So kommen Sie raus

Wie Sie Ihren Fitnessstudio-Vertrag loswerden | 22.01.2020

Fitnessstudio-Vertrag

© svetkid - istock.com

Viele Menschen zahlen monatliche Beiträge für ein Fitnessstudio, das sie öfter auf dem Kontoauszug als von innen sehen. Diese Gründe sind wirksam, um aus dem Vertrag rauszukommen.   

Steigende Anmeldungen, sinkende Motivation

Zwischen 2007 und 2018 hat sich die Zahl der Mitglieder von Fitnessstudios von 5,54 Mio. auf 11,09 Mio. mehr als verdoppelt. Die Fitnessbranche boomt - zumindest laut Mitgliederanzahl. Denn wie viele der Angemeldeten dort als Karteileichen oder zumindest im Koma liegen, wird nicht gezählt. Schätzungen zufolge verschwenden die Deutschen jährlich gut 500 Millionen Euro für Studio-Beiträge. Vorsätze zum neuen Jahr, die anstehende Badesaison oder vom Hausarzt nahegelegt: Die Motivation für Sport ist zu Beginn meistens hoch, flacht aber oft auch schnell wieder ab, verstärkt, wenn sich die gewünschten Erfolge nicht zeitnah einstellen. Irgendwann übertönt das Bellen des inneren Schweinehundes den eigenen Antrieb, über die Sporttasche legt sich eine Staubschicht – doch der Vertrag läuft weiter. Lustlosigkeit oder mangelnde Disziplin sind allerdings keine Gründe, die eine vorzeitige Kündigung des Vertrages mit dem Fitnessstudio rechtfertigen.

Kündigungsgründe für den Fitnessstudio-Vertrag

„Wird der Vertrag unterzeichnet, besteht kein Widerrufsrecht. Das heißt, man ist für die vereinbarte Laufzeit gebunden. Sagt Ihnen der Studiomitarbeiter ein Widerrufsrecht zu, lassen Sie sich dies schriftlich geben. Ansonsten können Sie es im Streitfall nicht beweisen“, erläutert Julia Rehberg von der Hamburger Verbraucherzentrale. Definitiv möglich ist eine außerordentliche Kündigung im Krankheitsfall, wobei die Krankheit erst nach Vertragsabschluss diagnostiziert worden sein darf und den weiteren Besuch des Studios auf Dauer ausschließt. Das muss ein Attest des Hausarztes belegen – eine vorübergehende Erkrankung berechtigt nicht zur Kündigung. Bei vorübergehenden Erkrankungen ermöglichen kulante Fitnessstudios, wie z.B. Kieser-Training, ihren Mitgliedern auszusetzen. Sie schreiben die verlorenen Tage nach Vorlage eines Attestes wieder gut – vorausgesetzt ein Arzt bescheinigt, dass man aufgrund der Krankheit trainingsunfähig war. So gehen die Beiträge, die man während der Krankheit zahlt, nicht verloren.

Auch der Umzug eines Studios oder eine erhebliche Änderung der Öffnungszeiten kann zur außerordentlichen Kündigung berechtigen. „Schließt das Studio für mehrere Wochen, beispielsweise wegen Umbau- oder Renovierungsarbeiten, entsteht damit zwar nicht das Recht auf Kündigung, aber Beiträge zahlen müssen Sie in dieser Zeit keinesfalls“, erklärt Rehberg. Ändern sich die Trainingsbedingungen nach individuellem Empfinden auf nachhaltig negative Weise, kann für die Vertragsauflösung erfolgreich sein. Ein Beispiel hierfür wäre, wenn aus einem ausschließlich auf Frauen ausgerichteten Studio ein geschlechterübergreifendes werden würde.

Keine Kündigungsgründe für den Vertrag mit der Muckibude

Es gibt weitaus mehr Gründe, die nicht für die vorzeitige Kündigung im Fitnessstudio in Frage kommen: Schwangerschaft, ein langer Urlaub oder Sabbatical und selbst eingeschränkte finanzielle Möglichkeiten aufgrund plötzlicher Arbeitslosigkeit reichen nicht aus, um eine außerordentliche Kündigung zu erwirken. Julia Rehberg kennt weitere Beispiele: „Sofern sich das Angebot nicht grundlegend ändert, tut auch ein Inhaberwechsel nichts zur Sache. Auch ein berufsbedingter Umzug kann als Kündigungsgrund nur geltend gemacht werden, wenn dies bei Vertragsabschluss zum Beispiel in den AGB vereinbart wurde.“
 
