einzigen Bank machen, werden automatisch miteinander verrechnet“, sagt Reuß. Die entsprechenden Beträge sind in der jährlichen Steuerbescheinigung enthalten, die die Geldhäuser an ihre Kunden verschicken. Wer allerdings Depots bei unterschiedlichen Banken oder Brokern hat, muss bei realisierten Verlusten eine sogenannte Verlustbescheinigung beantragen. Reuß: „Dies muss bis zum 15. Dezember eines Jahres geschehen.“ So können über die Steuererklärung die darin bescheinigten Verluste mit den entsprechend bescheinigten positiven Kapitalerträgen von anderen Kreditinstituten verrechnet werden.

Zweite Chance auf Anerkennung eines Minus

Aber keine Sorge: Verluste gehen Ihnen nicht verloren. Sollte keine Verlustbescheinigung innerhalb der Frist beantragt worden sein, trägt das Finanzinstitut die bis Jahresende noch nicht verrechneten Verluste ins neue Jahr vor. „Wer 2021 einen steuerpflichtigen Gewinn erzielt, bei dem zieht die Bank vor dem Abzug der Abgeltungsteuer den Verlust ab“, betont der Finanztip-Steuerexperte. Dies gilt nur dann, wenndie Voraussetzungen für die Verrechnung mit Verlusten erfüllt sind und beispielsweise aus dem Vorjahr übernommene Aktienverluste mit aktuellen Aktiengewinnen verrechnet werden können. Und diese Abgabe wird für die meisten Kapitalerträge fällig. Banken behalten pauschal 25 Prozent Abgeltungsteuer für Kapitalerträge wie beispielsweise Zinsen, Dividenden und Gewinne aus Aktien- und Fondsverkäufen ein. Hinzu kommt noch der Solidaritätszuschlag in Höhe von 5,5 Prozent, und bei Mitgliedern einer Kirche zudem die Kirchensteuer. Die Kirchensteuer hingegen wird auf die Kapitalertragsteuer angerechnet, so dass sich die Höhe der pauschalen Abgeltungsteuer von 25 Prozent entsprechend je nach Höhe der Kirchensteuer verringert. Die Geldhäuser leiten die Abgaben an den Fiskus weiter. Wer neben verlustreichen Wertpapiergeschäften den Sparerfreibetrag in Höhe von 801 Euro je Anleger (1.602 Euro für zusammenveranlagte Ehepaare) nicht beantragt oder ausgeschöpft hat, kann beides durch die Abgabe der bereits erwähnten Anlage KAP nachholen.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (24)


Kommentare

ING

25.11.2020

Hallo Volkher, sehr gerne! Ihre Frage haben Sie sich eigentlich bereits selbst beantwortet. Kleiner ergänzender Hinweis: Bestehende Aktienverluste dürfen ausschließlich mit Gewinnen aus Aktienverkäufen verrechnet werden. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Volkher

25.11.2020

Ich glaube es verstanden zu haben, moechte aber dennoch fragen :

Wenn ich im Jahr 2020 10.000 Euro Aktien Veraeusserungsverluste habe, dann werden 2021 auf alle Veraeusserungsgewinne keine Abzuege gemacht bis die 10.000 Euro erreicht sind ?
Vielen Dank fuer Aufklaerung und Danke ing fuer die Fragemoeglichkeit


ING

25.11.2020

Hallo Sabine, wenn Sie uns einen gemeinschaftlichen Freistellungsauftrag erteilt haben, führen wir für Sie automatisch eine ehegattenübergreifende Verlustverrechnung durch. Dies passiert einmal jährlich bis spätestens Anfang Februar. Möchten Sie noch mehr über dieses Thema erfahren, schauen Sie auch gerne einmal hier: www.ing.de/hilfe/steuern/abgeltungsteuer/ Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Sabine

24.11.2020

Mein Mann und ich haben einen gemeinsamen Freistellungsauftrag bei der IngDiba.
Können wir nun wechselseitig die Verrechnungstöpfe des Anderen verwenden, um Gewinne aus Aktienverkäufe steuerfrei zu nutzen?


