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Börsengang

Reif für die Börse? Wie sich Unternehmen am Aktienmarkt platzieren

Viele Startups und mittelständische Unternehmen träumen davon, am Aktienmarkt einzusteigen und dort frisches Kapital einzusammeln - um weiter wachsen und mit der Konkurrenz Schritt halten zu können. Doch wie funktioniert überhaupt ein Börsengang?

Ein Börsengang spült frisches Kapital in die Kasse, steigert den Bekanntheitsgrad und macht unabhängiger von Kreditgebern – darauf hoffen viele Startups und mittelständische Unternehmen, wenn es sie an den Aktienmarkt zieht. Doch nicht nur die Hoffnungen sind groß, der Aufwand ist es auch. „Für mittelständische Unternehmen ist der Einstieg in den Aktienmarkt zweifelsohne ein großer Schritt“, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) mit Sitz in Düsseldorf.

Ein Börsengang verschlingt vergleichsweise viel Geld und kostet Zeit – mit bis zu einem Jahr müssen Unternehmen rechnen. Um überhaupt über einen Einstieg in den Aktienmarkt nachdenken zu können, sollte ein Unternehmen:

  • seit einigen Jahren am Markt präsent sein
  • ein etabliertes Geschäftsmodell vorweisen können

Zulassungsvoraussetzungen für den Börseneinstieg

Diese beiden Bedingungen allein reichen aber nicht für einen erstmaligen Börsengang, der im Fachjargon IPO heißt. Die drei Buchstaben stehen für „Initial Public Offering“, also das erste öffentliche Angebot. Um festzustellen, ob ein Unternehmen überhaupt für die Börse geeignet ist, wird in der Regel ein unabhängiger IPO-Berater mit einer Analyse beauftragt. In den Blick zu nehmen sind dabei Stärken und Schwächen des Unternehmens, die Wettbewerbssituation und das Börsenumfeld. Ein Unternehmen sollte in der Lage sein, sämtliche gesetzlichen, wirtschaftlichen und organisatorischen Anforderungen eines Börsengangs umsetzen zu können.

Banken mit ins Boot holen

Teilhaber, die mit ihrem Unternehmen in den Aktienmarkt einsteigen möchten, brauchen Partner. Das sind Banken – entweder eine oder auch mehrere. Ihre Aufgabe: Sie begleiten das Unternehmen bei seinem Börsengang. Die Geldinstitute unterbreiten dem Unternehmen Angebote, äußern ihre Vorstellungen. Nach Abschluss der Verhandlungen treffen die Teilhaber nun eine Entscheidung. Sie legen fest, welche Bank als Konsortialführer den Börsengang federführend leitet. Daneben beteiligen sich oft noch weitere Banken an der geplanten Emission.

Das Unternehmen und den Börsengang bekannt machen

„Im nächsten Schritt geht es darum, bei den Kapitalmarktteilnehmern Interesse an dem Unternehmen zu wecken“, sagt Kurz.

Mal angenommen, ein mittelständischer Maschinenbauer strebt an die Börse. Das Management dieses Hauses sucht nun das Gespräch mit institutionellen Investoren. Mit der Veröffentlichung von Unternehmensdaten in den Medien bemüht sich die Maschinenbau-Firma zudem, das Interesse von Privatanlegern zu wecken.

Den Preis festlegen

Die Frage, zu welchem Preis ein Unternehmen seine Aktien anbietet, hängt von zwei Faktoren ab:

  • vom geschätzten Wert des Unternehmens
  • von der aktuellen Marktlage an den Börsen

Aktien können zu einem Festpreis verkauft werden. Daneben ist es auch möglich, eine Preisspanne festzulegen. Dies erfolgt über ein sogenanntes Bookbuilding- oder Auktionsverfahren. Bei der Auktion geben die Investoren an, wie viel Geld sie für eine Aktie maximal zahlen würden. Der Schnitt dieser Gebote ist dann der Emissionskurs. „Die Preisspanne nennt einen Minimum- und einen Maximumpreis, wobei der niedrigere Wert zumeist schon eine echte Schmerzgrenze für das jeweilige Unternehmen ist“, so Kurz.

Beispielsweise könnte die Maschinenbau-Firma für eine einzelne Aktie eine Preisspanne zwischen 10 und 15 Euro festlegen.

Aktien zuteilen und zeichnen

Sobald der Preis oder die Preisspanne feststehen, werden die Aktien öffentlich zur Zeichnung angeboten – der Tag des Börsengangs ist gekommen.

Wie der erste Tag an der Börse abläuft, darüber informiert etwa die Deutsche Börse auf ihrer Website.

Anleger äußern sich innerhalb einer festgelegten Frist, wie viele Aktien sie zu welchem Preis kaufen möchten. Die Zuteilung der Papiere erfolgt kurz vor dem offiziellen Börsengang zum Emissionspreis. Am Tag des Börsengangs selbst werden die Aktien des Unternehmens dann erstmals an der Börse gehandelt. Es kommt zur sogenannten Erstnotiz. Das ist der erste amtlich festgestellte Kurs für die Aktien.

Zurück zum Beispiel Maschinenbauer: Angenommen, am ersten Handelstag wird um 9.07 Uhr mit 16,10 Euro der erste Kurs ermittelt, der leicht über dem Maximumpreis liegt. In den ersten Tagen und Wochen nach dem Börsengang können dann die Aktien des Maschinenbauers wieder fallen, bevor sie langfristig wieder zulegen.

Und wie geht es nach dem Börsengang weiter?

Der Erlös, der durch den Börsengang erzielt wurde, steht dem Unternehmen zur Verfügung. Im Gegenzug werden alle neuen Teilhaber am Gewinn oder Verlust der Aktiengesellschaft beteiligt. Das Unternehmen hat nun Zugang zum Kapitalmarkt. Entwickelt sich das Unternehmen positiv, kann es sich über die Börse frisches Geld beschaffen, in dem es mittels einer Kapitalerhöhung neue Aktien platziert. 

Was an den Aktienmarkt strebende Unternehmen beachten sollten: Nicht nur die Vorbereitung des Börsengangs an sich ist teuer. Im Zuge der Börsennotierung kommen weitere Kosten hinzu, etwa für die Durchführung von Hauptversammlungen, die Einhaltung von Transparenzvorschriften oder die Gebühren für die Börse.

Stichwort Börse: Denken Sie bei Long Straddle an einen Cocktail? Dann schauen Sie doch mal in unserem Börsen-Lexikon vorbei.

Autor: ING