Fitnessstudios bieten oftmals Verträge mit unterschiedlichen Laufzeiten an, und fast immer bedeuten die kürzeren höhere Monatsbeiträge. „Wir raten trotzdem, zumindest mit einer kürzeren Laufzeit anzufangen“ rät die Verbraucher-Expertin „Bindet man sich für zwei Jahre und verliert bereits nach 3 Monaten die Lust, verkehrt sich der vermeintlich günstige Monatsbeitrag ins Gegenteil.“

Kündigungsfrist beachten

Da es in den meisten Fällen also nur ein Entrinnen über die reguläre Kündigungsfrist gibt, sollte die unbedingt als Termin vermerkt werden, wenn feststeht, dass die weitere Mitgliedschaft keinen Sinn macht. Vermerkt ist die Frist in den allgemeinen Geschäftsbedingungen des Vertrages, bis zu drei Monate darf sie betragen. Sicherheitshalber sollte die Zustellung quittiert werden – persönlich, durch ein Einschreiben oder auch die Bestätigung des Erhalts per E-Mail. Noch besser für den Körper als für das Konto wäre allerdings, den inneren Schweinehund anzuketten und loszulegen, denn: Sport ist erwiesenermaßen gesund!

Artikel aktualisiert am 22.01.2020

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (23)


Kommentare

H.X.

26.01.2020

Natürlich ist es ein Unding für eine Dienstleistung zu bezahlen, die nicht in Anspruch genommen wird (aus welchen Gründen auch immer).
Die Lösung kann nur sein: keine Verträge mit langen Kündigungsfristen bzw. langen Laufzeiten zu akzeptieren. Wenn dies genug Leute tun wird sich das Angebot der Fitness-Studios auch anpassen. Ein paar wenige tun dies ja schon. Und preislich sind die dann auch nicht teurer!
Also ich denke die Macht liegt hier beim Verbraucher, nur weiß er es nicht.


Markus Simmer

25.01.2020

"Attest vom Hausarzt" - häufig bloß ein Zweizeiler: Das reicht nicht.
Wenn es hart auf hart kommt, also das Studio ausstehende Beiträge einklagt, wird das Gericht ein Sachverständigengutachten einholen. Wenn das Ergebnis dann nicht eindeutig zu Gunsten des Mitglieds ausgeht, kommen neben den offenen Beiträgen die Prozesskosten hinzu, einschl. Gutachterkosten.

Ich vermisse die Darstellung, wenn der Nutzer umzieht. Bleibt er dann an den Vertrag gebunden?


Töppler, Irmtraud

25.01.2020

Die Überschrift des Artikels ist irreführend. So gewinnt man den Eindruck, man könne aus dem Vertrag herauskommen. Das ist so gut wie nie der Fall. Anders aber, wenn man durch das Personal gemobbt wird. Dann kann man nicht auf Saunalandschaft etc. verwiesen werden. So etwas kommt im Krankheitsfall auch vor.


Renate

24.01.2020

Frage an ING

Was ist, wenn das Studio den Beitrag erhöht. Besteht dann ein außerordentliches Kündigungsrecht ?
R.


Wundt Karl Friedrich

24.01.2020

Fitnessstudio sollte man über die Krankenkasse abschließen. Meine KK BKKRuv hat einen Vertrag mit Urban Sports mit 7000 Studios. Keine hohen Abschlussgebühren und kurze Laufzeiten.


ING

24.01.2020

Hallo Zeitsprung, Sie haben recht, die Angabe oben ist missverständlich. Der Artikel ist aus dem März letzten Jahres, er wurde aber am 22.01.20 nochmal aktualisiert. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Fleischbeschau

22.01.2020

nicht umsonst nennt der Volksmund solche "Fitnessstudio" inzwischen sarkastisch nur noch Fleischbeschau. Freizeitsport an der frischen Luft ist real wesentlichen gesünder und kostet auch nichts. Solche "Fitnessstudio" sind doch nur geschlossene Räume zur perfekten Übertragung von Grippe und Co und werden wegen dem Gruppenzwang und weil es "in" ist besucht.


