Flughafenbetreiber verbinden Reisen mit Infrastruktur

Mann steht vor Abflugtafeln

Urlaub ist die schönste Zeit des Jahres und die Hauptreisezeit. Jedes Jahr zieht es Millionen Reisefreudiger in ferne Länder, zu beliebten Sehenswürdigkeiten oder einsamen Plätzen. Nicht zu vergessen internationale Events wie Konzerte von Superstars wie Taylor Swift oder Sportereignisse wie die Fußball-Weltmeisterschaft. Gründe zu reisen gibt es viele, ob nun geschäftlich oder zum privaten Vergnügen.

Wirtschaftsfaktor Reiseverkehr

Den Daten des Deutschen Reiseverbands e. V. (DRV e. V.) zufolge erreichte der Anteil der reisenden Bevölkerung in Deutschland 2025 mit 80,5 % ein neues Allzeithoch. 67,7 Mio. Urlaubsreisen ab einer Dauer von 5 Tagen standen dabei 116,1 Mio. Geschäftsreisen der Angestellten von Unternehmen mit Sitz in Deutschland gegenüber. Von den Urlaubsreisen gingen 77,8 % ins Ausland, vorzugsweise in Regionen, die direkt an das Mittelmeer angrenzen. Insgesamt gaben die Deutschen 2025 für Auslandsreisen 112,0 Mrd. Euro aus (2024: 107,9 Mrd. Euro). 

Der Trend steigender Ausgaben könnte sich in den nächsten Jahren fortsetzen. Denn nicht nur in Deutschland erreicht mit den Babyboomern eine breite und vergleichsweise wohlhabende Generation das Rentenalter und hat mehr Zeit zum Reisen. Selbst wenn die Inflation die Kosten erhöht, dürfte dies eher zu Abstrichen beim Komfort oder der Reisedauer führen. Darauf deutet zumindest die durchschnittliche Reisedauer der Deutschen hin, die laut 2025 mit 12,4 Tagen erneut kürzer ausfiel als in den beiden vorangegangenen Jahren.

Ausgaben für Auslandsreisen

Flugzeug bleibt beliebtestes Reisemittel

So vielfältig die Reisebedürfnisse der Menschen sind, so vielfältig sind die Möglichkeiten für Anlegerinnen und Anleger, an der Entwicklung des Reisemarkts teilzuhaben: Touristikkonzerne, Kreuzfahrtgesellschaften oder Buchungsplattformen. Nicht zu vergessen die Fluggesellschaften und die Flughäfen. 

Das Flugzeug war auch 2025 das beliebteste Verkehrsmittel für Urlaubsreisen. Rund 47 % der Deutschen wählten für ihre Reisen im vergangenen Jahr den Weg über die Wolken. Schon 2024 und 2023 rangierte das Flugzeug vor dem Auto als zweitbeliebtestes Verkehrsmittel. Allein an deutschen Flughäfen starteten und landeten im vergangenen Jahr 219,6 Mio. Passagiere. Das entspricht einem Zuwachs von 3,6 % gegenüber dem Vorjahr.

Flughafenbetreiber: Investment in die Infrastruktur von Flugreisen

Der internationale Luftfahrtverband IATA (International Air Transport Association) prognostiziert, dass sich die Zahl der Menschen, die den weltweiten Flugverkehr nutzen, ausgehend von rund 5 Mrd. Passagieren im Jahr 2025 bis 2050 auf rund 10 Mrd. Passagiere verdoppelt.

Passagieraufkommen bis 2025

Das sind aussichtsreiche Perspektiven, nicht nur für die Fluggesellschaften. Auch börsennotierte Flughafenbetreiber wie Aena, Aéroports de Paris (ADP), Fraport oder der Flughafen Zürich verdienen an steigenden Zahlen im Flugreiseverkehr. Und dies auf vielfältige Weise: Angefangen von den Gebühren für Starts und Landungen, den Passagiergebühren, über die Einnahmen von Parkplätzen, Ladenmieten und Gastronomie bis hin zu Umsatzbeteiligungen im Duty-Free-Bereich. Hinzu kommt der Frachtverkehr. Das Geschäftsmodell ist eine Kombination aus Infrastruktur-, Immobilien- und Handelsgeschäft, das an wenigen, oft monopolartigen Standorten gebündelt ist. 

Das klingt nach der Lizenz zum Geldverdienen. Doch die Branche hatte in den letzten Jahren immer wieder mit Herausforderungen zu kämpfen. Auf die Corona-Pandemie, die den Reiseverkehr zeitweilig zum Erliegen brachte, folgte eine Phase hoher Inflation, die die Reisebudgets belastete. Die Kriege in der Ukraine und jüngst im Nahen und Mittleren Osten stellen Airlines und Reiseanbieter vor die Herausforderung, Routen kurzfristig anpassen zu müssen. Zudem sind die Energiepreise durch den Iran-Krieg sprunghaft gestiegen, was sich auch beim Flugbenzin bemerkbar macht. Die Internationale Energieagentur (IEA) warnte im April 2026 sogar vor möglichen Flugstreichungen aufgrund eines Treibstoffmangels in Europa.

