Auf die Feinheiten kommt es an

Welche Vorzüge besitzen Vorzugsaktien? | 25.02.2019

Vorzugsaktien

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Die meisten Aktiengesellschaften in Deutschland geben Stammaktien aus. Bei einigen Unternehmen steht der Kleinanleger aber vor der Wahl: Soll er Stamm- oder Vorzugsaktien kaufen? Grundsätzlich sind beide Aktiengattungen für Privatanleger interessant. Es gilt die Vor- und Nachteile genau abzuwägen.

Neben Stammaktien als dominierende Aktiengattung im deutschen Börsenwesen nutzen vor allem klassische Familienunternehmen, darunter Henkel, Volkswagen, BMW, Sixt, Jungheinrich oder Drägerwerk, häufig Vorzugsaktien, um ihr Eigenkapital aufzustocken, ohne den Aktionären Mitspracherechte einräumen zu müssen. Dadurch bleiben die Stammaktien dieser Firmen fest in der Hand der Gründerfamilien oder anderer Großaktionäre. Vorzugs- und Stammaktien repräsentieren zwar die gleichen Anteile an einem Unternehmen, weisen aber einige grundlegende Unterschiede auf.

Vorzüge bieten eine höhere Dividende…

Beide Aktiengattungen – im Börsenhandel auch kurz Vorzüge oder Stämme genannt – verfügen über eigene Wertpapierkennnummern (WKN). Im Börsenindex werden sie durch die Abkürzungen Vz und St gekennzeichnet. In der Regel können Anleger Vorzugsaktien bei normal laufenden Geschäften günstiger erwerben als Stammaktien.

Inhaber von Vorzugsaktien werden bei der Zahlung der Dividende bevorzugt. Der Vorzug kann insbesondere ein auf die Aktie vorweg entfallender Gewinnanteil (Vorabdividende) oder ein höherer Gewinnanteil (Mehrdividende) als Stammaktionär sein.

...dafür aber weniger Mitsprache

Wird wegen schlecht laufender Geschäfte die Dividende für Stammaktionäre gestrichen, haben Vorzugsaktionäre dennoch einen gesetzlichen Anspruch auf eine kleine Ausschüttung. Fehlen dem Unternehmen die Mittel dafür, kann die garantierte Dividende auch nachgezahlt oder die Vorzugsaktie vorübergehend mit einem Stimmrecht versehen werden, bis die zugesicherte Dividende gezahlt werden kann.

Mit Ausnahme des Stimmrechts sind Vorzugsaktien mit den gleichen Rechten ausgestattet wie Stammaktien. Demnach dürfen Inhaber beider Aktiengattungen Hauptversammlungen besuchen, dort an das Rednerpult treten und das Wort zur Tagesordnung ergreifen sowie sachbezogene Fragen stellen. Mitbestimmen, ob Vorstand und Aufsichtsrat entlastet werden, wie hoch die Dividende ausfallen oder welche strategische Zukunftsentscheidung umgesetzt werden soll, dürfen indes nur die Stammaktionäre.

Stammaktien bieten mitunter höhere Renditen

Die Kursentwicklung von Vorzügen oder Stämmen kann bisweilen recht unterschiedlich verlaufen. Vor Übernahmen oder außergewöhnlichen Ereignissen wie wichtigen Gerichtsentscheidungen kann es dazu kommen, dass Investoren verstärkt die Stammaktien des Unternehmens kaufen, um sich die Macht oder Mitsprache im Betrieb zu sichern. Der Kurs der Stämme kann dann zumindest zeitweise deutlich höher steigen als der der Vorzugsaktien. Daher lohnt es sich, die aktuelle Geschäftssituation von Unternehmen im Blick zu behalten.

Interessant werden Vorzugsaktien für Anleger zum Beispiel, wenn diese es anstelle der Stammaktien in einen Börsenindex schaffen. Fonds kaufen bevorzugt Aktien aus dem Index, den sie nachbilden.

Attraktive Umtauschprämien möglich

Einige Unternehmen bereiten sich mit einer Aktienverschmelzung auf die Aufnahme in einen Index oder für eine Übernahme vor. Den Aktionären wird dann angeboten, dass ihre Vorzüge in Stammaktien umgewandelt werden. Wenn vergleichsweise wenige Vorzüge gehandelt werden und das Unternehmen diese Aktiengattung ganz vom Markt nehmen will, kann es seinen Vorzugsaktionären ebenfalls einen Aktientausch vorschlagen. Voraussetzung für einen Umtausch ist, dass die Hauptversammlung einer Aktiengesellschaft dies genehmigt sowie der Vorstand und Aufsichtsrat dies beschließen. Die Vorzugsaktionäre müssen einer Umwandlung ebenfalls mehrheitlich zustimmen.