Marie

18.04.2019

Mein Fitnessstudio bietet eine monatliche Kündigungfrist an. Kostet pro Monat nur 25 EUR. Geräte und Kurse inklusive. Das finde ich sehr fair!
... und ich bin nach 6 Monaten immer noch dabei ;o)


Christian Neef

03.04.2019

Fitnesstutio
Ich war vor Jahren auch in so einer Lage, der Vertrag war abgeschlossen, jedoch während der Laufzeit wurden die Gebühren erhöht. Das nahm ich zum Anlaß, den Vertrag zu kündigen.
Leider ohne Erfolg,
Meine Lösung war, den Vertrag auf einen anderen Sportbegeisterten zu übertragen, das klappte, der "Neue" musste nur die Restzeit meines Vertrages akzeptieren.
Fitnesstudos werden rein wirtschaftlich geführt, jeder Vertrag erhöho die Investitionen und diverse Zusagen der Bankenfinanzierung, eben auf die Vertragslaufzeit. Steigen hier Kunden aus den "Karteileichen" ,
aus so mindert das den zugestandenen Bankkredit.
Jedoch deshalb die Bankverbindung bei der ING zu kündigen - stelle ich in Frage.
Fazit: Stellen sie vorher sicher, was sie in den Vertrag Unterschreiben.
-- Notfalls rechtlich über eine Private Rechtsschutzvesicherung überprüfen lassen --


Marlon

26.03.2019

Vertrag ist Vertrag = Kündigungsfristen sind einzuhalten!
Auch die vertraglichen Inhalte, sonst braucht man keine Verträge mehr.


Herbert

25.03.2019

Unglaublich wie schnell sich Leute angegriffen fühlen. Toller Artikel zum Thema Vertrag mit Fitnessstudio.
Eigentlich unschwer zu erkennen dass es hier nicht um Vor. -und Nachteile bei sportlichen Betätigung geht. Kein Grund zur Kündigung vom Konto.


@Helmut Weingarten

25.03.2019

Jammer nicht rum....Zinsen sind überall nicht so gut.
Investiere in Aktien, baue dir ein paar Positionen auf!!!
Zwischen 5 und 10 Positionen, erst mal bis 2.000 Euro, dann weiter hoch. Oder mehr Positionen usw.
Ich hole mir mit Aktien jedes Jahr Dividenden von 2 bis 8 Prozent und dazu Kursgewinne.
Sollte der Kurs wie BASF und SIEMENS mal unten sein - meine Investition gut abzulesen bei DiBa (rot) dann kaufe ich nach...dies erhöht meine Dividendenzahlungen zu niedrigen Einkaufskursen und es besteht tatsächlich die Möglichkeit das die Kurse wieder hoch gehen. BASF z.B. muss erst das niedrig Wasser verkraften und da war noch was...aber wenn das rum ist, schießt die Aktie wieder hoch.
Einfach mal die Chartkurven ansehen, sich überlegen wo einsteigen gut war - VERGANGENHEIT - Zukunft kennt keiner...dann investieren und abwarten und DIVIDENDEN EINSTREICHEN.
Wenn du auf die 1% Zinsen auf dem Extra Konto angewiesen bist, dann bist ein armes Wür******.

Mit lieben Grüßen
Johann


Bernd

22.03.2019

Wie schaut´s denn aus, wenn das Studio plötzlich überall Kameras installiert ohne darauf hinzuweisen?


Astrid Lippmann

22.03.2019

Der Beitrag hält absolut nicht, was er verspricht!!
Mit der Überschrift: " wie sie aus dem Vertrag heraus kommen" ist im Text überhaupt keine Antwort inbegriffen! Es wird lediglich beschrieben, dass man eigentlich nicht aus dem Vertrag heraus kommt!!
Somit ist der Artikel sinnbefreit


werner

22.03.2019

Das Beste ist hierbei , für die ersten Monate ohne Vertrag teilzunehmen . Das geht meistens auch , kostet aber etwas mehr. Dann kann man sehen , wie die eigene "Durchhaltekraft" ist . Hat man regelmäßig teilgenommen und machte es Spaß, kann man einen Vertrag riskieren . Oft sind die Mehrkosten ohne Vertrag gut investiert, wenn man dann doch nicht regelmäßig teilnehmen kann oder will .


G.B.

