Männer in Elternzeit

Mehr Eltern- und Teilzeit für Väter – Was muss sich ändern ? | 09.07.2020

Geld, das von Himmel fällt?

Zeit für ihre Kinder - das wollen nicht nur Mütter, auch viele Väter möchten das. Doch mit Elternzeit oder gar Teilzeitarbeit tun sich etliche Männer und Firmen schwer. Warum das so ist und wie sich das umkehren könnte.

Ein Baby ist unterwegs - und die Freude darüber groß. Die werdenden Eltern schmieden Pläne: Wie wollen wir das Kinderzimmer einrichten, wann kaufen wir die ersten Strampler? Und vor allem: Wer von uns nimmt Elternzeit – und was ist danach mit Teilzeit? Nach der Geburt eines Kindes treten immer noch mehrheitlich Frauen beruflich kürzer. Zwar nehmen inzwischen auch mehr Männer Elternzeit, nach wie vor sind sie aber in der Minderheit.

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Finanzielle Gründe als Haupthindernis

Nach einer im August 2019 veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) lag der Anteil der Männer, die etwa im Jahr 2016 Elterngeld bezogen, bei 37 Prozent. Und von den Vätern, die zum Beispiel 2018 Elterngeld erhielten, widmeten sich die meisten (72 Prozent) nur in Höhe des Minimums von zwei Partnermonaten ausschließlich der Kindererziehung.
 
Hintergrund: Basiselterngeld gibt es laut Familienportal des Bundes für bis zu 12 Lebensmonate. Wenn beide Partner Elterngeld beantragen und mindestens einer davon nach der Geburt weniger Einkommen hat als davor, sogar für bis zu 14 Monate. Diese 2 zusätzlichen Monate werden „Partnermonate" genannt. Achtung: Bei den Partnermonaten werden keine Zeiten in der Rentenversicherung angerechnet für denjenigen, der "nur" 2 Monate zu Hause bleibt. 
 
„Befragungen zeigen, dass finanzielle Gründe das Haupthindernis in Familien darstellen“, sagt Prof. Axel Plünnecke vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Väter tragen nach seinen Worten „im Durchschnitt deutlich stärker zum Familieneinkommen bei, und die Familien können häufig nicht länger auf das volle Einkommen des Vaters verzichten.“

Elternzeit und Teilzeit als „Karrierekiller“?

Neben traditionellen Rollenvorstellungen (Der Mann geht arbeiten und die Frau bleibt beim Kind) und der Ansicht, dass in den ersten Monaten eines Kindes die Mutter die „bessere“ Bezugsperson sei, gehört zu den weiteren Gründen für den Verzicht: die Angst vor negativen beruflichen Konsequenzen - Elternzeit und Teilzeit als „Karrierekiller“. Wissenschaftliche Belege hierfür gibt es laut DIW bislang nicht.
 
Hinzu kommt für Männer mit Aufstiegschancen und Karriereabsichten: „Man muss fürchten, dass man nicht mehr für voll genommen wird, wenn man nicht mehr rund um die Uhr arbeiten kann“, sagt Brigitte Dinkelaker. Sie leitet das Projekt Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestalten des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB). Laut Dinkelaker liegt der Anteil der Väter, die in Teilzeit arbeiten, aktuell nur bei etwa sechs Prozent. Zwar gebe es in Unternehmen mittlerweile mehr Verständnis dafür, wenn Väter aus familiären Gründen weniger arbeiten wollten. Doch überwiegend sei es noch ein Frauenthema.

Auf Dominoeffekt setzen

Viele fragen sich: Was muss sich ändern, damit Väter in Teilzeit zur Normalität werden? „Wenn die Männer erst mal deutlich machen, was sie wollen und Elternzeit und Elterngeld beantragen, dann entsteht schnell ein Domino-Effekt“, sagt Dag Schölper, Geschäftsführer beim Bundesforum Männer. Die Organisation setzt sich als Interessenverband für eine gleichstellungsorientierte Männerpolitik ein.
 
Sobald immer mehr Männer in Teilzeit arbeiteten, werde dies irgendwann zum Alltag gehören, ergänzt Schölper. „Nach wie vor ist es nicht wirklich üblich, dass man als Mann Familienverantwortung auch durch Anwesenheit, Fürsorgetätigkeit und Hausarbeit beweist“, sagt der Forumschef.

Vereinbarkeit von Job &Familie – für Männer wie Frauen

Auch DGB-Projektleiterin Dinkelaker ist davon überzeugt, dass Rollenvorstellungen eine wichtige Rolle spielen. Ihr Plädoyer: Für Männer wie für Frauen muss es einfacher sein, Beruf und Familie zu vereinbaren.
 
Voraussetzungen sind:

  • Flexible Arbeitszeiten. Die Regeln müssen dem Bedarf der Familien entsprechen.
  • Aufstiegsmöglichkeiten in Teilzeit. Gleiches gilt für Weiterbildungsoptionen.
  • Springer und zuverlässige Vertretungsregelungen erlauben es Eltern, beruhigt ihren Alltag zu meistern.
  • Geregelte Kinderbetreuung.
  • Recht auf Rückkehr zur Vollzeitarbeit, wenn ein Elternteil das möchte.

