Mehr als ein Minijob

Was für einen Midijob spricht | 19.06.2019

Midijob

Wer zwischen 450,01 Euro und 1.300 Euro im Monat verdient, gilt als Midijobber. Ein solches Beschäftigungsmodell bietet viele Vorteile für Arbeitnehmer. Minijobs und ihre Vorzüge kennt fast jeder. Bei Midijobs sieht es anders aus. Viele Geringverdiener wissen nicht, dass ein Midijob für sie attraktiv ist.

Das ist ein Minijob

Bei einem Minijob liegt das Einkommen bei maximal 450 Euro im Monat oder 5.400 Euro im Jahr. Steuern fallen für den Arbeitnehmer nicht an, wenn der Arbeitgeber den Lohn pauschal versteuert. Die Tätigkeit des Minijobbers ist rentenversicherungspflichtig. Er kann sich jedoch von seinem Beitragsanteil zur gesetzlichen Rentenversicherung in Höhe von 3,6% befreien lassen.

So unterscheidet sich der Midijob

Wer regelmäßig mehr als 450 Euro im Monat verdient, gehört zu den Midijobbern. Der Begriff „Midi“ deutet es an: Es handelt sich um ein Beschäftigungsverhältnis „in der Mitte“ zwischen einem Minijob und einer Arbeit mit Sozialabgaben in voller Höhe. Arbeitnehmer mit einem Midijob verdienen regelmäßig zwischen 450,01 Euro und 1.300 Euro im Monat. Dieser Spielraum hieß bis Ende Juni 2019 „Gleitzone“, die monatliche Verdienstobergrenze lag bei 850 Euro. Ab Juli 2019 wird sie „Übergangsbereich“ genannt, mit einer monatlichen Verdienstobergrenze von 1.300 Euro.

Zu den Vorteilen eines Midijobs zählen:

  • Der Arbeitgeber führt weniger Sozialabgaben ab. Erst ab 1.300,01 Euro sind rund 20% des Bruttoentgelts an die Sozialversicherung abzuführen. Midijobber erwerben seit Juli 2019 volle Rentenansprüche.
  • Weil Midijobber weniger Sozialversicherungsbeiträge zahlen, haben sie mehr Geld in der Tasche.
  • Auch steuerlich ist ein Midijob als Niedriglohnjob vorteilhaft.

3,5 Millionen Midijobber in Deutschland

Midijobber arbeiten beispielsweise im Einzelhandel, in der Gastronomie oder im Pflegesektor. Durch die erhöhte monatliche Verdienstgrenze zählen ab Juli mehr Personen zu den Midijobbern. Ihre Zahl hat sich nach Angaben der Bundesregierung von 1,3 auf aktuell 3,5 Millionen Beschäftigte erhöht.
 
Übrigens: Ein Anstellungsverhältnis gilt automatisch als Midijob, sobald das Einkommen auf 1.300 Euro im Monat sinkt. Sie als Arbeitnehmer müssen nichts tun.

Das ist der „Übergangsbereich“

Im Übergangsbereich zwischen Minijob und einer Arbeit mit Sozialabgaben in voller Höhe sind für die Midijobber die Sozialversicherungsbeiträge reduziert. Eine Formel sorgt dafür, dass die Beiträge vor allem im unteren Übergangsbereich niedrig sind. Mit steigendem Verdienst im Midijob passen sich die Sozialversicherungsbeiträge den allgemeinen Beitragssätzen an. Das bedeutet: Bei einem Einkommen von 1.300,01 Euro ist das reguläre Niveau erreicht.

Was Midijobber in Sachen Steuern beachten müssen:

  • In den Steuerklassen I und IV fallen erst ab einem Verdienst von 1.060 Euro Steuern an.
  • In Steuerklasse II zahlt ein Midijobber mit einem Kind bei einem monatlichen Bruttoverdienst von 1.300 Euro etwa 6% Lohnsteuer. Abgaben fallen hier ab einem Einkommen von rund 1.250 Euro an. Wer sich den Zuschlag zum Entlastungsbetrag für Alleinerziehende für ein zweites Kind eintragen lässt, zahlt bei einem Midijob keine Steuern.
  • Midijobber in der Steuerklasse III zahlen gar keine Steuern.
  • In den Steuerklassen V und VI sind Abgaben zu zahlen. Wer beispielsweise einen Midijob neben einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit ausüben will, kommt für den Midijob in die Steuerklasse VI. In dem Fall sind die vollen Sozialversicherungsbeiträge fällig.
  • Rentner mit einem Midijob zahlen keine Beiträge zur Arbeitslosen- und Rentenversicherung. Vom Mehrverdienst zahlen sie Beiträge für die Krankenkasse. Abhängig von der Höhe des Gesamteinkommens aus Rente und Midijob fallen Steuern an. „Der Fiskus langt zu, wenn das Einkommen den Grundfreibetrag von 9.168 Euro überschreitet“, sagt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Bundesverbands Lohnsteuerhilfevereine e.V.