ING

23.11.2020

Hallo Daniel, die Verluste werden automatisch ins nächste Jahr übertragen, es sei denn, Sie lassen sich die Verluste bescheinigen. Wenn Sie in 2021 Verluste bankenübergreifend verrechnen möchten, dann beantragen Sie die Verlustbescheinigung in 2021 bis zum 15.12.
Die Verluste werden dann bei uns in der Jahressteuerbescheinigung ausgewiesen und Sie können sie im Rahmen der Steuererklärung für 2021 verrechnen. Mehr Informationen dazu finden Sie hier: www.ing.de/hilfe/steuern/ (Suchbegriff: Verlustbescheinigung). Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Daniel

21.11.2020

Folgende Frage: Ist es auch möglich, die Verluste ins Folgejahr zu übertragen und dann in 2021 die übertragenen Verluste bei z.B. der ING mit Gewinnen in einem Depot einer anderen Bank zu verrechnen?


Hermjard

20.11.2020

Gezielte Verkäufe und Rückkäufe zur steuerlichen Optimierung und eine Buy & Hold Strategie schließen sich meines Erachtens nicht gegenseitig aus.

Und manchmal gibt's dabei sogar angenehme Überraschungen: Mehr als einmal ist es mir passiert, dass ich Verlustverkäufe zunächst nur zur steuerlichen Optimierung initiiert habe, dann aber bei fallenden Kursen mit dem Rückkauf ein wenig gewartet habe. Sofern das Halten eines bestimmten Papiers prinzipiell nicht zur Diskussion steht, "überspringt" man auf diese Weise sogar noch einen Kursrutsch.

Sie haben mit dem Motto der Buy & Hold Anleger natürlich Recht: Es gibt keine schlechten Kurse, es gibt nur Nachkaufgelegenheiten. ;)

Und dafür benötigt man, wie Sie ebenfalls betont haben, genügend Liquiditätsreserven.


Zufriedener ING-Kunde

20.11.2020

Hallo Hermjard und Joe,
Die Kolumne hier heißt ja auch wissenswert. Insofern schön, dass man auch als Anleger mit fortgeschrittenen Wissen noch ab und zu was lernt :-)
Hermjard - aus Sicht der Verrechenbarkeit ist ein ETF natürlich viel universeller als eine Aktie, da Verluste aus ETF-Verkäufen mit (nahezu) allen Erträgen verrechnet werden können.
Mit einer langfristigen Anlagestrategie (Buy&Hold) und ETFs auf breite Indizes wie MSCI World sollte man sich ohnehin genau überlegen, ob man bei niedrigen Kursen wirklich verkaufen will und dadurch Verluste realisiert. Oder ob solche Kursrückgänge nicht viel mehr eine gute Gelegenheit zum Kauf bieten. Ich sehe da eher eine Chance zum Nachkauf und kann als langfristig orientierter Anleger Verlustphasen "aussitzen".
Das bedeutet natürlich, dass man immer genug Liquidität vorhalten sollte, um unvorhergesehene Ausgaben auch ohne (Not)Verkauf von Wertpapieren stemmen kann.
In diesem Sinne wünsche ich uns viel Anlegerglück und ein schönes Wochenende!


Hermjard

19.11.2020

Hallo zufriedener ING-Kunde,

ich muss zugeben, dass es sozusagen bei mir genau umgekehrt ist, wie bei Ihnen: Fast nur ETFs und einige wenige Aktien. Daher hatte ich Ihre Spezialfälle tatsächlich nicht im Blick. Aber gut zu wissen, falls ich meine Aktien mal mit Verlust verkaufen muss...

So gar nicht einleuchten will mir die gesetzliche Regelung, dass Aktienverkaufsverluste zwar nicht mit Aktiendividenden verrechenbar sind, aber sehr wohl ETF-Verkaufsverluste mit ETF-Dividenden. Hoffentlich schafft der BGH da Klarheit (in unserem Sinne).