Nicht nur begeistert sein, auch in die Tat umsetzen

Damit sich Väter für Elternzeit und Teilzeitlösungen nicht nur begeistern, sondern sie künftig auch verstärkt in Anspruch nehmen, ist aber mehr nötig. Zum Beispiel:

  • Verbesserungen beim Elterngeld
    „Gut wäre es, die prozentuale Kompensation beim Elterngeld zu erhöhen, damit mehr Väter auch für eine längere Zeit Elterngeld nehmen“, erklärt IW-Ökonom Plünnecke. Dahinter steckt die Idee, die Partnermonate auf drei oder vier Monate zu erhöhen und dafür die Elterngeld-Bezugsdauer des anderen Elternteils entsprechend zu senken.
  • Vorbild sein
    Ein Geschäftsführer, der Teilzeit arbeitet – Bingo! Was aus Sicht des DGB auch helfen kann: Porträts von Papas im firmeneigenen Intranet. Oder Elternstammtische innerhalb eines Unternehmens. Das alles trägt dazu bei, dass Väter in Elternzeit oder in Teilzeit in den Köpfen der Menschen selbstverständlich werden.
  • Männer müssen sich verbünden
    Männer müssen miteinander ins Gespräch kommen, Netzwerke und Stammtische gründen, meint Schölper. Wichtig ist es aus seiner Sicht, Väter zu beraten und zu unterstützen. Angebote gibt es etwa auf der Plattform männerberatungsnetz.de des Bundesforum Männer.
  • Sich mit Müttern austauschen
    Auch der Austausch mit Müttern ist wichtig. Solidarität nutzt beiden Geschlechtern: „Vereinbarkeit ist kein Mütterthema – genauso wie es kein Vaterthema ist“, betont Gewerkschafterin Dinkelaker. „Es geht einfach alle an. Mehr denn je.“

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (9)


Kommentare

Schonälter

23.07.2020

Liebe Diskutierende,
es ist schon faszinierend, wie selbst bei dieser Diskussion es immer um das "Gender_Pay_Gap" geht.
Es geht doch um die Frage warum sich die Männer nicht so einbringen, oder? Dann schaut doch mal, wer nach einer Trennung die Kinder"bekommt". Das sind in den allermeisten Fällen die Frauen. Solange sich das nicht ändert - und die Frauen wollen das nicht - würde ich als Mann nie "all in" gehen!


Maja

20.07.2020

Mein Mann hat zwei Monate Elternzeit genommen und noch 3 Wochen unbezahlte Elternzeit. Inzwischen arbeiten wir beide wieder in Elternteilzeit: mein Mann 3 Tage pro Woche und ich 2 Tage pro Woche.
Auch wenn man negativen Wind bekommt: Gesetzlich ist es vorgeschrieben dass der Arbeitgeber zustimmen muss. Lasst euch nicht unterkriegen! Die Zeit mit euren Kindern ist so wertvoll und kommt nicht mehr zurück. Geld ist nicht alles.


@Besserwisser

20.07.2020

Das stimmt nicht, gerne einmal hier nachlesen:
https://familienportal.de/familienportal/familienleistungen/elternzeit/arbeit-versicherung/muss-ich-waehrend-der-elternzeit-beitraege-zur-rentenversicherung-zahlen-/124868


Schade eigentlich!

20.07.2020

Es ist so traurig, dass Männer vor einer Elternzeit zurückschrecken, weil es ihrer Karriere schaden könnte. Bei Frauen wirkt sich hingegen schon die Eheschließung als Karrierekiller aus, weil die Vermutung nahe liegt, dass sie bald schwanger werden könnte. Frauen müssen also mit dem Risiko leben, dass Kinder schlecht für die Karriere sind. Und Männer? Es wäre schön, wenn sich Väter mehr trauen, dieses "Risiko" in Kauf zu nehmen, denn dann wird sich auch die Situation für Frauen am Arbeitsmarkt verbessern.


Besserwisser

20.07.2020

Es fehlt im Artikel der Hinweis, dass den Vätern bei 2 monatiger Elternzeit keine Zeiten in der Rentenversicherung angrechnet werden


Haynns

20.07.2020

Die Voraussetzungen am Ende des Artikels sind gut. Allerdings wird ja weiter oben schon die Gender-pay-gap erwähnt. Ein großer Widerspruch für Verbesserungsideen beim Elterngeld.


EZ

19.07.2020

Ich stehe derzeit vor dem Problem, als Mann Elternzeit beantragen zu wollen. Allerdings wurde mir bereits zu verstehen gegeben, dass man von mir erwartet maximal 2 Monate zu nehmen. Alles andere könnte sich negativ auf meine weitere Karriere auswirken.
Trotzdem kann ich allen werdenden Vätern nur raten, lässt euch nicht einschüchtern.


HGN

16.07.2020

ich war 2009 2 Monate in EZ. Als Vater. Damals bin ich Spießruten gelaufen. Heute nimmt der deutlich überwiegende Teil der Jung-Väter hier mindestens die 2 Monate. Und es gibt Väter die wegen der Kinder in die TZ gewechselt sind.
Gerade bei den nur 2 Monaten habe ich die Gegenrechnung mit dem "Urlaubsgeld" gemacht (gilt also nur für die die welches bekommen). Mit einem so kleinen Kind fährt mann oft nicht in Teure "weit weg"-Urlaube. Das Geld was damit gespart wird kompensiert die 2 Monate weniger Einkommen. Und die eit nimmt einem keiner. Ich kann nur sagen: machen!!


Weil die Ehe ein Auslaufmodell ist?

13.07.2020

Weil es immer mehr alleinerziehende Mütter gibt? Weil nach wie vor die Masse der Männer den weit besser bezahlten Job hat? Weil schon kurzzeitige Abwesenheit im Job die Karrierechancen für Männer verringern kann?