Das ist bei einem Midijob sonst noch wichtig:

  • Für die Einordnung als Midijob spielt es keine Rolle, wie viele Stunden Sie wöchentlich oder monatlich arbeiten. Ob eine Tätigkeit ein Midijob ist, hängt ausschließlich vom monatlichen Gehalt ab.
  • Bei einem Midijob ist ein gelegentliches Unter- oder Überschreiten der monatlichen Grenzen von 450,01 beziehungsweise 1.300 Euro möglich. Damit Sie in den Genuss der geringen Sozialabgaben kommen, dürfen Sie monatlich im Durchschnitt nicht mehr als 1.300 Euro verdienen.
  • Weihnachts- oder Urlaubsgeld können die monatliche Grenze von 1.300 Euro überschreiten. Ist dies der Fall, müssen Sie für den gesamten Verdienst die hohen Abgaben eines voll sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisses zahlen. Ihr Arbeitgeber rechnet sogenannte geldwerte Vorteile, zum Beispiel Geld für die Betreuung Ihres Kindes, nicht auf Ihr Einkommen an, wie Rauhöft erklärt.
  • Wer will, kann neben dem Midijob zusätzlich in einem Minijob arbeiten. Der Midijob zählt wie eine sozialversicherungspflichtige Haupttätigkeit, der Minijob ist in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung abgabenfrei, in der Rentenversicherung nur auf Antrag.
  • Mehrere Jobs der gleichen Kategorie addieren sich auf. Zwei einzelne Midijobs dürfen in der Summe die Grenze von 1.300 Euro monatlich nicht überschreiten.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (19)


Kommentare

Gudrun

30.06.2019

Na ja, der Midi-Job lohnt sich auf die Dauer. Zuerst ist es ganz schön frustig, wenn die 450€, die man bisher steuerfrei verdient hat, nun plötzlich zu versteuern sind. Die Minijobs sind eine Art Falle: da arbeitet man um die Hälfte mehr und bekommt nur ein Viertel mehr Geld. Das frustet. Aber auf die Dauer bringt es trotzdem mehr, auch mehr Ansprüche auf Rente und Arbeitslosengeld.


Michael

29.06.2019

Ich kann dieses rumgejammer das die Ing zu teuer ist nicht mehr hören.
Die Ing gehört mit Sicherheit zu den günstigsten in Europa, und wenn dann mal eine Dienstleistung etwas Geld kostet gehen die Leute ab wie eine Rakete.
Typische deutsche Geiz ist Geil Mentalität..


Für Midijobber interessant

26.06.2019

Vielleicht ist die Frage nach einem "kostenlosen" Konto gerade für Midijobber interessant. Ich bin zwar keiner, aber ich stelle es mir schwierig vor, mit dem Gehalt eines Midijobbers für ein "kostenloses" Konto ein Zwangshandy zu finanzieren.


Johann

24.06.2019

Danke ING für den Artikel.
Einen Zweitjob anzunehmen, als Single der unterhaltspflichte Kinder oder/ und Frau hat, ist bisher noch kein Gesetz in diesem Lande.
Lohnen täte sich das, wie bereits angemerkt ohnehin nicht, für den der bezahlen soll. Da der angesprochene Midi leider nicht in Frage kommt und er auf Lohnsteuerklasse IV. horrende Abzüge hätte.
Ergo besser auf Sparflamme kochen sowie jobben.
Ps. Die ING hat die EU-Richtlinie PSD2 nicht gemacht noch gefordert, sie muss sie eben umsetzen, wie alle Banken, ob uns das passt oder nicht.
Doch jedes Thema damit zu belegen, dass hilft doch auch niemandem.
Ich war jetzt auch dabei, einmalig und Sorry dafür.


