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Wie finde ich den richtigen Fonds für mich? | 24.04.2020

Rezession vor der Tür?

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Die Auswahl ist riesig: Allein in Deutschland werden mehrere Tausend Fonds angeboten. Wer darunter den passenden finden will, muss bestimmte Informationen sammeln – und eine Strategie haben. Das sind die wichtigsten Grundlagen.

Wer über eine Geldanlage in Fonds nachdenkt, sollte sich vor der Entscheidung über passende Fondstypen oder Einzelfonds grundsätzlich folgende Fragen stellen:

  • Welches Ziel verfolge ich mit der Geldanlage?
  • Welches Risiko kann und will ich tragen?
  • Wie lange kann ich auf das investierte Geld verzichten?

Ziel und Anlagehorizont stellen die Basis für die Fondsauswahl

Ausgangspunkt jeder Anlageentscheidung sollte das selbst definierte Ziel für ein Investment sein. Will ich Geld für fünf Jahre parken, weil ich dann einen Immobilienkauf plane? Oder stehe ich am Anfang meiner Berufskarriere und möchte eine private Altersabsicherung aufbauen, von der ich in 30 oder 40 Jahren teilweise leben möchte? Die Antworten auf diese Fragen bilden die Basis für das Risikoprofil einer Geldanlage.

Grundsätzlich gilt: Je länger ich investiert bin, umso höher kann zunächst das Risiko sein. Verliert ein Investment an Wert, kann der Verlust über längere Zeiträume einfacher ausgeglichen werden als in nur wenigen Jahren.

Welcher Risikotyp bin ich?

Zusätzlich zum Anlagehorizont sollte die eigene Risikoneigung zu den ausgewählten Fonds passen. Wem bei einem Minus des DAX von 0,5% innerhalb einer Woche schon der Angstschweiß auf der Stirn steht, für den sind Aktienfonds vielleicht nichts. Wer hingegen bereits Börsendesaster erlebt und einen langen Anlagehorizont hat, wird eher auf Fonds mit Dividendentiteln setzen.

Konkret bedeutet das: Wer über einen langen Zeitraum in Fonds investiert sein und wer ein höheres Risiko eingehen will, kann den Anteil von Aktienfonds relativ hochhalten. Wer hingegen plant, Geld nur für einige Jahre zu parken und eher risikoavers ist, könnte mit Rentenpapieren besser bedient sein. Und wer sich als Anleger zwischen diesen beiden Polen sieht, für den sind möglicherweise Mischfonds eine Option.

Neben dem eigenen Risikoprofil auf das Marktrisiko achten

Eigentlich ist es eine Binsenweisheit: Wer Geld anlegt, sollte die Risiken möglichst breit streuen. Das bedeutet auch, nicht das ganze Geld in einen einzigen Fonds zu investieren. Allerdings sollte die Mischung insgesamt stimmen. Das gilt nicht nur für die Wahl unterschiedlicher Fondstypen wie Aktien-, Renten-, Geldmarkt- oder Immobilienfonds, sondern auch für die Geldanlage in Fonds unterschiedlicher Länder oder Regionen.

Ein Beispiel: Private Investoren neigen dazu, vorwiegend in Titel zu investieren, die ihren Heimatmarkt abbilden. Die Fondsdepots deutscher Anleger zeichnen daher eher den DAX, also deutsche Wertpapiere, als den weltweiten Aktienmarkt nach. Und das kann Folgen haben: Wer ausschließlich auf die 30 Titel des DAX setzt, geht ein höheres Risiko ein, als wenn er sein Geld in einen weltweit investierten Fonds mit 1.600 Aktien steckt. Stürzt ein DAX-Titel an der Börse ab, sind die Folgen für einen reinen DAX-Fonds höher als für einen mit globalem Anlagefokus.