Joe

19.11.2020

Das nenne ich mal qualifizierte Antworten. Vielen Dank Ihnen beiden, Hermjard und Zufriedener ING-Kunde.
Ich habe mich auch immer geärgert, dass nach jedem Aktienverkauf mit Verlust erst der (übertragbare) Verrechnungstopf gefüllt wurde und dann kurz danach eine Verlustverrechnung kam, die den Verrechnungstopf geleert und den bereits ausgeschöpften Sparerpauschbetrag wieder geöffnet hat.
In letzter Zeit war das nicht mehr so, der Sparerfreibetrag wurde nicht mehr reaktiviert, obwohl auf dem Verrechnungstopf Aktien noch ein Betrag steht. Ich habe das bisher nicht kapiert.
Auf Ihre Anregung hin habe ich das nochmal kontrolliert und festgestellt, dass Gewinne aus Fondsverkäufen und Dividenden den Sparerpauschbetrag aufbrauchen und dass er dann auf 0 bleibt. Vielen Dank für Ihre ausführliche Begründung, jetzt ist mir das endlich klar.


Zufriedener ING-Kunde

18.11.2020

Hallo Hermjard,
Anhand Ihrer Erläuterungen, sieht man, dass sie sich auch sehr gut in der Materie auskennen. Dennoch gibt es ein paar Sonderfälle bei denen diese nicht zutreffen:
"Und es gibt unter normalen Umständen KEINE Situation, wo Sie zwar einen Verrechnungstopf, aber keinen Sparerpauschbetrag mehr haben."
Solche Situationen gibt es schon - zumindest im Zusammenhang mit Aktienverlusten. Ich habe in einem meiner Depots noch einen mittleren vierstelligen Betrag an Aktienverlusten, u.a. auch als Ergebnis des Wirecard-Disasters :-/. Gleichzeitg ergibt die Summe der 2020er Erträge aus Dividenden und Fonds-Ausschüttungen ebenfalls einen vierstelligen Betrag (deutlich größer als der bestehende Sparerpauschbetrag). Aufgrund der gesetzlich vorgegebenen Einschränkung, dass derartige Erträge nicht mit Aktienverlusten verrechnet werden dürfen, wurden diese folglich direkt mit dem Sparerpauschbetrag verrechnet - der Verlustverrechnungstopf Aktien besteht somit unverändert und wird wohl auch ins nächste vorgetragen.
Da ich jedoch inzwischen meine Anlagestrategie in Richtung ETF verschoben habe, und das Aktiendepot sich nicht wirklich gut entwickelt hat, kann ich den Verlustbetrag leider nicht nutzen, um meine Kapitalertragssteuer zu senken. Ich wünsche mir deswegen, dass zukünftig auch Aktienverluste universeller mit anderen Ertragsarten verrechenbar sind - das wird ja bald vom BFH überprüft. Sofern mein Wunsch in Erfüllung geht, muss ich dann auch dran denken, dass ich in dem Jahr, ab dem das möglich ist, soviele Erträge realisiere, dass die Ertragssumme größer/gleich Summe aus Verlusttopf und Sparerpauschbetrag ist. Insofern war ihre Erläuterung da sehr hilfreich für mich. Ich hätte da möglicherweise nicht dran gedacht.

"Falls für Sie umgekehrt absehbar ist, mit dem Sparerpauschbetrag von 801 € für Ihre Gewinne nicht auszukommen, sind angemessene Verlustverkäufe und sofortige Wiederkäufe ein probates Mittel. "
Auch hier macht das Verbot das Verrechenbarkeit von Aktienverlusten einen Strich durch die Rechnung. Ich würde bspw. gerne noch ein paar Aktien, die derzeit im Minus sind, abstoßen. Aber da sich die daraus resultierenden Verluste nicht steuermindernd mit anderen wiederkehrenden Ertragsarten (Dividenden, Fonds-Ausschüttungen, Zinsen) verrechnen lassen, ist das eben keine gute Alternative.