ING

24.06.2019

Hallo Susanne, die Zahlen beziehen sich auf Brutto Beträge. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Roland Hagemann

23.06.2019

Prima - sehr informativ!


Susanne

22.06.2019

Ich möchte wissen, ob sich diese Zahlen auf Brutto, oder Nettobeträge richten.
Danke für eine Antwort


@SchwachSINN von Joe

22.06.2019

Na, wenn dir ein Teilzeitjob reicht und du damit über die Runden kommst, um so besser. Die meisten Arbeitnehmer, die ich kenne, arbeiten Vollzeit. Was ist daran schwachsinnig?


mhergh

21.06.2019

exzellenter Artikel. Ich kenne mich ziemlich gut aus mit diese Materie, die Neuregelung ab Juli 2019 war mir aber neu.

Herzlichen Dank für den Beitrag ING!


SchwachSINN

21.06.2019

"Und wenn man schon alleine wohnt und eine Wohnung bezahlt, sollte man wenigstens Vollzeit arbeiten gehen." Das dämlichste was ich je gehört habe...Es gibt nichts dümmeres, als vollzeiz arbeiten zu gehen (als arbeitnehmer). Wenns nicht reicht dann muss man eben zusehen ;)


ING

21.06.2019

Hallo Hallo ING, sowohl die Banking to go App als auch die Nutzung des mTAN-Verfahrens sind für unsere Kunden kostenfrei. Bei der Anschaffung eines Mobil- oder Smartphone können wir allerdings leider nicht behilflich sein. Alternative wäre in diesem Fall nur unser TAN-Generator, der allerdings einmalig 32 Euro Kosten wird. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


@Joe

21.06.2019

Na dann versuche mal sitzend im Rollstuhl wegen chronischer MS einen Vollzeitjob zu bekommen. Abgesehen davon, dass man mit der Krankheit (CMS, nicht bloß MS !) täglich keine 8 Stunden arbeiten kann.


Hallo ING

20.06.2019

Wo gibt es die kostenlosen Geraete mit denen eine "kostenlose Banking to go App" und ein "mTAN-Verfahren" nutzbar sind?

Danke schon mal fuer die Antwort


Alexander

20.06.2019

Wenn ich das richtig verstanden habe, bringt der Midijob eigentlich nur Geringverdienern Vorteile. Und von dem Einkommen kann man - zumindest als Single nicht wirklich leben. Hat man einen Vollzeitjob und würde gerne einen weiteren Job machen, bei dem man über dem Minijob liegt, unterliegt man sowohl der vollen Sozialversicherungspflicht als auch der vollen Steuer, die wegen LSt-Klasse VI sehr hoch ist. Wer also z.B. für Kinder Unterhalt zahlen und deshalb einen Zweitjob machen muss, hat keinerlei Vorteile mit einem Midijob. Ganz im Gegenteil wird er mit einem höheren Steuersatz auf das Gesamteinkommen bestraft.


bei Midijobbern die Rentner sind...

20.06.2019

wird das Gehalt aber zu der Rente hinzugerechnet und somit voll versteuert da es ein Einkommen ist. Da spielt das "Midi" und steuerfrei dann keine Rolle mehr!


Joe

20.06.2019

Nein, davon kann man nicht leben. Muss man aber auch nicht. Ein Midijob ist generell nur ein Zuverdienst. Und wenn man schon alleine wohnt und eine Wohnung bezahlt, sollte man wenigstens Vollzeit arbeiten gehen.


ING

20.06.2019

Hallo Kostenloses Girokonto?, alternativ zu unserem photoTAN-Generator, dessen Anschaffungskosten wir an die Kunden weitergeben, bieten wir unsere kostenlose Banking to go App sowie das kostenlose mTAN-Verfahren an. Schauen Sie sich diese beiden Verfahren gerne einmal an. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Davon kann man überleben?

20.06.2019

Wenn man schon monatlich 720 Euro Warmmiete für eine 2 Raum Wohnung mit 64 Quadratmetern zahlen muss?


Kostenloses Girokonto?

19.06.2019

Bitte an die Werbung zum "kostenlosen" Girokonto einen fetten Stern machen, solange TAN-Generatoren bezahlt werden müssen. Und wer weiß, wo noch Kosten versteckt sind ...