Die Kosten im Blick haben

Neben den genannten Risikoaspekten sollten Anleger bei ihrer Entscheidung die Kosten eines Fonds berücksichtigen. Sie sind einer der wichtigsten Faktoren für den Erfolg eines Investments. Dazu gehört ein möglichst niedriger Ausgabeaufschlag, der schon mal 5% des investierten Geldes ausmachen kann. Zudem gibt es erhebliche Unterschiede bei den jährlichen Verwaltungskosten eines Fonds. Ein Vergleichsmaßstab kann dafür die sogenannte Total Expense Ratio (TER – Gesamtkostenquote) sein. Jeder Anbieter muss die TER ausweisen. Darin sind Aufwendungen beispielsweise für die Depotbank, Anlegerinformationen oder die Fondsverwaltung enthalten. Anleger finden diese Informationen im jeweiligen Wertpapierprospekt – oft auch digital bei den Fondsanbietern. Auch die Depotgebühren und Handelsentgelte können je nach Anbieter sehr variieren und sollten daher in den Blick genommen werden.

Worauf Sie bei der Fondsauswahl im Detail achten sollten

Sind die grundsätzlichen Entscheidungen für die Fondsauswahl getroffen, geht es um die Wahl der einzelnen Investments. Auf folgende Kriterien sollten Sie achten:

  • Rating: Neben Agenturen wie Standard & Poor’s oder Fitch, die einzelne Aktien bewerten, werden auch Fonds per Rating bewertet. Bekanntester Anbieter ist Morningstar mit mehr als 50.000 untersuchten Fonds. Auch die Stiftung Warentest bietet eine umfangreiche Datenbank mit Fondsratings. Ein gutes Rating sollte aber nie allein entscheidend für eine Geldanlage sein.
  • Performance: Hat ein Fonds in der Vergangenheit sehr gut performt, ist das kein Garant für die Zukunft. Fonds, die aber seit Jahren immer wieder schlecht abschneiden, werden womöglich auch in Zukunft eher nicht zu den Gewinnern gehören. Ein Blick in die Vergangenheit gibt außerdem darüber Auskunft, wie Fonds in vergangenen Krisen abschnitten.
  • Risikokennziffern: Um das Risiko eines Fonds zu bewerten, sollten Anleger auf unterschiedliche Kennziffern achten. Dazu gehört die Volatilität. Sie gibt die Wertschwankung eines Investments an. Es macht einen Unterschied, ob der Kurs sich um 10 oder 30% bewegen kann. Bereits erlittene Maximalverluste können eine weitere Messlatte sein, ob ein Fonds zum eigenen Risikoprofil passt. Wer ganz tief in die Materie einsteigen will, kann sich mit der Sharpe Ratio beschäftigen. Sie ist ein Wert, der für einen Fonds die Überrendite gegenüber dem risikofreien Zinssatz ins Verhältnis zur Volatilität setzt.
  • Volumen: Wie viel Geld Anleger bereits in einen Fonds investiert haben, zeigt, dass schon einige Investoren dem Fondsmanagement vertrauen. Dies sollte aber nicht dazu führen, einen Fonds weitgehend ungeprüft in sein Portfolio aufzunehmen. Denn auch an den Finanzmärkten ist mitunter ein ausgeprägter Herdentrieb zu beobachten, der nicht immer rationalen Gründen folgt.
  • Apropos Management: Wichtig für den Erfolg eines Fonds ist das richtige Management. Wurde es in der Vergangenheit oft gewechselt, spricht das nicht für eine überzeugende Performance. Die Ratingagentur Morningstar hat herausgefunden, dass es zudem einen deutlichen Unterschied macht, ob die Fondsmanager ihr eigenes Geld in ihr Anlagevehikel stecken oder nicht. Ein Fonds mit Managementgeldern performt besser als einer ohne. Allerdings weisen erst wenige Fonds dieses Detail aus.

Ist der richtige Fonds gefunden, heißt es: Ruhe bewahren

Selbst erhebliche Kursschwankungen lassen sich bei Fondsinvestments niemals ausschließen. Wer jedoch eine wohlüberlegte Anlageentscheidung trifft und damit einen für sich passenden Fonds findet, kann in der Regel ruhig mit seiner Geldanlage leben. Die eigene Anlagestrategie und die jeweilige Fonds-Performance gehören dennoch immer wieder auf den Prüfstand.

Autor: ING-DiBa AG


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