"Meine gesamten Überlegungen unterstellen natürlich, dass Sie Ihren gesamten Sparerpauschbetrag der Bank mit Ihrem Wertpapierportfolio zugewiesen haben. Wenn Sie Ihren Sparerpauschbetrag ganz woanders und dort auch vollständig genutzt haben, dann, aber erst dann, können Verlustüberträge eine Überlegung wert sein."
Es ist zugegeben ein Sonderfall: Ich habe bei der ING zwei unabhängige Konten - siehe in einer meiner Beiträge hier in den Kommentaren. Der Sparerpauschbetrag, den ich zur ING allokiert habe, gilt übergreifend für beide Konten. Dass heißt Erträge in beiden Konten werden mit dem gleichen Betrag (Topf) verrechnet. Gleichzeitig werden die Verlustverrechnungstöpfe getrennt für beide Konten geführt. Ich habe bspw. im Verlustverrechnungstopf allgemein in Konto A noch einen verbleibenden Betrag. Erträge in Konto A werden dann aufgrund der Priorisierung mit dem Verlustverrechnungstopf verrechnet. Erträge in Konto B werden dann jedoch direkt mit dem Sparerpauschbetrag verrechnet.
Laut Antwort von der ING, findet diese Kontenübergreifende Verrechnung der Verlusttöpfe jedoch am Jahresende statt. So eine Situation hatte ich bisher noch nicht - ich bin mal gespannt wie das abläuft.
In diesem Sinne - viele Grüße und weiterhin viel Erfolg beim Erzielen von verrechenbaren Kapitalerträgen :)


Hermjard

17.11.2020

Hallo zufriedener ING-Kunde,

vielleicht irre ich mich, aber ich glaube, Sie haben meine Erläuterungen noch nicht vollständig verstanden: Egal welche Strategie Sie fahren, es wird immer erst Ihr Verrechnungstopf (-> übertragbar) VOR dem Sparerpauschbetrag (-> nicht übertragbar) aufgebraucht. Und es gibt unter normalen Umständen KEINE Situation, wo Sie zwar einen Verrechnungstopf, aber keinen Sparerpauschbetrag mehr haben.

Wenn Sie also keine "Steuerverrechnungsverluste" machen wollen, bleibt Ihnen nur genau EINE "Strategie": Sie müssen Ihren Verrechnungstopf UND Ihren Sparerpauschbetrag innerhalb des Jahres vollständig aufbrauchen.

Indem Sie dies tun, hat sich jede Überlegung zu einem Verlustübertrag erübrigt. Denn in dem Moment, wo Sie einen Verlustübertrag ins nächste Jahr hätten, hätten Sie immer gleichzeitig einen "Steuerverrechnungsverlust" über ein Gewinnvolumen in Höhe von 801 €.

Verlustüberträge sind also keine "Chance", sondern eine Gefahr, die man möglichst meiden sollte. Genau das wird in diesem Artikel bedauerlicherweise nicht herausgearbeitet.

Um Verlustüberträge zu vermeiden und den Sparerpauschbetrag aufzubrauchen, und da haben Sie Recht, sind natürlich Gewinnverkäufe und sofortige Wiederkäufe ein wirksames Instrument - zum Preis der Transaktionskosten. Was nützt das? Ihre Papiere stehen dann zu einem höheren Einstandskurs in Ihrem Portfolio. Sie sparen bei einem zukünftigen Verkauf durch eine geringere "Gewinnspanne" also Steuern.

Falls für Sie umgekehrt absehbar ist, mit dem Sparerpauschbetrag von 801 € für Ihre Gewinne nicht auszukommen, sind angemessene Verlustverkäufe und sofortige Wiederkäufe ein probates Mittel. Wiederum zum Preis der Transaktionskosten. Aber keine zu großen Verluste machen, sonst bleiben Sie wieder auf dem Sparerpauschbetrag (oder einem Teil davon) sitzen!

Ferner vermeiden Sie dadurch nicht wirklich die Steuern, sondern schieben Sie nur auf die Zukunft auf: Denn die zum Verlust wieder zurückgekauften Papiere stehen nun in Ihrem Portfolio zu einem niedrigeren Einstandskurs, was bedeutet, dass Sie für sie bei einem zukünftigen Verkauf einen höheren Gewinn erzielen und damit genau die Steuern "nachzahlen", die sie vormals vermieden haben. Allerdings haben "Steuerstundungen" ja durch den Zinseszinseffekt einen Wert an sich.

Oder mit anderen Worten: Jeder zahlt die Steuern gerne so spät wie möglich, um so lange wie möglich mit dem Geld arbeiten zu können.

Und niemand verschenkt gerne die jährliche Steuerbefreiung in Höhe von 801 €.