Neben einer obligatorischen Umwandlung gibt es auch einen freiwilligen Aktientausch. Dabei wird den Vorzugsaktionären häufig ein Tausch ihrer Papiere gegen stimmberechtigte Stammaktien angeboten und das Angebot zusätzlich mit einer attraktiven Umwandlungsprämie versüßt.

Fazit: Pro und Contra genau abwägen

Angesichts der zahlreichen Möglichkeiten sollten Privatanleger vor einem Kauf von Stamm- oder Vorzugsaktien ihre eigenen Interessen genau abwägen. Zwar klingt eine höhere Dividende auf den ersten Blick verlockend, dennoch sollte der Anleger sich fragen, ob er mit dem Kauf eines Anteilsscheins ein rein finanzielles Interesse verfolgt oder eher Wert auf ein Mitspracherecht an einem Unternehmen legt.

Hinweis: Dieser Beitrag soll als Information und Denkanstoß gesehen werden, nicht als Aufforderung oder Empfehlung, in Aktien zu investieren.

Autor: ING


Ihre Meinung

Kommentare (9)


Kommentare

ING

19.03.2019

Hallo Gustav, in den einzelnen Wertpapier-Suchen können Sie die Wertpapiere nach Ländern / Schwerpunkten filtern. Zum Beispiel auf der ETF-Suche: Wenn Sie 'Mehr Kriterien' anklicken, finden Sie das Feld Länder / Währungen. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Gustav

19.03.2019

Ich wollte in Finnland, Irland, Kanada, Schweden, etc. anlegen...aber unter dem Menüpunkt INVESTIEREN - REGIONEN finde ich nichts, bietet Ihr da denn nichts an?


edelmetall

06.03.2019

Bei der Schweizer Firma Roche sind seit einiger Zeit die Genussscheine (= Vorzugsaktien) ohne Stimmrecht TEURER als die Stammaktien mit Stimmrecht, und das bei gleicher Dividende. Warum eigentlich? Keine Lust auf Mitbestimmung?


ING

27.02.2019

Hallo Dr. Kerstholt, vielen Dank für Ihren aufmerksamen Hinweis. Sie haben recht - die Dividende wird noch als Prognose angezeigt, obwohl keine Dividendenzahlung beschlossen wurde. Wir haben die Korrektur bereits beauftragt. Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Kerstholt

26.02.2019

Ich würde gerne Wissen, wieso Ceconomy immer noch bei Sparpläne mit einer Div Rendite über 5% angezeigt wird?! Sie hat für letztes Jahr im Februar die Dividende gestrichen und somit eine Rendite von 0%. Dies ist schon als arglistige Täuschung zu werten, wenn sie dies nicht endlich mal Updaten! Besonders für Börsenneulinge ist dies nicht ersichtlich! Hoffe es wird schnellstens korrigiert/geupdatet.
Mit freundlichen Grüßen DR. J. Kerstholt


ING

25.02.2019

Hallo Carola, viele weitere Informationen zum Thema Quellensteuer finden Sie hier: www.ing-diba.de/kundenservice/steuern/quellensteuer/
Viele Grüße, Ihr Social Media Team


Jo

25.02.2019

Ich investiere seit vielen, vielen Jahren und habe mit Aktien, aber auch Verluste gemacht.
Verluste liegen lassen oder realisieren und anders anlegen...damit habe ich dann Gewinne gemacht.
Und "te" du wirst wohl nicht ausreichend verteilt haben....
Du solltest Sparpläne machen, mind. 3 Aktien / Firmen, mischen mit Branchen / Ländern. Und nicht mehr als 2.000 Euro. Dann andere Aktien / Firmen usw. und erst mal nicht mehr als 10 Positionen.
Dann siehst du was gut läuft und was weniger....
Und wo hast du Verluste gemacht? Sicherlich Trendaktien oder was dir einer eingeredet hat.
Ich empfehle dir Aktien, die seit Jahrzehnten auf dem Markt sind und Dividende immer bzw. fast immer zahlen.
Z.b. Siemens (deutsch), Johnson&Johnson (amis), Nestle (schweiz), ....


Carola

25.02.2019

Ein weiterer Grund, bei Aktien und der DiBa genauer hinzuschauen: Seit Februar hat die DiBa die Vorab-Ermäßigung der Quellensteuer für bestimmte Länder eingestellt. Die Diba schreibt: aus Kostengründen. D.h. bei Dividenden wird ab sofort 30% Quellensteuer abgezogen - nicht mehr nur 15 Prozent (gemäß DBSA). Alles weitere sei Sache der Kunden. Danke DiBa.


te

25.02.2019

habe in 2008 Geld in Aktien verloren seit dem bin ich vorsichtig geworden ,kaufe keine mehr.