Bio-Lebensmittel

5 Wahrheiten über den Bio-Boom

Regional, bio – und am besten auch noch unverpackt: Immer mehr Verbraucher und Verbraucherinnen achten auf Qualität und Nachhaltigkeit, wenn es um Lebensmittel geht. Sie geben dafür auch immer mehr Geld aus. Aber ist bio gleich bio und automatisch besser fürs Klima? Und ist es eigentlich gut, dass Bio-Produkte so günstig im Supermarkt angeboten werden? Fünf Wahrheiten über den Bio-Trend.

1. Der Bio-Markt boomt

Der Bio-Boom ist keineswegs vorbei. Noch immer sind ökologische Produkte im Trend. Und wie! Der Umsatz des Lebensmittelhandels stieg laut Bund für Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) mit Bio-Lebensmitteln und -Getränken im Jahr 2021 um 6,8%. Und die ökologisch hergestellten Produkte lassen sich Konsument*innen auch etwas kosten: Sie gaben dafür vergangenes Jahr rund 15,87 Milliarden Euro aus.

2. Bio ist nicht gleich bio

Im Handel gibt es eine große Auswahl an Bio-Produkten. Aber Achtung: Bio ist nicht gleich bio! Es gibt eine Vielzahl an Siegeln, die für jeweils unterschiedliche Anforderungen stehen. Die Verbraucherzentrale gibt hier einen Überblick.

  • Das EU-Bio-Logo:
    Alle verpackten Bio-Lebensmittel, die in der EU produziert werden, müssen dieses Logo tragen – und zwar verpflichtend. Das sechseckige deutsche Bio-Siegel hingegen richtet sich zwar nach vergleichbaren Richtlinien, ist aber freiwillig für unverpackte Bio-Ware oder für importierte Bio-Lebensmittel aus nicht EU-Ländern. Produkte, die das EU-Bio-Siegel tragen, müssen u. a. aus Zutaten bestehen, die zu mindestens 95% aus ökologischem Landbau kommen. Außerdem muss auf Gentechnik und chemisch-synthetische Pflanzenschutz- sowie Düngemittel verzichtet werden.
  • Siegel von Anbauverbänden: 
    Neben dem EU-Bio-Logo gibt es aber auch noch Siegel von deutschen Bio-Verbänden. Der Unterschied: Oft sind die Anforderungen hier noch strenger. Beim Bioland-Siegel zum Beispiel dürfen pro Hektar Fläche nur 140 Legehennen gehalten werden. In der Richtlinie des EU-Bio-Logos sind hingegen pro Hektar 230 Legehennen erlaubt. Andere Siegel, die Verbraucher in deutschen Regalen finden, sind zum Beispiel „Naturland“, „Demeter“ oder „Ecoland“.

3. Bio ist nicht per se besser fürs Klima

Bio hat einen guten Ruf und viele Verbraucher*innen sind sich sicher: Bio-Produkte sind besser fürs Klima. Aber ist das wirklich so? „Bei einer pauschalen Beurteilung ‚bio ist besser’ bin ich nicht dabei“, sagt Hans Marten Paulsen vom Thünen-Institut für Ökologischen Landbau. Es gebe zwar durchaus Klima-Vorteile beim ökologischen Anbau – zum Beispiel, dass kein Stickstoffdünger eingesetzt und dadurch weniger klimaschädliches Lachgas ausgestoßen wird. Doch pro Kilogramm Getreide oder Milch nehmen sich die Treibhausgas-Emissionen im Vergleich zwischen ökologischen und herkömmlichen Betrieben zum Beispiel nicht viel, erklärt der Wissenschaftler.

4. Bio ist kein Nischenprodukt mehr

Längst ist der Bio-Trend auch bei den Discountern angekommen. Und die Supermärkte weiten ihr Angebot immer weiter aus. 2019 hat etwa Edeka einen eigenen Fachmarkt eröffnet: „Naturkind“. Die Handelskette will damit „einen neuen Kundenstamm erreichen“, sagt der Geschäftsführer Edeka Nord Stefan Giese. Doch auch der Discounter Lidl will sich in Sachen Bio behaupten und startete eine Zusammenarbeit mit dem Bioland-Verband, dessen Vorgaben weit über die EU-Bio-Richtlinien hinausgehen.

5. Bio im Discounter kann Fluch und Segen zugleich sein

Eine 200-Gramm-Bio-Schnittkäse-Packung für unter 2€ oder eine 6-er Packung Bio-Eier für 2,49€: Das sind aktuelle Preise bei Aldi-Süd. Doch ist es überhaupt gut, dass Bio so günstig angeboten wird? Felix Prinz zu Löwenstein, BÖLW-Vorsitzender, sieht es positiv, dass Öko-Produkte überall im Regal stehen: „Bio ist gesetzlich definiert und geschützt – egal, wo Sie es kaufen, ist Bio drin, wo Bio draufsteht. Unser Anliegen ist eine durchweg enkeltaugliche Landwirtschaft und Ernährung. Das geht nur, wenn man Bioprodukte überall kaufen kann.“

Er warnt dennoch davor, dass man Bio nicht „verramschen“ dürfe, sonst gefährde man dieses Ziel. Aber: Wenn es mehr davon gebe, steigen auch die Größeneffekte und die Preise sinken. Den klassischen Naturkosthandel sieht er dadurch nicht bedroht: „Er behält trotzdem seine Bedeutung – durch größere Auswahl, Beratungskompetenz und sein Engagement beispielsweise in regionaler Zusammenarbeit mit Bauern“, sagt der Experte.

Doch nicht alle sehen die Ausweitung der Bio-Produkte beim Discounter nur positiv. Ein mögliches Problem: ein verstärkter Preiswettbewerb. „Der Naturkostfachhandel steht seit jeher dafür ein, dass gute Lebensmittel ihren Preis haben müssen. Ökologische Lebensmittel werden ohne den Einsatz von Pestiziden und Nitratdünger produziert. Das ist umweltfreundlicher, aber auch arbeitsintensiver und entsprechend teurer“, erklärt Kathrin Jäckel, Geschäftsführerin des Bundesverbands Naturkost Naturwaren (BNN). Sie hofft für die Zukunft, dass das Wachstum von Bio im Lebensmittelhandel zu einem neuen Bewusstsein für echte Qualität und angemessene Preise führt.

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