Meine gesamten Überlegungen unterstellen natürlich, dass Sie Ihren gesamten Sparerpauschbetrag der Bank mit Ihrem Wertpapierportfolio zugewiesen haben. Wenn Sie Ihren Sparerpauschbetrag ganz woanders und dort auch vollständig genutzt haben, dann, aber erst dann, können Verlustüberträge eine Überlegung wert sein.


ING

17.11.2020

Hallo mainengine, bei allen Wertpapiere, die nach der Einführung der Abgeltungsteuer am 01.01.2009 erworben wurden, spielt die Haltedauer keine Rolle mehr für die steuerliche Behandlung der Gewinne bzw. Verluste. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


mainengine

16.11.2020

Ist der Zeitpunkt eines Verkaufes einer Aktie mit Verlust unerheblich oder gibt es noch die alte Frist von einem Jahr, innerhalb dessen der Verlust realisiert werden muß ?


Zufriedener ING-Kunde

16.11.2020

Hallo Volkan,
Solange sich die Gewinne und Verluste innerhalb der ING (bzw. einer anderen Bank) abspielen, kann und wird die Bank das natürlich miteinander verrechnen, ohne, dass man den Umweg über Steuererklärung/Finanzamt gehen muss.
In dem Fall braucht man auch keine Verlustbescheinigung von der Bank.
Wenn man aber bspw. bei der ING realisierte Verluste mit realisierten Gewinnen bei anderen Banken verrechnen will, dann geht das nur über die Steuererklärung. Da der Inhalt der Verrechnungstöpfe am Jahresende standardmäßig auf das nächste Jahr vorgetragen wird, bekommt das Finanzamt jedoch von den bestehenden verrechenbaren Verlusten nichts mit - dafür braucht es die Verlustbescheinigung.
Man ist natürlich nicht gezwungen, das so zu machen. Allerdings bezahlt man dann unter Umständen zu viel Kapitalertragssteuer.

@Uwe. Die ING hat im Artikel auf ein anhängiges Verfahren beim Bundesfinanzhof verwiesen (Az. VIII R 11/18). Wenn man dem Link folgt, steht auf der Webseite des BFH folgendes:
"Verfassungswidrige Benachteiligung von Aktienverlusten? (VIII R 11/18): Der Bundesfinanzhof wird die Bestimmung des § 20 Abs. 6 Satz 5 EStG alter Fassung einer verfassungsrechtlichen Prüfung unterziehen. Verluste aus der Veräußerung von Aktien dürfen danach nur mit Gewinnen aus der Veräußerung von Aktien verrechnet werden. Der Kläger wendet ein, es sei kein verfassungsrechtlich anzuerkennender Grund ersichtlich, weshalb allein die Aktienverluste von der Verrechnung mit anderen Kapitalerträgen ausgeschlossen sind."
Weiter oben steht, dass mit einer "Entscheidung im laufenden Jahr zu rechnen" ist.
Es besteht also noch Hoffnung, dass zukünftig auch andere Erträge wie bspw. Dividenden doch mit Aktienverlusten verrechnet werden können und dürfen. Ich drücke die Daumen, dass der BFH im Sinne des Klägers entscheidet :-)


Ein (jetzt noch) zufriedener(er) ING-Kunde

16.11.2020

Danke an das Social Media Term für die prompte Antwort!


Volkan

16.11.2020

Was ich bei dem Ganzen nicht verstehe, wahrend allen (positiven) Tradeprozessen werden doch die Kapitalertragssteuern direkt berechnet bzw. abgebucht, Verluste werden ebenfalls vermerkt.
Muss man alles nochmal selber in der Steuererklarung auflisten...

Der Broker oder Bankgesellschaft macht es doch eh...

Danke fur die Aufklarung

VG


Joe

16.11.2020

Volle Zustimmung an Hermjard und "Ein zufriedener ING-Kunde". Mich ärgert auch, dass der Sparerfreibetrag sofort wieder aufgefüllt wird wie bei Hermjards Beispiel 2 beschrieben. Das ist gesetzlich aber so vorgegeben.
Dagegen hilft nur, ständig den Überblick zu behalten und gelegentlich auch mal gezielt Aktien zu verkaufen, die im Plus sind, und evtl. gleich wieder zu kaufen. Das Ganze schiebe ich nicht auf bis zum Jahresende, denn wer weiß, ob sie dann noch im Plus sind. Ich habe viele Einzelaktien, da geht es recht gut, aber ärgerlich ist es trotzdem.