Fraport hat Kapazitäten erweitert

Einen solchen Mangel erwartet Stefan Schulte, Vorstandsvorsitzender des Flughafenbetreibers Fraport, nicht. In einem Interview mit dem Handelsblatt zeigte er sich zuversichtlich, dass in Europa in den nächsten Monaten genügend Kerosin zur Verfügung steht. 

Gemessen an der Zahl der Passagiere ist der Flughafen Frankfurt am Main Deutschlands größter Flughafen (2025: 63,2 Mio. Passagiere). Auch für den internationalen Flugverkehr ist Frankfurt eines der bedeutendsten Drehkreuze. Angesichts der erwarteten steigenden Passagierzahlen hat Flughafenbetreiber Fraport die Kapazitäten am Heimatstandort, der den Hauptteil des Konzernumsatzes erwirtschaftet, ausgebaut. Im April 2026 wurde das Terminal 3 am Frankfurter Flughafen in Betrieb genommen. Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV, sprach von einer hochleistungsfähigen Infrastruktur, die neue Maßstäbe in Sachen Servicequalität und Effizienz setzt. Durch die erweiterten Kapazitäten erwartet Fraport im Gesamtjahr 2026 einen Anstieg der Passagierzahlen in Frankfurt auf ca. 65 bis 66 Mio. Fluggäste. 

Neben Frankfurt betreibt Fraport Flughäfen in Brasilien, Griechenland, Peru und der Türkei. In Lima wurden die Kapazitäten ebenfalls erweitert, um künftig mehr Passagiere abfertigen zu können. Das Terminal in Lima hat mit rund 40 Mio. Passagieren in etwa die doppelte Kapazität wie das neue Terminal 3 in Frankfurt, kostete mit rund 1,8 Mrd. Euro jedoch nur rund halb so viel wie Terminal 3.

Vergleich Kursentwicklung Aena, Aeroport de Paris und Fraport
Hinweis: Historische Wertentwicklungen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Fazit

Angesichts des erwarteten weiteren Anstiegs der Flugpassagierzahlen könnten Flughafenbetreiber für Anlegerinnen und Anleger interessant sein. Schließlich verdienen die Unternehmen mit jedem Start und jeder Landung Geld. Von den in der Tabelle aufgeführten Investment-Beispielen weist die spanische Aena aktuell das niedrigste KGV und zugleich die höchste Dividendenrendite auf. 

Allerdings müssen sich Anlegerinnen und Anleger der Risiken eines solchen Investments bewusst sein. So stellen mögliche Flugausfälle infolge von Streiks bei den Fluggesellschaften ein Risiko für die Flughafenbetreiber dar, da deren Fixkosten unverändert bleiben, auch wenn weniger geflogen wird. Zudem könnte ein Umfeld allgemein steigender Preise die Buchungen von Flugreisen und das Konsumverhalten am Flughafen dämpfen. Geopolitische Konflikte stellen ein weiteres Risiko dar. Dies lässt sich an den Aktien der Flughafenbetreiber ablesen, die nach dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs ebenso wie mit Beginn des Iran-Kriegs Kursrückgänge verzeichneten. Sollte es im Zuge eines länger andauernden Konflikts mit dem Iran zu einer Kerosinmangellage kommen, dürften Fluggesellschaften gezwungen sein, Flüge zu streichen. Dies wiederum würde zu Einnahmeausfällen bei den Flughafenbetreibern führen. Den durch den Iran-Krieg entstandenen Rückgang beim Passagieraufkommen in und aus dem Nahen Osten konnte Fraport im ersten Quartal 2026 noch durch Zuwächse auf anderen Routen auffangen.

Investment-Beispiele für europäische Flughafenbetreiber:

Name ISIN  Land Kurs KGV* (2026) Gewinn/Aktie (2026**) Dividende (2026**) Dividendenrendite (2026**)
Aena ES0105046017 Spanien 24,66 EUR 16,01 1,54 EUR 1,20 EUR 4,87 %
ADP (Aéroports de Paris) FR0010340141 Frankreich 105,40 EUR 18,65 5,65 EUR 3,79 EUR 3,60 %
Flughafen Wien AT00000VIE62 Österreich 50,20 EUR 22,02 2,28 EUR 1,65 EUR 3,29 %
Flughafen Zürich CH0319416936 Schweiz 246,00 EUR 21,93 11,22 EUR 8,48 EUR 3,45 %
Fraport DE0005773303 Deutschland 67,05 EUR 18,32 3,66 EUR 1,00 EUR 1,49 %

* KGV: Kurs-Gewinn-Verhältnis; ** Prognose (Quelle: FactSet); Stand: 08.06.2026 

Autor: Steffen Droemert

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