Job & Digitalisierung

Digital fit: Auch jenseits der 50 im Job durchstarten | 02.11.2020

Geld, das von Himmel fällt?

Lebenslanges Lernen macht sich bezahlt. Wer sich auch noch jenseits der 50 fortbildet und etwa mit der zunehmenden Digitalisierung Schritt hält, kann sich für verantwortungsvollere Aufgaben qualifizieren. Nicht selten winkt ein höheres Gehalt.

Arbeitgeberwechsel, Beförderung, neue Aufgaben – wer jenseits der 50 ist, hat im Berufsalltag oft schon einiges erlebt. Und nun? Gemächlich vor sich hinarbeiten bis zur Rente oder noch einmal mit Power durchstarten? Selbst wenn beides eine Option ist: Es lohnt sich, für Neues in der vertrauten Arbeitsumgebung offen zu bleiben. „Dazu gehört auch, die immer mehr zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt als eine Herausforderung anzunehmen und sich ihr zu stellen“, sagt Nina Brandau vom Digitalverband Bitkom in Berlin. Wer als älterer Arbeitnehmer Digitalisierung als neumodischen Schnickschnack abtut und sich damit nicht befasst, verharrt im Stillstand. Das bringt den Betrieb nicht weiter – und einen selbst nicht. Also besser:

  • Interesse zeigen und aufgeschlossen sein in Sachen Digitalisierung,
  • sich von technikaffinen Kollegen einweisen lassen und
  • Fortbildungen besuchen.

Wissenstransfer sicherstellen

Wer sich als älterer Arbeitnehmer mit seinen Berufserfahrungen in die Digitalisierung von Betriebsabläufen einbringt, kann Wertschätzung von Kollegen und Vorgesetzten ernten. „Damit stellen sie auch den Wissenstransfer sicher“, erklärt Christian Ludwig von der Bundesagentur für Arbeit. Aber oft sind erst einmal Fortbildungen nötig. Im Idealfall sind diese individuell ausgerichtet und erfolgen regelmäßig. Davon profitieren sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber:

  • Die Lernfähigkeit verkümmert nicht, Beschäftigte bleiben geistig flexibel.
  • Mit einer Weiterbildung lassen sich neben fachlichen Qualifikationen und Digitalkompetenzen auch Fähigkeiten wie interkulturelle Kompetenz, Rhetorik oder Konfliktmanagement schulen.
  • Auch Unternehmen profitieren in Zeiten des sich verschärfenden Fachkräftemangels von engagierten Mitarbeitern, die Kenntnisse und Qualifikationen auf den neuen Stand bringen.

Mehr Geld nach Weiterbildung

Für den Beschäftigten ebenfalls von Vorteil: Eine Weiterbildung steigert fast immer die Gehaltshöhe. Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft führt eine Weiterbildung in der zweiten Lebenshälfte dazu, dass Frauen einen prozentual höheren Lohn von 6,5% verbuchen können, während es bei Männern 3,9% sind. Anbieter von Fortbildungen werben damit, dass - je nach Branche und Position - bis zu 25 Prozent mehr Gehalt nach einer Fortbildung möglich sind. Wer eine Weiterbildung erfolgreich absolviert hat, hat in jedem Fall ein gutes Argument bei Gehaltsverhandlungen.

Seminar oder Mentoren-Pärchen

In Sachen Weiterbildung gibt es viele Möglichkeiten.

  • Die klassische Variante von Weiterbildung: Lehrgänge oder Seminare. Kammern, Berufsverbände und private Träger bieten sie an. Auf dem Markt sind auch sogenannte Anpassungsweiterbildungen. „Autonomes Fahren etwa, Kurse für CNC-Fräsen oder Bildbearbeitungsprogramme“, sagt Ludwig.
  • Oft ist es auch möglich, „on the job“ zu lernen. Bei dieser Variante lassen sich Arbeitnehmer zum Beispiel online in Aufgaben einweisen. Das Wissen, das sie sich dabei angeeignet haben, wenden sie dann gleich in der Praxis an.
  • Eine andere Option: Mentoren-Pärchen. «Dabei steht ein Mitarbeiter einem älteren Kollegen zur Seite und hilft bei Fragen“, erläutert Brandau.

Weiterbildung ja – aber wann?

Vielen ist nicht klar, wann überhaupt der richtige Zeitpunkt für eine Weiterbildung ist. Im Prinzip erkennen sie das leicht im Alltag. Ein Beispiel: Ein Unternehmen stattet seine Computer mit neuen EDV-Programmen aus, ein Beschäftigter soll nun Bilder von der Belegschaft erstellen, bearbeiten und im Intranet veröffentlichen. Klappt das? „Spätestens, wenn Menschen merken, dass sie eine neue, vielleicht noch unbekannte digitale Welt betreten, ist der richtige Zeitpunkt, sich um eine Weiterbildung zu kümmern“, sagt Ludwig.
 
Wer als ältere Arbeitnehmer merkt, dass es im Job-Alltag hakt, sollte dies kommunizieren. Dann gilt es, gemeinsam mit dem Vorgesetzten Strategien für eine Weiterbildung zu entwickeln. „Investition in Bildung lohnt sich immer“, betont Ludwig.

Autor: ING


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Kommentare (1)


Kommentare

Christoph Meister

16.11.2020

"Ein jüngerer Kollege steht einem älteren zur Seite und hilft bei Fragen" - wie süß:-D! Letzterer muss dann wohl ein 90-jähriger sein - und der jüngere ist ca. 50...
"Bilder von der Belegschaft erstellen, bearbeiten und im Intranet veröffentlichen" - das ist offenbar eine typische Aufgabe im Berufsleben? Und dafür benötigt man enorme digitale Kenntnisse?
Wie Sie sich denken können, bin ich Anfang 50 und - zugegeben - nicht der größte Digitalexperte. Jedoch erlebe ich eher das Gegenteil, nämlich dass Jüngere nicht in der Lage sind, eine Datei zu schicken, mit einer Cloud umzugehen, ein ordentliches Schriftstück zu entwerfen... Wenn ich mit irgendeinem neuen Programm etwas tun soll, befasse ich mich halt damit, dafür brauche ich keinen Lehrgang.
Weiterbildung im Beruf (fachlich!) ist das A und O!