ING

16.11.2020

Hallo "Ein zufriedener ING-Kunde", gerne beantworten wir Ihre Fragen! Ja, auch der Bestand im allgemeinen Verlustverrechnungstopf wird von uns automatisch in das nächste Jahr übertragen. Und zu Beginn eines neuen Kalenderjahres erfolgt die sogenannte "ehegatten-/lebenspartnerübergreifende Verlustverrechung", bei der alle Konten berücksichtigt werden, sofern ein gemeinschaftlicher Freistellungsauftrag gestellt wurde. Ein von uns bescheinigter Verlust kann allerdings nicht wieder zurück an uns übertragen werden. Ob hier seitens des Finanzamtes immer automatisch ein Übertrag in das Folgejahr vorgenommen wird, erfragen Sie am besten direkt dort. Viele hilfreiche Informationen zu diesem Thema finden Sie übrigens auch hier: www.ing.de/hilfe/steuern/abgeltungsteuer/ Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Uwe

16.11.2020

Es ist eine extrem ungerechte Sache mit den beiden Verlustverrechnungstöpfen. Verluste aus Aktien bleiben im Topf, während Verluste aus Fonds (z.B.), die Aktien beinhalten, gegen Dividenden aufgerechnet werden können.

Hier wird die eigene Aktienanlage als Anlageform steuerlich diskrimiert, und natürlich wird so eigentlich viel mehr an Steuern abgeschöpft als der finanziellen Leistungsfähigkeit des Einzelnen gegenüber gerecht wäre.


Ein zufriedener ING-Kunde

16.11.2020

Hallo Hermjard,

Ihr Einwand ist plausibel - die Prorisierung (Verrechnung zuerst gegen Verlustverrechnungstopf und erst zweitrangig gegen Sparerpauschbetrag) gibt aber wahrscheinlich der Gesetzgeber vor. Zumindest denke ich nicht, dass das sich die ING ausgedacht hat..!?

Wenn man sich dieser Logik bewusst ist, kann man seine Anlagestrategie folglich danach ausrichten und optimieren.
D.h. dass man dafür sorgt, dass man im Jahr immer soviele Kapitalerträge hat, dass man mindestens den Sparerpauschbetrag vollständig ausschöpft, denn dieser wird nie vorgetragen (das lohnt auch in Jahren in denen keine Verluste realisiert werden).
Dazu sollte man entsprechend die Verluste auch versuchen so zu realisieren, dass man dann auch in diesen Jahren den Sparerpauschbetrag vollständig ausschöpft. Notfalls muss man dazu auch in der Gewinnzone befindliche Wertpapiere veräußern und direkt wieder kaufen, um verrechenbare Gewinne zu erzielen.
Natürlich verursacht das auch Kosten (den Spread zwischen Geld und Briefkurs sowie 2 x Ordergebühren) - die gesparte Steuer könnte dennoch höher sein.

Was mich an der ganzen Verrechnungstopflogik ungleich mehr stört, ist, dass sich Aktiendividenden nicht mit Akienverlusten verrechnen lassen, obwohl beides die gleiche Assetklasse betrifft. Wenn ich also bestehende Aktienverluste gerne mit Erträgen verrechnen möchte, bin ich gezwungen Aktien (ggf. vor der Ex-Dividende Datum) zu verkaufen und versuche dadurch wiederum Orderkosten und -aufwand. Wenn ich mir die Aktie nach Ex-Dividende wieder kaufe, habe ich de-facto den gleichen Gewinn erzielt, den ich verrechnen darf. Es wäre viel einfacher wenn sich auch Dividenden mit Aktienverlusten verrechnen lassen dürfen.