22.03.2019

Hallo, ich habe trotz fristgerechter Kündigung per Einschreiben mit Rückschein große Schwierigkeiten gehabt, den Vertrag mit dem Fitnessstudio los zu werden. Der Geschäftsführer hat trotz telefonischer Ankündigung das Einschreiben nicht abgeholt; bei versuchter Zustellung war das Studio geschlossen. Ich musste erst mit der Presse drohen.
Mit freundlichen Grüßen
G.B.


ING

22.03.2019

Hallo Ute, mit dem Artikel möchten wir einfach nur diejenigen informieren, die einen Fitnessstudio-Vertrag abgeschlossen haben, aber diesen nicht nutzen (können). Was wir mit diesem Artikel bestimmt nicht möchten, ist zu behaupten, dass Sport schlecht ist - ganz im Gegenteil, wie wir es auch am Ende unseres Artikels schreiben. Sport ist toll, gesund, macht glücklich und ist bei einigen Krankheiten die beste Medizin. Aber wer seinen Fitnessstudio Vertrag nicht nutzt, dem hilft es eben auch nicht, die Beiträge zu zahlen. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Helmut Weingarten

21.03.2019

"Gute Aussichten für alle" ???
Sehr witzig!!!!
Ihre Tipps braucht kein Mensch.
Unter "alle" verstehe ich 1% Zinsen auch für Bestandskunden!!
Mir zinslosen Grüßen. .....pn8


Ute

21.03.2019

Ich finde Ihren Beitrag zu den Fitnessclubs sehr interessant und überlege gerade, meine Konten bei Ihnen aufzulösen.
Ich arbeite seit 15 Jahren in so einem Club. Die Menschen kommen freiwillig zu uns aufgrund verschiedener Motive, sei es gesundheitlich oder um aktiver zu sein etc. Es liest sich alles so, als ob Sport, Bewegung und gesunde Ernährung etwas schlechtes in der Gesellschaft ist. Es ist wirklich unglaublich. Wissen Sie, wie vielen Menschen ich durch Sport helfen konnte die Gesundheit zu verbessern, Operationen zu vermeiden, Medikament abzusetzen? Davon steht hier nichts.
Leider ist Ihre Rechtsberaterin auch nicht auf dem aktuellen Stand was die Kündigungsgründe betrifft. Vielleicht sollte man sich erst einmal informieren, bevor man solche Artikel verfasst.
Ich finde es einfach unglaublich und möchte weiterhin kein Kunde mehr bei Ihrer Bank sein, die solche Dinge forciert.


Norbert

19.03.2019

Jeder Vertrag hat eine Kündigungsfrist und diese ist einzuhalten. Sonst bräuchte man keine Verträge schließen.

Denkt an den Mietvertrag. Da verlangt bei einer Kündigung auch jeder Mieter, dass die Kündigungsfrist eingehalten wird.
Vermiete ich eine Wohnung und habe einen VERTRAG, kann ich den Mieter nicht 5 Tage später rauswerfen und sagen Vertrag ist egal, nur weil mir was nicht passt oder ich jemand anderen rein setzen möchte, der mir vielleicht sicherere Zahlung bietet als der den ich gerade als Mieter habe.

Anders sehe ich es, wenn Versicherungen, Banken, Vermittler von Vermögensanlagen etc. einem nicht alles sagen. Sprich was passieren könnte, wann nicht gezahlt wird etc. und dies alles nur in den Verträgen steht und man unterschreibt den Vertrag oder Beiwerke gelesen zu haben.
Denn wer kann und will das wirklich klein gedruckte lesen? Das ist einfach zu viel und teilweise auch zu rechtlich.
Man darf ja ohne Fachanwalt schon gar nichts mehr selber unterschreiben, weil man überall beschnitten, eingeschränkt und verar*** wird.

Aber Vereinbarungen und Verträge sind einzuhalten...sonst wankt das ganze System.


wieka

19.03.2019

@ip
Sie haben meine Gedanken zu diesem Artikel gut zusammengefasst.


nnn

18.03.2019

Fitneßstudios sind Betrüger. Dies ist keine Verleumdung. Ich kenne mehrere Fitneßstudios, die wegen Betruges und unlauteren Wettbewerbs rechtskräftig verurteilt worden sind. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Mehr steht ja auch nicht im Artikel.


ip

18.03.2019

Clickbait-Artikelüberschrift: "So kommen Sie raus"
Inhaltliche Zusammenfassung "Kündigungsfrist beachten, ansonsten keine neuartigen Erkenntnisse"
Diese Lebenszeit bekomme ich nicht zurück :(
"Danke"