Grundlagen der technischen Analyse

So erkennen Sie Trendwenden! | 09.05.2019

Paar beim Onlineshopping

© Sergey Nivens - Fotolia

„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“, dieser Satz wird nicht nur in der multimedialen Welt von heute täglich aufs Neue bestätigt. Er taugt zugleich als Credo der technischen Analyse. Das angesprochene Bild ist in diesem Fall der Chart. Dabei handelt es sich um die grafische Darstellung der Kursnotierung eines Wertpapiers, beispielsweise einer Aktie, innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Die technische Analyse geht davon aus, dass sich Kursnotierungen in Trends bewegen und alle aktuell verfügbaren Informationen zu einem Wertpapier bereits in dessen Börsenkurs enthalten sind, sich also im Chart widerspiegeln.

Zwar ist die historische Wertentwicklung kein zuverlässiger Indikator für die künftige Entwicklung. Jedoch geht die technische Analyse davon aus, dass Marktteilnehmer in vergleichbaren Situationen ähnlich handeln. Und dieses Handeln hinterlässt zuweilen bestimmte Kursmuster im Chart. Aus solchen Mustern versucht die technische Analyse, Prognosen bzw. Szenarien für eine mögliche künftige Kursentwicklung abzuleiten. Die klassische Charttechnik als ein Teilgebiet der technischen Analyse kennt zahlreiche Chartformationen, die auf eine mögliche Fortsetzung oder eine Wende eines bestehenden Trends hindeuten. Voraussetzung dieser Formationen ist dabei, dass ein Trend vorliegt, der sich fortsetzen oder umkehren kann. Dabei wird von einem Aufwärtstrend ausgegangen, wenn die Kursnotierung eine Serie steigender Hoch- und Tiefpunkte ausbildet. Bildet die Kursnotierung eine Reihe fallender Hoch- und Tiefpunkte aus, liegt ein Abwärtstrend vor.

Anzeichen für Trendwende

Trendwendeformationen können Hinweise auf einen bevorstehenden Wechsel der Trendrichtung geben. Zu den bekanntesten Formationen zählen das Doppeltop und die Schulter-Kopf-Schulter-Formation (SKS-Formation). Hierbei handelt es sich um obere Umkehrformationen, die im Anschluss an die Trendwende fallende Kursnotierungen erwarten lassen. Ihre Gegenstücke bilden die unteren Umkehrformationen in Gestalt des doppelten Bodens sowie der inversen SKS-Formation, die im Anschluss an die Trendwende steigende Kursnotierungen erwarten lassen.

Doppeltop und doppelter Boden besitzen folgende Voraussetzungen:

  • Ein vorausgehender längerer Kursaufschwung/-abschwung.
  • Die Ausbildung eines Hoch-/Tiefpunktes mit anschließender Gegenbewegung und der Ausbildung eines Zwischentiefs/-hochs.
  • Danach Ausbildung einer zweiten Kursspitze, die etwa das Niveau des vorherigen Hoch-/Tiefpunktes erreicht und der eine erneute Bewegung in die Gegenrichtung folgt.
  • Bei einem Doppeltop sollten die Umsätze während der Ausbildung der zweiten Kursspitze idealerweise abnehmen, bei einem doppelten Boden zunehmen.
  • Mit dem Rückfall unter das letzte Zwischentief bzw. dem Anstieg über das letzte Zwischenhoch kommt es zum Bruch der sogenannten Nackenlinie, wodurch die Formation vollendet wird. Dabei sollte ein Anstieg der Umsätze zu beobachten sein.
  • Der Bruch einer Trendlinie oder der Schnitt mit einem gleitenden Durchschnitt (z.B. einfacher gleitender Durchschnittskurs der letzten 200 Tage) wirken als zusätzliche Bestätigung der Trendwende.
Beispiel eines doppelten Bodens
Beispiel eines doppelten Bodens

Für das Vorliegen einer SKS-Formation und einer inversen SKS-Formation müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Ein vorausgehender längerer Kursaufschwung/-abschwung.
  • Die Ausbildung eines Hoch-/Tiefpunktes (linke Schulter) mit anschließender Gegenbewegung und der Ausbildung eines Zwischentiefs/-hochs.
  • Daraufhin markiert die Kursnotierung ein neues Hoch/Tief (Kopf), ehe es wieder zu einer Gegenbewegung kommt.
  • Ausgehend vom Niveau des letzten Zwischentiefs/-hochs erfolgt die Ausbildung einer weiteren Kursspitze (rechte Schulter). Diese sollte sich in etwas auf dem Niveau der linken Schulter befinden.
  • Die Umsätze sollten während der Ausbildung der SKS-Formation sukzessive zurückgehen, bei der inversen SKS-Formation hingegen sukzessive zunehmen.
  • Der Durchbruch unter die beide Zwischentiefs/-hochs verbindende Nackenlinie vollendet die Formation. Dabei sollten die Umsätze ansteigen.
  • Der Bruch einer Trendlinie oder der Schnitt mit einem gleitenden Durchschnitt wirken als zusätzliche Bestätigung der Trendwende.
Beispiel einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation
Beispiel einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation

Bestimmen von Kurszielen

Für Anleger kann das Wissen über Trendwendeformationen sehr nützlich sein. Denn wer eine Wendeformation frühzeitig erkennt, kann frühzeitig in einen neuen Trend einsteigen. Allerdings gibt es keine Garantie dafür, dass sich ein neuer Trend etabliert. Zudem besteht das Risiko, dass die Formation versagt. Daher sollte stets eine erfolgreiche Vollendung der Formation (Anstieg über die Nackenlinie) abgewartet werden, bevor eine Handelsentscheidung getroffen wird, ganz gleich wie verlockend der Gedanke eines früheren Einstiegs auch sein mag.

Darüber hinaus ermöglichen die genannten Formationen die Ableitung eines Kursziels, in dessen Richtung sich die Kursnotierung nach Vollendung der Formation bewegen sollte. Die Methode zur Bestimmung des Kursziels ist bei allen vier Formationen identisch: Man berechnet die Distanz zwischen Top/Tief bzw. Kopf und Nackenlinie und trägt diese an dem Punkt, an dem die Nackenlinie durchbrochen wurde, in die jeweilige Ausbruchsrichtung ab.

Autor: ING-DiBa AG


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