Ein zufriedener ING-Kunde

15.11.2020

Hallo ING-Team,
Interessanter Artikel! Ich hätte dazu mal noch 3 etwas speziellere Fragen - vielleicht lassen die sich ja einfach beantworten?...
1) Dass der Verlustverrechnungstopf für Aktien ins nächste Jahr vorgetragen wird, ist mir bekannt. Diesem Artikel nach geschieht das also auch mit dem allgemeinen Verlustverrechnungstopf, richtig? (wichtig, da ich den Restbetrag im Topf bis Jahresende vermutlich nicht ganz aufbrauchen werde).
2) Ich habe bei der ING zwei getrennte Kontenbereiche (jeweils mit Wertpapierdepots, ein Kontobereich läuft gemeinsam mit meiner Frau, der andere auf mich allein). Der Sparerpauschbetrag ist ja anscheinend für beide Kontenbereiche gültig, d.h. Erträge in beiden Konten reduzieren den verbleibenden gemeinsamen Sparerpauschbetrag. Für die Verlustverrechnungstöpfe scheint das aber nicht zu gelten, d.h. diese werden für beide Konten getrennt geführt. Findet hier am Jahresende eine Verrechnung über die beiden Konten hinweg statt? Bei mir ist es so, dass nach dem Verbrauch des Sparerpauschbetrages die Erträge im gemeinsamen Depot noch gegen bestehende Verluste im Verrechnungstopf allgemein verrechnet werden, während im anderen Depot von den laufenden Erträgen bereits Steuer einbehalten wird.
3) Wenn ich mit der Steuererklärung eine Verlustbescheinigung einer Bank einreiche und mit Erträgen aus einer anderen Bank verrechnen lasse, was passiert, wenn die Erträge niedriger sind, als der bescheinigte Verlust? Trägt das Finanzamt dann einen Verlustverrechnungstopf ins nächste Jahr fort oder kann ich den verbleibenden, nicht verrechenbaren Verlust zurück an die Bank übertragen lassen? Denn vermutlich wird bei der Bank mit dem Ausstellen der Verlustbescheinigung der Verlustverrechnungstopf ja wieder auf 0 gesetzt?

Herzlichen Dank schon vorab und VG!


A. M.

15.11.2020

Es fehlt der Hinweis auf die max. Verlustverrechnung von 10.000 Euro pro Jahr!


Hermjard

14.11.2020

Ein entscheidendes Detail bleibt in den obigen Erläuterungen unverständlicherweise völlig unerwähnt:

Verlustverrechnungstöpfe werden nur dann gebildet, wenn der Anleger noch keinen Cent seines Sparerfreibetrages angebrochen hat.

Hat der Anleger jedoch seinen Sparerfreibetrag ganz oder teilweise ausgeschöpft, so wird bei realisierten Verlusten zunächst der Sparerfreibetrag bis zum Maximum von 801 € wieder aufgefüllt. Erst darüber hinausgehende Verluste führen zur Bildung eines Verrechnungstopfes.

Und jetzt kommt der große Haken: Besitzt ein Anleger sowohl seinen vollen Sparerfreibetrag, als auch einen Verrechnungstopf, bspw. weil er im laufenden Kalenderjahr bislang mehr Verluste als Gewinne gemacht hatte, und macht er im weiteren Verlauf des Kalenderjahres Gewinne, so werden ihm diese unfairerweise zuerst auf den (übertragbaren) Verrechnungstopf angerechnet, anstatt auf den (nicht übertragbaren) Sparerfreibetrag. Mit anderen Worten, der Anleger verliert am Ende des Kalenderjahres im schlimmsten Falle Verlustüberträge in Höhe des Sparerpauschbetrages.

Ein Beispiel:
1. 04.04.2020: Veräußerungsgewinn von 600 € -> freier Sparerpauschbetrag sinkt auf 201 €.
2. 05.05.2020: Veräußerungsverlust von 1.000 € -> Sparerpauschbetrag wird auf 801 € wieder aufgefüllt und Verrechnungstopf i.H.v. 400 € wird gebildet.
3. 06.06.2020: Veräußerungsgewinn von 100 € -> Verrechnungstopf sinkt auf 300 €, Sparerpauschbetrag bleibt bei 801 €.
4. 01.01.2021: Verrechnungstopf i.H.v. 300 € wird aufs nächste Jahr übertragen, der "alte" Sparerfreibetrag ist hingegen verloren, da er sich über die Jahre nicht aufsummiert.

Ergebnis: Die 600 € Verlust, die in das Auffüllen des Sparerfreibetrages geflossen sind, sind steuerlich verloren und werden eben NICHT ins nächste Jahr übertragen.