E-Autos: Schnelle Technikentwicklung belastet Gebrauchtwagenmarkt

Auch junge gebrauchte Stromer können gefördert werden

Eine Million zugelassene Elektro-Autos in Deutschland – diese Marke wurde im Sommer dieses Jahres zum ersten Mal erreicht. Die Zahl enthält allerdings auch Hybrid-Fahrzeuge und war eigentlich schon für 2020 angepeilt worden.

Rund 25.000 Elektroautos im Angebot

Je mehr E-Autos es gibt, desto mehr gebrauchte kommen auch auf den Markt. „Allein in den zurückliegenden zwölf Monaten ist die Zahl der auf der Plattform angebotenen E-Autos um fast 80 % gestiegen“, berichtet Christian Maas von der Online-Plattform mobile.de. Im Oktober 2021 wurden rund 25.000 gebrauchte reine E-Autos angeboten. Im Vergleich zu Oktober 2019 sei dies ein Anstieg um mehr als 220 %.

Auch bei den Angebotspreisen haben die Stromer zugelegt. „Der durchschnittliche Inseratspreis ist seit Oktober 2019 um 14,4 % gestiegen“, sagt Maas. „Allein im Vergleich zu 2020 haben wir diesen Oktober nochmals eine deutliche Preissteigerung um 22,5 % beobachtet.“

Prämie für Neuwagen setzt Gebrauchtpreise unter Druck

Allerdings haben es gebrauchte Elektromobile derzeit bei den tatsächlichen Verkaufspreisen schwer. Staat und Hersteller bezuschussen mit insgesamt bis zu 9.000 Euro den Kauf eines vollelektrischen Neuwagens.

Bei jungen Gebrauchten, die nicht älter als zwölf Monate sind und maximal 15.000 Kilometer zurückgelegt haben, gibt es noch bis zu 7.500 Euro Prämie.

  • Wichtig: Voraussetzungen in beiden Fällen ist, dass der Wagen auf der Förderlistedes Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) steht.

Noch bis 2025 wird diese sogenannte Innovationsprämie ausgezahlt.

Lieber länger fahren und nicht verkaufen?

„Die aktuell geltenden hohen Förderprämien sorgen in der Tat dafür, dass sich das Preisgefüge vor allem bei kleineren und damit günstigeren E-Autos verschiebt und die bereits am Markt befindlichen Fahrzeuge zusätzlich unter Druck setzt“, sagt Martin Weiss von der Deutschen Automobil Treuhand (DAT). Eine DAT-Analyse bestätigt den Preisverfall: Hier liegt der Restwert eines drei Jahre alten E-Autos aktuell nur noch bei 50,7 % des Neupreises, während Diesel und Benziner weiterhin auf stabile 53,1 beziehungsweise 55,8 % kommen.

  • Gut zu wissen: Weiss rät verkaufswilligen E-Auto-Besitzer*innen, ihren Wagen im Zweifel doch noch etwas länger zu fahren oder aber einen harten Schnitt zu machen und gegen einen geförderten Neuwagen zu tauschen.

Schnelle Fortschritte bei der E-Technik

Ein weiterer Grund, warum ältere Stromer schwer zu verkaufen sind, betrifft die Technik. „Gerade bei E-Autos geht die technische Entwicklung enorm schnell voran“, sagt Stefan Bratzel vomAuto-Institut CAM. Das betreffe vor allem die Batterie- und Ladetechnik. So dauere es bei älteren Modellen oft deutlich länger, den Akku aufzuladen.

  • Tipp: Kaufinteressierte sollten beispielsweise darauf achten, dass ein Fahrzeug mehrphasig laden könne und möglichst auch über eine Schnelllademöglichkeit verfüge.

Reichweite – das entscheidende Merkmal eines E-Autos

Die Reichweite ist für viele mit das Wichtigste beim Kauf eines E-Autos. Das zeigte auch eine Umfrage von mobile.de Anfang dieses Jahres. „Nur 1,6 % der Befragten erachten die aktuellen durchschnittlichen Reichweiten der Stromer als ausreichend“, betont Christian Maas. Für 58,4 % sei die Reichweite entsprechend der wichtigste Aspekt eines E-Autos. Gleichzeitig wünschen sich auch 60,6 %, dass die E-Autos in Zukunft mehr Kilometer schaffen und die Ladezeiten kürzer werden. Dann steige auch die Bereitschaft zu einem Kauf.